Was von Spieltag 21 bleibt

Man hätte es sich eigentlich denken können, dass die Gelegenheit für das Spitzentrio, sich abzusetzen, ungenutzt verstreichen wird. Mit Siegen von Nürnberg und Leipzig hätte man St. Pauli und Bochum ein ganzes Stück distanzieren können, so sind vor allem Nürnberg und Freiburg und mit größeren Abstrichen RB Leipzig wieder in einen Pulk von Aufstiegsanwärterteams gerutscht, der neben ihnen im Kern noch St. Pauli umfasst, aber auch noch Teams wie Bochum, Braunschweig und ganz fern Kaiserslautern oder Karlsruhe Chancen lässt.

Nur einen einzigen Punkt für die drei Spitzenteams in ihren drei Spielen, das erwartet man eigentlich eher von den Teams im Keller. Lediglich Nürnberg ergatterte beim 1:1 gegen Bochum noch einen (wichtigen) Punkt, mit dem man den Kontrahenten auf ursprüngliche Distanz hielt. In einem Spiel, das von der Intensität, der Physis und der Geschwindigkeit her vielleicht das Beste aufeinanderprallen ließ, was die Liga derzeit so zu bieten hat. Ein Beharken und Bekämpfen, bei dem kein Team viel Luft zum Atmen geschweige denn zu einem vernünftigen Spielaufbau bekam. Eine Art des Spiels, wie sie letzte Saison vielleicht noch Zorniger und Hasenhüttl gegeneinander auf den Platz zaubern ließen. Nürnberg und Bochum spielen das vielleicht nicht ganz so zweikampf- und foullastig.

Nürnberg durch den Punkt nun das Team der Stunde. Elf Spiele ohne Niederlage, davon sechs Siege. Das letzte Mal verlor man in Leipzig und das ist gefühlt in einem anderen Fußballjahrhundert gewesen. RB verlor derweil nach sechs Siegen wieder mal mit 0:1 beim FC St. Pauli. 29 Torschüsse und vor allem 18 Abschlüsse von innerhalb des Strafraums reichten nicht aus, um ein Tor zu erzielen. Zum Vergleich: die besten Teams der Liga (Bochum, Leipzig) schießen im Schnitt pro Spiel ungefähr zehnmal aus dem Strafraum heraus auf das gegnerische Tor, das schlechteste Team (Frankfurt) im Schnitt gerade mal fünfmal.

St. Pauli gegen Leipzig, das war auch das Aufeinandertreffen der beiden Teams, die in engen Spielen mit maximal einem Tor Differenz die beste Punktausbeute haben. Für Leipzig war das 0:1 beim FC St. Pauli die zweite knappe Niederlage der Saison. Auch die erste hatte man gegen St. Pauli kassiert. Zeigt auch ganz gut, dass die Hamburger knappe Führungen gut verteidigen und über die Zeit bringen können. Leipzig und St. Pauli verlieren jeweils nur 13% ihrer knappen Spiele. Bestwert in der zweiten Liga. 1,9 bzw. 1,8 Punkte holen die Mannschaften im Schnitt, wenn es eng zugeht. Auch das Bestwert in der zweiten Liga.

Einen Bestwert hielt auch Benedikt Röcker bis zum 21.Spieltag. 68 Ligaspiele hatte er für Greuther Fürth hintereinander als Verteidiger auf dem Platz gestanden. Jeweils von Beginn an und über die kompletten 90 Minuten. Über 100 Stunden Zweitligafußball am Stück. Dazu noch zwei Relegationsspiele und drei Einsätze im DFB-Pokal über die komplette Spielzeit. Mehr an Zuverlässigkeit geht nicht. Doch beim FSV Frankfurt war es erstmals seit ziemlich genau zwei Jahren wieder soweit und Röcker nahm auf der Bank Platz. Zwei Minuten bekam er am Ende noch zur Sicherung des Sieges. Für einen Dauerbrenner wie Röcker sind zwei Minuten eine Zeitspanne wie ein Wimpernschlag.

Neuer Zweitligadauerbrenner ist (wenn man nur die Feldspieler betrachtet) nun 1860-Innenverteidiger Christopher Schindler, der zuletzt vor einem knappen Jahr nicht zum Einsatz kam und seitdem 33 Zweitligaspiele, 5 DFB-Pokalpartien und 2 mal 90 Minuten in der Relegation gegen Kiel mitmachte. Mal sehen, wie viele Zweitligaspiele noch dazukommen. Für seinen Club, den TSV 1860 München sieht es nach sechs Spielen ohne Sieg und fünf Niederlagen am Stück im Abstiegskampf überschaubar gut aus.

Wenig positives findet man derzeit auch beim SC Paderborn, der als Erstligaabsteiger der dritten Liga entgegentaumelt und deren einziger Trumpf aktuell die Schwäche der anderen ist. Schießbude der Liga, seit vier Spielen ohne Tor, neun Spiele ohne Sieg. Wie lange es Effenberg unter diesen Umständen noch machen darf, ist eine berechtigte Frage. Wobei die Ursachen für die Misere vielschichtiger sein dürften und man nach diversen wahllos scheinenden Suspendierungen eher ein Problem mit der Teamchemie haben könnte.

Davon abgesehen ist es interessant, wie sehr der Stand der Dinge in Paderborn vom Ergebnis her gedacht wird. Das 0:1 in Sandhausen, das ziemlich grausam anzusehen war und insgesamt lediglich sieben Paderborner Torschüsse mit sich brachte (Sandhausen: acht), wurde als positiv gesehen, weil man Chancen zum Ausgleich hatte, einen Elfmeter nicht bekam und ein paar gute Angriffe spielte. Nach dem 0:4 gegen Kaiserslautern wurden Teile des Teams dagegen zur Abstiegskampfsuntauglichkeit geredet und war die komplette Ratlosigkeit und Depression zu verspüren, auch wenn das Spiel lange gar nicht schlecht aussah (13:10 Torschüsse) und man letztlich ein beileibe nicht grausam anzusehendes Freakspiel aus unfassbar liegen gelassenen Torchancen und Schlafeinlagen in der Defensive vor allem bei Standards erlebt hatte.

Besonders leid konnte einem auf Paderborner Seite Neuzugang Nicklas Helenius im Sturm tun. Der machte eigentlich ganz viel richtig, bewegte sich gut, war anspielbar und suchte den Abschluss. Nur Glück hatte er nicht mit ins Spieltagspaket gepackt bekommen. Vermutlich hätte Helenius auch dann noch den Torwart getroffen, wenn der sich neben das Tor gestellt hätte.

Vielleicht sollte sich Helenius einfach mal ein paar Spiele der SpVgg Greuther Fürth anschauen, wo Sebastian Freis diese Saison aufdreht und im Gegensatz zur Vorsaison der erhoffte Goalgetter ist. In Frankfurt schoss er die Tore Nummer acht und neun in dieser Spielzeit, das 2:0 mal wieder eines der Marke Traumtor. Alle 137 Minuten trifft Freis in den gegnerischen Kasten, das ist hinter Nils Petersen der zweitbeste Wert aller Toptorschützen. Wer das nach der letzten Saison, in der er im Abstiegskampf geholt ziemlich komplett unterging, vorhergesagt hat, darf sich Auskenner des Monats nennen.

Am unteren Ende der Zweitligatabelle kann man sich von Duisburg schon fast verabschieden. Keine dreimal schießt man im Schitt pro Spiel auf das gegnerische Tor, deutlich mehr als fünfmal schießen die Gegner im Schnitt auf das Duisburger Tor. In Sachen Balance ist Duisburg zusammen mit Frankfurt und Paderborn das schlechteste Team der Liga, das dazu auch noch in der Kaderbesetzung wenig herausreißen kann. An 19 von 21 Spieltagen war man bisher Tabellenletzter. Wo beim MSV die Hoffnung herkommen soll, ist schwer zu sehen.

Mit ins Abstiegskampfsunglück trudelt auch der FSV Frankfurt mit seinen zehn Leihspielern. Gerade mal noch sechs Punkte Vorsprung hat man auf den Relegationsrang. Und nähert sich tabellarisch damit langsam auch dem an, was man anhand ihrer Torschussbilanzen sowieso erwarten würde. Denn während man das Zweitligateam ist, das am seltensten im gegnerischen Strafraum zum Abschluss kommt, lässt man die Gegner noch öfter im eigenen Strafraum zum Abschluss kommen, als das Schlusslicht Duisburg.

Bisher lebte Frankfurt davon, dass man selbst in der Chancenverwertung recht gut war und die Gegner in der Chancenverwertung vergleichsweise schlecht. Damit holte man am Ende mehr Punkte, als man rein von Spielanlage und Balance her erwarten würde. Wenn sich jetzt die Chancenverwertungszahlen auch eher dem Durchschnitt anpassen, wird es für Frankfurt sehr eng werden. Ein bisschen was von dem Glück und Geschick der Hinrunde wird man schon noch brauchen. Nur ein Punkt aus vier Rückrundenspielen ist halt auf Niveau von Duisburg, Paderborn und München. Aktuell ist das Absteigerniveau.

Interessant vielleicht noch, dass es mit Paderborn, München und Duisburg zwar nach nur zwei Spielen im Jahr 2016 noch drei Teams ohne Punkt, aber mit dem FC St. Pauli noch ein Team mit einer weißen Weste gibt. Alle anderen Teams haben höchstens vier Punkte gesammelt. Der FC St. Pauli ist dagegen mit sechs Punkten und ohne Gegentor perfekt ins Jahr gestartet. In der vergangenen Saison startete von den Aufstiegsanwärtern der 1.FC Kaiserslautern ebenfalls mit sechs Punkten und 3:0 Tore ins neue Jahr. Am Ende stand Platz 4. Der Wind dreht in der zweiten Liga erfahrungsgemäß schnell mal hin und her..

Wobei es diese Saison zwischen Platz 7 und 13 durchaus so etwas wie ein Tabellenmittelfeld gibt. Mit Sandhausen, Heidenheim, Fürth, Union und Bielefeld stecken in diesem Tabellenmittelfeld fünf Teams, denen man nicht zutraut, noch oben anzugreifen oder ganz unten reinzurutschen. Kaiserslautern und Karlsruhe muss man vielleicht ein wenig rausnehmen und bei einem extremen Lauf auch noch als Kandidaten für oben auf der Rechnung haben, aber insgesamt lässt es sich in diesem Tabellenmittelfeld erstaunlich entspannt leben.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In der zweiten Spalte ein Ranking nach Torschüssen (Nummer 1 hat den besten Wert, wenn man die Anzahl der eigenen Schüsse aufs Tor ins Verhältnis zu den zugelassenen Torschüssen setzt). In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl (Abgezogen werden müssen beim SV Sandhausen davon noch drei Punkte resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.), Punktzahl aus den letzten sechs Spielen, Punktzahl 2016, Punktzahl Rückrunde.

SubjTSGeslast 62016RR1.Block
Leipzig114415398
Nürnberg2737164107
Bochum343294815
St. Pauli4536106710
Freiburg523890312
Bielefeld662711376
Braunschweig793210377
Kaiserslautern832911488
Berlin91527114104
Karlsruhe10829104106
Heidenheim11132884710
Sandhausen12113354410
Fürth1314284335
Düsseldorf14122310341
München1510141002
Frankfurt1617234117
Paderborn1716172013
Duisburg1818124012

Tabelle nach Länderspielblöcken: Die Saison wird regelmäßig von Länderspielen unterbrochen. Jeweils nach Spiel 5, 10 und 14 ruhte der Ligabetrieb für jeweils zwei Wochen. Diese vier Blöcke (Spieltage 1-5, 6-10, 11-14, 15-19) und ihre Punkteausbeute werden in der folgenden Tabelle verglichen. Die nächste Länderspielpause ist über Ostern am letzten Märzwochenende.

Platz1.Block2.Block3.Block4.Block
Leipzig189915
Freiburg2129512
Nürnberg377415
St. Pauli410884
Braunschweig571057
Bochum615616
Sandhausen710874
Kaiserslautern88737
Karlsruhe963106
Fürth1051244
Heidenheim1110644
Bielefeld126558
Berlin134658
Frankfurt147654
Düsseldorf151568
Paderborn163482
München172444
Duisburg182325

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