Was von Spieltag 22 bleibt

Der 22.Spieltag war einer der Unentschieden. Gleich sechsmal teilten sich die Mannschaften die Punkte. Macht entsprechend gleich zwölf Mannschaften, die nicht so richtig vom Fleck weggekommen sind. Was die Sieger des Spieltags (Leipzig, Freiburg und Frankfurt) gleich noch mal viel strahlender erscheinen lässt bzw. deren Siege noch wichtiger macht.

Wegen der vielen Unentschieden wurde auch die Chance verpasst, die Tabellenkonstellationen noch klarer zu gestalten. Nürnberg hätte mit einem Sieg gestern vier Punkte zwischen sich und die Verfolger hinter den Aufstiegsrängen legen können. Durch das zweite Unentschieden in Folge gegen einen starken Schiedsrichter Düsseldorf bleibt man aber im Pulk, der schon wieder ein Schneckenrennen um den Aufstieg bzw. aktuell um den Relegationsplatz veranstaltet.

Mit Schneckenrennen ist die Veranstaltung im Tabellenkeller vielleicht sogar noch ein wenig unzureichend beschrieben. Auch wenn Düsseldorf es verpasste, auf acht Punkte von den letzten drei Teams wegzuziehen, bleibt doch aktuell ein Trio, das den Abstiegsrelegationsplatz untereinander auszuspielen scheint. Wie schneckig das Schneckenrennen dabei ist, zeigt sich schon darin, dass noch nie seit Einführung der Dreipunkteregel ein 16. nach dem 22. Zweitligaspieltag weniger Punkte hatte als der SC Paderborn in dieser Saison.

Gerade der Erstligaabsteiger Paderborn und die ewige Bundesligahoffnung 1860 dürfen sich recht genau fragen, warum sie so aktut in Abstiegsgefahr stecken. Bei letzteren hat sich der Investor mal wieder in die Beantwortung der Frage eingemischt. Diesmal nicht via Facebook über pseudophilosophische Angriffe auf die 50+1-Regel und die Aufforderung an die Fans, gegen diese zu kämpfen, wie noch vor kurzem, sondern über ein Treffen mit ausgewählten Anhängern, denen er erstmal erklärte, dass die Geschäftsführer Markus Rejek und Noor Basha wegen Erfolglosigkeit zurücktreten sollen.

Das ist natürlich immer eine gute Methode im Abstiegskampf. Verein, Mannschaft und Öffentlichkeit durch Unruhe stärken. Oder so ähnlich. So richtig weiß man nicht, was der selbsternannte Löwenfan Hasan Ismaik, der diesmal ohne 1860-Schal stoisch zusah, wie Bochum in München einen Elfmeter vergab, bezweckt, wenn er ausgerechnet jetzt solch ein Fass aufmacht. Aber vermutlich sollte man nach all den Ereignissen mit Ismaik in der Vergangenheit auch nicht nach Logik suchen, wo vermutlich keine zu finden ist.

Fakt ist jedenfalls, dass der TSV 1860 München auf den nächsten Krach mit seinem Investor zusteuert. „Wir lassen uns nicht von außen diktieren, was wir zu tun haben“, ließ Präsident Peter Cassalette schon mal verlauten. Vermutlich fühlt sich Ismaik, der aus irgendeinem Grund erst jetzt mitzukriegen scheint, dass die 50+1-Regel ihm den entscheidenden Zugriff auf Vereinsentscheidungen vorenthält, während sein Geld im Löwenschlund verschwindet, nicht so richtig gut, wenn er als „außen“ bezeichnet wird. Und wenn sich Ismaik nicht gut fühlt, kann das gut mal zu einem Kreislauf aus Drohungen, Personalumbauten und wirtschaftlichen Horrorszenarien führen. Naja, vielleicht vergnügt er sich lieber mit der Nebelkerze Stadionneubau, statt sich über „seine“ Vereinsführung zu ärgern und die Köpfe Nummer 728 und 729 (handgeschätzt) rollen zu lassen.

Viel ruhiger geht es beim FSV Frankfurt zu, die zwar in Personalfragen (zumindest auf Kaderebene) eine Fluktuation auf 1860-Niveau und diese Saison ungefähr mehr Transfers als Torschüsse haben, aber trotzdem immer wieder auf den Füßen landen und viel, fast schon beruhigenden Vorsprung auf die Abstiegsränge haben. 19 Torschüsse, davon acht auf das Tor und noch mal zwei ans Aluminium verzeichnete man beim 3:1-Sieg beim FC St. Pauli. Im Saisonschnitt schließt man zehnmal pro Partie ab (geringster Wert der Liga) und trifft dabei keine viermal pro Partie das Tor. Die Fahrt nach Hamburg muss irgendeinen Offensivgeist beim FSV aus der Flasche gelassen haben.

Der FC St. Pauli schaffte es bei dieser Niederlage gegen Frankfurt zum zweiten Mal in dieser Saison nicht, nach einem Sieg gegen RB Leipzig in der Folgepartie Punkte mitzunehmen. Sechs Punkte gegen Aufstiegskandidat RB Leipzig. Null Punkte gegen Abstiegskandidat FSV Frankfurt. Skurril, dass der FSV Frankfurt auch nach der dritten Saisonniederlage von RB Leipzig (gegen Kaiserslautern) der nächste Gegner des RB-Besiegers war. Und auch dort nicht geschlagen werden konnte. Drei Spiele gegen die RB-Besieger, sieben Punkte, 5:2 Tore. Ach, könnte man doch jede Woche gegen einen RB-Besieger spielen, denkt man sich vermutlich in Frankfurt.

Nicht nur St. Paulis Bilanz gegen den FSV Frankfurt ist bemerkenswert. Auch die Tatsache, dass man schon die vierte Niederlage mit mehr als einem Tor Differenz kassierte, ist durchaus auffällig (Nürnberg, Bochum, Leipzig bisher jeweils eine hohe Niederlage, Freiburg zwei). Dreimal unterlag man zu Hause (Sandhausen, Nürnberg, Frankfurt), einmal auswärts (1860). Bis auf Nürnberg ist kein Team aus dem Kreise der Aufstiegsanwärter dabei. Interessant daran aber vor allem, dass von den Aufstiegsanwärtern nur St. Pauli bisher mehr klare Niederlagen (mindestens zwei Tore Differenz) kassierte als klare Siege (mindestens zwei Tore Differenz) einfuhr. Deutet darauf hin, dass sich das Lienen-Team jeden Sieg relativ hart erarbeiten muss und dass es kaum Gegner gibt, die man mal an die Wand spielen kann oder die sich nach Herzenslust auskontern lassen.

Überlegener Spitzenreiter in Sachen klare Siege bleibt der SC Freiburg, der schon neunmal mit mehr als einem Tor Unterschied gewann. Auch am Wochenende wieder beim SV Sandhausen in einem Spiel, das weniger Gala als vielmehr sachgerechter und zielgerichteter Vortrag war. Wenn nun die drei Offensivträger der Hinrunde Petersen, Frantz und vor allem Philipp langsam wieder fit werden und mehr und mehr Einsatzzeiten kriegen, sollte der Aufstiegsexpress auch langsam wieder Fahrt aufnehmen, nachdem man bis zum Sandhausen-Spiel mit drei Punkten aus vier Spielen in die Rückrunde gestartet war.

Fahrt nimmt die Sache überraschend auch für Daniel Heuer Fernandes auf, der für den SC Paderborn in Bielefeld Lukas Kruse im Tor ablösen durfte. Der SCP ist das achte Team der Liga, bei dem es keine makellose Bilanz der Nummer 1 mehr gibt (sei es wegen Verletzungen oder leistungsbezogenen Wechseln). Dass es Lukas Kruse erwischte, überrascht zumindest dahingehend, dass er hinter dem Abwehrtorso des SC Paderborn bisher tatsächlich keine großen Schwächen gezeigt hatte. Das nennt man dann wohl Zeichen setzen. Ist ja in der Effenberg-Ära auch nicht das erste Mal.

Bedauernswert, aber immerhin Nummer 1 ist der Fürther Keeper Sebastian Mielitz. In drei Spielen 2016 schossen die gegnerischen Spieler gerade mal sechsmal in einer Art genau, dass ein Ball so auf sein Tor flog, dass sein Eingreifen erforderlich wurde. Zweimal pro Spiel. Weniger beschäftigt war kein Zweitligakeeper, der es 2016 auf drei Spiele bringt. Blöd für Mielitz, dass er gleich vier der sechs Bälle aus seinem Kasten holen und Richtung Mittellinie kicken musste. Das Torwartleben bietet eben viele Möglichkeiten, keinen Spaß zu machen..

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In der zweiten Spalte ein Ranking nach Torschüssen (Nummer 1 hat den besten Wert, wenn man die Anzahl der eigenen Schüsse aufs Tor ins Verhältnis zu den zugelassenen Torschüssen setzt). In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl (Abgezogen werden müssen beim SV Sandhausen davon noch drei Punkte resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.), Punktzahl aus den letzten sechs Spielen, Punktzahl 2016, Punktzahl Rückrunde.

SubjTSGeslast 62016RR1.Block
Leipzig1147156128
Nürnberg2738145117
Bochum3533105915
Freiburg424193612
St. Pauli5636106710
Braunschweig68338487
Kaiserslautern73309598
Karlsruhe81130115116
Bielefeld942811486
Berlin101527104104
Heidenheim11142995810
Sandhausen1293354410
Fürth1310295445
Düsseldorf1413248451
München1512151112
Frankfurt1617267447
Paderborn1716182123
Duisburg1818132122

Tabelle nach Länderspielblöcken: Die Saison wird regelmäßig von Länderspielen unterbrochen. Jeweils nach Spiel 5, 10 und 14 ruhte der Ligabetrieb für jeweils zwei Wochen. Diese vier Blöcke (Spieltage 1-5, 6-10, 11-14, 15-19) und ihre Punkteausbeute werden in der folgenden Tabelle verglichen. Die nächste Länderspielpause ist über Ostern am letzten Märzwochenende.

Platz1.Block2.Block3.Block4.Block
Leipzig189915
Freiburg2129512
Nürnberg377415
St. Pauli410884
Braunschweig571057
Bochum615616
Sandhausen710874
Kaiserslautern88737
Karlsruhe963106
Fürth1051244
Heidenheim1110644
Bielefeld126558
Berlin134658
Frankfurt147654
Düsseldorf151568
Paderborn163482
München172444
Duisburg182325

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2 Gedanken zu „Was von Spieltag 22 bleibt“

  1. Kann für uns ja nur gut sein! Den Sieg hat RB auf jeden Fall zu Recht eingefahren! So kann es weiter gehen!

  2. Das Pauliergebniss gegen den FSV kannte ich ja bewusst aus dem Stadion. Aber das dies auch im Hinspiel der Fall war bzw der FSV auch den FCK nach der RBL-Niedelage bezwungen hat, wusste ich nicht mehr.
    Was für eine Statistik mal wieder!!
    So nebenbei, ein Bekannter der im Stadion war(Paulifan), war von Kalmar schwer beeindruckt.

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