Was von Spieltag 34 bleibt

Und da ging sie dann doch dahin, die Saison 2015/2016, die auf den ersten beiden Plätzen jene Teams sah, die man auch am Anfang der Saison da erwartet hatte. Fußballerisch war es nicht unbedingt eine sehr spektakuläre Saison. Wie schon letztes Jahr viel laufen, kratzen, beißen und wenig überraschendes.

Selbst Freiburg verordnete sich nach der Winterpause eine darmstadteske Zweitligataktikspritze und setzte fortan vermehrt auf lange Bälle, weil man bemerkt hatte, dass man mit Zerspielen nicht ganz so hohe Erfolgsaussichten hat. Das und viele Standardtore, zusammen mit einer hervorragend besetzten Offensive sorgten am Ende für den sicheren Aufstieg.

Fußballerisch am interessantesten ging es vielleicht in Bochum zu, wo Gertjan Verbeek von seiner Idee, mit Ballbesitz und vielen Läufen im Hochgeschwindigkeitsbereich (quasi spielerisch geradlinig) die Konkurrenz nass zu machen, auch dann nicht abrückte, wenn er damit offensichtlich ins offene Messer rannte. Das war in vielerlei Hinsicht unterhaltsam, aber am Ende auch nicht so erfolgreich, wie man beim VfL lange insgeheim gehofft hatte. Der Unterschied zu den Spitzenteams bestand tatsächlich darin, dass man viele Torschüsse zuließ und diesbezüglich auf Augenhöhe mit Paderborn, Frankfurt und Duisburg, also nicht gut war.

Nicht ganz so interessant anzusehen, war der Karlsruher SC, der hinter RB Leipzig das zweitbeste Defensivteam der Liga war, nachdem man zu Beginn der Saison noch als Schießbude umherlief. 15 Gegentore in den ersten sieben Spielen, nur noch 22 Gegentore in den folgenden 27 Spielen. Markus Kauczinski hat den nach dem verpassten Aufstieg sportlich strauchelnden Club wieder auf stabilen Kurs gebracht und ihn vor allem Fußball spielen lassen. Nur wenige Vereine, die so konsequent den langen Ball vermieden haben wie der KSC. Dass das trotzdem nicht oft unterhaltsam war, lag vor allem daran, dass im Offensivbereich ein, zwei konstante Akteure auf höherem Zweitliganiveau fehlten, die die Spielweise hätten veredeln können.

Der Verein, der vielleicht am meisten unterm Radar flog, war Arminia Bielefeld. Die sich einen Eintrag in die Zweitligaannalen dadurch sicherten, dass man mit 18 Unentschieden nun alleiniger Remisrekordhalter ist. Vielleicht nicht unbedingt der Titel, den man am Ende einer Spielzeit gewinnen will, aber für einen Aufsteiger durchaus beeindruckend, wie schwer man zu besiegen war. Nur Nürnberg, Leipzig und Freiburg verloren seltener mit mehr als einem Tor als Bielfeld. Und nur diese drei Clubs waren auch in Bezug auf die Balance zwischen Offensive und Defensive besser, wenn man das Verhältnis zwischen eigenen Torschüssen und gegnerischen Torschüssen als Maßstab nimmt. Wer einen Außenseitertipp für den Aufstieg für die kommende Saison sucht, sollte an Bielefeld denken, denen nicht viele Puzzlestücke gefehlt haben, um mit ihrer guten, wenn auch nicht sehr kreativen Mannschaftsorganisation, gespickt mit einiger Erfahrung schon in dieser Saison um die Plätze 4 bis 6 mitzuspielen.

Wenn man bei positiven Überraschungen ist, dann kann man natürlich auch St. Pauli nehmen. Wobei ein Ausschlag nach oben bei so einem Verein, der letzte Saison ja eher völlig überraschend in den Abstiegsstrudel geriet, immer drin liegen sollte. Viel eher bleibt schon Sandhausen in Erinnerung, die trotz drei Punkten Abzug wegen Lizenzvergehen souverän in der Liga blieben. Klar, dass sie dabei extrem von ihrer ersten Saisonhälfte lebten. Nach dem 15. Spieltag stand man mit 25 Punkten auf Platz 4 (hatte also schon 28 Punkte geholt). In 19 weiteren Spielen reichte es nur noch für 15 Punkte. Was Abstiegsniveau bedeutet. Abstieg ist sowieso etwas, was den Verein auch in jeder weiteren Spielzeit begleiten wird.

Zumal wenn Alois Schwartz, der Sandhausen mit einem stabilen 4-4-2 mit wenig ganz großer Kreativität, dafür aber mit klarem Plan, ausstattete, tatsächlich den Verein verlassen sollte. Klare Treuebekenntnisse sind von ihm nicht zu hören. Wäre auch witzlos angesichts einer Situation, in der es für Schwartz in Sandhausen nicht mehr höher geht, ihm die Wertschätzung für die überragende sportliche Leistung seines SVS fehlt und der Sprung in die Bundesliga dran wäre.

Etwas erstaunlich, dass man um Stefan Ruthenbeck ähnliches gerüchtelt. Seine Saison mit Greuther Fürth war nicht schlecht und auch dem Umbau auf eine aktive Spielweise gewidmet. Als großen Bundesligakandidaten hätte man ihn aber nicht gesehen. Allerdings vermied Ruthenbeck wie auch Schwartz ein klares Bekenntnis zu seinem Club auch über den Sommer hinaus.

Nicht mehr bekennen muss sich Markus Kauczinski, der bereits in Ingolstadt unterschirieben und den Schritt von der zweiten in die erste Liga auch ohne Club geschafft hat. Völlig zurecht kriegt er eine Chance in der Bundesliga, nachdem er in Karlsruhe in den letzten Jahren hervorragendes aufgebaut hat, das langsam wieder einzureißen nun Tomas Oral versuchen darf. Ob Ingolstadt für Kauczinski die beste Wahl ist, muss man abwarten. Dort hat Hasenhüttl die Messlatte so hoch gelegt, dass es schwer werden wird, dieses Niveau oder überhaupt den Klassenerhalt wieder zu schaffen, man als Trainer also auch viel zu verlieren hat. Unterhaching und Aalen, Hasenhüttls Ex-Vereine spielen inzwischen unterhalb der Liga, in der Hasenhüttl gegangen war. Mal sehen, wie es Ingolstadt kurzfristig ergeht.

Am enttäuschenden Ende der Überraschungen dieser Saison standen mal wieder Düsseldorf und 1860 München, die es mit üblicher Unruhe hinbekamen, lange Zeit am Rande der Drittklassigkeit zu wandeln. Beide Clubs haben natürlich weiterhin in vielerlei Hinsicht das Potzenzial zum oberen Drittel der zweiten Liga zu gehören, aber aktuell gehören sie höchstens vom unfreiwilligen Unterhaltungswert her dorthin. Gerade 1860-Investor Ismaik ist immer wieder für eine prima Geschichte gut. Aktuell hat er seine Löwen sehr, sehr dolle lieb. Mal sehen, wann er den Laden dann wieder mal crashen will.

Mit ganz leichten Abstrichen ging auch Kaiserslautern als Enttäuschung durch. Wobei die vom taktischen Bereich bis hin zur Vereinsführung so viele Umbrüche moderieren mussten, dass ein letztlich souveräner Mittelfeldplatz eigentlich völlig in Ordnung geht. Spannend werden sie die nächsten ein, zwei Jahre. Nach 7000 Zuschauern pro Spiel weniger diese Saison als letzte Saison, einigen Löchern in den Kassen, der Suche nach einem neuen Hauptsponsor, einem geringeren Etat für die kommende Spielzeit und wieder mal Abgängen wichtiger Spieler wird es für die neue sportliche Leitung nicht einfach. Wobei der neue Sportdirektor Uwe Stöver durchaus für einiges an Kompetenz steht und man ihm den Umbruch durchaus zutrauen kann. Ist halt die Frage, wie viel und wie lange er die Rückendeckung des unruhigen Umfelds in Kaiserslautern hat.

Die ganz große Katastrophe erlebte der SC Paderborn diese Saison, der von der ersten Liga einmal in die dritte Liga durchstürzte. Ein irgendwie merkwürdiger Abstieg. Sportlich gesehen hatte man einen ordentlichen Kader und viele Spiele, die man knapp und unglücklich verloren hat. Allein die null Punkte aus den drei Heimspielen 2016 gegen Freiburg, Leipzig und Nürnberg waren ein Witz und hätten genausogut neun sein können, wenn man statt Latte und gegnerischen Torwart mal ins Tor getroffen oder der Linienrichter nicht Abseits gesehen hätte. Von der Sorte gab es noch ein paar andere Spiele, sodass ein Relegationsplatz locker drin gewesen wäre.

Allerdings kommt man mit dem Motiv Pech auch nicht ganz weit. Das wurde in Paderborn auch gern in Phasen bemüht, als man nicht nur Pech hatte. Dass man mit Riesenabstand auf den Rest die schlechteste Ausbeute in Spielen, die nur mit einem Tor Differenz enden, hatte, hat mit Pech nach 34 Spielen eher nichts mehr zu tun. Von 23 solch engen Spielen gewann man lediglich zwei. Duisburg und Frankfurt errangen jeweils sechs enge Siege. Das war der entscheidende Unterschied, der auf irgendein tiefer liegendes Problem in der Mannschaft, sei es im taktischen oder mentalen Bereich, hinweist.

Wenn man von Problemen redet, dann ist man sofort bei Wilfried Finke, dem bis zuletzt alles bestimmenden Geldgeber und Präsidenten, der mit seiner Trainerentscheidungswillkür und seinen Eingriffen in den Teamalltag wie bei der Freistellung von Proschwitz einige Male deutlich übers Ziel hinausschoss und Leute enteierte, die Rückendeckung gebraucht hätten. Effenberg zu holen, sich in der bundesdeutschen Berichterstattungssonne zu aalen und ihn dann zu entlassen, weil er zu viel Berichterstattung mitgebracht habe, ist völlig absurd gewesen. Zumal auch noch, nachdem man ihm kurz vorher die ewige Treue geschworen hatte, die Mannschaft hinter Effenberg stand und sich der SCP in den letzten drei Spielen unter ihrem berühmten Trainer vor allem defensiv zu stabilisieren schien.

Der Absturz des SC Paderborn ist entsprechend vor allem hausgemacht. Dass Wilfried Finke jetzt als Präsident hinschmeißt, mag da als konsequent erscheinen, da nun der Weg für einen Neuanfang des Vereins frei ist. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass ein Finke auf Dauer den Verein genauso finanziell am Leben erhält, wie zu seinen Zeiten als Vereinsboss. Er wird Paderborn nicht fallenlassen, aber dass der Club sich eher wie Aalen auf einen längeren Drittligaaufenthalt einstellen kann, ist die wahrscheinlichere Variante, als dass er schnell wieder nach oben kommt. Zumal vom aktuellen Kader lediglich drei Spieler einen Vertrag für die dritte Liga haben.

In der dritten Liga wird Paderborn auf den FSV Frankfurt treffen, die sich durch einen absurden Absturz und nur drei Punkte zwischen 23. und 33. Spieltag selbst abschossen. Nicht ganz unschuldig daran ein Tomas Oral, um den durch das frühe Durchsickern seines Wechsels zum KSC viel Unruhe und offenbar auch ein gestörtes Vertrauensverhältnis zur Vereinsführung entstand. Kaderzusammensteller Oral ausgerechnet vor den letztlich entscheidenden Abstiegsspielen gegen Paderborn und in Sandhausen abzuschießen, war trotzdem nicht sehr klug. Zumal wenn man dann mit Falko Götz einen Trainier der eher alten Schule holt, der auf Erfahrung und Vereinsidentifikation setzt und Teile der jungen Leihspieler per se erst mal in die zweite Reihe stellt. Was auch nicht gerade für ein gutes Mannschaftsklima gesorgt haben dürfte.

Der FSV hatte sich einen jungen Kader zusammengestellt, dem man den Rücken freihalten und ihn Fußball spielen lassen muss. Ausgerechnet diesem Kader fehlende Identifikation mit dem FSV Frankfurt vorzuwerfen, wo dies bei der Kaderzusammenstellung einfach keine Zielvorgabe war, ist dann fast schon billiges Abschieben der Schuld am Abstieg auf die Spieler. Die konnten fast schon am wenigsten dafür, denn sie waren im Zweitligavergleich eben ein Team für das letzte Drittel, das lange auch mit einigem Glück über den eigenen Möglichkeiten punktete. Die Wahrheit des Teams liegt irgendwo zwischen Platz 10 in der Rückrunde und Platz 18 in der Rückrunde. Zum Herauskitzeln der Wahrheit war ein Falko Götz vielleicht einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.

Durch den Abstieg endet eine Strecke von acht Zweitligaspielzeiten am Stück für den FSV Frankfurt. Der TSV 1860 München geht kommende Saison in seine 13. Spielzeit im Unterhaus der Bundesliga und ist damit das Urgestein der Liga. Dahinter löst Union Berlin den FSV Frankfurt als Nummer 2 ab und geht schon in seine achte Spielzeit am Stück. Dass Union die Liga gern in näherer Zukunft nach oben verlassen möchte, ist kein Geheimnis.

Nur noch die Relegation fehlt der zweiten Liga. Die darüber entscheiden wird, ob Nürnberg die Saison als Erfolg abschließen wird oder ob man nicht doch enttäuscht darüber ist, dass man die RB-Schwächephase in den letzten fünf Spielen (nur fünf Punkte) nicht besser ausgenutzt hat. 18 Spiele war Nürnberg zwischen 11. und 28. Spieltag ungeschlagen geblieben und hatte nur drei Punkte hinter RB Leipzig gelegen, nachdem es nach 20 Spielen noch acht Punkte waren. Doch nur ein Sieg aus den nächsten vier Spielen bei gleich drei Niederlagen machten zwei, drei dicke Striche durch die Aufstiegshoffnungen. Ein Sieg mehr und man stünde nun auf Platz 2 (auch wenn solche Rechnungen immer etwas arg mathematisch sind). Mal sehen, wie weh diese kurze Schwächephase in einer unglaublich guten Serie (zumindest ab ungefähr Spieltag 15) in einer Woche tun wird.

Sonst so am Ende einer Saison, die ganz oben doch eine ordentliche Lücke zwischen Platz 3 und 4 hatte? Zweite Liga war schön. Wird offenbar trotzdem Zeit zu gehen.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In der zweiten Spalte ein Ranking nach Torschüssen (Nummer 1 hat den besten Wert, wenn man die Anzahl der eigenen Schüsse aufs Tor ins Verhältnis zu den zugelassenen Torschüssen setzt). In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl (Abgezogen werden müssen beim SV Sandhausen davon noch drei Punkte resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.), Punktzahl aus den letzten sechs Spielen, Punktzahl 2016, Punktzahl Rückrunde.

 SubjTSGeslast 62016RR
Freiburg1272133437
Leipzig216782632
Nürnberg336593238
Berlin41549122632
Bielefeld5442111822
Karlsruhe694792228
Bochum765172327
St. Pauli885372324
Kaiserslautern9745111923
Braunschweig10104681721
Fürth11114692121
Heidenheim12124552124
Düsseldorf13143571516
München1453492020
Sandhausen15134371414
Paderborn16162841112
Duisburg171732132021
Frankfurt18183231010

Tabelle nach Länderspielblöcken: Die Saison wird regelmäßig von Länderspielen unterbrochen. Jeweils nach Spiel 5, 10, 14 und 27 ruhte der Ligabetrieb für jeweils zwei Wochen. Die entstehenden sechs Blöcke (Spieltage 1-5, 6-10, 11-14, 15-19, 20-27, 28-34) und ihre Punkteausbeute werden in der folgenden Tabelle verglichen.

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Freiburg1295121816
Leipzig899151511
Nürnberg774152012
St. Pauli10884158
Bochum15616167
Berlin46581313
Karlsruhe631061012
Braunschweig71057611
Fürth51244129
Kaiserslautern8737514
Heidenheim10644138
Bielefeld6558612
Sandhausen1087477
Düsseldorf156878
München2444119
Duisburg2325713
Frankfurt765473
Paderborn348274

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3 Gedanken zu „Was von Spieltag 34 bleibt“

  1. Sehr gute Zusammenfssung der Saison 2015/16 in der 2. Liga!!

    Gebe Dir völlig Recht, daß bei Beiden Absteigern, die Trainerfrage (Oral+Effenberg) ihren großen Anteil daran hatte.

    Auf Union und Pauli bin ich nächste Saison gespannt. Kann mir gut vorstellen, daß sie vielleicht oben angreifen, obwohl Beide ihren Besten Stürmer verloren haben (Thy+Wood)

    Nur den MSV Duisburg und seine Cinderella-Story hast Du unterschlagen. 😉

    Mit Kalmar, Sebastian und Hoheneder sind nun 3 Ex-RBL-Spieler abgestiegen.
    Schade.

    1. Den MSV habe ich ja rund um das Spiel genug gewürdigt. Und wenn man es mit den Erwartungen vor der Saison vergleicht, liegt der drittletzte Tabellenplatz auch im Rahmen..

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