Testspiel: RB Leipzig vs. FC Thun 3:1

Zweites und letztes Testspiel für RB Leipzig im Rahmen des Trainingslagers in der Türkei. Wie vor eine paar Tagen war wieder ein Schweizer Erstligist der Gegner. Diesmal war es der FC Thun, gegen den man unter Zorniger vor zwei Jahren auch in der Türkei noch mit 1:2 verloren hatte. Wie schon gegen den FC St. Gallen am letzten Mittwoch stand am Ende ein 3:1 auf der gedachten Anzeigetafel.

Dabei hatte man auf RB-Seite nach den letzten Trainingstagen mit einigen Ausfällen zu kämpfen (Ilsanker, Kaiser, Halstenberg, Khedira). Allesamt eher Vorsichtsmaßnahmen, aber trotzdem bemerkenswert. Ein zu harter Trainingsplatz soll, so berichten BILD, MZ und Co von vor Ort für die erhöhte Ausfallquote verantwortlich sein. Das dürfte bei den Verantwortlichen nicht gerade für Begeisterung in Bezug auf den aktuellen Trainingslagerort gesorgt haben.

Während auf Leipziger Seite im vorletzten Test der Winterpause wie gewohnt zur Pause komplett durchgewechselt wurde, spielte der FC Thun bis auf zwei Wechsel komplett durch, nachdem man bereits am Tag zuvor gegen Lechia Gdansk gewonnen hatte. Die Spieler, die gegen die Polen nicht eingesetzt wurden, durften gegen Leipzig ran. Eine bunte Mischung aus A- und B-Elf, die den Vorteil hatte, dass man nicht durch Wechsel aus dem Spielkonzept gebracht werden konnte, aber auch den Nachteil mit sich brachte, aus dem Training mal eben 90 Minuten lang hohes Tempo gehen zu müssen.


In der ersten Halbzeit bei RB Leipzig ein Team auf dem Platz, das eher ein Team wäre, was bei Ausfällen von Ilsanker, Kaiser und Halstenberg auch so in einem Pflichtspiel auflaufen könnte, als das aus Halbzeit 2. Mit Idrissa Touré durfte ein 17jähriger auf der Sechs neben Demme auflaufen und machte seine Sache ordentlich, wenn auch in der Passsicherheit ausbaufähig.

Das lag wie bei anderen Spielern aber auch daran, dass RB Leipzig in der ersten Halbzeit gegen den sehr böigen Wind antrat. Der nicht nur hohe Bälle komplett verwehte und unberechenbar machte, sondern auch mit flachen Pässen sein Spielchen trieb, das nicht wirklich zu einer flüssigen Partie beitrug.

RB Leipzig in der ersten Halbzeit mit einem 4-2-3-1 mit einem Marcel Sabitzer auf der Zehn, der im Spiel gegen den Ball nach vorn herausrückte und neben Yussuf Poulsen Stürmer spielte, sodass dann ein 4-4-2 entstand. Viel falsch machte man in dieser Formation nicht, auch wenn die Sache mit dem Spielfluss schwierig war. Ein, zwei Fehler zu viel im Spielaufbau, aber Chancen ließ man gegen die Schweizer trotzdem nur wenige zu.

Ein früher Schuss des FC Thun ans Außennetz wurde von Emil Forsberg nach zehn Minuten mit dem Führungstreffer beantwortet. Verantwortlich dafür eine perfekte Ballverarbeitung des Schweden mit dem ersten Kontakt, wodurch er sich gegen seinen Gegenspieler den entscheidenden Platz verschaffte und dann frei vor Thun-Keeper Ruberto erstaunlich routiniert versenkt.

In der Folge versucht RB Leipzig die Partie zu kontrollieren. Torgefahr entsteht dabei aber kaum. Sodass Thun nach einer reichlichen halben Stunde zum etwas überraschenden Ausgleich kommt. Gonzalo Zárate hatte von halblinks aus etwa 18 Metern einen Ball in den rechten Winkel gehämmert. Großartiges Tor des Argentiniers, der einst in Salzburg kickte und von Ralf Rangnick 2012 aus dem dortigen Paradies vertrieben wurde.

Zárate war es auch, der an einer Szene beteiligt war, die die im gesamten Spiel vorhandenen Nickligkeiten verdeutlichte, als er in einer Zweikampfsituation Demme nachträglich noch mal auf den Fuß steigt und sich Demme mit einem (nicht geahndeten und nicht richtig getroffenen) Nachtreten revanchiert. Eine ordentliche Rudelbildung war die Folge. Aber auch sonst war in den Zweikämpfen im Spielverlauf durchaus Feuer drin, das man sonst nicht in jedem Testspiel sieht, auch wenn es nie aus dem Ruder lief oder übermäßig unfair oder gar brutal wurde.

Nach dem Ausgleich wäre RB Leipzig sogar fast in Rückstand geraten. Peter Gulacsi, der ab und zu mal Unsicherheiten beim Verarbeiten von Rückpässen zeigte (bzw. bei der Entscheidung über die Spielfortsetzung manchmal etwas unentschlossen wirkte), spielte (Wind hin oder her) relativ unbedrängt einen Ball dem Gegner in die Füße, rettete aber anschließend gegen den Torabschluss der Schweizer von der Strafraumkante. Auf der Gegenseite scheitert erst Poulsen per Kopf, bevor er für Sabitzer auflegt, der den Ball aus einem Meter nur noch über die Linie drücken muss.

In der zweiten Halbzeit wird es dann bei RB Leipzig ganz jung. Im defensiven Bereich von der Sechs rückwärts ist bis auf Nukan gar keiner mehr auf dem Feld, der die 20 schon überschritten hat. Drei 19jährige und jeweils ein 18- und 17-jähriger versammeln sich da. Dass eine solche Formation nicht ohne Verluste in Sachen fußballerischer Qualität zu haben ist, ist klar.

Auch wenn direkt nach der Pause das 3:1 fällt, das der 18jährige Gino Fechner erzielt, sieht man in den zweiten 45 Minuten, dass es dem Team schwer fällt, aus der eigenen Abwehr heraus ein Spiel aufzuziehen. Was angesichts der völlig neu zusammengewürfelten Mannschaft auch nicht weiter verwundert. Rechtsverteidiger Gipson spielt wieder mal Innenverteidiger (damit haben in den Testspielen Ilsanker, Fechner und zweimal Gipson den Orban-Backup gegeben). Der 17jährige Janelt spielt den ungewohnten Linksverteidigerposten. Strauß und Fechner besetzen zusammen erstmals die Sechser-Position.

Das da nicht alles klappt und die Stürmer und vor allem Selke etwas in der Luft hängen, ist folgerichtig. Man spielte in der jungen Formation überwiegend sehr vernünftig gegen den Ball und verwaltete den Spielstand ganz gut, in Sachen offensiver Kreativität passierte nicht mehr viel, auch weil Quaschner einmal den Zeitpunkt verpasste, Selke tief zu schicken. Und in der defensiven Umschaltbewegung hatte man auch ein, zweimal Glück. Bspw. als Gipson nach einem Bruno-Ballverlust an der Mittellinie in letztem Moment noch verhindert, dass drei Schweizer allein auf Fabio Coltorti zulaufen.

So richtig viele Erkenntnisse bleiben nach der Partie nicht. Dazu war die Ausfallliste zu groß und der Wind zu stark. Die RB-Teams beider Halbzeiten waren durchaus engagiert unterwegs und versuchten zu dominieren. Spielerisch blieb dabei manches Stückwerk. Aber ordentlich war es für so ein Testspiel am Ende eines Trainingslagers trotzdem.

Größere Erkenntnisse wird dann eventuell der letzte Testauftritt am kommenden Sonntag gegen Teplice bringen. Extrem viele offene Duelle gibt es nicht, auch weil sich im Verlauf der Vorbereitung bisher niemand übermäßig aufdrängte, der bisher außen vor war. Ein Stümer oder zwei Stürmer ist eine der Fragen. Selke oder Poulsen oder Selke und Poulsen oder Poulsen und jemand ganz anders entsprechend eine mögliche Frage. Wird Ilsanker einen Sechser neben sich haben oder es eher auf ein 4-1-3-2 hinauslaufen, gilt es noch zu klären. Und Compper oder Nukan ist das vermutlich letzte noch offene Matchup zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel nach der Winterpause (gegen Braunschweig).

Fazit: Ganz viel Aussagekraft hatte das Testspiel von RB Leipzig gegen den FC Thun nicht. Bei schwierigen äußeren Bedingungen hat man versucht Fußball zu spielen, war dabei aber nicht immer erfolgreich. Das 3:1 entsprach am Ende ungefähr den Kräfteverhältnissen. Was angesichts der vor allem in der zweiten Halbzeit sehr jungen Mannschaft durchaus als positiver Fakt durchgeht. Aber auch ein vergleichsweise irrelevanter Fakt ist.

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Tore: 1:0 Forsberg (10.), 1:1 Zárate (33.), 2:1 Sabitzer (41.), 3:1 Fechner (49.)

Aufstellung 1.Hälfte: Gulacsi – Teigl, Orban, Compper, Jung – Touré, Demme – Kalmár, Sabitzer, Forsberg – Poulsen

Aufstellung 2.Hälfte: Coltorti- Klostermann, Gipson, Nukan, Janelt – Fechner, Strauß – Hierländer, Bruno – Quaschner, Selke

Nicht dabei: Boyd (verletzt), Ilsanker, Kaiser, Khedira, Halstenberg (alle angeschlagen bzw. geschont), Bellot

Zuschauer: 50 (in Belek)

Links: RBL-Bericht, FCT-Bericht
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Bisherige Testspiele 2015/2016

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Testspieltorschützen 2015/2016

Forsberg – 7; Selke – 6; Quaschner, Kalmár – je 5; Dzalto – 4; Hierländer, Poulsen, Teigl, Khedira, Sabitzer – je 3; Endres, Strauß, Demme – je 2; Wagner, Kaiser, Reddemann, Palacios Martinez, Mauer, Sebastian, Ilsanker, Bruno, Compper, Halstenberg, Fechner – je 1

Testspieleinsatzzeiten

  • Demme: 768 Minuten
  • Teigl: 692 Minuten
  • Kaiser: 681 Minuten
  • Khedira: 673 Minuten
  • Hierländer: 643 Minuten
  • Jung: 639 Minuten
  • Orban: 618 Minuten
  • Quaschner: 617 Minuten
  • Bruno: 591 Minuten
  • Gulacsi: 540 Minuten
  • Sebastian: 517 Minuten
  • Gipson: 489 Minuten
  • Strauß: 445 Minuten
  • Klostermann: 415 Minuten
  • Selke: 415 Minuten
  • Kalmár: 408 Minuten
  • Bellot: 386 Minuten
  • Compper: 384 Minuten
  • Forsberg: 379 Minuten
  • Mauer: 376 Minuten
  • Coltorti: 360 Minuten
  • Sabitzer: 326 Minuten
  • Ilsanker: 324 Minuten
  • Poulsen: 315 Minuten
  • Nukan: 270 Minuten
  • Reddemann: 246 Minuten
  • Halstenberg: 240 Minuten
  • Sorge: 180 Minuten
  • Palacios: 165 Minuten
  • Franke: 158 Minuten
  • Skopintsev: 158 Minuten
  • Wagner: 145 Minuten
  • Rabiega: 138 Minuten
  • Suczuz: 135 Minuten
  • Janelt: 120 Minuten
  • Endres: 116 Minuten
  • Dzalto: 90 Minuten
  • Ernst: 90 Minuten
  • Placheta: 90 Minuten
  • Fechner: 90 Minuten
  • Toure: 90 Minuten
  • Barylla: 87 Minuten
  • Vogel: 64 Minuten
  • Diawusie: 55 Minuten
  • Siebeck: 54 Minuten
  • Becher: 46 Minuten
  • Heine: 19 Minuten
  • Beiersdorf: 17 Minuten

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