Was von Spieltag 29 bleibt

Der 29.Spieltag. Sicherlich keiner der Vorentscheidungen. Eher einer der leichten Verschiebungen. An der Tabellenspitze hat das Spitzenduo nun wieder sechs Punkte Vorsprung auf Platz 3 und damit nun Nürnberg den Druck, gewinnen zu müssen, wenn man direkt aufsteigen will.

Zwei Punkte trennen die drei Spitzenteams der zweiten Liga in den bisher zwölf Rückrundenspielen, in denen Nürnberg zwei Punkte vor Freiburg und Leipzig liegt. Sehr gute Bilanz der Franken, aber der ganz große Punktedurchmarsch manifestiert sich darin auch nicht unbedingt.

Im Kampf gegen den Abstieg können sich Kaiserslautern, Bielefeld und Sandhausen fast schon zur Gruppe der sieben Teams hinter Platz 3, für die es diese Saison um gar nichts mehr geht, gesellen. Irgendwas zwischen zwei und vier Punkten fehlen den Mannschaften noch.

Am ehesten traut man Sandhausen zu, dass sie an dieser Aufgabe noch scheitern. Sieben Punkte in zwölf Rückrundenspielen sammelten sie bisher. Die schlechteste Bilanz der Liga neben dem FSV Frankfurt. Rechnet man das weiter hoch, kommt man auf noch drei weitere Punkte, die man bis zum Saisonende holt. Das würde vermutlich für den Klassenerhalt reichen, ist nach der überragenden Vorrunde aber auch ein extremer Absturz.

Gar keinen Absturz erlebte der MSV Duisburg in den letzten Monaten. Weil man sowieso an 27 von 29 Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz festhing und entsprechend keine Luft mehr nach unten war. Nun schickt man sich doch noch mal an, sich in den Kampf um den Klassenerhalt zu mischen, nachdem in den letzten Wochen eigentlich schon einige Male der Abgesang zu singen war.

Ausgerechnet auswärts läuft es beim Aufsteiger aus der dritten Liga inzwischen. Dort holte man in den ersten elf Spielen genau zwei Punkte. Von den letzten vier Reisen in andere Zweitligastadien brachte man dagegen gleich sechs Punkte mit, blieb ungeschlagen und sackte ausgerechnet beim seit ungefähr Trillionen Wochen ungeschlagenen 1.FC Nürnberg auch den ersten Auswärtssieg der Saison ein.

Womit man sich nun in die Chance erspielt hat, mit einem Sieg am nächsten Spieltag gegen 1860 München mit einem Konkurrenten gleichzuziehen und den Rückstand auf den Relegationsplatz auf maximal zwei Punkte zu verringern. Im Extremfall schrumpft die Differenz zwischen Platz 14 (Frankfurt) und Platz 18 (Duisburg) auf vier Punkte zusammen. Totgesagte leben eben doch manchmal länger.

Könnte auch für Falko Götz gelten, den man nach seinen letzten Ausflügen nach Aue und Saarbrücken nicht mehr so schnell bei einem Profiverein erwartet hatte. Der FSV Frankfurt hatte Erbarmen, feuerte seinen Coach Tomas Oral, der sich nun intensiv auf seine Zeit in Karlsruhe vorbereiten kann, und machte Götz erneut zum Zweitligatrainer. Marke Feuerwehrmann.

Ob der nun aus dem bunt aus Leihspielern und viel Jugend neu zusammengesetzten Kader mehr herausholen kann als sein Vorgänger, ist bei weitem nicht sicher. Vielleicht fragt er ja mal bei Oral nach, was es in Frankfurt denn für gute Waschanlagen gibt.

Gar nicht Marke Feuerwehrmann ist Jens Keller, den Union Berlin überraschend als neuen Coach ab der kommenden Saison vorstellte. In Berlin hat man aktuell viel Ruhe, weil die Saison praktisch gelaufen ist und kann so die wichtigen Entscheidungen für die Zukunft treffen.

Jens Keller ist nach Düwel und Lewandowski die eher konservative, dafür aber vermutlich auch eher kostenintensive Lösung. Und nicht mal eine, von der man genau weiß, ob sie funktioniert. In Stuttgart und bei Schalke 04 hatte er viele Zweifler gegen sich und ging nicht unbedingt mit dem besten Ruf. Fachlich sind seine Kompetenzen wohl unbestritten. In Sachen Autorität, Ausstrahlung und Teamführung ist das nicht ganz so.

Man könnte sich nun fragen, ob Keller bei Union Berlin mit seiner Art nicht auch eher scheitern wird. Vielleicht passt das Umfeld mit seiner Art ja aber auch ganz gut und man baut um den Coach quasi eine Zone, in der er in Ruhe arbeiten kann, ohne auch noch die zusätzliche Aufgabe zu haben, als Gesicht des Vereins agieren oder sich gegenüber Presse und Öffentlichkeit permanent behaupten zu müssen.

Nicht uninteressant die Personalie Keller und was die in den nächsten zwei Jahren aus Union Berlin machen wird. Man schielt ja schon seit ner Weile nach oben und wollte auch diese Saison bereits das erste Drittel der Zweitligatabelle angreifen. Man hat ziemlich viel Zweitligaerfahrung im Kader verssammelt, ein gewachsenes Team, einige fußballerische Qualität und auch gute Physis. Eigentlich hat man ziemlich viel von dem zusammen, mit dem andere Teams in den letzten Spielzeiten aufgestiegen sind.

Aufgestiegen sind quasi auch die Montagsspiele, die bisher nur der zweiten Liga vorbehalten waren und ab 2017 auch in der Bundesliga mitmachen sollen. Man kann darüber streiten, wie sinnig das ist, vor allem falls die fünf Spiele pro Saison irgendwo bei Sky oder anderweitig im nicht frei empfangbaren Fernsehen verschwinden.

Das Montagsspiel war ja immer auch ein wenig ein Fenster, um zu einem sehr exklusiven Termin für seinen Verein mal ein wenig Werbung machen zu können vor einer Masse an Publikum, was man sonst nicht erreicht. Zumindest war das bei den Zweitligisten so, was die Sache für die Clubs durchaus interessant machte. In der Bundesliga ist das bei den großen Clubs, die sowieso viel Medienpräsenz haben, kein so wichtiges Argument, aber auch da wird es Vereine geben, die diese Exklusivität gern mitnehmen.

Und mal abgesehen davon ist es ja vielleicht auch ganz vernünftig, wenn die Last des zumindest bei den Auswärtsfahrern der jeweiligen Vereine nicht sonderlich beliebten Montagsspiels etwas breiter verteilt wird und nicht immer die gleichen Vereine montags durch die Republik reisen. Auch ansetzungstechnisch gibt es sicher Optimierungspotenzial und könnte man stärker darauf achten, dass nicht unbedingt die besonders weit voneinander entfernten Vereine gegeneinander antreten müssen..

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In der zweiten Spalte ein Ranking nach Torschüssen (Nummer 1 hat den besten Wert, wenn man die Anzahl der eigenen Schüsse aufs Tor ins Verhältnis zu den zugelassenen Torschüssen setzt). In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl (Abgezogen werden müssen beim SV Sandhausen davon noch drei Punkte resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.), Punktzahl aus den letzten sechs Spielen, Punktzahl 2016, Punktzahl Rückrunde.

 SubjTSGeslast 62016RR
Leipzig116292127
Freiburg2263162528
Nürnberg3356122329
Berlin41443132026
Karlsruhe5942111723
Bochum654781923
Fürth71243111818
St. Pauli884971920
Braunschweig974061115
Kaiserslautern1043871216
Heidenheim11134191720
Bielefeld1263461014
Paderborn13162781011
Sandhausen14103961010
Duisburg151825111314
München16112541111
Düsseldorf171528489
Frankfurt181729177

Tabelle nach Länderspielblöcken: Die Saison wird regelmäßig von Länderspielen unterbrochen. Jeweils nach Spiel 5, 10, 14 und 27 ruhte der Ligabetrieb für jeweils zwei Wochen. Diese fünf Blöcke (Spieltage 1-5, 6-10, 11-14, 15-19, 20-27) und ihre Punkteausbeute werden in der folgenden Tabelle verglichen. Die nächste Länderspielpause ist über Ostern am letzten Märzwochenende.

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Freiburg12951218
Leipzig8991515
Nürnberg7741520
St. Pauli1088415
Bochum1561616
Heidenheim1064413
Fürth5124412
Berlin465813
Braunschweig710576
Karlsruhe6310610
Sandhausen108747
Kaiserslautern87375
Bielefeld65586
Frankfurt76547
Düsseldorf15687
München244411
Paderborn34827
Duisburg23257

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