Bundesliga: RB Leipzig vs. Borussia Dortmund 1:0

Erstes Bundesligaheimspiel von RB Leipzig. Mit ganz viel Gewimmel. Und ausverkauftem Haus. Und Topspiel der Woche gegen den Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund.

Witzigerweise trat RB Leipzig zum Heimstart in der Bundesliga praktisch mit der Elf an, die letzte Saison noch in der zweiten Liga gespielt hatte. Timo Werner stand als einziger Neuzugang in der Startelf. Eigentlich und vor allem angesichts der 50 Millionen Euro, die man im Sommer in Transfers gesteckt hatte, eine schöne Anerkennung für das alte Team.

Ralph Hasenhüttl erklärte die Formation damit, dass ihm Automatismen wichtiger gewesen seien, als die möglicherweise größere indiviudelle Klasse der Neuzugänge. Neu ins Team gegenüber dem Hoffenheim-Spiel rückte entsprechend nur Olympia-Rückkehrer Lukas Klostermann.

Auf Dortmunder Seite hatte sich Thomas Tuchel dafür entschieden, Mario Götze für den verletzten Kagawa auf der Zehn zu bringen (alles andere wäre wohl auch ziemlich absurd gewesen). Pisczcek ersetzte rechts hinten den jungen Passlack. Und Julian Weigl kam zur Stabilisierung des Passspiels in die Mittelfeldzentrale, sodass Castro rechts den pfeilschnellen Dribbler Dembélé ersetzen konnte.

RB Leipzig trat im gewohnten 4-2-2-2 an, das eigentlich relativ perfekt auf das Dortmunder 4-2-3-1 passte, weil die vier Spieler in der Offensive gut geeignet waren, die Dortmunder Viereraufbaureihe um Innenverteidigung und Außenverteidiger in ihrer Breite zuzustellen. Wobei insbesondere Pisczcek sich öfter offensiv orientierte und dann Rode seine Rolle rechts hinten im Passspiel übernahm.

Wichtig nicht nur, die vier Spieler hinten gut zuzustellen, sondern vor allem Julian Weigl auf der Sechs als zentralem Motor der Passmaschine BVB, die sich eigentlich sonst von hinten über den Gegner wälzt, aus dem Spiel zu nehmen. Das gelang ziemlich gut, weil Werner oder Poulsen immer wieder den Schritt zurückmachten und Weigl direkt auf den Füßen standen oder einfach im Passweg zwischen Innenverteidigung und Sechser standen. Weigl versuchte sich dem zwar auch immer wieder zu entziehen, so richtig konsequent und konstant gelang das aber nicht.

Dadurch dass man Weigl ganz gut aus dem Spiel nahm, wurde das Passspiel des BVB eigentlich über die komplette Spielzeit, aber mit zunehmender Spielzeit noch stärker, relativ unruhig. Nicht nur, dass immer wieder auch Ballgewinne in der BVB-Hälfte für die RasenBallsportler drinlagen, konnte der Gast insgesamt nicht so dominant agieren, wie er das eigentlich wollte. Es gab immer mal wieder Situationen, in denen man den Ball an den RB-Strafraum bekam oder Schürrle, Castro oder später Dembélé mit ihrer Geschwindigkeit einsetzen konnte.

Aber das war eher selten und um konkrete Torgefahr herzustellen, fehlte es dann auch beim Spiel in den Strafraum. Dass Aubameyang über seine fast 90 Minuten praktisch komplett abgemeldet war (19 Ballkontakte, ein Torschuss, der daneben ging, 29% Zweikampfquote) und der BVB nur einmal in 90 Minuten überhaupt einen Schuss abgab, der aufs Tor ging und das in der Nachspielzeit der Partie (wurde von Compper übers Tor geköpft), ist eine mehr als deutliche Aussage zu dem, was Dortmund so am Leipziger 16er zustande brachte. Und auch ein deutliches Kompliment für das, was die RasenBallsportler in ihr Spiel gegen den Ball und ihre Defensivarbeit investierten.

Genau darum war es Hasenhüttl vor der Partie gegangen. Den Gegner erst mal durch Kompaktheit vom Torerfolg abhalten. Als gut funktionierendes System arbeiten. Wobei dieses funktionierende System in der Anfangsphase der Partie noch ein wenig nervös wirkte und diverse Standards in Form von Freistößen und Ecken zuließ. Ein Schuss von Schürrle, der abgefälscht knapp am Tor vorbei ging, war die direkte Folge dieser vielleicht zehn Anfangsminuten, die sich fast ausschließlich in der RB-Hälfte abspielten.

So schön kann Fußball sein. Kollektiver Jubel nach dem 1:0 von RB Leipzig gegen Borussia Dortmund. | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Doch mit jeder gelungenen Abwehraktion, mit jedem guten Anlaufen und Druck ausüben in vorderster Reihe spielte sich RB Leipzig besser in die Partie, sodass der Rest der ersten Hälfte praktisch auf Augenhöhe verlief. Wobei man Dortmund schon auch anmerkte, dass sie mit dem Ball am Fuß eine höhere Qualität haben und abgeklärter agieren können als RB. Denn während Leipzig den einen oder anderen Umschaltmoment eher wild und ungenau ausspielte oder an der meist aufmerksamen und guten Innenverteidigung aus Sokratis und Barta scheiterte, hatte der BVB doch noch den einen oder anderen spielerischen Geistesblitz. Wobei die Bilanz mit einem Aubameyang-Ableger nach Flanke und mit einem brandgefährlichen Schürrle-Schuss von der Strafraumgrenze überschaubar blieb.

Auf der anderen Seite waren es ein, zwei Standards, bei denen kurz vor der Halbzeit so etwas wie Torgefahr entstand. Dazu kam eine gute Werner-Chancen nach schnellem Spiel, die aber durch einen eher harmlosen Abschluss zunichte gemacht wurde. Und der größten Chance fehlte der Torabschluss, weil das Werner-Abspiel auf den am Fünfmeterraum völlig freien Poulsen zu ungenau war. Das 0:0 zur Pause ging in Ordnung, auch wenn Dortmund das dominantere und auch eine Idee bessere und reifere Team war.

In der zweiten Halbzeit brauchte RB Leipzig erstmal ein paar Minuten, um wieder in die Partie zu finden. In dieser Phase wurde viel mit dem Schiedsrichter gehadert. Vor allem von Publikumsseite, aber auch von den RB-Spielern. Anschließend fing man sich und hatte das Spiel nun komplett unter Kontrolle, weil man das Passspiel über Weigl abgeschnitten hatte und die sonstigen Bälle Richtung Offensive relativ problemlos abfing. Allerdings passierte auf RB-Seite offensiv auch praktisch nichts gefährliches.

Es war bei weitem kein langweiliges, es war ein intensives Spiel, dem aber bis tief in die zweite Hälfte komplett die Offensivszenen fehlten. Das Signal zum Ändern gaben Wechsel auf beiden Seiten. Auf RB-Seiten kamen mit Forsberg und Burke zwei frische Offensivkräfte bis zu 70. Minute. Auf BVB-Seite war es vor allem Dembélé, der in den letzten 20 Minuten noch mal für viel Schwung sorgte.

Dass es noch mal schwungvoll wurde, lag auch daran, dass nach den Wechseln auf RB-Seite die Abstimmung in der vordersten Pressinglinie phasenweise nicht mehr ganz so gut passt. Neuzugang Oliver Burke merkte man schon auch an, dass ihm in Sachen Spiel gegen den Ball nach Hasenhüttl-Art noch mal ein paar Trainingseinheiten fehlen. Forsberg ist zudem nicht unbedingt der herausragende Akteur bei der Balljagd. Sodass Dortmund nun besser in Situationen kam, in denen sie mit dem Ball tatsächlich mal durchs Mittelfeld spazieren konnten.

Die Einwechslungen hatten auf RB-Seite aber auch den Effekt, dass man offensiv nun noch mal anziehen konnte, sodass man zeitweise und im Vergleich zu den 70 Minuten davor dann den Eindruck eines relativ offenen Schlagabtauschs haben konnte. Werner schoss dabei aus spitzem Winkel neben das Tor. Und Halstenbergs Kopfball nach Standard wurde auf der Linie geklärt.

Die Pointe des Spiels wurde dann in den letzten zehn Minuten geschrieben. Vielleicht sollte es an diesem historischen Tag einfach so sein, dass RB über die Pointe mehr lachen konnte. Wenn Schürrle nach 83 Minuten den Ball aus 16 Metern statt an die Oberkante der Latte ins Tor befördert hätte, hätten allerdings wohl die Dortmunder das Lachen auf ihrer Seite gehabt und vermutlich hätten dann alle (so vermutete auch Thomas Tuchel nach dem Spiel) über effektive Dortmunder mit den Qualitäten einer Spitzenmannschaft gesprochen. Vorausgegangen war der Chance ein Fehlpass von Demme in die Offensive, zwei ins leere laufende Grätschen und eine komplett verweiste Zentrale, in der Klostermann quasi gegen drei Dortmunder verteidigte.

So blieb halt Zeit für die RB-Pointe, die dann in der ganz klassischen Version geschrieben wurde. Sprich Balleroberung in des Gegners Hälfte durch Halstenberg (mit leichtem Verdacht eines Handspiels, aber auch einigem, was gegen Strafhaftigkeit oder überhaupt Hand spricht). Schneller Pass zehn Meter weiter in die Tiefe auf Forsberg. Der setzt den nach seiner Einwechslung bei den Offensivaktionen sehr starken Burke ein, der sich rechts im Strafraum durchsetzen kann und den ebenfalls eingewechselten Keita bedient, der aus fünf Metern den Ball unter die Latte befördert und das Spielfeld und die Red Bull Arena in ein Jubelmeer verwandelt.

Alle drei Einwechselspieler am Tor direkt beteiligt. Besser kann man nicht wechseln. Einerseits. Andererseits sieht man darin auch die Qualität dessen, was da so bei RB Leipzig auf der Bank rumsaß im Spiel gegen Dortmund. Der Gast muss sich hinsichtlich des Gegentors wiederum vorwerfen lassen, dass man in Überzahl nicht gut verteidigt hat. Selbst wenn man das Anspiel nach innen von Burke zulässt, darf Keita am Fünfmeterraum nicht zwischen vier Borussen so frei hindurchmarschieren.

Sollte dem Heimteam aber egal sein, die sich über die restlichen Minuten zitterten und noch den erwähnten Ramos-Abschluss in der Nachspielzeit überstehen mussten, bevor sie den angesichts der zweiten Hälfte, in der man das etwas bessere Team war, weil man Dortmund lange keien Freiräume zugestand und die größere Zahl an Torgelegenheiten hatte, nicht unverdienten Sieg auch gebührend zu feiern.

Fazit: Eigentlich muss man sich so eine Geschichte wohl ausdenken. Beim ersten Bundesliga-Heimspiel des Vereins die deutsche Nummer 2 bei einem einzigen Schuss aufs Tor in 90 Minuten zu halten und in der 89. Minute den Siegtreffer zu erzielen, um dann feiernd in die Nacht zu reiten. Die Jubeltraube nach dem Siegtreffer in einem kollektiven Stadiontaumel sprach Bände, was die Emotionalität dieses Sieges anging. Ein Sieg, der eine Folge des lange sehr guten, sehr kompakten, aber auch recht schlauen, weil nicht (wie anfangs in Hoffenheim) überdrehenden Spiels gegen den Ball, war. Ein Sieg, der (wie schon der Punkt in Hoffenheim) gezeigt hat, dass RB Leipzig gegen Ballbesitzteams ordentliche Lösungen hat. Wenn man selbst einen sehr guten Tag hat und der Gegner einen eher nicht so guten, dann reicht es sogar für ein Champions-League-Team. Aber mit dieser Intensität kann man wohl erstens nicht 34 Spiele bestreiten. Und zweitens werden Teams kommen, die den Ball nicht haben wollen. Auch dafür braucht es dann Lösungen. Aber das ist Zukunftsmusik. Im Hier und Jetzt steht ein 1:0 von RB Leipzig gegen Borussia Dortmund auf der Ergebnisliste des 2. Spieltags in der Bundesliga. Und das ist in Leipzig dann doch gleichbedeutend mit sportlichem und emotionalen Ausnahmezustand.

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Randbemerkung 1: Schöne Choreo vor dem ersten Bundesligaheimspiel zum 60. Geburtstag des Zentralstadions aka der heutigen Red Bull Arena. Mit geteiltem Bild, in dem in der einen Hälfte die alte Schüssel mit ihren Flutlichtmasten abgebildet und mit der anderen Hälfte verbunden wurde, die die 2004 eingeweihte, neue Schüssel zeigte. Drüber das Wort „Zentralstadion“, was bei RB Leipzig sonst eher verpönt ist und drunter ein „60 Jahre bist du alt und endlich wieder erstklassig“.

Choreo zum ersten Bundesligaheimspiel zu 60 Jahren Zentralstadion. | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Randbemerkung 2: Passend zur Choreo wurde zum Heimspiel gegen Dortmund erstmals die Initiative 60plus mit einem Flyer aktiv. Angelehnt an den Ehrentag des Stadios ist die verbindende Klammer zwischen Gruppen und Einzelpersonen der Initiative, dass man sich wünscht, noch lange ein Stadion im Herzen der Stadt Leipzig zu haben. Die Initiative ist entsprechend auch ein Versuch, den emotionalen Anteil zu betonen, die in einer Entscheidung für einen Verbleib im aktuellen Stadion oder für einen Umzug in fernere Stadtregionen oder an den Autobahnring drinstecken, und eine Plattform und ein Sammelbecken zu sein, worüber man den bei manchem vielleicht nur diffusen Gedanken äußern oder überhaupt erst durchdenken kann. Es geht dabei nicht darum, Pro- und Contrafraktionen zu erschaffen, sondern einfach eine Auseinandersetzung darum zu ermöglichen, was das Stadion den RB-Besuchern seit 2010 warum bedeutet. Ist also eher eine Einladung dazu, sich mit seinem eigenen Verhältnis und der Art der Bindung zum Stadion auseinanderzusetzen und dies als wichtigen Punkt in die anstehende Vereinsentscheidung über die Stadionzukunft einzubringen. Der aktionistische Flügel der Initiative wird in den kommenden Wochen und vielleicht Monaten auf dem einen oder anderen Wege das Thema immer noch mal wieder ins Gespräch bringen. Wer direkten Gesprächs- oder Teilnahmebedarf hat, wende sich vertrauensvoll an initiave60plus[at]gmx.de. Wer einen eher auf die Sachebene zielenden Text mit subjektiven Anmerkungen lesen will, wird hier im Blog auch fündig.

Initiative 60plus

Randbemerkung 3: Erstes Bundesligaheimspiel. Beste Bundesligastimmung. Vor dem Spiel durfte man etwas befürchten, dass die ordentlich in den Heimbereichen (selbst in einem der als RB-Fanblock gekennzeichneten Bereiche hinter dem Tor in Gästeblocknähe) verstreuten BVB-Anhänger ein wenig das Tragen der Stimmung durch das Stadion verhindern, aber das war eigentlich schon kurz vor dem Anpfiff wieder vergessen, da sich das Publikum in bester Feierstimmung präsentierte und früh klar machte, dass das erste Heimspiel auch wirklich ein Heimspiel werden wird. Die Dramaturgie des Spiels trug dann natürlich erheblich dazu bei, dass die Stimmung nicht gekillt wurde. Auch die Zuschauer hatten irgendwann ein gutes Gespür dafür, dass überraschenderweise mehr drin ist als ein Punkt. Die Explosion des Stadions nach dem 1:0 ein großartiges Schauspiel, das es so letztmals beim Coltorti-Tor gegen Darmstadt im Frühjahr 2015 gab.

Randbemerkung 4: Zur großartigen Gesamtlage trug auch ein völlig entspanntes Spieltagsumfeld bei. RB- und BVB-Fans bunt gemischt in Straßenbahnen, auf den Straßen, an den Biertischen rund um das Stadion und sogar im RB-Fanshop. Wenn man bedenkt, was im Vorfeld der Partie so an Brimborium und Rivalität aufgebauscht wurde, dann war der Spieltag selbst die perfekte Antwort auf sehr viel Quatsch in der Vorberichterstattung.

Randbemerkung 5: Zum Grad der Entspannung trug sicherlich auch die Abwesenheit der am heftigsten RB ablehnenden BVB-Fangruppierungen bei. Im Gästeblock, in dem dem Augenschein nach ziemlich sicher nicht die möglichen über 4.000 Menschen drin waren (zumindest war er leerer als zu früheren Ausverkauft-Gelegenheiten), führte dies dann aber auch dazu, dass man eher das Gefühl von Münster oder Osnabrück aus Drittligazeiten hatte. Sprich, es war im Gästeblock abgesehen von ein paar kleineren Versuchen, sich am Spiel zu beteiligen, ziemlich arg ruhig. Machte letztlich nicht viel aus Heimsicht, weil man ja nicht wegen des Gästeblocks ins Stadion gegangen war, soll aber doch nicht unerwähnt bleiben.

Randbemerkung 6: Egal ob es nun ein Boykott war oder ganz betont kein Boykott, sondern nur eine Abwesenheitsentscheidung (Wieso ist es eigentlich kein Boykott oder meinetwegen Teilboykott, wenn man öffentlich erklärt, dass man aus bestimmten Gründen nicht nach Leipzig fährt und ein Alternativprogramm auf die Beine stellt, dem man sich gern anschließen kann?). In Dortmund wurde man ja auf verschiedenen Kanälen (wühle sich wer mag, durch die Pressemeldungen hier im Blog, da ist das ja alles dokumentiert) nicht müde, seinen erheblichen Unfrieden mit Red Bull und Leipzig zu verbalisieren. Nun ja, ist ja im achten Jahr RasenBallsport nicht unbedingt neu und auch die Argumente erneuern sich nicht (auch wenn es für jene, die sie äußern neu sein mag). Auffällig bleibt, dass mit steigenden Spielklassen die Selbstverliebtheit in der Abgrenzung immer größer wird und man seine Kritik am Ende als Selbstgespräch organisiert, in dem es nur noch darum geht, dass coole Jungs, die im Gegensatz zu den ganzen uncoolen Jungs vor allem in Leipzig auch noch ganz furchtbar kritisch sind, mal erklären, wie das im wirklichen Fußball so alles richtig ist. Mal von allem anderen und inhaltlichen Differenzen abgesehen, ist es diese Attitüde, die einem furchtbar auf die Nuss geht, weil da Leute stehen, die ihr Bescheidwissen über irgendjemanden weit weg demonstrieren, aber eben nichts wissen wollen. Es ist eine Art der Herangehensweise, die eine Diskussion von vornherein verunmöglicht, weil sie auch nicht gewollt ist. Entsprechend ist man auch nicht kritisch, sondern nur selbstvergewissernd identitär. Und dann ist es halt so und bleibt eben nur eine Randbemerkung.

Randbemerkung 7: Die Sticheleien auf offizieller Ebene zwischen den Klubs waren im Vorfeld auch Thema. Wobei der BVB auf oberster Ebene jenseits der ja durchaus nachvollziehbaren Absage an einen gemeinsamen Begegnungsschal (und einem laut Sky abgesagten Mittagessen mit der RB-Spitze) eigentlich recht zurückhaltend mit dem Spiel in Leipzig umging. Die Leipziger Aktion, gelbe Klamotten gegen ein kostenloses RB-Premieren-Shirt zu tauschen, war durchaus eine gelungene. Vom Stil, Unterton und Erfolg bei den Anhängern her. Die Nummer mit dem gelben Audi mit der Beschriftung „Käufliche Liebe“ vor dem Fanshop war dann schon ein Stück jenseits der berühmten Linie. Auch eine gelbe Wand aus Red-Bull-Dosen in der Stadt aufzubauen, hinter der sich dann nach Wegnehmen der Getränke durch Passanten ein „Leipzig ist rot-weiß“ verbarg, war zwar in seinem bildlichen Ansatz nett, aber in seiner Energygetränk-Lastigkeit eher seltsam. Und ob man nun wirklich zur Bundesligapremiere in der Stadt Popcorn verteilen muss, sei auch mal dahingestellt. Manchmal wäre weniger Aktionismus auch mehr und die Klamottentauschaktion wäre eigentlich ein schöner kleiner, aber treffender Schlusspunkt in Sachen Spitzen von A nach B und zurück gewesen.

Randbemerkung 7: Auffällig zu diesem frühen Saisonzeitpunkt, dass an drei RB-Ligatoren sechs verschiedene Spieler beteiligt waren. Darunter drei Neuzugänge. Könnte schon mal ein erster Hinweis darauf sein, dass man offensiv durchaus sehr flexibel agiert und aus vielen Positionen zum Erfolg kommt. Breite ist diesbezüglich durchaus wichtig. Wobei ein, zwei Offensivleuchttürme auch nicht schaden könnten.

Randbemerkung 8: Auffällig auch, dass RB Leipzig wie schon in Hoffenheim deutlich weniger Ballbesitz als der Gegner hatte und ein hoher Anteil der Pässe ins vordere Drittel gehen oder im vorderen Drittel gespielt werden. Mehr als doppelt so viele Pässe galten gegen den BVB dem vorderen Drittel als im Verteidigungsdrittel gespielt werden, während der BVB bspw. in beiden Dritteln ungefähr genauso oft den Ball bewegte. Die Taktik gerade gegen Mannschaften, die wie Hoffenheim und der BVB auf Ballbesitz setzen, ist klar. Nicht unbedingt den Ball haben, sondern ihn früh erobern (was auch gegen den BVB wieder gut gelang) oder ihn ansonsten schnell ins vordere Drittel bewegen. Nicht unbedingt nur lang und hoch, aber auf jeden Fall schnell. Das dürfte im Verlauf der Bundesligasaison zu vielen unruhigen, aber abwechslungsreichen Spielen führen.

Randbemerkung 9: Angreifer Terrence Boyd während des BVB-Spiels im Halbzeitgespräch unter anderem zu seinem heutigen Einsatz bei der U23, die bei Lok antritt. Erstes Ziel, noch vor gewinnen, sei „nicht auf die Fresse zu kriegen“. Wäre es ein Printinterview gewesen, der Satz hätte es wohl nicht durch die RB-Freigabeinstanzen geschafft..

Lichtblicke:

  • Timo Werner: Wieder unheimlich viel unterwegs und mit vielen Sprints Löcher in der Tiefe gerissen und gut gegen den Ball gearbeitet. Torabschluss ist noch ausbaufähig, aber offensiv ist er gerade der vielleicht auffälligste Spieler.
  • Diego Demme: Die Fleißbiene im Mittelfeld und die zentrale Figur für die Verbindungen zwischen Innenverteidigern und Offensivspielern. Vor Timo Werner die meisten Ballkontakte im Spiel, weil er immer wieder in alle Richtungen agiert und als Passstation zur Verfügung steht. Sicher nicht der spektakulärste Spieler, aber ein enorm wichtiges Puzzlestück.
  • Dominik Kaiser: Jede Saison fragt man sich seit der Regionalliga, ob Kaiser den Sprung auf das nächste Leistungslevel hinkriegen wird und jede Saison schafft es der Kapitän des Teams, sich in der Mannschaft festzuspielen. Nicht nur wegen Standards der Spieler mit den meisten Torschussvorbereitungen. Extrem wichtig auch für die Balance im Spiel.

Fanarena-Spieltagsspieler:

RB-Spieler des zweiten Spieltags gegen den BVB bei fan-arena.com

(Quelle: iPhone und Android App FanArena für RB Leipzig Fans – www.fan-arena.com)

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Tor: 1:0 Keita (89.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Orban, Compper, Halstenberg – Demme, Ilsanker – Kaiser (84. Keita), Sabitzer (64. Forsberg)- Werner, Poulsen (69. Burke); Bank: Coltorti, Papadopoulos, Schmitz, Selke; Nicht im Kader: Müller, Khedira, Bernardo, Kalmár, Boyd

Aufstellung Borussia Dortmund: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra, Schmelzer – Rode, Weigl – Castro (71. Dembélé), Götze (71. Guerreiro), Schürrle – Aubameyang (85. Ramos)

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Zeigte schon mal auf, was Bundesligalinie sein dürfte. Eher kleinliches Abpfeifen von Zweikämpfen, in denen sich die BVBler beim Ziehen von Fouls und Vermeiden von Fouls etwas geschickter anstellten. Zwischenzeitlich wurde Stark mit seiner kleinlichen Linie zur Zielscheibe des Publikums. Aus Stadionsicht in zwei, drei Situationen nicht zu Unrecht. Insgesamt brachte Stark die Partie aber sicher über die Runden und holte die Fußballgeister auf beiden Seiten mit klaren Gesten und Signalen immer wieder runter. Es war erst die zweite Partie von Stark unter Beteiligung des BVB in vier Jahren, nachdem Dortmund vor vier Jahren nach einem Spiel mit Starks Beteiligung gegen Wolfsburg und ein paar Vorkommnissen zuvor extrem unzufrieden war. Diesmal dürfte man angesichts einer nicht sonderlich BVB-feindlichen Gesamtleistung nichts Neues auf Stark abladen, auch wenn die BVB-Homepage unter Berufung auf Matthäus und Metzelder in etwas seltsamer Übertreibung von einem „irregulären“ RB-Tor wegen Handspiels in der Entstehung sprach. Was sicherlich unter Regelaspekten absolut keine Konsensmeinung ist..)

Gelbe Karten: Klostermann (1.), Werner (1.) – Castro, Bartra

Zuschauer: 42.558 (davon 5.000 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht, BVB-Bericht, Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Ticker

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  • Torschüsse: 10 : 8
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 7 : 4
  • Schüsse auf das Tor: 4 : 1
  • gewonnene Zweikämpfe: 42,1% : 57,9%
  • Ballbesitz: 39,9% : 60,1%
  • Passquote: 37,9% : 62,1%
  • Laufstrecke: 115,8 km : 110,2 km
  • Sprints: 223 : 221
  • Intensive Läufe: 656 : 607
  • Fouls: 16 : 9
  • Ecken: 5 : 7
  • Abseits: 3 : 2
  • Meiste Torschüsse: Werner: 4 – Schürrle: 4
  • Meiste Torschussvorlagen: Kaiser: 5 – Schmelzer, Götze: je 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Halstenberg: 50,0% – Pisczcek: 66,7%
  • Meiste Ballkontakte: Demme: 59 – Bartra: 131
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Ilsanker: 77,8% – Sokratis: 92,1%
  • Größte Laufstrecke: Demme: 12,1 km – Weigl: 11,4 km
  • Meiste Sprints: Werner: 37 – Schürrle: 35

Statistiken von bundesliga.de, bild.de, FourFourTwo

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Saisontorschützen: Kaiser, Sabitzer, Keita – je 1

Saisonvorlagengeber: Demme, Schmitz, Burke – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Forsberg – 2; Compper, Ilsanker, Sabitzer, Orban, Kaiser, Halstenberg

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Bilder: © GEPA pictures/ Sven Sonntag

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10 Gedanken zu „Bundesliga: RB Leipzig vs. Borussia Dortmund 1:0“

  1. Noch zu erwähnen: am Sektor D mussten Dortmund Fans ihre komplette Fankleidung abgeben. Führte dazu, dass einige Oberkörperfrei in den Block gingen. Ein paar Oberkörperfreie Störenfriede mit BVB Schals haben es dann auch in Block 58 geschafft. Da sie sich auf den Hinweis hin dies sei ein Sitzplatzblock wiederholt nicht setzen wollten, half die Security nach und beförderte sie zumindest aus dem Block (ob auch aus dem Stadion weiß ich nicht). Finde ich völlig richtig. Aber in Zukunft sollte das besser kommuniziert werden. Zb auf Tickets in b und d schreiben: „kein Zutritt in gegnerischer Fankleidung“

    1. Das braucht man nicht draufschreiben. Das steht in der Stadionordnung, die man akzeptiert, wenn man das Ticket erwirbt und das Stadion betritt.

  2. Mhm, 1. Bundesligaheimspiel, das noch gegen den BVB, Tor in letzter Minute, das das Dach bald wegfliegt und 2 Kommentare über die Anzugsordnung. 😉

    Egal, sehr gelungene Aufarbeitung des Abends. Ja, wir sind ein junger Verein, aber was haben wir schon alles im guten alten Zentralstadion (geile Chorero!!) erlebt, den Frahnsinn, ColTORti, uvm und dann dieses Spektakel gestern auf dem Rasen und noch mehr auf den Rängen. (Durch das Tor konnten wir unseren neuen DK-Nachbarn besser kennenlernen 😉 )

    Ab er 70. Minute wollte ich unbedingt den Punkt haben, aber ich gebe zu mit den Einwechslungen von Burke und Forsberg, war ich etwas skeptisch. Aber Ralph H. hat alles richtig gemacht und der Mut ist belohnt worden. Wenn Burke seine verwaiste Gegenpressingfestplatte (DoPa RH) auffüllt, dann werden wir viel Freude an ihn haben.

    Die Statistik „Laufstrecke: 115,8 km : 110,2 km“ sagt sehr viel aus. Das Gefühl hatte ich auch im Stadion, das die Jungs sich die Lunge aus dem Leib gerannt haben. Auch die Anzahl Schuss auf das Tor von Gulacsi vom BVB?! Und das nach dem Spiel von Hoffenheim. Das schaffen nicht viel Teams. Ganz starker Defensive-Verbund.
    Für mich die Szene des Spiels: Beim Konter vom BVB die gelungene Grätsche von Ilsanker gegen Aubameyang.

    Initiative60 klingt gut

    Freue mich auf die Presse-Übersicht 🙂

  3. Zu Randbemerkung 3:

    Ich glaube es waren nicht allzu viele BVB-Fans in den neutralen Blöcken, das diese es schwerer hatten an Tickets zu gelangen. Schließlich wurden Fans bevorzugt, die bereits früher bei RB-Spielen waren – da dürften wenige BVB-Fans dabei gewesen sein.

    Zu den gelben Karten:

    Hier wurde ein Fehler von z.B. kicker.de übernommen. Kurz nach der Pause hat Orban statt Klostermann Gelb gesehen. Für ihn ist es damit auch schon die zweite Gelbe. Wurde im Stadion auch korrekt angezeigt und die TV-Bilder beweisen es ebenfalls. Weiß aber nicht ob Klostermann ggf. später auch noch Gelb erhalten hat.

    Zu Spiel und Stimmung:

    Natürlich der Hammer! Insgeheim hatte ich mir vor dem Spiel gewünscht, dass es den Überraschungssieg gibt und dieser mitentscheidend von den Neuzugängen herausgeschossen wird. Genau so ist es gekommen! Damit dürfte der emotionale Höhepunkt der Saison aber Geschichte sein. Erstes BL-Heimspiel, Flutlicht, Siegtor gegen BVB in der 89. Minute – was soll das toppen?

    1. Gelbe Karte: hatte ich auch im TV gesehen. RB hat allerdings auch Klostermann als Täter. Und es erscheint mir auch einzig logisch. Weil Orban in der Situation gar nichts gemacht hat. Heißt natürlich nicht, dass er nicht trotzdem statt klostermann gelb gesehen hat. 😉

  4. Bei soviel gelb in den letzten Wochen, kann man schon mal durcheinander kommen 😉

    Außer Halstenberg haben nun alle defensiven Spieler eine gelbe Karte?!

    Wäre es möglich @rotebrauseblogger bei der zukünftigen Analyse oder Vorschau noch die Anzahl der gelben Karten anzugeben? Sprich, wer steht kurz vor einer Sperre?

    Ach ja, ich habe mir ja nochmals das Spiel angesehen bei Sky. Die beiden Aussagen: Schmelzer – Abseits, Tuchel – Handspiel waren beide korrekt von Stark nicht gepfiffen worden. Vor allen das angebliche Handspiel von Halstenberg sieht man in der Zeitlupe gar nicht bzw. man sieht eher den Blick von Stark, der viel besser da steht und die Situation einschätzen kann.

  5. Im Kommenzar fehlt ezwad der Part von Poulsen. Zielspieler bei langen Nällen, vor allem aber sein unermüdliches Pressing auf die Abwehrspieler. Danach haben Burke und Co. Die Früchte geerntet und die müde Abwehr überlaufen.

  6. Wurde im Station eigentlich die Krumbiegel-Hymne gespielt?
    Ich war 25 Min. vor dem Anpfiff im Station und hab sie nicht gehört.

    1. Ja, wurde gespielt. Als die Mannschaft zum Aufwärmen raus kam (45 Minuten vor dem Spiel?). Ging allerdings in der Begrüßung der Mannschaft durch die Fans und entsprechende Gesänge unter.

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