Pokalniederlage mit höherem Zweck?

Nach Pokalniederlagen hört man ja immer wieder mal gern, dass man nicht wissen könne, ob das vielleicht nicht ganz gut ist, weil man sich ja schließlich nun auf die Liga konzentrieren könne. Letztes Jahr hat man sich damit in Leipzig ein wenig die Unterhaching-Pleite schöngeredet und fühlte sich mit dem Aufstieg am Ende der Saison bestätigt. In dieser Saison kam die Frage schon vor dem Dresden-Spiel auf und je nach Saisonverlauf wird auch dieses Ausscheiden bestimmt zu etwas gut gewesen sein.

Schaut man sich die Daten dieses Jahrtausends an, dann sind von 43 Aufsteigern in die Bundesliga insgesamt 12 in der ersten Runde des DFB-Pokals gescheitert. Also jeder vierte Bundesliganeuling überstand die erste Runde im DFB-Pokal nicht. Wobei die Quote in den jüngeren Jahren deutlich höher war, denn in den letzten sechs Spielzeiten flogen gleich 6 von 13 Aufsteigern in der ersten Runde aus dem Pokal. Und in den letzten vier Spielzeiten waren es gar fünf von neun Aufsteigern, die die Segel strichen.

Dass diese Saison mit RB Leipzig immerhin ein Bundesliga-Aufsteiger die Segel streichen musste, liegt also voll im Trend, der ja eigentlich dagegen spricht, dass die Abstände zwischen unterem Bundesliganiveau und Rest der Fußballwelt größer geworden sind. Aber das nur als Beobachtung am Rande.

Große Unterschiede zwischen den Aufsteigern, die im Pokal weitergekommen oder ausgeschieden sind, gibt es auf den ersten Blick nicht. Neulinge, die im Pokal in der ersten Runde weiterkamen, landeten am Ende im Schnitt genauso ungefähr auf Platz 14 wie die Teams, die nicht weiterkamen. Nicht mal ein halber Platz trennt die beiden Gruppen von Mannschaften in der Tabelle. Durchaus vernachlässigbar.

Endplatzierung (im Schnitt) in der Bundesliga für:

  • Neulinge, die in der 1.Runde des Pokals ausschieden: 14,08
  • Neulinge, die in der 1.Runde des Pokals weiterkamen: 13,65

Auf der anderen Seite steht die Tatsache, dass gleich sechs von zwölf Aufsteigern, die als Neu-Bundesligist in der ersten Runde des Pokals scheiterten, am Ende wieder abstiegen. Fünf davon wurden glatter 18. und Letzter der Bundesliga, einer wurde 17. In den letzten sechs Spielzeiten stiegen gleich vier von sechs Teams, die im Pokal sehr früh scheiterten am Ende als 18. mehr oder minder sang- und klanglos wieder ab.

Pokalmisserfolg und Ligamisserfolg schließen sich nicht aus.. Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images
Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

Da zeichnet sich bei den im Pokal erfolgreichen Aufsteigern schon ein deutlich anderes Bild. Lediglich sieben von diesen 31 Teams wurden am Ende 17. oder 18. Das letzte Mal, dass ein Team am Ende der Bundesligasaison Letzter wurde, das in der ersten Runde im Pokal weiterkam, war 2005/2006 der MSV Duisburg. Lang, lang ist es her.

Die Daten sind also widersprüchlich, was den Effekt eines Pokalausscheidens angeht (mal abgesehen davon, dass jedes Team jedes Saison sowieso eine Einzelfallsaison spielt, die komplett von Mittelwerten und Massenereignissen abweichen kann). Auf der einen Seite gibt es in Bezug auf ihre durchschnittliche Endplatzierung keinen Unterschied zwischen Neulingen, die am Anfang der Saison Pokalgewinner sind und jenen, die Pokalverlierer sind. Auf der anderen Seite sind die Pokalverlierer wesentlich häufiger chancenlose Absteiger als Pokalgewinner.

Da kann man sich jetzt für RB Leipzig rausnehmen was jeder so will. Wer im Panikmodus war, wird wohl auch weiter im ‚Wir werden alle sterben, äh absteigen‘-Modus weiterschippern. Wer sowieso grundoptimistisch ist, wird sich von ein paar Zahlen auch nicht verschrecken lasssen.

Fakt ist, dass es ein wenig erstaunt, dass man mit der Kaderplanung bei RB Leipzig dann doch wieder komplett in die letzte Woche des Transferfensters rutscht und sowohl auf Zugangs- als auch auf Abgangsseite noch diverse Baustellen und Möglichkeiten bestehen. Das ist in vielerlei Hinsicht suboptimal, selbst wenn nach dem ersten Spieltag  in der Bundesliga erstmal wieder eine englische Woche wartet und man dann noch mal ein bisschen Zeit hat, mögliche Neuzugänge durch ein Testspiel und ein paar Trainingseinheiten zu schleifen.

Wie dem auch sei, sicher ist, dass es für die ‚die Pokalniederlage ist gut für den Erfolg in der Liga‘-Fraktion genaugenommen keine empirische Grundlage gibt. Wenn man irgendeine These formulieren wollte, dann in der Tendenz höchstens, dass eine Niederlage eines Aufsteigers in der ersten Runde des DFB-Pokals schlicht Folge zu geringer Qualität ist und sich entsprechend negativ später in der Tabelle niederschlägt.

Auf der anderen Seite stehen Beispiele wie Eintracht Frankfurt, die 2012/2013 nach Pokalpleite als Neuling noch gen Europa schipperten. Oder auch der FC Ingolstadt letzte Saison, der als 11. in der Bundesliga das viertbeste Resultat eines seit 2000 in der ersten Runde im Pokal gescheiterten Neulings erzielte. Mit Trainer Ralph Hasenhüttl, der nun in Leipzig noch einmal dasselbe vollbringen soll..

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2 Gedanken zu „Pokalniederlage mit höherem Zweck?“

  1. RB Leipzig hat mehr Potential wie der FC Ingolstadt in der vergangenen Saison. Ich denke allerdings auch dass man noch einen richtig guten InnenVerteidiger und einen AussenVerteidiger holen sollte.

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