20.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

Das Transferfenster ist seit Montag geschlossen. Bis zum Sommer geht nichts mehr in Sachen Neuverpflichtungen. Insgesamt ging es in der zweiten Liga in der Transferperiode recht moderat zu. Was auch daran lag, dass man sich bei RB Leipzig im Gegensatz zum letztjährigen Großangriff in diesem Winter gar nichts leistete. Ein Havard Nielsen, der nach Freiburg ging, dürfte nicht ganz umsonst gewesen sein. Bei Bard Finne, den Heidenheim aus Köln kolportierte der Kicker eine Ablöse im „gehobenen sechsstelligen Bereich“.

Insgesamt 42 Spieler verpflichteten die 18 Zweitligisten aus externen Quellen. Das sind sieben weniger als vor einem Jahr und gerade mal 2,4 Spieler pro Club.

Der Renner unter den Neuverpflichtungen ist die Leihe. Gleich 23 von 42 Spielern haben nur vorläufige Verträge bei ihrem neuen Arbeitgeber in der zweiten Liga. 15 der Leihspieler kommen von einem Bundesligisten bzw. aus dem Anschlusskader eines Bundesligisten. Immerhin 13 Spieler sind 23 Jahre oder jünger, also in einem Alter, in dem das Leihgeschäft wohl primär dazu da ist, dem entsprechenden Spieler Spielpraxis zur Weiterentwicklung zu verschaffen und nicht dazu, ihn abzuschieben. Trotzdem bleibt es weiterhin erstaunlich, dass die Zweitligisten so wenig dazu genutzt werden, dort Nachwuchstalente zur Weiterenwicklung auf Leihbasis unterzubringen.

Der König unter den Leihclubs ist der FSV Frankfurt. Alle vier Neuverpflichtungen des Winters sind Leihspieler. Drei davon sind 20 Jahre alt, einer 30. Zwei Spieler kommen aus der Bundesliga, einer aus der zweiten Liga und einer aus Brasilien. Damit hat der FSV Frankfurt inzwischen gleich zehn Leihspieler im Kader, davon acht im Alter von 20 Jahren oder jünger. Lediglich zwei der Leihspieler haben einen Leihvertrag, der über den Sommer hinaus bis nächstes Jahr gilt. Kurzfristig mag sich der FSV dadurch eine Menge Talent in die Mannschaft holen, ein nachhaltiger Aufbau eines Teams wird dadurch aber schwierig. Als Kaderstrategie eines kleinen, finanzschwachen Clubs scheint es aber durchaus nachvollziehbar und bisher ist das Konzept durchaus erfolgreich.

Mit Bochum, Karlsruhe und Leipzig haben gleich drei Clubs auf externe Neuzugänge komplett verzichtet. Am anderen Ende der Extreme stehen die SpVgg Greuther Fürth, die bei sechs Neuverpflichtungen einen ziemlichen Umbruch angegangen sind und der TSV 1860 München, der mit einigen erfahrenen Spielern die Mission Klassenerhalt starten will.

Überhaupt stand Erfahrung in dieser Transferperiode relativ hoch im Kurs. Wechselte vor einem Jahr kein einziger Spieler mit 30 Jahren aufwärts in die oder innerhalb der zweiten Liga, sind es in diesem Winter gleich acht. 1860 holte sich mit Sukalo, Mauersberger und Mölders gleich drei davon. Am anderen Ende wurden neun Spieler verpflichtet, die 20 Jahre oder jünger sind. Der FSV Frankfurt holte sich mit Silva, Gerezgiher und Kalmár drei solche Talente.

Insgesamt 18 Spieler wechselten aus der Bundesliga bzw. aus dem Anschlusskader eines Bundesligaclubs in die zweite Liga. Zehn Spieler wechselten ligaintern. 13 Spieler kamen aus dem Ausland, davon zehn aus der jeweils höchsten Liga des Landes. Bleibt lediglich eine Neuverpflichtung übrig, die aus einer Liga unterhalb der zweiten Liga kommt. Dieses Alleinstellungsmerkmal hat sich Robin Krauße verdient, der von Carl Zeiss Jena zum Jungsclub SC Paderborn wechselte. Vermutlich eher als Perspektivspieler und weniger als Soforthilfe im Abstiegskampf. Interessant, dass kein einziger Drittligaspieler im Winter eine Etage nach oben wechselte.

Insgesamt 16 der gewechselten Spieler können schon auf mindestens 100 Spiele in der deutschen ersten oder zweiten Liga oder in einer internationalen ersten Liga zurückblicken. Die meisten Erstligaspiele haben dabei Sascha Mölders, Emanuel Pogatetz und Tim Sebastian auf dem Buckel. In Sachen Zweitligaeinsätze haben Goran Sukalo, Jan Mauersberger, Tim Sebastian, Zoltan Stieber und Jakub Sylvestr schon die 100er-Schallmauer durchbrochen. Und im internationalen Maßstab sticht Emanuel Pogatetz mit mehr als 200 Spielen heraus.

Von den Spielern mit viel Erfahrung ist Havard Nielsen der jüngste. Trotz seiner erst 22 Jahre hat er schon Spiele in Bundesliga, 2.Liga und im internationalen Maßstab bestritten. Kein Wunder, dass der Norweger in der Vergangenheit recht begehrt war und nun ein Bundesligaanwärter transfertechnisch zugeschlagen hat.

Wenn man den Transfergewinner des Winters bestimmen will, dann fällt natürlich der SC Freiburg sofort in den Blick. Mit Nielsen, Niederlechner und Stenzel hat man sich noch mal einiges an Qualität und Potenzial ins Team geholt und die Mannschaft deutlich breiter aufgestellt. Gerade im Angriff tummelt sich (wenn alle fit sind) eine ganze Armada hochklassiger Zweitligaspieler.

Heidenheim wurde auffällig, weil man in der Offensive einmal durchgewechselt und vier Stürmer abgegeben und zwei neue Stürmer geholt hat (dazu mit Verhoek schon einen für den kommenden Sommer geholt). Sandhausen hat derweil mit Vollmann und Pledl klug im unteren Alterssegment nachgelegt. Ob die Frankfurter Leihstrategie aufgeht, muss man genauso abwarten, wie das Ergebnis der Fürther und Münchener Einkaufstour.

Duisburg war mit seinen Verpflichtungen mal wieder arg spät dran, was in Richtung Abstiegskampf nicht gerade optimal ist. Und in Berlin hat man einen schon im Sommer ordentlich gepimpten Kader nach einer enttäuschenden Hinrunde noch einmal verstärkt. Auch wenn man am Ende nicht alle Wünsche erfüllt bekam, die man hatte.

Insgesamt war die Transferperiode überschaubar spektakulär. Die Vielzahl an Leihgeschäften verweist darauf, dass das Geld bei den Vereinen nicht sonderlich locker sitzt und man lieber auf Verträge mit kürzerer Halbwertzeit und geringem finanziellen Risiko setzt. Es wurde durchaus einiges an Erfahrung in die Liga geholt, die partiell auch mit klanghaften Namen verbunden ist. Es kamen aber auch wieder viel Talente in die Liga, bei denen wie immer spannend ist, inwieweit sie in ihren neuen Vereinen gleich eine wichtige Rolle spielen können. Wenn man in der Winterpause kommt, kann man auch immer mal schnell an den Erfordernissen der Tabelle und den Ansprüchen der jeweiligen Vereine scheitern. Besonders als junger Spieler.

[Liste der Neuzugänge bei den Zweitligisten im Winter. Nur Spieler, die von außerhalb des Clubs kamen, also keine Nachwuchsspieler mit neuen Profiverträgen. ab = Letzter Verein des wechselnden Spielers, auf = neuer Verein des wechselnden Spielers, Leihe = Leihe ja oder nein.]

NameAlterAbAufLeihe
Levent Aycicek21Werder Bremen1860 Münchenja
Maximilian Beister25FSV Mainz1860 Münchenja
Jón Dadi Bödvarsson23Viking Stavanger1.FC Kaiserslauternnein
Jakub Busk22FC KopenhagenUnion Berlinnein
Timothy Dieng21Grashopper ZürichMSV Duisburgnein
Nikola Djurdjic29FC AugsburgFortuna Düsseldorfja
Bard Finne201.FC Köln1.FC Heidenheimnein
Joel Gerezgiher20Eintracht FrankfurtFSV Frankfurtja
Sebastian Heidinger301.FC HeidenheimGreuther Fürthnein
Nicklas Helenius24Aalborg BKSC Paderbornja
Maurice Hirsch22Hannover 96Greuther Fürthja
Zsolt Kalmár20RB LeipzigFSV Frankfurtja
Justin Toshiki Kinjo181860 (U19)Fortuna Düsseldorfnein
Robin Krauße21Carl Zeiss JenaSC Paderbornnein
Felix Kroos24Werder BremenUnion Berlinja
Domi Kumbela31Greuther FürthEintracht Braunschweignein
Ronny Marcos22HSVGreuther Fürthnein
Jan Mauersberger30Karlsruher SC1860 Münchennein
Charalampos Mavrias21AFC SunderlandFortuna Düsseldorfja
Leroy-Jacques Mickels20Bor. MönchengladbachSt. Paulinein
Sascha Mölders30FC Augsburg1860 Münchenja
Florian Niederlechner25FSV MainzSC FreiburgJa
Havard Nielsen22Red Bull SalzburgSC Freiburgnein
Baris Özbek29KayserisporMSV Duisburgnein
Thomas Pledl21FC IngolstadtSV Sandhausenja
Emanuel Pogatetz32Columbus CrewUnion Berlinnein
Nicolai Rapp19TSG HoffenheimGreuther Fürthja
Francisco Rodríguez20VfL WolfsburgArminia Bielefeldja
Roberto Rodriguez25Novara CalcioGreuther Fürthja
Seung-Woo Ryu22Bayer LeverkusenArminia Bielefeldja
Tim Sebastian31RB LeipzigSC Paderbornnein
Gabriel Silva20Barra FCFSV Frankfurtja
Pascal Stenzel19Borussia DortmundSC Freiburgja
Zoltan Stieber27HSV1.FC Nürnbergja
Goran Sukalo34Greuther Fürth1860 Münchennein
Jakub Sylvestr261.FC NürnbergSC Paderbornja
Denis Thomalla23Lech Poznan1.FC Heidenheimja
Tomané23Vitoria GuimaraesMSV Duisburgja
Andreas Voglsammer241.FC HeidenheimArminia Bielefeldnein
Korbinian Vollmann221860 MünchenSV Sandhausennein
Ante Vukusic24Delfino PescaraGreuther Fürthnein
Niki Zimling30FSV MainzFSV Frankfurtja

[Erfahrung der gewechselten Spieler. Nur Spieler mit insgesamt mindestens 100 Spielen in Bundesliga, 2.Liga oder einer internationalen Topliga. 1.Liga = Zahl der bisherigen Bundesligaeinsätze, 2.Liga = Zahl der bisherigen Einsätze in der 2. Bundesliga, Intern = Zahl der Einsätze in einer internationalen 1.Liga]

NameAlter1.Liga2.LigaIntern
Goran Sukalo34030117
Emanuel Pogatetz32880202
Jakub Sylvestr260102132
Tim Sebastian31581250
Nikola Djurdjic293115130
Baris Özbek29065104
Niki Zimling30280131
Zoltan Stieber27501040
Sascha Mölders30103470
Jan Mauersberger3001490
Nicklas Helenius2400140
Havard Nielsen22163085
Ante Vukusic2400131
Domi Kumbela31307423
Jón Dadi Bödvarsson2300124
Maximilian Beister2547590

—————————————————-

20.Spieltag

  • 1. FC Kaiserslautern – 1. FC Union Berlin – 0
  • VfL Bochum – SC Freiburg – 1
  • SV Sandhausen – SC Paderborn 07 – 1
  • Fortuna Düsseldorf – 1. FC Heidenheim – 2
  • TSV 1860 München – 1. FC Nürnberg – 0
  • Karlsruher SC – FSV Frankfurt – 1
  • RB Leipzig – Eintracht Braunschweig – 1
  • SpVgg Greuther Fürth – FC St. Pauli – 1
  • Arminia Bielefeld – MSV Duisburg – 2

Tippquote bisher: 64 von 171 (bei RB-Spielen: 7 von 19).

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.