Was von Spieltag 26 bleibt

Viel mehr Fahrt kann das Aufstiegsrennen auch nicht mehr aufnehmen. Der Dreikampf zwischen den drei Topteams, die sich kaum eine Blöße geben, spitzt sich zu und würde bei einem Nürnberger Sieg am kommenden Wochenende gegen Leipzig extrem spitz werden.

Es gab in den letzten 20 Spielzeiten seit Einführung der Dreipunktregel erst ein Jahr, in dem der Drittplatzierte mehr Punkte hatte als Nürnberg in dieser Saison (50) und die ersten Drei zusammen mehr Punkte als in dieser Spielzeit. Dass mal ein oder zwei Teams dominieren, ist schon eher bekannt.

2011/2012 hatte sogar noch der Fünfte 50 Punkte wie diese Saison Nürnberg. Der Dritte stand damals bei 52 Punkten. Erstaunlicherweise reichten Düsseldorf dann am Ende doch schnöde 62 Punkte und zehn Punkte aus den letzten acht Spielen, um Platz 3 zu belegen. Dass man mit so einer Zahl in dieser Saison auch davon kommt, darf man zumindest leise anzweifeln. Angesichts der Stabilität der drei Topteams im bisherigen Rückrundenverlauf sind auch irgendwas ab 65 Punkte aufwärts für den Relegationsplatz denkbar.

Wobei die Einschätzung eines Dreikampfs fast schon ein bisschen unfair ist, denn Bochum tut dahinter alles, um auch noch ein Wörtchen mitreden zu dürfen. Nimmt man die Zahlen seit der Rückrunde, dann steht Nürnberg ein kleines Stück oberhalb der Konkurrenz, während Bochum, Freiburg und Leipzig dahinter auf Augenhöhe durch den Teich schwimmen.

Der Abstand zum Rest der Liga ist dann schon vergleichsweise groß. Zehn Punkte hat St. Pauli in der Rückrunde auf Nürnberg eingebüßt. Was auch erklärt, warum man St. Pauli nicht mehr so richtig auf dem Aufstiegszettel hat bzw. sie sich selbst nicht mehr auf dem Aufstiegszettel haben, während man in Bochum bei nur einem Punkt mehr doch recht intensiv an den Aufstieg glaubt.

Wobei man beim VfL auch immer nicht so richtig weiß, ob sie in der sportlichen Leitung total genial oder total verrückt sind. Macht für das Endergebnis auch keinen großen Unterschied. Die nächsten zwei Spieltage mit Nürnberg gegen Leipzig und Leipzig gegen Bochum werden für den VfL die Weichen in Richtung Saisonfinale stellen. Zwischen einem und 13 Punkten Rückstand auf Platz 3 sechs Spiele vor dem Ende kann man sich da einige Szenarien zusammenspinnen.

RB Leipzig hat derweil als erstes Team der Liga zehn Siege mit nur einem Tor Unterschied auf dem Konto. Damit sind sie vor St. Pauli und Nürnberg das Team mit der besten Bilanz in engen Spielen mit maximal einem Tor Differenz. 10 von 18 solcher Spiele hat man gewonnen, bei St. Pauli sind es 8 von 17, in Nürnberg 8 von 19. Die schlechtesten Mannschaften in dieser Rubrik sind Duisburg und Paderborn, die jeweils 2 von 17 knappen Partien gewannen.

Die wenigsten Partien mit einem knappen Endergebnis bestritt der SC Freiburg. Lediglich zwölfmal ging die Partie mit plus/minus einem Tor oder Unentschieden aus (Ligaschnitt: 17,7 Partien pro Team). Nur vier der zwölf Spiele konnte der SC auch gewinnen. Dafür gewinnt man extrem viele Spiele deutlich. Bereits zwölfmal stand am Ende ein Ergebnis mit mindestens plus zwei Toren auf der Anzeigetafel. Leipzig und Bochum folgen dahinter mit ganz großem Abstand und feierten solch ein Ereignis jeweils siebenmal, während 1860, Bielefeld, Duisburg und Düsseldorf überhaupt erst jeweils einmal in das Vergnügen kamen, mit mehr als einem Tor zu gewinnen.

Düsseldorf ist sowieso wieder mal eine ziemlich heftige Vollkatastrophe. Schon letzte Saison spielte man eine schlimme Rückrunde und war dort zusammen mit Fürth das schlechteste Team. Damals hatte man allerdings in der Hinrunde genug Punktepolster angesammelt. Diese Saison ist man bisher wieder das schlechteste Rückrundenteam (interessanterweise holte man vier von fünf Rückrundenpunkten gegen Freiburg und Nürnberg), was bei Konkurrenten wie dem MSV Duisburg und dem FSV Frankfurt durchaus eine Kunst ist. Nur hat man diesmal schon keine gute Hinrunde gespielt, sodass es nun ziemlich ernst Richtung Abstieg geht.

Als Oliver Reck vor einem reichlichen Jahr nach zwei Heimniederlagen am Stück entlassen wurde, weil man enttäuscht war, im Aufstiegskampf abgerutscht zu sein, stand Düsseldorf als 7. mit sechs Punkten hinter Platz 3 auf einer gesicherten Zweitligaposition. Seitdem irrlichtert man mit verschiedensten Trainern (Aksoy, Kramer, Hermann, Kurz und nun Funkel) und wahllos zusammengewürfeltem Kader durch die Liga, dass man als Außenstehender aus dem Wundern gar nicht mehr rauskommt.

Wundern konnte man sich auch, dass man Marco Kurz nach gerade mal sieben Spielen wieder entlassen hat, weil er angeblich die Mannschaft nicht mehr emotionalisieren konnte. Die dritte Trainerstation am Stück für Kurz, die eine extrem überschaubar und unerfolgreiche Amtszeit mit sich brachte. Zumindest ist man in Düsseldorf so konsequent, dass man nach Kurz mit Funkel den nächsten Trainer präsentiert, über den man sich als Außenstehender ein wenig wundern darf. Gehts schief, ist auch Sportdirektor Rachid Azzouzi am Saisonende sicherlich wieder Geschichte.

Aus dem Wundern heraus kommt man in Kaiserslautern, wo im Saisonverlauf so ziemlich alle Bausteine zusammengepurzelt sind, die zusammenpurzeln können, auch nicht mehr. Der sportliche Verfall geht unter Konrad Fünfstück ungebremst weiter. Mit 31 Punkten ist man in Richtung Abstieg, zumal bei vier Niederlagen am Stück zuletzt, noch lange nicht gesichert.

Nur drei von 13 gewonnenen Heimspielen in dieser Saison sorgen zudem für ungebremst miese Stimmung auf dem Betzeberg, der sich einst als Festung feierte. Keine 20.000 Zuschauer blieben gestern im Montagsspiel gegen Bochum noch übrig. Reichlich 25.000 Zuschauer kommen pro Partie im Schnitt noch. Das sind mal eben mehr als 7.000 weniger als in der Vorsaison. 7.000 Zuschauer weniger binnen eines Jahres! Pro Partie! Mal abgesehen von den durchaus deutlichen wirtschaftlichen Folgen, ließe sich durch keine Zahl besser ausdrücken, wie es aktuell atmosphärisch rund um den 1.FC Kaiserslautern steht. Wird kein einfacher Neuanfang für jene, die im Sommer die Nach-Kuntz-Ära einläuten wollen.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In der zweiten Spalte ein Ranking nach Torschüssen (Nummer 1 hat den besten Wert, wenn man die Anzahl der eigenen Schüsse aufs Tor ins Verhältnis zu den zugelassenen Torschüssen setzt). In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl (Abgezogen werden müssen beim SV Sandhausen davon noch drei Punkte resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.), Punktzahl aus den letzten sechs Spielen, Punktzahl 2016, Punktzahl Rückrunde.

 SubjTSGeslast 62016RR
Leipzig1156121521
Freiburg2253151518
Nürnberg3550141723
Bochum4343121519
Heidenheim5133691215
Karlsruhe673591016
St. Pauli764291213
Fürth81136111111
Berlin9153391016
Braunschweig108356610
München111224101010
Paderborn121623667
Kaiserslautern13431459
Bielefeld14929259
Sandhausen151036477
Duisburg161818667
Düsseldorf171424445
Frankfurt181728566

Tabelle nach Länderspielblöcken: Die Saison wird regelmäßig von Länderspielen unterbrochen. Jeweils nach Spiel 5, 10 und 14 ruhte der Ligabetrieb für jeweils zwei Wochen. Diese vier Blöcke (Spieltage 1-5, 6-10, 11-14, 15-19) und ihre Punkteausbeute werden in der folgenden Tabelle verglichen. Die nächste Länderspielpause ist über Ostern am letzten Märzwochenende.

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Leipzig89915
Freiburg129512
Nürnberg77415
St. Pauli10884
Braunschweig71057
Bochum15616
Sandhausen10874
Kaiserslautern8737
Karlsruhe63106
Fürth51244
Heidenheim10644
Bielefeld6558
Berlin4658
Frankfurt7654
Düsseldorf1568
Paderborn3482
München2444
Duisburg2325

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3 Gedanken zu „Was von Spieltag 26 bleibt“

  1. Also intern planen die Verantwortlichen beim VfL sicherlich fest mit Liga 2. In die Richtung hat sich ja auch Hochstätter im Interview mit Laura Wontorra gestern vorm Spiel geäußert. Von daher ist der Satz „Wobei man beim VfL auch immer nicht so richtig weiß, ob sie in der sportlichen Leitung total genial oder total verrückt sind.“ jetzt nicht so ganz passt. Aber noch singt die dicke Frau in der Oper und wie Hochstätter es ausdrückte, wollen sie auch die Saison nicht einfach austrudeln lassen, selbst wenn es auch rechnerisch nicht mehr geht. Sondern Wiedergutmachung beim Publikum für die vier dünnen Jahre im Abstiegskampf, Sicherung von Platz 4 mit Blick auf die Fernsehgelder etc. und eben auch Mentalitätsschulung für den Versuch im nächsten Jahr sind Gründe, weshalb man versuchen wird, so viele Punkte wie möglich aus den noch verbleibenden 8 Spielen zu holen. 10 Siege aus den Spielen nach der Winterpause war die Ansage, die man anstrebt, 4 sind es bis jetzt geworden. Ob man die 6 fehlenden Siege aus dem ambitionierten Restprogramm (Fürth (H); RBL (A); FSV (H), St. Pauli (A), KSC (H), Union (A), Braunschweig (H), 1. FC H (A)) holt, ist ziemlich unwahrscheinlich.

    Aber wie du ja selbst schreibst: möglicherweise sind wir nach dem Spiel in Leipzig nur noch 1 Pkt. hinter Nürnberg (unwahrscheinlich, aber grundsätzlich möglich). Für weniger unwahrscheinlich halte ich einen Rückstand von 6 Pkt. auf Nürnberg nach dem übernächsten Spieltag (FCN – RBL 2, BO – Fürth 1; RBL – BO 1, FSV – FCN 2). Bei dann noch 6 Spieltagen ist dies noch aufholbar.

  2. Sollte gar nicht so despektierlich klingen. Find es halt extrem respektabel, wie abgeklärt man in Kaiserslautern in einer Situation, wo nur drei Punkte zählen, tatsächlich auch drei Punkte holt. Zieht sich ja schon durch weite Teile der Saison dieses Auftreten. Auf der anderen Seite schlucke ich schon, wenn ein Hochstätter vor dem Spiel erklärt, dass er klar an den Aufstieg glaubt (angesichts dessen, was die Top 3 in der Rückrunde bisher spielen). Und bei Verbeeks Art liegt die Assoziation von Verrücktheit auch nicht ganz weit weg. Positiv verrückt natürlich. 😉

    1. Nach der ersten Niederlage wird man von den Verantwortlichen das dann auch nicht mehr hören, selbst wenn es rechnerisch noch ginge. Aber bei 9 Spielen ohne Niederlage seitdem man das Ziel formuliert hat, oben noch mal angreifen zu wollen, würde es halt auch merkwürdig wirken, wenn man sich jetzt hinstellen würde und sagt „das wird nix mehr“. Das ist der Unterschied zwischen St.Pauli und Bochum, obwohl die Ausgangslage recht identisch ist. Wie gesagt: intern wird man die nächste Saison Richtung 2.Liga planen.

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