Was von Spieltag 33 bleibt

Da waren es nur noch drei, für die es in der zweiten Liga noch um was geht. Na gut, vielleicht dreieinhalb, denn Fortuna Düsseldorf ist zumindest rechnerisch nicht gesichert. Wer wollte denn allerdings glauben, dass ausgerechnet Duisburg und/ oder Frankfurt am letzten drei Punkte und sechs bzw. zehn Tore Düsseldorf aufholen können.

Duisburg, die im gesamten Saisonverlauf nur ein Spiel mit mehr als einem Tor gewonnen haben. Und Frankfurt, die in der Rückrunde bei sieben Punkten aus 16 Spielen stehen und dabei überhaupt gerade mal ein Spiel gewonnen haben. Wenn Düsseldorf in Braunschweig maximal knapp verliert, sind sie praktisch nicht mehr vom Nichtabstiegsplatz zu verdrängen.

Was bedeutet, dass Duisburg, Frankfurt und Paderborn den letzten bedeutsamen Platz, den Relegationsplatz und damit zwei Spiele gegen die Würzburger Kickers aus der dritten Liga, unter sich ausspielen. Für keines der Zweitligateams dürften die zwei Spiele gegen Würzburg zum Selbstläufer werden, von daher sind die Relegationsspiele auch nur ein erster Nichtabstiegsstrohhalm.

Das einzige Team, das mit einer gewissen Euphorie in die Relegation einziehen würde, wäre der MSV Duisburg. 17 Punkte seit der Winterpause sind Zweitligamittelfeldniveau. 16 Punkte aus den letzten zehn Spielen, in denen man unglaubliche 14 Punkte auf Frankfurt aufgeholt hat, gehen schon darüber hinaus. Nur drei Clubs (Freiburg, Leipzig, Nürnberg) haben in dieser Zeit überhaupt besser gepunktet als der MSV. Für Duisburg spricht akutell absolut das Momentum, selbst wenn nicht alle Punktgewinne das Ergebnis überlegener Spielweise waren.

Mit reinem Blick auf die Ansetzungen dürfte aber Paderborn die besten Karten haben. Gegner Nürnberg hat schon angekündigt, dass man ab jetzt nur noch auf die Relegation um einen Platz in der Bundesliga schaut. Sprich, man wird beim Auswärtsspiel in Paderborn eher nicht mit der Stammelf auftreten, sondern dem Team, das in der jüngeren Vergangenheit und ausgerechnet auf der Zielgerade Richtung Bundesliga ein wenig auf dem Zahnfleisch zu kriechen schien, an einigen Punkten sicherlich eine Auszeit gönnen. Nutzen muss das Paderborn immer noch selbst, aber die Chancen drei Punkte mitzunehmen, stehen gar nicht mal so schlecht.

Damit das dann für den Relegationsplatz reicht, müsste der MSV Duisburg zu Hause gegen RB Leipzig patzen. Die kommen als feststehender Aufsteiger sicherlich auch nicht auf allen elf Positionen mit dem Stammpersonal. Aber das heißt beim künftigen Bundesligisten auch nicht unbedingt allzu viel. Zudem setzt ein Ralf Rangnick selbst in unbedeutenden Testspielen gegen unterklassige Gegner gern mal zusätzliche Anreize, damit man sich nicht hängen lässt und noch ein paar zusätzliche Tore schießt.

Dass man das Duisburg-Spiel und damit ein Pflichtspiel abschenkt, ist jedenfalls erst recht nicht anzunehmen, selbst wenn am Ende aufgrund der längeren Feierlichkeiten direkt im Anschluss an das Aufstiegsspiel gegen Karlsruhe vielleicht nicht 100% rauskommen. Dass man sich „seriös vorbereiten“ werde, darf man durchaus ernst nehmen und manchmal kommt dann für so einen feststehenden Aufsteiger auch noch die Leichtigkeit des Seins dazu. Duisburg wird bei weitem nicht chancenlos sein, aber im Vergleich zu Paderborn hat man das schwerere Spiel gezogen.

Bleibt noch der FSV Frankfurt, der sich einen Direktabstieg in den letzten Wochen mehr als verdient hat. Der sportliche Output ist in vielerlei Hinsicht eine Katastrophe. Und dem jungen Leihspielerkader mit Falko Götz einen Trainer der eher alten Schule, der auf Erfahrung und Mentalität setzt, vorzusetzen, war in Sachen Verbesserung der Abstiegsperspektiven das beste, was der Vereinsführung einfallen konnte, also so ungefähr die letzte Idee, die einem aus der Außensicht nachvollziehbar vorkam.

In Frankfurt hat man sich binnen eines Jahres ziemlich viel von dem zerstört, was man sich in acht Jahren durchgängiger Zweitligazugehörigkeit zu alles aufgebaut hatte. Das Konzept, den Kader deutlich zu verjüngen und vor allem als Ausbilder für Leihspieler zu fungieren, war mutig und schien lange aufzugehen (auch wenn bspw. die Torschussstatistiken den Verein schon zu einer Zeit als Abstiegskandidaten auswiesen, als man noch weit von der Abstiegszone entfernt war). Am Ende fehlte ein wenig Ruhe im Verein, der nach dem erst spekulierten und später verkündeten Oral-Abgang nicht mehr zu den Ergebnissen zurückfand, die man noch in der Hinrunde einfuhr. Zehnter war der FSV nach 17 Spielen, nur zwei Punkte hinter Bochum. Glaubt einem ja inzwischen auch fast keiner mehr.

Dass die Zündschnur beim FSV Frankfurt inzwischen relativ kurz ist, auch wenn man mit dem Spiel gegen 1860 München (eigentlich die leichteste der Aufgaben der Abstiegskandidaten) noch alle Chancen auf den Relegationsplatz hat, zeigte sich unter der Woche, als man beim Trainingslager in der Sportschule Kaiserau empört war, dass dort plötzlich ein Scout von Fortuna Düsseldorf, dem Gegner des 33.Spieltags auftauchte. Man brach das Training ab und schickte den Scout weg. Bei einem öffentlichen Training darüber verwundert und empört zu sein, dass der Gegner des nächsten, extrem wichtigen Abstiegsendspiels einen Scout vorbeischickt, ist aber auch merkwürdig. Erstaunlich und hochgradig unprofessionell wäre höchstens gewesen, wenn die Fortuna niemanden geschickt hätte.

Skurril in dem Zusammenhang auch die FSV-Erklärung, dass Düsseldorf doch hätte „jemand anderen vorbeischicken“ sollen, „nicht einen, den wir alle kennen“. Also wenn schon Scouting, dann ein bisschen mit Räuber-und-Gendarm-Spiel. Naja, hat halt jeder so seine Vorlieben im Abstiegskampf und sowieso steckt man ja nicht drin..

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Restprogramm Abstiegskampf

  • Braunschweig – Düsseldorf
  • Paderborn – Nürnberg
  • Frankfurt – 1860
  • Duisburg – Leipzig

Punkteausbeute der Abstiegskandidaten in der Rückrunde

  • Duisburg: 18 Punkte
  • Düsseldorf: 13 Punkte
  • Paderborn: 12 Punkte
  •  Frankfurt: 7 Punkte

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In der zweiten Spalte ein Ranking nach Torschüssen (Nummer 1 hat den besten Wert, wenn man die Anzahl der eigenen Schüsse aufs Tor ins Verhältnis zu den zugelassenen Torschüssen setzt). In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl (Abgezogen werden müssen beim SV Sandhausen davon noch drei Punkte resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.), Punktzahl aus den letzten sechs Spielen, Punktzahl 2016, Punktzahl Rückrunde.

 SubjTSGeslast 62016RR
Freiburg1272163437
Leipzig2167112632
Nürnberg336292935
Bielefeld4441111721
Kaiserslautern5645141923
Berlin61546102329
Karlsruhe7846112127
Braunschweig81046111721
Bochum974842024
St. Pauli1095052021
Fürth11134361818
Heidenheim12124582124
München1353492020
Sandhausen14114371414
Düsseldorf15143251213
Paderborn16162841112
Duisburg171829101718
Frankfurt181729077

Tabelle nach Länderspielblöcken: Die Saison wird regelmäßig von Länderspielen unterbrochen. Jeweils nach Spiel 5, 10, 14 und 27 ruhte der Ligabetrieb für jeweils zwei Wochen. Diese fünf Blöcke (Spieltage 1-5, 6-10, 11-14, 15-19, 20-27) und ihre Punkteausbeute werden in der folgenden Tabelle verglichen. Die nächste Länderspielpause ist über Ostern am letzten Märzwochenende.

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Freiburg12951218
Leipzig8991515
Nürnberg7741520
St. Pauli1088415
Bochum1561616
Heidenheim1064413
Fürth5124412
Berlin465813
Braunschweig710576
Karlsruhe6310610
Sandhausen108747
Kaiserslautern87375
Bielefeld65586
Frankfurt76547
Düsseldorf15687
München244411
Paderborn34827
Duisburg23257

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3 Gedanken zu „Was von Spieltag 33 bleibt“

  1. Das muss wohl Gerechtigkeit sein ein erstklassiger Blogger kriegt nun endlich auch die erstklassige Mannschaft die sein Blog seit Jahren verdient hat

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