Kaderrückblick RB Leipzig: 2.Liga 2015/2016 – Teil II

Weiter geht es mit der Saisonaufarbeitung. Diesmal mit Teil II der Betrachtungen zu den einzelnen Spielern des RB-Kaders. Nach den Torhütern und Verteidigern sind heute die Mittelfeldspieler und die Stürmer dran. Geordnet ist die Übersicht nach Positionen (Mittelfeld, Sturm) und innerhalb der Positionen nach Einsatzzeit..

Mittelfeld

Dominik Kaiser (27 Jahre, 32 Spiele, 2681 Minuten): Und dann wurde der Kapitän doch wieder zur großen Konstante im Mittelfeld. Bis zur Winterpause noch immer mal mit einigen Problemchen, spielte er eine fast schon traditionelle Rückrunde auf hohem Niveau. Insbesondere in den ersten Spielen nach der Winterpause ein dominanter Offensivmotor, der selbst abschloss, aber auch einige Tore vorbereitete. Dass Kaiser der mit Abstand meistgefoulte Spieler im RB-Kader wurde, sagt viel über seine Präsenz und über seine Bereitschaft, im Spiel Verantwortung zu übernehmen, aus. Es sagt aber auch etwas darüber aus, wie ihn die Gegner sehen und wie ernst sie ihn nehmen. In vier Jahren RB Leipzig hat sich Kaiser in der Mannschaft und bei den Gegnern ein ganz hohes Standing erarbeitet und ist nach den Abgängen von Frahn und Co letzten Sommer zu so etwas wie dem Gesicht des Teams geworden. Wird spannend, was er davon mit in die Bundesliga nehmen kann. Schon beim Schritt in die zweite Liga hatte man manchmal das Gefühl, dass die Spielgeschwindigkeit für Kaiser manchmal zu hoch ist. Doch er hat sich durchgebissen und an die Liga angepasst. Zuzutrauen ist es ihm, dass ihm das auch beim Schritt in die Bundesliga noch mal passiert. Dominik Kaiser könnte nach Düsseldorfs „Lumpi“ Lampertz der zweite Fußballer in Deutschland überhaupt werden, der nicht nur mit der selben Mannschaft von der vierten in die erste Liga durchmarschiert ist, sondern auf allen Ligaebenen auch ein Tor schießt.

Emil Forsberg (24 Jahre, 33 Spiele, 2671 Minuten): Wenn man an spektakuläre Offensivakteure in der zweiten Liga denkt, dann landet man zwangsläufig zuerst bei Emil Forsberg. Der Offensivmann, der in Leipzig fast durchgängig so etwas wie den linken Zehner spielte, ist an guten Tagen im Eins-gegen-Eins schwer bis gar nicht zu stoppen. Ihm zuzuschauen, wenn er den Ball am Fuß hat, macht viel Spaß. Im Gegensatz zum ersten halben Jahr in Leipzig in der vergangenen Saison, traf Forsberg zudem das Tor. Immerhin achtmal. Über die Saison gesehen und insbesondere nach der Winterpause blieb aber in Sachen Effizienz bei vielen guten Situationen im und am gegnerischen Strafraum noch viel Luft nach oben. Wenn er diesbezüglich in der Bundesliga noch einen Sprung macht, dann könnte Forsberg auch im Fußballoberhaus für Furore sorgen. Wenn nicht, dann könnte er ab und zu in Schönheit sterben.

Stefan Ilsanker (27 Jahre, 28 Spiele, 2208 Minuten): War bis zur Winterpause absolut gesetzt und nicht aus dem Team wegzudenken. Hatte nach der Winterpause auch ein paar schwierige Wochen. Verletzt, gesperrt, krank und zwischendurch auch mal untypisch sehr schwache Auftritte (Heidenheim!). Nach der Winterpause ging für den Österreicher bei weitem nicht alles glatt, sodass er nur noch in weniger als der Häfte der möglichen Spielzeit auf dem Platz stand, nachdem er vor der Winterpause noch meisteingesetzter Mittelfeldspieler war. Ilsanker ist im Mittelfeld eher der tiefe Sechser, der im Spielaufbau oft auch eine Rolle zwischen den Innenverteidigern übernimmt. Seine große Stärke ist das Schließen von Lücken und vor allem das Verteidigen nach vorn. Unheimlich gutes Gespür dafür, wann er die zwei, drei Schritte nach vorn machen und den gegnerischen (Gegen-)Angriff durch aggressives Verteidigen unterbinden muss. Probleme hat Ilsanker, wenn er das Spiel nach vorn eher Richtung Achterposition ankurbeln soll. Könnte als zentraler Sechser mit absichernden Aufgaben und von seiner Mentalität her in der Bundesliga wichtig werden.

Diego Demme (24 Jahre, 28 Spiele, 2193 Minuten): Vielleicht die Überraschung der Rückrunde. Als Dauerläufer und unangenehmen Gegenspieler im Mittelfeld kannte man ihn schon. Vor allem nach der Winterpause aber zunehmend auch als Achter überzeugend. Mit Abstand die meisten Ballkontakte pro 90 Minuten aller RB-Spieler. Dazu eine gute Passquote. Kurbelte so im Mittelfeld auch immer wieder das Spiel an, trug den Ball in des Gegners Hälfte und suchte und fand dort Anspielstationen. Achillesferse des Diego Demme bleibt die direkte Torgefahr. Zwar war er vom zentralen Mittelfeldtrio mit Ilsanker und Khedira an den meisten Toren beteiligt, doch das erste Tor im Männerbereich war ihm auch diese Saison nicht vergönnt. Gegen Bochum schien es fast soweit, da wurde sein Tor allerdings wegen Foulspiels zuvor abgepfiffen. Vielleicht klappt es ja in der Bundesliga. Zumindest hat man nach der durchaus eindrucksvollen Entwicklung Demmes in der abgelaufenen Saison im Gegensatz zur Situation vor einem Jahr inzwischen das Gefühl, dass Demme auch in der ersten Liga seine Chancen bekommen wird und seine Qualitäten wichtig werden können.

Massimo Bruno (22 Jahre, 26 Spiele, 1384 Minuten): Braucht sich in Sachen spektakulärem Spiel an guten Tagen nicht vor einem Emil Forsberg verstecken und liegt mit einer Beteiligung an einem Tor alle 123 Minuten absolut auf Augenhöhe mit dem Schweden. Aber Bruno blieb auch nach der Winterpause zu inkonstant. Überzeugenden Auftritten wie dem gegen Bochum folgten wieder Spiele wie das in Düsseldorf, in denen er komplett unterging und vor dem physischen Spiel der Liga zu kapitulieren schien. Der Belgier, der mi seinen 22 Jahren immer noch sehr jung ist, hat alles für einen großen Fußballer. Nur Geradlinigkeit fehlt ihm noch und sich auch mal gegen unliebsame Gegner und Gegenspieler durchzusetzen. Spielt er in der Bundesliga weniger in die Breite und arbeitet etwas besser gegen den Ball, hat er alle Chancen auf Spielzeit. Bleibt es eher bei dem, was Bruno in der zweiten Liga angeboten hat, wird es nicht über die Rolle Ergänzungsspieler hinausgehen.

Rani Khedira (22 Jahre, 20 Spiele, 897 Minuten): Über die Saison gesehen eher der Ergänzungsspieler im zentralen Mittelfeld. Profitierte nach der Winterpause immer mal wieder von Ausfällen und kam zu einigen Spielzeiten. Fiel dann aber selbst zwischendurch wieder verletzt aus. Im Vergleich mit Ilsanker und Demme mit klaren Nachteilen, weil er nicht das Vorwärtsverteidigen des einen und das laufintensive Verbinden von Offensive und Defensive des anderen beherrscht. Ein wenig fehlt es Khediras Spiel in beide Richtungen des Platzes an Dynamik. Keinerlei Tore und Torvorbereitungen geben auch Auskunft über spezielle Problemlagen. Wenn Rani Khedira in der Bundesliga bei zu vermutenden Neuzugängen plötzlich Spielzeiten bei RB Leipzig ergattern will, muss sehr viel passen. Möglich, dass er diesen Kampf im letzten Vertragsjahr in Leipzig annimmt. Denkbar aber auch, dass er im Laufe der Transferperiode zu der Ansicht gelangt, dass andere Optionen vielversprechender für seine Entwicklung sind.

Idrissa Touré (18 Jahre, 1 Spiel, 2 Minuten): Der zweitjüngste Debütant in der abgelaufenen Zweitligaspielzeit. Nur Karlsruhes Marvin Mehlem war bei seinem Debüt zwei Tage jünger. Idrissa Touré bringt viel mit, um irgendwo zwischen Sechs und Acht oder sogar als Innenverteidiger für Furore zu sorgen. Wohin sich ein 18jähriger dann wirklich entwickelt, lässt sich nur schwerlich seriös prognostizieren. Auch in der kommenden Spielzeit wird er noch eher zum Lernen mit den Profis unterwegs sein. Dass daraus viel Einsatzzeit resultiert, ist eher unwahrscheinlich. Könnte aber verstärkt über U23-Einsätze an den Männerbereich herangeführt werden.

Patrick Strauß (20 Jahre, 0 Spiele, 0 Minuten): Im zweiten Jahr im Profikader ohne Einsatzzeit geblieben. Auch einige Verletzungsproblemchen trugen dazu bei. Wurde dafür stärker bei der U23 zur Stütze. Wird dort nach Lage der Dinge in der kommenden Saison dauerhaft integriert. Kann man als Rückstufung empfinden, könnte aber im besten Fall auch dazu führen, dass sich Strauß in einem festen Mannschaftsumfeld besser entwickeln und sich darüber auch besser für höheres empfehlen kann.

Sturm

Marcel Sabitzer (22 Jahre, 34 Spiele, 2916 Minuten): Vor der Winterpause der konstanteste der Offensivspieler gewesen, fiel Sabitzer in den verbleibenden 15 Saisonspielen etwas ab. Nur noch ein Tor und zwei Vorlagen stehen in dieser Zeit zu Buche. Trotzdem ist er über die Saison der Spieler, der an den meisten RB-Toren direkt oder in der Entstehung beteiligt war. Bei insgesamt 25 Treffern, fast der Hälfte aller Tore, hatte er auf die eine oder andere Art und Weise seinen Körper im Spiel. Allein diese Zahl macht die Wichtigkeit des 22jährigen, der seine besten Spiele als zweite Spitze machte, deutlich. Sehr ehrgeiziger Typ, der manchmal seine Unzufriedenheit mit den Mitspielern etwas arg expressiv mitteilt. Insgesamt ist der Österreicher aber mit seinem direkten Zug zum Tor und seinen fußballerischen Qualitäten über jeden Zweifel erhaben. Wird spannend, wie Sabitzer in der Bundesliga einschlägt. Einer der ersten Kandidaten, wenn es darum geht, wer aus dem RB-Kader im Oberhaus direkt für Furore sorgen kann.

Wichtigste und konstanteste Offensivoption bei RB Leipzig - Marcel Sabitzer spielt eine herausragende Saison | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Yussuf Poulsen (21 Jahre, 34 Spiele, 2121 Minuten): In der Rückrunde auch von den Einsatzzeiten her wieder in einer ganz zentralen Rolle und im Sturm gesetzt. Lief fiel, nahm viele Sprints, führte viele Zweikämpfe und rieb die gegnerischen Defensiven so auf. Vor dem Tor bei sieben Treffern mit einer ausbaubaren Bilanz. Der ganz große Torjäger ist Poulsen (noch) nicht. Dafür beeindruckt er mit seiner Art und Weise Fußball zu arbeiten. Manchmal fällt er noch ins Lamentieren über Pfiffe oder nicht gekriegte Pfiffe zurück. Etwas was ihn auch in der Bundesliga wohl eher nicht zum Schiedsrichterfreund machen wird. Wird aber mit seinem unermüdlichen Engagement in der Bundesliga für die Defensiven ein unangenehmer Gegenspieler sein. Spannend dabei die Frage, ob er sich erneut als zentraler Stürmer durchsetzen kann oder es ihn eher auf eine Außenstürmerposition verschiebt.

Davie Selke (21 Jahre, 32 Spiele, 1997 Minuten): Einer der Verlierer der Rückrunde. Spielte keine 500 Minuten mehr nach der Winterpause und war zumeist erster Einwechselstürmer. Die Variante mit Poulsen zusammen aufzulaufen, zündete noch zu selten. Mit zehn Toren war Selke allerdings über die Saison gesehen RB-Topstürmer. Auch in Sachen Chancenverwertung (18 Prozent aller Torschüsse waren auch Tore) war Selke der beste im Team. In den Zahlen drückt sich auch aus, dass Selke eher ein klassischer zentraler Stürmer ist, der dem Team Vorbereitungen veredelt. Dazu braucht es dann aber eben auch Torvorbereitungen. Und man muss damit leben können, dass ein Selke die gegnerischen Defensiven nicht mit derselben Physis bearbeiten kann, wie dies ein Poulsen tut. Selke hat in Sachen Zweikampfführung, Laufwege und Spieleinbindung noch Luft nach oben. Verbessert er sich in diesen Bereichen und bleibt im Torabschluss vergleichsweise sicher, dann werden seine Einsatzzeiten auch wieder nach oben gehen. Wenn nicht, dann könnte es auch weiter so sein, dass RB Leipzig das Luxusproblem eines Bankspielers Selke hat. Bei steigendem Unzufriedenheitspotenzial.

Nils Quaschner (22 Jahre, 20 Spiele, 419 Minuten): Klare Jokerrolle bei gerade mal 18 Minuten pro Zweitligaeinsatz. Mit nur einem Tor und einer Vorlage aber nach seinen Einwechslungen auch mit wenig Impact aufs RB-Spiel. Bringt ordentlich Physis mit, hat aber seine größten Qualitäten in der Sturmzentrale, wo die Luft gegen Selke und Poulsen einigermaßen dünn ist. Schwer vorstellbar, dass der 22jährige Quaschner in der Bundesliga plötzlich in Sachen Einsatzzeit auf ein Level kommt, das für seine Entwicklung angemessen wäre. Regionalligaeinsätze dürfte da auch kein adäquater Ersatz sein. Eine Leihe könnte durchaus Sinn machen.

Terrence Boyd (24 Jahre, 0 Spiele, 0 Minuten): Seit Anfang Dezember 2014 wegen Kreuzbandriss und einiger Folgeprobleme weg vom Fenster. Entsprechend in der abgelaufenen Saison komplett ohne Einsatzzeit. Hat darüber zwar nie den Mut und nie den Kontakt zur Mannschaft verloren, aber zur kommenden Saison, zu der er hoffentlich wieder fit ist, den Anschluss auf Bundesliganiveau zu schaffen, ist eine Monsteraufgabe. Als physischer, zentraler Stürmer wäre er hinter Selke und Poulsen sicherlich eine hübsche Option. Aktuell aber völlig unabsehbar, in welcher Verfassung er zurückkommt und ob er halbwegs da anschließen kann, wo er 2014, als er sich bei RB Leipzig in den Stamm gespielt hatte, aufgehört hat. Aber momentan ist sowieso die Hauptsache, dass Boyds Knie hält und er an einen Punkt kommt, überhaupt wieder irgendwo auf einem Fußballplatz zu stehen. Und sei es übergangsweise in der U23 von RB Leipzig.

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Fazit

Wie auch in der Defensive, wo die Positionen an Klostermann, Orban, Compper und Halstenberg relativ fest vergeben waren, gab es auch auf den Positionen davor wenig Bewegung. Wenn alle Spieler fit waren, dann waren Ilsanker, Demme, Kaiser, Forsberg, Sabitzer und Poulsen in Mittelfeld und Angriff nach der Winterpause meist gesetzt. Wie in der Abwehrkette gilt auch hier, dass der Bundesligaaufstieg und die zu erwartenden Transfers da noch mal einiges durcheinanderwirbeln werden. Auf Spieler wie Poulsen, Sabitzer oder Forsberg und ihre Entwicklung darf man in der Bundesliga aber trotzdem gespannt sein.

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Bisherige Kaderrückblicke:

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Bilder: © GEPA pictures/ Roger Petzsche, Sven Sonntag

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