Vom Besten, das nicht optimal ist, aber trotzdem gut genug sein könnte

Die Stadionfrage ist das neue Synonym für Sommerpause. Immer wieder ploppte das Thema in den letzten Wochen auf, um dann vom Geschäftsführer der RB Leipzig GmbH und Vorstandsvorsitzenden des RB Leipzig e.V. beendet Oliver Mintzlaff weiter angeheizt zu werden, indem der im Sponsors-Interview davon sprach, dass die „leichte Tendenz“ zu einem Stadionneubau gehe.

Dabei erstaunt vor allem der defizitäre Blick, den der Leipziger RB-Chef auf die aktuelle Spielstätte formuliert. Dort fehlende Aufzüge, hier ein paar inexistente Parkplätze dort, dazu ein paar unmoderne Kioske. Für RB-Verhältnisse, wo es sonst nur Chancen und Möglichkeiten und keine Grenzen gibt, geht das fast schon als auffälliges Geningel durch.

Was auch deswegen verwundert, da sich bauliche Probleme vielleicht nicht zu 100% Perfektionsgrad wie bei einem Neubau, aber zumindest größtenteils zur Zufriedenheit aller Beteiligten lösen ließen. Wenn man es denn will und sich dafür entscheidet. Und vor noch nicht allzu langer Zeit hieß es noch aus dem Verein, dass man ja wohl mit Red Bull im Hintergrund einen Stadionumbau hinkriegen werde, wenn es benötigt werde und man es wolle, sprich Schwierigkeiten dazu da sind, beseitigt zu werden.

Von dieser öffentlichen Rhetorik ist man inzwischen ein ganzes Stück abgerückt. Und das obwohl aktuell noch gar nicht klar ist, welchen Platzbedarf man künftig tatsächlich hat. Denn die Anzahl der verkauften Dauerkarten und vor allem die Geschwindigkeit des Verkaufs mag ein Indiz sein, dass man das Stadion künftig vollkriegen und ein Umbau bzw. Neubau nötig werden würde. Voll aussagekräftig sind die 20.000 verkauften Tickets allerdings nicht, weil sie noch nichts darüber mitteilen, wie viele davon auch im Winter zu einem Spiel gegen einen nicht ganz so großen Namen kommen.

Sprich, warum ein Spiel gegen Ingolstadt, Augsburg oder Darmstadt nun plötzlich zu einem Großereignis, bei dem Tickets für Preise bis 55 Euro weggehen, werden sollte, nur weil Bundesliga dransteht, darf man zumindest als Frage in den Raum stellen. Eine Frage, auf die man wohl auch erst über zwei Bundesliga-Spielzeiten eine Antwort finden würde und nicht in der außergewöhnlichen ersten Neulingssaison, aber soviel Zeit hat man im RasenBallsport-Mikrokosmos traditionell nicht.

Letztlich scheinen zwei Dinge gegen einen Weiterbetrieb und einen möglichen Ausbau der aktuellen Red Bull Arena zu sprechen. Da wär zum einen der VIP-Bereich, bei dem man schon seit längerem bemängelt, dass er zu klein ist und dadurch wichtige Einnahmen verloren gehen und der als nicht ausbaufähig (zumindest nicht in gewünschtem Umfang und mit gewünschten Komfortstufen) gilt. Wobei man hier auch mit ein wenig Kreativität sicherlich die gröbsten Probleme ausmerzen könnte.

Wichtiger scheint da schon das Problem, dass man seitens RB Leipzig nur Mieter ist und sich entsprechend etwas schwer tut, in eine Infrastruktur zu investieren, die einem nicht gehört. Dass Mintzlaff ziemlich direkt den schlechten Mietvertrag mit dem Stadionbetreiber bemängelt, ist da nur ein (eher vernachlässigbares) Puzzlestück in den Problemlagen, denn diesen Mietvertrag hat man ja auch deswegen, weil man in der Regionalliga oder der dritten Liga sehr wenig Geld bzw. nicht unbedingt einen marküblichen Preis für das Stadion zahlen musste. Und Mietverträge wären mittelfristig jenseits großen Getöses auch verhandelbar.

Man denkt jetzt aber größer und empfindet offenbar nicht nur den Mietvertrag als lästig, sondern will gleich selber in die Eignerrolle. Gespräche soll es in der Vergangenheit mit Kölmel schon mal gegeben haben. Zuletzt gab es nach Aussagen der Beteiligten keine mehr. Ganz akut wird ein Verkauf wohl entsprechend in keinem Fall über die Bühne gehen.

Interessant in dem Zusammenhang vielleicht, dass der Verkauf des damals noch Zentralstadion heißenden Kölmel-Neubaus vor elf Jahren schon mal gescheitert war. Damals hatte sich Gerald Wagener, ein Krefelder Geschäftsmann mit vielen Geschäftsfeldern, der auch rund um den Stadionbetrieb bei Fortuna Düsseldorf (ganz und gar nicht immer geräuschlos) aktiv war, für die Immobilie interessiert, war aber dann in einen öffentlichen Streit mit Verkäufer Michael Kölmel geraten, woraufhin der zwischenzeitlich schon als fix geltende Deal scheiterte.

Aus dieser kleinen Posse ließe sich nicht wirklich eine Kölmelsche Unzuverlässigkeit ablesen, sondern lediglich, dass bei Gesprächen zwischen Unternehmern mit harten Bandagen gearbeitet und gern auch hintenrum das Gegenüber bearbeitet wird (es ging damals um vielerlei Vorwürfe, wer da wann wem gegenüber was behauptet und nicht behauptet und die Wahrheit gesprochen oder nicht gesprochen hat).

Interessanter vielleicht, dass im Hintergrund natürlich auch die Stadt ihre Finger im Spiel hatte, weil der Verkauf des Zentralstadions ihrer Zustimmung bedurft hätte. Genauso wie sie dem Verkauf der Namensrechte an Red Bull bis längstens 2040 zustimmen musste.

2040 ist übrigens nach Stand der Dinge auch das Jahr, in dem das Stadion für den Symbolpreis von einem Euro an die Stadt Leipzig zurückgehen würde (sagte die LVZ vor ein paar Monaten, bei der Betreibergesellschaft der Red Bull Arena wurde der Termin mal mit irgendwas nach 2030 benannt). Ein Zustand, der sicher nicht unwesentlicher Teil der Verhandlungen zwischen RB-Seite und Kölmel-Seite wäre. Denn eine Lösung das Stadion jetzt für Summe x zu kaufen und es dann für Summe y auszubauen, um nach jetzigem Vertragswerk dann nur bis 2040 Eigentümer zu sein, wäre sicherlich ziemlich schwierig bis unvorstellbar.

Dazu kommt auch noch, dass die Red Bull Arena von der Zentralstadion Betreibergesellschaft betrieben wird, die zusätzlich auch noch die (der Stadt gehörende) Arena (also die Veranstaltungshalle, in der u.a. der SC DHfK Bundesliga-Handball spielt) und die Festwiese betreibt. Eine Übernahme der Red Bull Arena durch einen externen Käufer würde auch das Konglomerat dieser sich gegenseitig ergänzenden Veranstaltungsorte durcheinanderbringen.

Die Stadt war zuletzt darum bemüht, die Kosten für die Arena (man zahlt der Betreibergesellschaft einen mittleren sechsstelligen Betreiberzuschuss und übernimmt die großen Reperaturarbeiten an der Halle) zu reduzieren, weil ja jetzt auch die Red Bull Arena Geld abwirft. Nimmt man die Red Bull Arena aus dem Konstrukt heraus, bleibt eine Halle, in dem erstklassig Handball gespielt wird und einiges mehr passiert, die aber auch weiterhin einen Betreiber braucht, der das finanzieren kann. Das mit bei RB Leipzig unterzubringen, würde sicherlich nicht im Interesse irgendeines Beteiligten sein. Einen gesicherten Arena-Zustand braucht man aber trotzdem.

Das (mit unterschiedlichen Interessenslagen behaftete) Geflecht aus Kölmel, Zentralstadion Betreibergesellschaft (in der Kölmel Geschäftsführer ist) und Stadt Leipzig muss man wohl durchdringen wollen, wenn man überhaupt zu einem unterschriftsreifen Vertrag in Bezug auf eine Übernahme der Red Bull Arena kommen will. Und kann dabei auch nicht die eigenen Interessen unter den Tisch fallen lassen.

Auch nicht gerade einfach zu lösen für die Spitze von RB Leipzig. Zumal wenn man den notorische Argwohn bei Red Bull gegenüber allem, was mit städtischen oder sonstigen öffentlichen Interessensvertretern zu tun hat, mitdenkt. Abhängig zu sein von kommunaler Willensbildung gehört nicht unbedingt zum bevorzugten Arbeitszustand im Hause Mateschitz, weil man sich ja als jemand sieht, der gutes tut und es befremdlich findet, wenn deswegen nicht automatisch ein roter Teppich ausgerollt wird.

Der Gestus des selber Anschiebens und Gestaltens könnte ein wichtiger Motor dabei sein, sich entsprechend auch gleich eine eigene, diesem Gestus entsprechende Arena irgendwo auf die grüne Wiese in Leipziger Außenbezirken oder (wenn die Stadt Leipzig blockiert) eben ein Stück jenseits davon zu platzieren. Eine Arena, die man nach eigenen Vorstellungen von grundauf konzipieren und alleinig und vollumfänglich über sie bestimmen kann. Eine Arena, die zwar die in der Innenstadt vorhandenen Verkehrsprobleme nicht beheben, sondern nur verlagern würde, die aber ansonsten dem ‚Unsere Arena, wir entscheiden‘-Gestus viel nachhaltiger und konsequenter entsprechen könnte, als dies für die aktuelle Red Bull Arena gilt.

In dem Zusammenhang ja auch interessant, dass Investitionen in die Infrastruktur für Fragen des Financial Fairplay keine große Rolle spielen, weil sie als Investitionen in Nachhaltigkeit gelten. Sprich, wenn du eine nicht geringe dreistellige Millionensumme in ein Stadion steckst, dann ist das aus dieser Sicht super. Und wenn du dann aus diesem Stadion mit optimaler Logen- und sonsterwas Nutzung eben wesentlich mehr Geld herausholst, dann verbessert das deine Einnahmenseite, was in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit und Einhaltung der Financial-Fairplay-Regeln wiederum wichtig ist.

Sprich, ein Neubau wäre eine einmalige Investition, die vielleicht betriebswirtschaftlich als singuläres Ereignis nicht unbedingt Sinn macht, weil die Kosten im Vergleich zu späteren Einnahmen eigentlich zu hoch sind, aber dem Verein könnte es trotzdem wesentlich helfen, weil die Kosten nicht auf ihn, sondern auf den Investor fallen, aber die Einnahmen als eigene verbuchbar sind. Ein Neubau könnte in dem Sinne auch mehr helfen als ein Ausbau der aktuellen Red Bull Arena, weil diese eben gerade im Hochpreissegment ihre Grenzen erreicht zu haben scheint.

Klar, es gibt sicherlich bauliche und organisatorische Dinge, die einen Neubau verlockend erscheinen lassen. Letztlich ist es aber auch eine lokalpolitische Entscheidung aller Beteiligten. Oder um es anders zu sagen. Es wäre schon ein Treppenwitz der hiesigen Fußballgeschichte, wenn es nach dem FC Sachsen Leipzig einen zweiten Club gibt, der mit der Red Bull Arena aka dem Zentralstadion so fremdelt, dass er lieber raus will, als die Gegebenheiten anzunehmen und mit ihnen zu arbeiten.

Das Zentralstadion wurde einst mit viel, viel Geld aus Bund und Stadt und mit einem ungefähren Anteil von einem Drittel von Kölmel umgebaut und in einen im Rahmen der Möglichkeiten modernen Zustand, der immerhin dazu reichte, WM-Spiele auszutragen, versetzt. Aus diesem Stadion eine Investruine zu machen, in der gelegentlich ein paar Konzerte stattfinden oder Bläser ein Massenkonzert abhalten und vor dem die Stadtrundfahrtbusse halten und von früher erzählen, kann im Interesse von keinem städtischen Player sein. Die Frage dabei ist, inwieweit sich RB Leipzig als städtischer Player mit Verantwortung sieht oder das Eigeninteresse stärker ist bzw. sich darin die besseren Motive zu verorten scheinen.

Jenseits dieser rationalen Ebenen geht es bei der Entscheidung für ein neues Stadion oder für das alte Stadion auch um so etwas wie Flair. Die moderne Tendenz, große Arenen wie einen Möbelmarkt irgendwo auf die grüne Wiese zu bauen, um möglichst mit dem Auto vorfahren, sich  sein Erlebnis abholen und dann wieder abhauen zu können, mag manchem gefallen, bedeutet aber eben auch den Verlust städtischer Kultur. Also den Verlust all dessen, was es bedeutet, wenn Zehntausende an einem Nachmittag oder Abend eine Stadt bevölkern, in Kneipen sitzen, dann zum Spiel strömen und mit all dem zur Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung städtischen Lebens beitragen.

Massenereignisse rund um die Red Bull Arena sind bei allen (zu gewissen Teilen lösbaren und zu anderen Teilen aushaltbaren) Problemen für die direkte Nachbarschaft eben auch Dinge, die eine Stadt pulsieren lassen, die zum Reiz einer Großstadt dazugehören. Und wer in der Nähe einer solchen Arena wohnt, muss das eben mit in Kauf nehmen oder hat bei der Wohnungswahl im besten Fall explizit danach gesucht.

Nein, eine Red Bull Arena mitten in der Stadt mit ihrem baulichen Status Quo und mit ihren Besitzverhältnissen und städtischen Verquickungen ist kein Optimum für einen Verein, für den auch und aktuell scheint es besonders Einnahmenoptimierung ganz weit oben auf der Agenda steht. Aber es ist und bleibt die beste Red Bull Arena, die man in Leipzig haben kann. Alles andere wäre ein für sich stehendes Stadionmonstrum am Stadtrand mit unklarer Auslastung bei Schaffung einer Investruine in der Stadt. Wer das will, kann das natürlich wollen und versuchen. Sinnvoll wäre es trotzdem viel eher, mit den aktuellen Gegebenheiten zu arbeiten und zu versuchen, das Beste aus ihnen zu machen. Selbst wenn das Beste aus mancher (Vereins-)Perspektive nicht das ultimative Optimum sein und es manchem schwerfallen mag, sich mit nur gut anzufreunden.

Randbemerkung: Ganz subjektiv bin ich ein klarer Teil vom #TeamInnenstadtstadion. Schon Markranstädt fand ich als Wahl für die erste RB-Leipzig-Saison ziemlich unattraktiv. Ein Stadion auf der grünen Wiese, ganz egal wie hübsch und modern und prima es sein würde, hätte vom Charme her etwas von einer Anreise nach Markranstädt. Ein Stadion, da mag ich altmodisch sein, gehört nicht an eine Autobahnabfahrt an den Arsch der Welt, sondern ins Herz der Stadt. Das Zentralstadion hat mich einst, als es noch nicht mal voll war, gekriegt und behalten, als es zur Red Bull Arena wurde. Ein Stadionneubau irgendwo draußen müsste mich in vielerlei Hinsicht erst kriegen und es wäre sicherlich nicht ausgemacht, dass es mich genauso oder überhaupt kriegt, wie der aktuelle Bau, an dem von der Lage und von seiner Historie her so vieles ideal ist. Aber mir ist auch klar, dass meine eigene diffuse Sentimentalität in Bezug auf das aktuelle Stadion weder repräsentativ noch (im Gegensatz zu manchen Erläuterungen oberhalb dieser Randbemerkung) eine gute Entscheidungsgrundlage ist.

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13 Gedanken zu „Vom Besten, das nicht optimal ist, aber trotzdem gut genug sein könnte“

  1. Du spielst nicht fair. Sondern mit Netz und doppeltem Boden.
    Da wird vom „Stadionmonstrum am Stadtrand mit unklarer Auslastung“ geschrieben, obwohl noch nicht mal feststünde, wie dieses „Monstrum“ denn überhaupt aussehen, geschweige denn, wo am Stadtrand das Stadion stehen wird. Du schürst Ängste und warnst vor einer so entstehenden Investruine, obwohl vor dem Auftauchen von Red Bull in der Stadt es ja auch niemanden wirklich gejuckt hat, was mit dem innerstädtischen, aber leerstehenden Stadion mit ach so viel Flair passiert. Natürlich kommt dann der erhobene Zeigefinger, der vor Novemberspielen gegen Augsburg, Ingolstadt und Darmstadt warnt, als ob irgendein Stadionplaner nun ausgerechnet diese drei Spiele als Maßstab hernehmen würde, zumal ja auch einer der Drei „Unattraktiven“ im Mai zum alles entscheidenden Worumauchimmer-Spiel anrücken könnte und schon wäre der Laden voll.
    Du schreibst, dass man die Defizite bei den VIP-Plätzen sicherlich „mit ein wenig Kreativität […] ausmerzen könnte.“ Das kann man ja einfach mal behaupten, denn Nachweis dass es stimmt, kannst du ja mal anderen überlassen, oder du behauptest einfach mal, dass „sich bauliche Probleme vielleicht nicht zu 100% Perfektionsgrad wie bei einem Neubau, aber zumindest größtenteils zur Zufriedenheit aller Beteiligten lösen ließen.“ Sicherlich, vielleicht. Hoffentlich?
    Dass beispielsweise ein Umbau des alten Zentralstadions wahrscheinlich zwei, sicher eher drei Jahre dauern würde und erhebliche Einschränkungen mit sich brächte, wird genauso unter den Teppich gekehrt, wie die Möglichkeit das Stadion für knapp ein Jahr zu schließen und irgendwo eine Interimslösung schaffen zu müssen. Anschließend sitzt man aber wieder in dem eigentlich „alten“ Stadion und wenn es noch ein Stück nach oben gehen soll, stößt man erneut an seine Grenzen.
    Ich bin nicht zwangsläufig für den „Arenexit“ aber dafür, fair und unvoreingenommen alle Fakten auf den Tisch zu legen und nicht die, die einem gerade nicht passen unter den Teppich zu kehren.

    1. @Adamson: Es geht ja im Artikel um ein Ereignis in der Zukunft. Die Einschätzung einer künftig eintretenden Konstellation kann gar nicht anders als unter Verwendung des bisher persönlich Erlebten – mithin subjektiv – erfolgen. Wenn der Verfasser seine persönliche Sicht im Konjunktiv beschreibt und in einer Randbemerkung explizit auf die Subjektivität hinweist, ist mir nicht ganz klar, welche Fakten konkret fehlen oder unter den Teppich gekehrt wurden.

      Dass ein Stadionumbau Zeit benötigt und Einschränkungen bedeutet ist soweit klar, vielleicht kannst Du aber die fehlenden Fakten im Artikel noch mal aufzählen.

      Ich muss sagen dass ich keinen Autor kenne, der tiefer recherchiert und derart viele Zahlen und Fakten zu RB liefert, wie der Herr Rote Brause Blogger. Man muss in persönlichen Einschätzungen sicher nicht immer übereinstimmen (das ist in einem Blog wie im wahren Leben auch nicht zu erwarten), aber „fehlende Fakten“ ist so ziemlich das Gegenteil, was ich seit Jahren hier erlebe.

  2. Ja das sinnfreie FFP ist genau der springende Punkt. Ohne könnte Red Bull „einfach“ die Einnahmelücke ausgleichen. 50 Logen mehr bringen bei 200.000 Pro Stück und Saison 10 Mio Euro. Für Mateschitz Kleingeld, aber im Wettbewerb mit der Ligaelite unverzichtbar. Ich sehe auch alle Probleme mit der RBA als nicht gravierend oder mit überschaubarem Aufwand lösbar an. Aber für Logen / Vip Plätze und die nötige Infrastruktur sieht es wohl schlecht aus. Ich hoffe dennoch dass uns unser eizigartiges Stadion im Herzen der Stadt erhalten bleibt.

  3. Aus den gut vorgetragenen Recherchen dieser schier unendlich vorkommenden und gegenwärtig wieder aufgewühlten Stadionfrage sind mir noch einige Passagen aus der Vergangenheit, besonders die unvergessenen Streitigkeiten unter den vorhandenen Kaufinteressenten, wo gegenseitige Anzeigen noch auf der Tagesordnung standen, mit der „netten“ gegenseitigen Wortwahl noch sehr gut bekannt!

    Natürlich steht der „Finanzhai“, M. Kölmel, der liebend gern schnell rechtliche Schritte gegen seine vermeintlichen schwierigen Partner andeutet, selbst aber mehr als günstig bisher sein schon holpriges Geschäftsleben absolvierte, immer im Brennpunkt des Geschehens! Um zu einer realistischen Entscheidung zum eventuellen Stadionneubau zu gelangen, können doch nur erst einmal die erreichten Ergebnisse in der kommenden Saison als Gradmesser abgewartet werden, um sich gemeinsam für echte Entscheidungen einigen zu können!

    Auch aus meiner Sicht wäre natürlich ein plötzlicher Wegfall sowie das damit verbundene Erinnern an diese wohl einmaligen Kultur- und Sportstätte in dieser vielbesuchten Messestadt ein herber Verlust. In diesem Fall kann und muss aber nur solch eine Gesamtlösung gefunden werden, wo alle möglichen Vorteile überwiegen und dabei die wirtschaftlich zu erreichenden Ergebnisse eine besondere Rolle spielen, wo es bei beiden Lösungen allerdings auch immer Benachteiligte geben wird!

  4. Auch wenn es noch kein RasenBallsport-Verantwortlicher offiziell benannt hat, tauchte doch schon die mögliche Kapazität eines neu zu bauenden Stadions als Gerücht auf, beziffert mit 70.000 Plätzen. Allein das Agieren und Auftreten seit Gründung des Clubs lässt vermuten, dass diese Zahl nicht gänzlich aus der Luft gegriffen ist. Natürlich wird es vorrangig um die Anzahl an teuer zu verkaufenden VIP-Logen gehen, aber ein 70.000 Plätze fassendes Stadion in/bei Leipzig? Wäre aus meiner Sicht eher wahnwitzig, wenn nicht sogar wahnsinnig. Mal zum Vergleich: Hannover (knapp über 500.000 Einwohner) – 49.000 Plätze / Frankfurt (fast 700.000 Einwohner) – 51.500 Plätze / Stuttgart (fast 600.000 Einwohner) – 60.500 Plätze. Dort wurde auch – mal mehr, mal weniger – international gespielt.

    Ich bin der Meinung, dass zwischen Kölmel und RasenBallsport um das Zentralstadion gerangelt wird. Wahrscheinlich liefen die Gespräche im Hintergrund über einen Stadionkauf nicht nach den Vorstellungen der RBL-Verantwortlichen, sodass man nun ein wenig in der Öffentlichkeit lanciert.

  5. @Adamson: Du wirst schon erlauben, dass ein Blogartikel stärker mit Pointierungen arbeitet als dies bspw. ein Gutachten, das die Folgen für die Stadtentwicklung nachweisen will, tun würde.

    Unfairness kann ich nicht wirklich erkennen. Ich habe glaube deutlich gemacht, dass es bauliche, organisatorische und einnahmetechnische Gründe gibt, die zumindest auch nachvollziehbar machen, warum aus Vereinssicht ein Neubau durchaus Sinn machen würde (und du wirst vermutlich nicht mit mir streiten, dass der Verein kein Stadion unter 55.000 Zuschauern neu bauen würde). Für mich sind aber, das habe ich versucht deutlich zu machen, die politischen Argumente wichtiger. Also wenn man unter Politik versteht, das unter den Gegebenheiten Bestmöglichezu erreichen. Und ja, ein leerstehendes Stadion in der Innenstadt kostet die Stadt Geld und ist durch Konzerte und Co nicht kostendeckend zu betreiben. Die städtische Quersubventionierung des Stadions durch die Zuschüsse zum Betrieb der ihr gehörenden und von der ZSL betriebenen Halle zeigen das ja ganz gut.

    Klar geht der Beitrag nicht auf jedes Detail der Umbauproblematik ein. Weil alle Details wie die zweijährige Umbauphase Mühe und Probleme mit sich bringen, aber eben auch nicht grundsätzlich unlösbar (im Sinne von unmöglich, sie zu tun) sind. Und ja für die VIP-Plätze würde es sicher kreative Möglichkeiten geben, wenn man eh zwischen Stadion und Wall noch eine begehbare Ebene einziehen müsste bei mehr Zuschauern, um Infrastruktur wie Toiletten und Co unterzubringen (auch der Glockenturm war ja letztens als kreative Möglichkeit im Gespräch). Das löst nicht alle Dinge zu 100% und Probleme wie die offenen Treppen im Winter und manch enge Stelle im Stadion bleiben weiter bestehen und die VIP-Lösungen wären sicherlich nicht sonderlich luxuriös, aber wie gesagt, die aktuelle Situation ließe sich bei einem Umbau durchaus wesentlich verbessern und deshalb wäre der Umbau aus meiner Sicht politisch (und das umfasst eben mehr als nur das Vereinsinteresse) die sinnigere Variante, wenn man erst vor zehn Jahren einen Stadionneubau für den Vereinsfußball mit öffentlichen Mitteln in die Stadt gestellt hat und dieses Stadion dem städtischen Leben so wie ein Klassik Openair oder ein Stadtfest eben auch sehr gut tut.

    Natürlich hat es im Übrigen die Stadt gejuckt, dass das Stadion einst leer stand (und sich gefreut, dass dies mit Red Bull vorbei war). Vor dem Umbau hat man viel Geld jährlich für das verfallende Zentralstadion gezahlt. Und nach dem mitfinanzierten Bau hat man gehofft, dass sich die Dinge über Kölmel und ein paar Zuschüsse über städtische Firmen für den FCS-Nachwuchs lösen. Kölmel hat ja (mal mehr mal weniger) versucht, sich den FC Sachsen als nach oben strebenden Hauptmieter heranzuziehen und nebenbei auch versucht, Lok ein wenig zu hofieren. Bis 2009 spielte der FC Sachsen ja auch noch im Kölmel-Haus. Bei oft unter 2.000 Zuschauern halt defizitär.

    Und zur Auslastung noch: Damit habe ich mich erst kürzlich hier recht umfassend zu den Zweitligazahlen befasst. http://rotebrauseblogger.de/2016/06/08/bilanzen-vom-rande-des-spielfelds-20152016/ Und ja, für Kapazitätsfragen ist es nun mal spannender, wie viele Zuschauer in schlechten Fällen kommen und nicht wie viele gegen Bayern, Dortmund, Schalke oder Hertha ins Stadion passen könnten. Gerade mal 45% Auslastung und eine Zuschauerzahl von unter 20.000 während einer sehr erfolgreichen Phase in der zweiten Liga kurz vor der Winterpause waren eher ein Dämpfer für ganz große Zuschauerambitionen. Natürlich sagt das noch nichts über die Bundesliga aus und ich behaupte auch nicht, das ich final weiß, wie es laufen wird. Ich behaupte nur, dass es kein Selbstläufer wird, schon die jetzige Stadiongröße dauerhaft gut zu füllen und mir die Sache gern mal in den nächsten ein, zwei Jahren anschaue (mir klar, dass der Verein die Zeit eher nicht hat). Ich bin da eher skeptisch und sehe durchaus auch mal einen Besuch unter 30.000 Zuschauern als möglich an, aber da lasse ich mich auch gern eines besseren belehren.

    1. Bei diesem Thema spielen Emotionen eine große Rolle, das hast du selbst in der Randbemerkung anklingen lassen. Dagegen bin ich auch nicht, auch nicht gegen eine Diskussion. Wogegen ich mich wehre ist, wenn man versucht diese Emotionen durch rhetorische Taschenspielertricks in die eine oder andere Richtung („meine Richtung“) zu manipulieren und dann ist es eben nicht mehr objektiv.
      Wenn hier vom möglichen Neubau schon von vornherein vom „Stadionmonster“ gesprochen wird, dann wird ohne Zwischentöne ein negatives Bild erzeugt und niemand hat beim Lesen ein positives Bild vor Augen. Auf der anderen Seite steht dann das sympathische Innenstadtstadion, wo fröhliche Familien Sonntags ein Fußballspiel besuchen, Kinderlachen, Sonne, ein Hund bellt, Fried-Freude-Eierkuchen…
      Ich bitte dich, du erkennst nicht, wo du gemogelt hast? Wie wäre es mit der Tatsache, dass der fehlende Gästeparkplatz diesem Familienidyll aber gehörig den Garaus machen könnte.
      Du spielst hier mit Assoziationen und wählst bewusst negativ belegte Vergleiche für das kalte, seelenlose Stadion am Stadtrand (obwohl noch niemand weiß, wo es eventuell stehen könnte, oder ob es vielleicht gar nicht so seelenlos aussehen könnte), mit dem Flair eines Möbelmarktes am Dienstagmorgen und stellst dagegen ausnahmslos positive Attribute oder Beschreibungen für das bestehende Stadion. Das ist unfair.
      Und nur weil du ein Blogger bist, kannst du dir diese Zaubertricks erlauben? Nein, sorry, das kannst du nicht.
      Auch du hast eine Verantwortung für die Dinge, die du veröffentlichst.

  6. Vielleicht sind wir Leser mit Deine Objektivität zu sehr verwöhnt @rotebrauseblogger. Du berichtest rund um Rasenballsport Leipzig durchweg neutral, kennst die unbedeutenste Geheimnisse von Laufwegen oder Hymnentexten und wer wann und wo sich einen Splitter eingezogen hat. 😉

    Das beim Thema Stadion die Meinungen auseinander gehen finde ich legitim und nicht jeder ist im #TeamInnenstadtstadion. Nur habe ich bis dato noch nicht einen schlüssigen! Artikel oder Blog gelesen, der für einen Neubau sprechen würde.

    Ich finde den Blog gelungen, weil er eben den Finger in die Wunde legt, wo die Streitparteien sich einigen müssen. Und das sind einige Punkte. Bestes Beispiel ist doch die Hertha, die als Millionenmetropole ihr Stadion nicht richtig auslastet (was viele Gründe hat) und Herr Preetz auch „gedroht“ hatte Neu zu bauen. (Nun hat man eine höhere Miete als vorher und bleibt vorerst im Oly)

    Ich bin auch gespannt, wie das Kräftemessen ausgeht, aber es kann mMn nur eine Lösung geben. RB wird Eigentümer mit allen Rechten und Pflichten. Was den Ausbau oder VIP etc. betrifft, erinnere ich mich gerne an Herrn Mateschitz, der sagte: „Wer einen Menschen aus dem Weltraum springen lassen kann, der kann auch so ein Stadion richtig ausbauen. „

  7. @rotebrauseblogger:
    Danke für deine täglichen Beiträge. Die Art und Weise, wie du Themen rund um unseren RBL beleuchtest ist erstligareif! Blockartikel dürfen ( und sollten) auch ruhig mal kontrovers diskutiert werden. Mach weiter so! 👍⚽️⚽️⚽️⚽️⚽️

  8. Wie immer ein sehr gut ausgearbeiteter Beitrag .der vorallem die Interessenlagen aller Seiten beleuchtet .
    Letztendlich ist es doch auf dem Punkt gebracht , nur die Eigentümerfrage um die es geht.
    Nicht umsonst wird immer nur von einer Parkhausplanung gesprochen, den es wird sicherlich keiner ein Parkhaus bauen , das Leer steht, wenn RB nicht mehr im Stadion ist.
    Klar ist natürlich auch das Herr Kölmel den maximalen Gewinn erzielen will.nach den Verlustjahren, aber trotzdem sollte man da eine Lösung finden.den ein leerstehendes Stadion sollte nicht im Interesse aller Beteiligten sein.
    Ein Stadion in der Stadt hat schon seinen eigenen Reiz.
    Und der entsprechende Umbau sollte auch nicht das Problem darstellen. Da der umliegende Ring genug Potenzial für WC und Imbiss bietet.
    Die Bayern wären auch viel lieber in der Stadt geblieben .wenn es nicht die baulichen und Denkmal unveränderlichen Auflagen gegeben hätte.

  9. Zu Deiner Randbemerkung:
    Vielleicht erinnerst Du Dich noch an die Rüssmann-Zeit bei Gladbach mit dem Stadionneubau am Rand der Stadt weg vom Bökelberg?
    Frag jetzt mal bei den Fans von der Borussia aus Mönchengladbach nach. Die hat’s „alle gekriegt“ (deine Ausdrucksweise) und jeder ist jetzt froh darüber!! Niemand weint dem Bökelberg hinterher. (was wurde damals gelästert über das Verlassen des Bökelbergs)
    Wenn RB schlau wäre ( und das sind sie), gibt es da nicht mehr viel zu überlegen. Die sollten sich ein Beispiel an Gladbach nehmen. Denn irgendwann wird es in Leipzig europäischen Spitzenfußball geben. Das Beispiel Gladbach zeigt wo der Weg hingeht wenn man ein eigenes Stadion hat.
    Und für RB ist ein Stadionneubau „ein Klacks“. Das kann man nicht mit der damaligen Situation in Mönchengladbach vergleichen.
    Und ja: Fußball wird es in Leipzig noch weit über 2040 hinaus geben.

  10. @Adamson: Sieh es, wie du es siehst. Die Zuspitzung mit „Friede, Freude, Eierkuchen“ in der Stadt kommt von dir, nicht von mir. Ansonsten bleibt es dabei, dass ich hier keine Position unter den Tisch hab fallen lassen, sondern ein Gesamtbild mit Eigenpointierungen gezeichnet habe. Kein „Zaubertrick“, nichts „unfaires“, lediglich eine sachorientierte Darstellung mit eigener Positionierung (gegen die man offenbar diskutieren kann, wie du zeigst, aber auch andere zeigen). Für die ich in diesem Fall auch sehr gern die Verantwortung übernehme, weil darin nichts unredliches drinsteckt.

    @Thomas: Ich vermute persönlich auch, dass man zumindest nicht viele Anhänger bei einem Umzug an den Stadtrand verlieren würde. Deswegen schrieb ich auch, dass meine eigene Sentimentalität sicherlich nicht repräsentativ ist. Vielleich werde ich dann einfach Fernsehfan oder gehe zu einem anderen Sport, falls es soweit kommt und ich merke, dass mich das nicht kriegt. Ist ja auch ok.

  11. Ich halte es für absolut denkbar, dass dass Management von RB derzeit einfach die Schrauben anzieht, eine Machbarkeitsstudie beauftragt und dann sehr öffentlich das Stadionthema diskutiert um sowohl Stadt wie Herrn Kölmel unter Druck zu setzen.
    Für die Stadt wäre es sicherlich wenig erquicklich nach Wegen suchen zu müssen wie man draußen vor der Stadt die ganzen Besucher bewältigen will. Selbst in München mit der Anbindung an Autobahn und dem Anschluss an ein riesiges U-Bahnnetz kann es gerne mal 1 Stündchen oder länger dauern, bis man aus der Garage rauskommt oder unter halbwegs erträglichen Bedingungen die Rückfahrt in die Stadt antreten kann. In einem Innenstadtstadion können Fans sich zerstreuen, in Lokale gehen, am Fluss entlang zu Fuß oder mit dem Rad in andere Stadtteile wechseln und dort dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiterfahren etc.
    Herr Kölmel wird sich auch fragen was er mit dem Stadion anfangen würde wenn sein Hauptmieter eines Tages weg ist. Ein paar ACDC Konzerte oder Udo L machen das Stadion alleine sicherlich nicht zu einem profitablen Investment.
    Ich denke es wäre zumindest denkbar dass die RB Verantwortlichen versuchen sich hier teuer zu verkaufen sprich entweder das Stadion übernehmen wollen und/oder mehr Zugeständnisse von der Stadt zu erzwingen versuchen. Nach dem Motto “ uns jetzt ein wenig mehr entgegen kommen ist billiger und weniger Stress als mit uns ein komplett neues Stadion am Stadtrand in Betrieb zu nehmen.

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