Testspiel: RB Leipzig vs. Würzburger Kickers 2:0

Testspiel Nummer 4 für RB Leipzig in der Vorbereitung auf die Bundesliga. Gleichzeitig das letzte Spiel vor dem Trainingslager, das am kommenden Montag beginnt. Zum vierten Mal ließ man kein Gegentor zu und gewann nach einer Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte völlig verdient mit 2:0.

Mit den Würzburger Kickers hatte RB Leipzig den ersten richtig aussagekräftigen Gegner zu Besuch. Die Saison des Zweitliganeulings beginnt bereits in eineinhalb Wochen. Entsprechend fit und deutlich weiter in der Vorbereitung präsentierte man sich.

Insbesondere in den ersten 20, 25 Minuten spielte Würzburg ein recht druckvolles Pressing und ließ den RasenBalllsportlern keine Luft zum Atmen, geschweige denn zum Spielen. Was zu vielen Ballverlusten von RB Leipzig schon früh in der Vorwärtsbewegung und wenig Spielfluss führte. Die Doppelsechs mit Janelt und dem etwas tiefer spielenden Ilsanker konnte das Spiel in dieser Phase nicht lenkend an sich reißen. In der Offensive wurden zudem zu wenig Bälle gesichert.

Allerdings funktionierte das kompakt-aggressive Auftreten der Gäste vor allem defensiv. Offensiv ergaben sich daraus wenig bis gar keine Gelegenheiten zum Torerfolg, woran auch ein starker Marvin Compper, der in der ersten Halbzeit lange Zeit der wichtigste Anker im RB-Spiel war, einen wesentlichen Anteil hatte.

Im Laufe der ersten Halbzeit befreite sich RB Leipzig ein wenig vom Zugriff der Gäste, die dann auch begannen, etwas tiefer zu verteidigen. Bruno, Ilsanker und Sabitzer hätten im Verlauf der ersten Hälfte trotz wenig Spielfluss die Führung erzielen können. Soriano hatte auf der anderen Seite kurz vor der Pause gegen einen vielleicht etwas zu zaghaft aus dem Tor kommenden Gulacsi aus Nahdistanz die Gästeführung auf dem Kopf.

Man wäre am Ende mit einem passenden 0:0 in die Pause gegangen, wenn Terrence Boyd nicht ein Abstimmungsproblem bei den Gästen zwischen Innenverteidigung und Torhüter genutzt hätte und in einen langen Ball von Compper, der eigentlich irgendwo ins Nirvana zu gehen schien, gespritzt wäre, um per Kopf seinen zweiten Treffer in der Vorbereitung und die Führung gegen die Kickers zu erzielen.

Nach viel solidem, aber wenig kreativen Spiel in der ersten Halbzeit änderte sich das Bild nach der Pause phasenweise deutlich. RB Leipzig profitierte hier von einem Yussuf Poulsen, der sich nach seiner Olympiaabsage in Spiel- und Einsatzlaune präsentierte und von einem Emil Forsberg, der seinen leichten EM-Frust offenbar in Club-Lust umwandeln will. Beide lösten immer wieder Situationen im Eins gegen Eins auf und sorgten so für Räume, die vor der Pause noch nicht da waren. Aber auch ein Timo Werner mit seiner Geschwindigkeit in der Tiefe und ein Zsolt Kalmár, der über rechts immer mal wieder gute Aktionen hatte oder ein Naby Keita und sogar ein Rani Khedira waren an diversen Offensivaktionen beteiligt und machten den Gästen so das Leben ordentlich schwer.

Zurück in Leipzig und schon wieder mit alter Spielfreude ausgestattet - Emil Forsberg macht in einer Testspielstunde gegen die Würzburger Kickers viel Betrieb | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Das sah insgesamt im Zusammenspiel und der Ideenfindung schon recht gut aus und ließ nun den Gästen wiederum wenig Luft zum Atmen. Bis auf zwei, drei nicht ungefährliche Distanzschüsse kam von Würzburg in der zweiten Halbzeit wenig. Auf RB-Seite summierten sich die guten Einschussmöglichkeiten derweil auf irgendwas um ein halbes Dutzend.

Den Endstand von 2:0 stellte man dann allerdings nach einem Standard her. Yussuf Poulsen köpfte eine Viertelstunde vor dem pünktlichen Abpfiff eine Ecke ein. Was Gästetrainer Bernd Hollerbach, der schon den Fehler vor dem 0:1 nicht amüsiert zur Kenntnis nahm, dann endgültig nicht mehr lustig fand und sich diese Art von Gegentoren für die Ligazukunft (zugespitzt gesagt) verbat.

Insgesamt war Hollerbach aber mit den ersten 60 Minuten seines Teams (zurecht) zufrieden. Die Mannschaft hatte sich als unbequem und schwer zu bespielen präsentiert und lange Zeit ein Spiel auf Augenhöhe mit dem Bundesligisten geführt. In dieser Form werden sie auch in der kommenden Zweitligasaison für viele Gegner sehr unbequem zu bespielen sein. Mehr offensive Durchschlagskraft werden sie trotzdem brauchen.

Recht zufrieden war auch Hollerbachs Trainergegenüber Hasenhüttl, der von einem „super Test“ sprach und einen „souveränen“ Sieg gesehen hatte. Tatsächlich zeigte RB Leipzig wie schon in den letzten Testspielen auch in diesem und gegen einen Zweitligisten ein für diesen Zeitpunkt der Vorbereitung sehr gutes und in der zweiten Halbzeit auch dominantes und unterhaltsames Gesicht. Fast schon beängstigend, wie reibungslos die Vorbereitung in Bezug auf die Testspiele bisher läuft.

Zumal auch gegen Würzburg wieder einige Kicker nicht im Kader standen. Halstenberg fehlte erneut wegen leichter Probleme. Auch Demme wurde geschont. Und Klostermann und Selke sind schon in direkter Olympiavorbereitung und durften nach einer Impfung nicht mehr mittesten. Zudem fiel auch noch Bruno nach 30 Minuten mit Oberschenkelproblemen aus.

Mit an Bord waren dafür wieder die Feldspieler, die an der Europameisterschaft teilgenommen hatten, nämlich Sabitzer, Ilsanker und Forsberg, was die Qualität in der Breite des Kaders noch mal deutlich anhebt. Zudem kam Gino Fechner nach seinem Ausflug zur U19-EM quasi direkt zu seinem ersten Testspieleinsatz der Saison bei den Profis und machte seine Sache rechts hinten weitgehend ordentlich, wenn auch mit alterstypischen Anpassungsproblemen. Ist jetzt aber auch sicherlich nicht seine absolute Idealposition.

Insgesamt wurden damit in den bisherigen Testspielen 29 Spieler eingesetzt. Klingt erst mal viel, aber darunter sind gar nicht mal arg viele Spieler, denen man nicht auch schon im Extremfall im Laufe der Saison Spielzeit in der Bundesliga zutrauen würde. Im letzten Jahr sah das in der Vorbereitung, als quasi die komplette U23 und U19 einmal bei den verschiedenen Testspielen eingesetzt wurde, noch anders aus. In dieser Vorbereitungsperiode konzentriert man sich da schon eher auf den realistischen Bundesliga-Kernkader.

Vorbereitungstechnisch, dabei bleibt es vor allem in Bezug auf die Mannschaftsorganisation, ist RB Leipzig schon ziemlich weit. Vielleicht noch weit davon entfernt, dass man davon sprechen könnte, dass sich schon eine Startelf für die Bundesliga gefunden hätte. Dafür werden die Testspielaufstellungen noch zu bunt durcheinandergewürfelt. Aber es passt weiterhin relativ viel zusammen, sodass man im Trainingslager tatsächlich in die Detailarbeit gehen kann.

Wozu ja vielleicht auch die Arbeit an der taktischen Formation gehört. Bisher ist man in den Testspielen vom 4-2-2-2 praktisch nicht abgewichen, auch wenn auf der Doppelsechs die Aufgaben durchaus immer mal unterschiedlich verteilt werden (gegen Würzburg ließen sich vor allem Ilsanker und Khedira in ihren jeweiligen Halbzeiten immer mal wieder zurückfallen, um den Spielaufbau zwischen den Innenverteidigern mitzugestalten, während dies für Janelt und Keita nicht in gleichem Maße galt) und in der Offensive auch mal flexibel die Positionen getauscht werden.

Möglich, dass man im Trainingslager an der Erweiterung des Optionsraums hin zu einem 4-3-3 mit seinen Facetten arbeitet. Auch wenn dies natürlich nur Zahlen sind und sich dadurch nichts an der aktiven, pressingorientierten Spielidee ändert, ist damit dann durchaus auch eine veränderte Raumaufteilung verbunden, die man zumindest kennen sollte.

Vielleicht begrüßt man ja im Trainingslager auch noch mal einen Neuzugang. Vor allem die Kaderlücke in der Defensive, wo weiterhin ein Innenverteidiger (oder alternativ ein Rechtsverteidiger) gesucht wird, ist noch nicht geschlossen. Alles andere an Zugängen wäre gewissermaßen Luxus, aber nur sieben Spieler für die Viererkette in der Abwehr scheinen etwas wenig. Zumindest wenn man nicht daran glaubt, dass Sören Reddemann diese Saison den Durchbruch bei den Profis schaffen wird oder man nicht Gino Fechner zutraut, in diese Rolle zu wachsen (was wohl auch noch ganz schön früh wäre) oder man nicht Stefan Ilsanker als naheliegende Innenverteidigervariante ansieht.

In welchen Möglichkeiten das Trainerteam denkt und an welchen taktischen und kader- bzw. besetzungstechnischen Lösungen man im Trainingslager arbeitet, wird man nach den nächsten drei Testspielen vielleicht schon besser beurteilen können. Alle drei Spiele werden im Rahmen des Trainingslagers ausgetragen und bringen einen italienischen Erstligisten (FC Turin), einen spanischen Erstligisten (SD Eibar) und einen österreichischen Zweitligisten (FC Liefering) als Gegner. Und dann wird es Richtung Pflichtspielauftakt auch schon ernst. Nur noch 23 Tage bleiben ab heute..

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Tore: 1:0 Boyd (44.), 2:0 Poulsen (75.)

Aufstellung 1.Hälfte: Gulacsi – Gipson, Reddemann, Compper, Schmitz – Ilsanker, Janelt – Kaiser, Bruno (32. Forsberg) – Sabitzer, Boyd

Aufstellung 2.Hälfte: Coltorti – Fechner, Orban, Nukan, Jung – Khedira, Keita – Kalmár, Forsberg – Werner, Poulsen

Nicht dabei: Selke, Klostermann (beide Olympia-Fahrer), Halstenberg, Demme (beide geschont), Müller, Touré (U19)

Zuschauer: 2.091 (am Cottaweg)

Links: RBL-Bericht, FWK-Bericht
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Bisherige Testspiele 2016/2017

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Testspieltorschützen 2016/2017

Selke – 7; Werner – 5; Compper, Boyd – je 2; Keita, Bruno, Beiersdorf, Klostermann, Kaiser, Dadashov, Poulsen – je 1

Testspieleinsatzzeiten

  • Müller – 180 Minuten
  • Gipson – 180 Minuten
  • Reddemann – 180 Minuten
  • Nukan – 180 Minuten
  • Schmitz – 180 Minuten
  • Keita – 180 Minuten
  • Kaiser – 180 Minuten
  • Kalmár – 180 Minuten
  • Werner – 180 Minuten
  • Compper – 180 Minuten
  • Orban – 180 Minuten
  • Khedira – 180 Minuten
  • Janelt – 180 Minuten
  • Poulsen – 180 Minuten
  • Bruno – 166 Minuten
  • Klostermann – 135 Minuten
  • Selke – 135 Minuten
  • Beiersdorf – 135 Minuten
  • Boyd – 135 Minuten
  • Jung – 135 Minuten
  • Halstenberg – 90 Minuten
  • Demme – 90 Minuten
  • Coltorti – 90 Minuten
  • Gulacsi – 90 Minuten
  • Forsberg – 59 Minuten
  • Dadashov – 45 Minuten
  • Sabitzer – 45 Minuten
  • Ilsanker – 45 Minuten
  • Fechner – 45 Minuten

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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2 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. Würzburger Kickers 2:0“

  1. Hätte nix gegen Sami in unserer Mannschaft, aber wir haben dann doch „nur“ Rani auf dem Feld.
    War der Wunsch Vater des Gedanken? 😉

    1. Ich war nie unbedingt ein übergroßer Sami-Fan, von daher wohl eher nicht der Wunsch Vater des Gedankens. 😉

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