Montäglicher Reisemeister

Zweimal wird in dieser Saison noch eines dieser Montagspiele ausgetragen. Spiele, die die einen furchtbar schlimm finden, weil es ihnen dann nicht möglich ist, mit ihrem Team zu reisen und die die anderen gar nicht so schlimm finden, weil sie eh nur vom Fernseher aus zuschauen oder sich darüber freuen, dass ihr Verein mal eine mediale Sonderbehandlung bekommt, die man sonst als Zweitligist im frei empfangbaren Fernsehen nie bekommt.

Man kann über die Montagsspiele sicherlich mit verschiedenen Argumenten streiten. Wobei der Streit auch etwas albern ist, wenn man bedenkt, dass inzwischen quasi an jedem Wochentag von irgendjemandem ein Fußballspiel bestritten (und vor allem via TV geschaut) wird. Das nun ausgerechnet an Montagsspielen festzumachen, wird dann schon reichlich schwierig. Wobei natürlich Zweitligisten im Normalfall eher seltener Wochentermine abbekommen.

Lässt man mal die Montagsspiele, die in englischen Wochen an Donnerstagen stattfanden, außer acht (weil diese Spiele nicht so besonders sind, weil auch die anderen Spiele des jeweiligen Spieltags in der englischen Woche unter der Woche stattfinden und somit für Gästefans eher schwer erreichbar sind), dann wird die zweite Liga diese Saison am Ende 27 Montagsspiele bestritten haben.

15 Vereine durften in den Genuss besonderer Aufmerksamkeit kommen. Nicht sonderlich überraschend, dass eher kleine Clubs, die für das Fernsehen nicht übermäßig interessant sind wie der FSV Frankfurt oder der 1.FC Heidenheim leer ausgingen. Dass auch Union Berlin nie an einem Montag angesetzt wurde, ist da schon etwas überraschender. Da könnte man sich gut ein paar Spiele vorstellen, die auch für Sport 1 interessant gewesen wären.

Spitzenreiter der Montagsliste ist der 1.FC Nürnberg, der gleich sechsmal ranmusste (immerhin zweimal weniger als letzte Saison). Die Spitzenteams aus Freiburg und Leipzig, der letztjährige Fastaufsteiger Karlsruhe und Düsseldorf als einer der Clubs mit größerer Anhängerschaft im Bundesgebiet kommen auf jeweils fünf Montagsspiele.

Nürnberg riss einen Großteil seiner Montagsspiele zu Hause ab. Gleich vier der sechs Spiele fanden ohne Reisestress statt. Neben Freiburg und Düsseldorf durfte sich auch Kaiserslautern über drei Montagsspiele zu Hause freuen oder eben nicht freuen. Gar kein Heimspiel hatte neben den drei oben schon genannten Vereinen (Union, Frankfurt, Heidenheim) auch der SV Sandhausen.

Am häufigsten auf Reisen geht am Montag RB Leipzig, die am kommenden Montag zum letzten Mal in dieser Saison ihr Livespiel bei Sport 1 kriegen. Wie schon letzte Saison tritt man auch diese Saison zu diesem Termin in Kaiserslautern an. Auch die Partie in Karlsruhe kannte man schon aus dem Vorjahr.  Montagsspiele mit Tradition quasi.

Der KSC musste am Montag auch häufig reisen und kommt auf drei Einsätze. Neben Union, Frankfurt und Heidenheim durften sich Bielefeld und Kaiserslautern Reisen am Montagabend sparen.

Dreimal hat es die DFL zusammen mit Sport 1 geschafft, Spiele anzusetzen, bei denen die Clubs mehr als 600 km auseinanderliegen (einfache Strecke zwischen den jeweiligen Stadien der Clubs, kürzeste Autobahnentfernung laut Google-Maps). Freiburg gegen Leipzig ist mit 640 km der Montagsspitzenreiter. Kann man aus TV-Sicht bei diesem sportlichen Spitzenspiel noch nachvollziehen, dass man das gern live am Montag zeigen will. Ob das jetzt für Bochum gegen 1860 oder Braunschweig gegen Freiburg mit auch jeweils über 600 km Entfernung analog gilt, ist vielleicht Geschmackssache, vielleicht auch nicht.

Maximal 300 km einfache Strecke war mal eine Faustformel an die man sich verbandsseits ungefähr halten wollte. Zehn der 27 Montagsspiele erfüllen dieses Kriterium. Sieben weitere haben eine einfache Fahrtstrecke von maximal 400 km. Und immerhin sieben weitere liegen irgendwo zwischen 450 und 505 km.

Fast 10.000 km einfache Strecke sammelten sich bei den 27 Montagsspielen in der zweiten Liga über die Saison an. Macht pro Spiel 360 km hin und 360 km zurück. Wenn man denn aus der Stadt des Auswärtsteams anreist. Also im Schnitt bei Anreise mit dem eigenen Auto irgendwas mit Abreise gegen 15 Uhr und Rückkehr gegen früh um 3 Uhr.

RB Leipzig sammelt allein mehr als ein Viertel der montäglichen Gesamtstrecke ein, nämlich 2.111 km. Das macht im Schnitt 528 km einfache Strecke pro Montagsspiel. Vier der sieben weitesten Montagsauswärtsfahrten der zweiten Liga hat RB Leipzig abgegriffen. Klingt nicht sonderlich schlau verteilt.

Selbst dann nicht, wenn man einwendet, dass Leipzig ja allein aufgrund der geographischen Lage weitere Wege hat als die Konkurrenz. Die vier Fahrten am Montag waren nämlich auch generell die vier weitesten Auswärtsfahrten für RB Leipzig in der gesamten Saison. Sprich, alle anderen 13 Auswärtsfahrten waren kürzer oder werden kürzer sein als die Auswärtsfahrten am Montag. Warum man so einen Verein wie Leipzig nicht lieber nach Nürnberg, Fürth oder Braunschweig schickt statt in sportlich nicht interessantere Städte wie Karlsruhe, Kaiserslautern oder Düsseldorf, muss sich nicht erschließen.

Mit Freiburg und Nürnberg reißen die anderen beiden Topclubs der Liga die meisten Montagsauswärtskilometer hinter RB Leipzig ab. Mit deutlichem Abstand allerdings. Selbst die geographisch auch nicht gerade bevorteilten Freiburger schaffen es nicht, die im Schnitt fast 530 km, die Leipzig pro Montagsspiel reiste, anzukratzen. Von der Gesamtstrecke bei nur zwei vs. vier Montagsauswärtsspielen ganz zu schweigen.

Idyllisch fast schon, wie es dagegen in Karlsruhe zugeht, die zwar nach RB Leipzig die meisten Auwärtsspiele am Montag haben, allerdings im Schnitt gerade mal eine Anreise von 227 km hatten. Sprich, Karlsruhe reiste zu drei Montagsspielen insgesamt ungefähr so viele Kilometer wie Leipzig zu einem (Freiburg).

Wie gesagt, Montagsspiele sind sicherlich grundsätzlich streitbar. Es gibt Argumente dafür, die eher auf TV-Zuschauer und Vereinsvermarktung zielen und es gibt Argumente dagegen, die eher auf die reisewilligen Anhänger des Gastclubs und deren (oft nicht bewältigbaren) Aufwand zielen. Vermutlich könnte man noch relativ vernünftig zwischen beiden Polen vermitteln, wenn man die negativen Aspekte der Spiele versucht zu reduzieren und halbwegs breit und relativ gleichmäßig zu verteilen.

Das scheint diese Saison eher in überschaubarem Maße gelungen zu sein. Wieder mal, so möchte man hinzufügen, denn die aktuelle Spielzeit sieht in vielerlei Hinsicht so aus wie die letzte, nur dass damals Düsseldorf mit mehr als 2.000 km einfache Montagsreisestrecke (bei allerdings fünf Spielen) mit Abstand Meister auf der Autobahn war und nicht RB Leipzig. Falls Clubs wie Frankfurt oder Bremen absteigen, können sie sich schon mal drauf einstellen, was auf sie zukommt..

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Eine schöne Übersicht zur Verteilung der Vereine der 2.Liga auf die einzelnen Spieltermine in der Woche gibt es bei @schwarzundblau auf Twitter. Einmal für alle Spiele und einmal getrennt nach Heim- und Auswärtsspielen.

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Montagsspiele zu Hause

  • Nürnberg: 4
  • Kaiserslautern, Freiburg, Düsseldorf: 3
  • St. Pauli, Bielefeld, Braunschweig, Karlsruhe: 2
  • Leipzig, Bochum, Duisburg, 1860, Paderborn, Fürth: 1
  • Union, Frankfurt, Heidenheim, Sandhausen: 0

Montagsspiele Auswärts

  • Leipzig: 4
  • Karlsruhe: 3
  • Braunschweig, Freiburg, Nürnberg, Paderborn, Fürth, 1860, Düsseldorf, Duisburg, Bochum: 2
  • St. Pauli, Sandhausen: 1
  • Union, Frankfurt, Heidenheim, Kaiserslautern, Bielefeld: 0

Montagsspiele Gesamt

  • Nürnberg: 6
  • Freiburg, Düsseldorf, Karlsruhe, Leipzig: 5
  • Braunschweig: 4
  • Kaiserslautern, St. Pauli, Bochum, Duisburg, 1860, Paderborn, Fürth: 3
  • Bielefeld: 2
  • Sandhausen: 1
  • Union, Frankfurt, Heidenheim: 0

Montagsspiele und ihre Entfernungen (kürzeste Autobahnstrecke zwischen den Stadien der beiden Vereine nach Google Maps)

  • Freiburg – Leipzig: 640 km
  • Bochum – 1860 München: 610 km
  • Braunschweig – Freiburg: 607 km
  • Karlsruhe – Leipzig: 505 km
  • Kaiserslautern – Leipzig: 493 km
  • Düsseldorf – Nürnberg: 475 km
  • Düsseldorf – Leipzig: 473 km
  • Braunschweig – Fürth: 471 km
  • Nürnberg – Bochum: 468 km
  • Nürnberg – Braunschweig: 458 km
  • St. Pauli – Düsseldorf: 398 km
  • Fürth – Freiburg: 391 km
  • Freiburg – Nürnberg: 386 km
  • Kaiserslautern – Paderborn: 384 km
  • St. Pauli – Duisburg: 376 km
  • Düsseldorf – Braunschweig: 338 km
  • Kaiserslautern – Bochum: 325 km
  • Leipzig – Fürth: 290 km
  • 1860 München – Karlsruhe: 287 km
  • Bielefeld – St. Pauli: 255 km
  • Nürnberg – Karlsruhe: 254 km
  • Bielefeld – Duisburg: 170 km
  • Paderborn – Düsseldorf: 168 km
  • Duisburg – Paderborn: 158 km
  • Nürnberg – 1860 München: 154 km
  • Freiburg – Karlsruhe: 141 km
  • Karlsruhe – Sandhausen: 45 km

Strecken pro Auswärtsteam am Montag (Gesamt und im Schnitt)

  • Leipzig: 2111 km – im Schnitt 528 km
  • Freiburg: 998 km – im Schnitt 499 km
  • Nürnberg: 861 km – im Schnitt 431 km
  • Braunschweig: 796 km – im Schnitt 398 km
  • Bochum: 793 km – im Schnitt 397 km
  • 1860 München: 764 km – im Schnitt 382 km
  • Fürth: 761 km – im Schnitt 381 km
  • Karlsruhe: 682 km – im Schnitt 227 km
  • Düsseldorf: 566 km – im Schnitt 283 km
  • Duisburg: 546 km – im Schnitt 273 km
  • Paderborn: 542 km – im Schnitt 271 km
  • St. Pauli: 255 km – im Schnitt 255 km
  • Sandhausen: 45 km – im Schnitt 45 km

 

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2 Gedanken zu „Montäglicher Reisemeister“

  1. Und dann lachen die Traditionalisten wieder wenn nur 200 von uns Mitfahren.
    Ja was erwarten die denn? In der Woche so oft und so weit.
    Dafür jedesmal einen Tag Urlaub nehmen?
    Hat sich hoffentlich ab nächster Saison erledigt.

  2. Interessant wäre auch eine Übersicht, welcher Verein die Kombi Montagsspiel und folgender Freitag wie oft abbekommen hat. Es sind ja alles Profis, die das wegstecken können (sollten), aber nett ist das nicht Montagabend Auswärts zu spielen und dann Freitag wieder ran zu dürfen (und die gegnerische Mannschaft trifft dieses Problem dann ja nicht).

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