Was von Spieltag 28 bleibt

Vielleicht ein wenig typisch für diese Saison, dass die obersten drei Teams alle gewannen und die untersten drei alle verloren. Die Ausgeglichenheit der letzten Saison erreicht man dies Jahr in der zweiten Liga nicht mehr. Was vor allem am Spitzentrio liegt, das weiter durch die Liga pflügt. 56 Punkte hatte ein Drittplatzierter in der zweiten Liga nach 28 Spieltagen noch nie (seit Einführung der Dreipunktregel).

Allen voran geht in der Rückrunde der 1.FC Nürnberg, die nach elf Spielen schon zwei Punkte mehr eingefahren haben als in 17 Hinrundenspielen. 2,64 Punkte holen die Franken in der Rückrunde im Schnitt pro Spiel (neun Siege, zwei Unentschieden), schossen die meisten Tore und kassierten die wenigsten Gegentore. Das ist tatsächlich nur noch schwerlich in Worte zu fassen.

Und reicht doch nur für Platz 3 sechs Spiele vor dem Ende. Weil Freiburg und Leipzig auch eine sehr konstante Saison spielen. Jeweils 24 Punkte in elf Rückrundenspielen und jeweils 2,11 Punkte im Schnitt über die gesamte Saison gesehen, würden in den meisten Spielzeiten für den Direktaufstieg reichen. Diese Saison reicht es zumindest dazu, nicht schon von starken Nürnbergern eingefangen und überholt worden zu sein.

Wer am Ende von den drei Topteams nicht direkt aufsteigt, sondern in die Relegation muss, scheint aktuell überhaupt nicht vorhersagbar. So wie die Saison bisher lief, kann es jede Mannschaft treffen. Vermutlich wird derjenige bestraft werden, der die meisten Fehler macht. Freiburg kam gestern in Fürth noch mal mit einem blauen Auge davon und meisterte entsprechend die erste Klippe. Die zwei Teams, die ihre auf der Kippe stehenden Spiele gewinnen, werden wohl am Ende auch direkt aufsteigen.

Im Saisonverlauf war RB Leipzig Meister darin, vor allem die engen Spiele. Als einziges Team der Liga gewinnt man über 50% der Spiele, die mit einem Tor Differenz enden. Das kann Richtung Saisonfinale ein entscheidender Faktor werden. Muss es aber natürlich auch nicht.

Nürnberg ist derweil nach der 1:3-Niederlage von Bochum in Leipzig das einzige Team der zweiten Liga, das nur einmal mit mehr als einem Tor verloren hat. Und das war am ersten Spieltag in Freiburg. Insgesamt nur vier Niederlagen bedeuten auch den geringsten Wert der Liga. Allein darin drückt sich aus, wie schwer es ist, Nürnberg zu dominieren.

Freiburg, Leipzig und Nürnberg. Alle stehen sie seit geraumer Zeit für sehr viel Konstanz. Nürnberg ist seit 18 Spielen ungeschlagen und gewann die letzten sechs.

Freiburg hatte nur direkt nach der Winterpause eine kleine Delle, weil die alte Offensivabteilung komplett ausfiel und gewann nach zwei Niederlagen inzwischen auch schon wieder siebenmal hintereinander.

Und Leipzig hat zwar drei der letzten acht Spiele verloren. Allerdings in Auswärtsspielen gegen die (zum Zeitpunkt des Spiels) Plätze zwei, drei und vier. Auch kein ganz absurdes Ergebnis für diese Spiele. Abgesehen davon stehen seit dem 14. Spieltag elf Siege, davon sieben Heimsiege in Folge.

Man kann es drehen und wenden wie man will, man kommt beim Spitzentrio auf keinen echten Favoriten. Vielleicht macht es am Ende tatsächlich das Torverhältnis, in dem Freiburg aktuell fünf Tore vor Nürnberg und weitere fünf Tore vor Leipzig liegt.

Für sieben Teams der Liga zwischen Platz 4 und 10 geht es nach 28 Spieltagen bereits um gar nichts mehr außer noch ein paar TV-Gelder und normalen sportlichen Ehrgeiz. Auch Kaiserslautern auf Platz 11 traut man eigentlich nicht mehr so recht zu, noch in den Abstiegskampf zu rutschen, sodass man sich nach dem Ende der Ära Kuntz in aller Ruhe dem Umbruch des Vereins auf vielerlei Ebenen zuwenden kann.

Sechs Trainer hat Stefan Kuntz in seinen immerhin acht Jahren in Kaiserslautern eingestellt, die mehr als fünf Spiele lang die Profis gecoacht haben. Keiner davon hat den Verein wirklich nachhaltig geprägt. Am erfolgreichsten war noch Marco Kurz, der mit dem FCK 2010 in die Bundesliga aufstieg und im nächsten Jahr den Klassenherhalt feierte.

Es waren die einzigen zwei Bundesligajahre für Kaiserslautern in den letzten zehn Spielzeiten. Man hat sich in den letzten Jahren zu einem ordentlichen Zweitligisten (zurück)entwickelt und steht ein bisschen vor der Frage, ob dies das Selbstverständnis des Clubs am Ende der Kuntz-Ära ist oder ob man doch noch mal Wege findet, die Bundesliga dauerhaft anzugreifen.

Bei Sandhausen sieht die Sache mit dem Abstiegskampf, trotz nur einem Punkt weniger als Kaiserslautern, schon etwas ernster aus. Denn zusammen mit dem FSV Frankfurt ist man das schlechteste Rückrundenteam. Nur sieben Punkte in elf Spielen sind noch unter Duisburg-Niveau. Acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sollten aber eigentlich über die letzten sechs Spiele zu retten sein, zumal man zu Hause noch gegen Bielefeld, Fankfurt und Duisburg spielt.

Vielleicht ganz aufschlussreich in Bezug auf die letzten Spiele und zentrale Abstiegskandidaten ist der Blick auf das Tabellenende der Rückrunde:

  • Bielefeld: 11 Punkte
  • 1860: 11 Punkte
  • Düsseldorf: 9 Punkte
  • Paderborn: 8 Punkte
  • Duisburg: 8 Punkte
  • Sandhausen: 7 Punkte
  • Frankfurt: 7 Punkte

Wer noch an Duisburg glaubt, muss selber wissen, war er tut oder MSV-Fan sein. Das Trio Paderborn, Düsseldorf, 1860 ist eigentlich individuell viel zu gut besetzt, als dass man absteigen müsste. Aber keines der Teams hat in den letzten elf Spelen so viel Turnaround geschafft, dass man es aus dem Kreis der engsten Abstiegsanwärter herausgeschafft hätte.

Bielefeld müsste sich mit seiner ‚Hier mal einen Punkt und dort mal einen Punkt‘-Taktik auch retten können. Frankfurt gibt sich dagegen alle Mühe, den drei Mannschaften noch als Futter zur Verfügung zu stehen und passt sich nun auch punktetechnisch den Mannschaftsstatistiken, die das Team schon in der Hinrunde als Abstiegskandidaten auswiesen. In den verbleibenden sechs Spielen tritt man auch nicht mehr gegen den FC St. Pauli an. Also keine sicheren Punkte mehr.

Wenn man also hier und heute Prognosen abgeben wollte, dann steigt Duisburg ab und machen Frankfurt und eines der Teams aus dem Trio Düsseldorf, 1860, Paderborn untereinander aus, wer Relegation spielen muss.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In der zweiten Spalte ein Ranking nach Torschüssen (Nummer 1 hat den besten Wert, wenn man die Anzahl der eigenen Schüsse aufs Tor ins Verhältnis zu den zugelassenen Torschüssen setzt). In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl (Abgezogen werden müssen beim SV Sandhausen davon noch drei Punkte resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.), Punktzahl aus den letzten sechs Spielen, Punktzahl 2016, Punktzahl Rückrunde.

 SubjTSGeslast 62016RR
Nürnberg1356162329
Leipzig2159121824
Freiburg3259182124
Karlsruhe483861319
Heidenheim5134091619
Bochum6444121620
St. Pauli7104691617
Berlin8153791420
Fürth9113791212
Braunschweig109383913
Bielefeld116313711
Kaiserslautern125341812
München131225111111
Paderborn141624778
Düsseldorf151428489
Sandhausen16736377
Duisburg171819778
Frankfurt181729677

Tabelle nach Länderspielblöcken: Die Saison wird regelmäßig von Länderspielen unterbrochen. Jeweils nach Spiel 5, 10, 14 und 27 ruhte der Ligabetrieb für jeweils zwei Wochen. Diese fünf Blöcke (Spieltage 1-5, 6-10, 11-14, 15-19, 20-27) und ihre Punkteausbeute werden in der folgenden Tabelle verglichen. Die nächste Länderspielpause ist über Ostern am letzten Märzwochenende.

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Freiburg12951218
Leipzig8991515
Nürnberg7741520
St. Pauli1088415
Bochum1561616
Heidenheim1064413
Fürth5124412
Berlin465813
Braunschweig710576
Karlsruhe6310610
Sandhausen108747
Kaiserslautern87375
Bielefeld65586
Frankfurt76547
Düsseldorf15687
München244411
Paderborn34827
Duisburg23257

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2 Gedanken zu „Was von Spieltag 28 bleibt“

  1. Konstanz ist RBL dieses Jahr noch nicht gelungen.
    Auch die Heimspiele waren doch sehr tricky, Öfter in Rückstand geraten und dann in 15- 20 Minuten das Spiel gedreht. Dass das so gewollt ist glaubt ja wohl keiner.
    Ich habe gesehen wie Freiburg und Nürnberg dieses WE auswärts aufgetreten sind. Hatte nie einen Zweifel das die nicht gewinnen. RB hat 3 x verloren auswärts, der Sieg in Paderborn war Dusel ohne Ende, habe auch diese Spiele gesehen, Hamburg und Nürnberg auch vor Ort. Für die ausstehende Auswärtsspiele lässt mir daß wenig Optimismus. Ich lasse mich gern positiv überraschen. Allein mir fehlt der Glaube. Ich rechne mit Relegation.

  2. Sollte es Platz 3 werden, dann wissen wir wo die Punkte geblieben sind. In Hamburg, Freiburg und in Nürnberg, so mal aus dem Bauch heraus. Auch auf eine Relegation kann man sich freuen, soll es ja geben. Die Auswärtsfahrten werden dann wieder kürzer, Dresden, Aue, Hannover. Ich bin gespannt, und freue mich auf die nächste Saison, in welcher Liga auch immer. Bis die Tage!

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