Was von Spieltag 27 bleibt

Spieltag 27. Nach dem 3:1 von Nürnberg gegen Leipzig und nur noch drei Punkten zwischen Platz 1 und 3 der Spieltag, der als endgültiger Beginn eines Dreikampfs um die Aufstiegsplätze in Erinnerung bleiben wird. Acht Punkte Differenz zwischen Platz 3 und 4 sollten sieben Spieltage vor Schluss reichen für das Spitzentrio, um die Sache quasi intern auszuspielen.

Zumal angesichts der Form der drei Teams. Nur einmal, in der Saison 2011/2012, hatten die drei Topteams der zweiten Liga nach 27 Spieltagen zusammen noch mehr Punkte als in dieser Saison.

Am Ende der Saison liegt der Punkterekord für Platz 2 bzw. 3 seit Einführung der Dreipunktregel bei 68 bzw. 65 Punkten. Angesichts schon jetzt 56 bzw. 53 Punkten auf den Plätzen 2 bzw. 3 könnten diese Punktzahlen diese Saison fallen. Nur zur Erinnerung: letzte Saison reichten 59 Punkte um als Zweiter direkt aufzusteigen..

Nach Spieltag 27 folgt die vierte und letzte Länderspielpause der Saison. Noch mal Zeit für die Teams, sich auf den Schlussspurt einzustellen. Für Heidenheim, Fürth, Union, Braunschweig und Karlsruhe geht es dabei sehr sicher um nichts mehr, außer um sportlichen Ehrgeiz, Fanzufriedenheit und die Höher der TV-Gelder. Weder nach unten noch nach oben. Gilt mit recht hoher Wahrscheinlichkeit auch für Bochum und St. Pauli. Der Rest kämpft um den Aufstieg oder gegen den freien Fall.

Apropos freier Fall. In dem befindet sich vor allem der 1.FC Kaiserslautern, der aus den letzten sechs Spielen gerade mal einen Punkt holte und im Jahr 2016 das schlechteste Team der Liga ist. Da war in einigen der acht Spiele sicher einiges an Pech dabei, aber eben bei dieser Bilanz auch nicht nur. Bei 31 Punkten ist die Wahrscheinlichkeit, dass man noch absteigt, nicht extrem hoch, aber vier, fünf Pünktchen wird man schon noch brauchen, um sicher durch zu sein. Auch kein Selbstläufer angesichts der nur fünf Punkte in bisher acht Spielen 2016.

Das andere Extrem ist der 1.FC Nürnberg, der in der Rückrunde nicht zu stoppen und allen anderen Zweitligateams überlegen ist. 26 Punkte holte man in zehn Rückrundenspielen, das sind acht Siege und zwei Unentschieden. Viel mehr geht nicht. Freiburg und Leipzig haben im selben Zeitraum beachtliche fünf Punkte weniger geholt. Man wird sich im Frankenland natürlich weiterhin als Underdog verkaufen wollen, aber de facto ist man das leistungstechnisch schon lange nicht mehr. Vermutlich reiten sie aber trotzdem bis zum Saisonende auf dem Ticket.

Geschichte des Wochenendes ist sicherlich die um das Comeback von Benjamin Köhler. Knapp 14 Monate nach seiner Krebsdiagnose und entsprechender Therapie durfte der Union-Mittelfeldspieler wieder bei einem Pflichtspiel den Rasen betreten. Für alle Beteiligten ein emotionaler Moment und prima für ihn, die Familie und alle die mit ihm zu tun haben und ihm nach der Diagnose zur Seite standen.

Gut, dass er sich zurückkämpfen konnte. Gut, dass die Arschlochkrankheit nicht gewonnen hat. Man sollte Köhler halt trotzdem nicht zur Ikone überjazzen, denn nicht jeder hat das Glück eines Happy Ends und man sollte anderen nicht das Gefühl geben, dass man nur richtig viel Willen brauche, um die Krankheit zu besiegen.

Das erzählt sich hinterher zwar hübsch, aber eben nur bei denen, die am Ende strahlend den Krebs besiegt haben. Aber auch die, die mit viel Willen trotzdem verlieren oder vor allem die, die mit wenig Lebenswillen mit der Krankheit umgehen müssen, sind die Wege gegangen, die ihnen möglich waren und sollen sich nicht an der Geschichte eines Benjamin Köhlers messen lassen müssen.

An seinem eigenen Karrierestart wird sich Philip Tietz künftig messen lassen müssen. Im eher trostlos besetzten Braunschweiger Sturm feierte der 18jährige Ende Februar sein Debüt bei der Eintracht und war dabei der fünftjüngste Spieler der Saison in der zweiten Liga. Ein recht großer Stürmer, der mit guten Bewegungen und Zug zum Tor schon in seinem ersten Spiel gegen den FSV Frankfurt positiv auf sich aufmerksam machte. Bei Union Berlin schoss er sein erstes Tor im Profibereich zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Wenn man bedenkt, dass Coach Torsten Lieberknecht Spieler auch nach zwei, drei schlechten Spielen nicht fallen lässt, hat Tietz sicherlich ganz gute Entwicklungschancen.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In der zweiten Spalte ein Ranking nach Torschüssen (Nummer 1 hat den besten Wert, wenn man die Anzahl der eigenen Schüsse aufs Tor ins Verhältnis zu den zugelassenen Torschüssen setzt). In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl (Abgezogen werden müssen beim SV Sandhausen davon noch drei Punkte resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.), Punktzahl aus den letzten sechs Spielen, Punktzahl 2016, Punktzahl Rückrunde.

SubjTSGeslast 62016RREW
Nürnberg14531620269
Freiburg22561818219
Leipzig31561215216
Bochum43441216207
St. Pauli5645915166
Berlin61536913196
Karlsruhe7735610164
Fürth81037912124
Heidenheim91337913166
Bielefeld1083036101
München1112251111119
Paderborn1216247782
Braunschweig13113536102
Kaiserslautern145311590
Düsseldorf1514274780
Sandhausen169363770
Duisburg1718197782
Frankfurt1817296772

Tabelle nach Länderspielblöcken: Die Saison wird regelmäßig von Länderspielen unterbrochen. Jeweils nach Spiel 5, 10, 14 und 27 ruhte der Ligabetrieb für jeweils zwei Wochen. Diese fünf Blöcke (Spieltage 1-5, 6-10, 11-14, 15-19, 20-27) und ihre Punkteausbeute werden in der folgenden Tabelle verglichen. Die nächste Länderspielpause ist über Ostern am letzten Märzwochenende.

Platz1.Block2.Block3.Block4.Block5.Block
Freiburg112951218
Leipzig28991515
Nürnberg37741520
St. Pauli41088415
Bochum51561616
Heidenheim61064413
Fürth75124412
Berlin8465813
Braunschweig9710576
Karlsruhe106310610
Sandhausen11108747
Kaiserslautern1287375
Bielefeld1365586
Frankfurt1476547
Düsseldorf1515687
München16244411
Paderborn1734827
Duisburg1823257

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2 Gedanken zu „Was von Spieltag 27 bleibt“

  1. Danke für die angemessene Relativierung des Comebacks von Benjamin Köhler. Eine gute und Gesunde Sichtweise der Arschlochkrankheit.

    1. Sehe ich auch so – trotz oder gerade wegen des Frusts nach dem Nürnberg-Spiel…

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