Testspiel: RB Leipzig vs. Bischofswerdaer FV 5:0

Zweites Testspiel des Jahres 2016. Zu Gast bei RB Leipzig war der Bischofswerdaer FV, mit dem man sich in den letzten Jahren zweimal im Sachsenpokal duellierte (2:0 unter Pacult, 3:0 unter Zorniger). Diesmal trat man im Testspiel gegeneinander an und wieder gewann RB Leipzig ohne Gegentor. Das 5:0 entsprach relativ gut dem Geschehen auf dem Feld.

Passen musste vor dem Testspiel Lukas Klostermann, der wegen muskulärer Probleme geschont wurde. Aus dem Torwart-Trio erwischte es rotationsgemäß Peter Gulacsi. Und Terrence Boyd bleibt als Langzeitverletzter weiter außen vor. Viel Luft ist nach dem Abgang von Tim Sebastian gen Paderborn nicht mehr im Feldspielerkader, sodass alle anderen 22 Profispieler je eine Halbzeit spielen konnten.

Mit im Vergleich zum Eilenburg-Test ein wenig durchmischter Zusammensetzung ging es in den ersten Durchgang, in dem man ein 4-1-3-2 praktizierte. Rani Khedira gab den alleinigen Sechser vor der Abwehrreihe, in der Ken Gipson für Klostermann rechts hinten auflief und damit die ungewohnte Innenverteidiger-Position wieder verlassen konnte. Stefan Hierländer durfte sich auf der rechten Position der offensiven Dreierkette zeigen und steuerte zwei, drei Abschlussaktionen zum Spiel bei.

Die erste Hälfte war alles in allem in Bezug auf Offensivaktionen eher mühselig. Der Bischofswerdaer FV verteidigte in seiner eigenen Hälfte sehr gut und schaffte es im Gegensatz zum FC Eilenburg vier Tage zuvor vor allem, den RasenBallsportlern die Geschwindigkeit in die Tiefe zu nehmen. So dass sich das Spielgeschehen meist auf einem schmalen Streifen zwischen Mittellinie und Bischofswerdaer Strafraumgrenze abspielte.

Dabei fehlten auf Leipziger Seite vor allem die spielerischen Mittel, um die Defensive des Fünftligisten zu knacken. Individuell konnten Forsberg, Kaiser und Co nicht für Räume und Gefahr sorgen. Im Zusammenspiel war vieles, auch im Spiel aus der Abwehr heraus, zu ungenau. Dabei fehlte es den RasenBallsportlern bei weitem nicht an Engagement, man brachte durchaus einiges an Geschwindigkeit und permanentem Versuchen ein. Sprich, der Geist war willig, aber das Fleisch in Form spielerischen Vermögens schwach.

So entstand eine sehr intensive Partie, in der sich die Teams mit lautstarker gegenseitiger Unterstützung nicht ununterhaltsam beharkten. Nur Strafraumszenen blieben Mangelware. Bei RB Leipzig, aber naturgemäß auch mangels Offensiversuchen beim Bischofswerdaer FV.

Dass die Gäste in Rückstand gerieten, konnte bei diesem Spielgeschehen nur durch einen Standard geschehen. Marcel Halstenberg nickte eine Kaiser-Ecke nach bereits 35 Minuten ein, nachdem zuvor viele Standards noch ungefährlich in den Strafraum geschlagen wurden. Kurz vor der Pause kam dann auch noch das 2:0 dazu, bei dem sich de RasenBallsportler zur Abwechslung tatsächlich mal durchkombinieren konnten und Quaschner in der Mitte vollendete.

Nach der Pause war dann erst mal wesentlich mehr Offensivzug in den Aktionen von RB Leipzig. Was nicht so sehr daran lag, dass man nun eher im 4-2-2-2 agierte, sondern daran, dass vor allem mit Bruno und Sabitzer nun zwei Offensivakteure auf dem Feld standen, die im Eins gegen Eins Lösungen hatten, die das Spiel in einigen Situationen öffneten. Zwei Tore in der Viertelstunde direkt nach der Pause waren die direkte Folge davon.

Wer gedacht hätte, dass sich der Bischofswerdaer FV nun abschlachten lassen würde, sah sich getäuscht. Man fing sich nach dieser kurzen Phase wieder relativ schnell und verteidigte unbeirrt mit viel Einsatz. Auch weil die RasenBallsportler ab der 60.Minute ein wenig zurückschalteten und weiter nicht so richtig spritzig und genau waren, hielt man das 0:4 bis tief in die zweite Halbzeit, sodass der Gästetrainer schon zehn Minuten vor dem Ende frohlockte, dass vier, fünf Gegentore doch eigenlich ganz gut seien. Genau diese fünfte Gegentor fing man sich dann noch, aber dabei blieb es dann auch.

Erwähnenswert vielleicht noch, dass Stefan Ilsanker in der zweiten Halbzeit den rechten Innenverteidiger gab. Ein Hinweis darauf, wie man bei RB Leipzig nach dem Abgang von Tim Sebastian einen möglichen Ausfall von Willi Orban auf der rechten Innenverteidigerposition kompensieren könnte. Da werden in den nächsten Wochen bis zum ersten Pflichtspiel am 07.02. sicherlich noch ein paar Varianten getestet oder vielleicht sogar noch ein Neuzugang geholt. Ilsanker ist aber natürlich im ersten Schritt eine logische Variante, weil der Österreicher diese Position auch schon vor seiner Leipziger Zeit häufiger gespielt hatte, auch wenn man sich dadurch seiner Stärke in der Balleroberung im Mittelfeld berauben würde.

Anonsten war der mit diesem Testspiel verbundene Erkenntnisgewinn nicht allzu hoch. Die RasenBallsportler wirkten durchweg bemüht, aber nach den ersten Trainingstagen des Jahres (nachvollziehbarerweise) nicht ganz so frisch. Durch herausragendes Auftreten hat sich niemand ins Gedächtnis des Betrachters eingebrannt. Ein paar Sorgenkinder sollte man im Auge behalten (Kalmár und mit Abstrichen Khedira oder auch mit noch größeren Abstrichen  Selke). Aber zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung sind das auch alles nur erste Indizien.

Fazit: Es war ein gutes Testspiel. Nicht, weil beide Vereine ein Fußballfeuerwerk abgebrannt hätten, sondern weil der Bischofswerdaer FV sich als defensiv sehr gut organisiertes Team präsentierte, das für RB Leipzig lange eine große Herausforderung darstellte und entsprechend die Leistungsfähigkeit der RasenBallsportler gut testete. Die Gäste waren mit dem sichtbaren Willen angereist, sich vom Zweitligisten nicht abschlachten zu lassen. Dieses Ziel haben sie erreicht. Nicht weil sie Glück hatten, sondern weil sie es sich mit viel Engagement und guter Organisation verdient hatten. Insofern hatten beide Seiten etwas von diesem Test.

Randbemerkung 1: 21 Nachwuchsspieler durften sich im Saisonverlauf 2015/2016 bisher im Rahmen eines Testspiels bei den RB-Profis zeigen. Vor allem in Länderspielpausen, wenn die Nationalspieler fehlen oder ganz am Anfang der Sommervorbereitung, als der Kader noch nicht komplett am Start war, gab es einige Bewährungschancen (wie auch die Liste am Ende dieese Beitrags zeigt). Laut Kicker sollen nun im Rahmen des Wintertrainingslagers mit Vitaly Janelt, Gino Fechner und Idrissa Touré drei Nachwuchsspieler intensiv bei den Profis mittrainieren. Witzigerweise hat nur einer dieser Mittelfeldspieler (Janelt) aus dem Nachwuchs bisher Testspielluft bei den Profis geschnuppert und das auch nur für 30 Minuten (nur zwei der bisher bei Testspielen eingesetzten Spieler haben weniger Minuten). Merke: Umfangreiche Testspielzeiten bei den Profis verbessern deine Chance auf einen sportlichen Karrieresprung kurzfristig nicht unbedingt. (Wer es rationaler braucht, kann natürlich auch feststellen, dass die drei als Nachwuchsnationalspieler in Länderspielpausen und damit bei möglichen Testspielen der Profis selber oft unterwegs waren.)

Randbemerkung 2: Wie stark der Fußball die Medienwelt im Griff hat, konnte man sich am Rande dieses Tests dadurch beweisen lassen, dass der MDR einen Livestream zur Partie anbot. Wie stark ein solches Spiel zwischen einem Zweit- und einem Fünftligisten zur Grundversorgung gehört, die eine öffentlich-rechtliche Anstalt zu leisten hat, muss jeder selbst entscheiden. Erstaunlich ist es schon, dass man dafür Ressourcen bindet und in letzter Konsequenz damit auch eine Entscheidung dagegen trifft, in die Darstellung anderer Sportarten kreative Energien zu stecken. Ist natürlich für Anhänger der entsprechenden Clubs eine schöne Sache, wenn sie Livestreams zu ihren Teams geliefert kriegen. Aber letztlich wäre es wohl eher die Aufgabe des Vereins, sich der Übertragung solcher Nicht-Pflichtspiele und damit dem Interesse seiner Anhänger (wenn er dieses denn als übermäßig wichtig empfindet) zu widmen und nicht die Aufgabe des gebührenfinanzierten Rundfunks. Mal sehen, ob sich der Verein im Trainingslager daran erinnert und von den Testpartien gegen den FC St. Gallen und den FC Thun Livebilder produziert kriegt.

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Tore: 1:0 Halstenberg (35.), 2:0 Quaschner (45.), 3:0 Teigl (49.), 4:0 Poulsen (57.), 5:0 Poulsen (81.)

Aufstellung 1.Hälfte: Bellot – Gipson, Orban, Nukan, Halstenberg – Khedira – Hierländer, Kaiser, Forsberg – Quaschner, Selke

Aufstellung 2.Hälfte: Coltorti – Teigl, Ilsanker, Compper, Jung – Demme, Strauß – Bruno, Kalmár – Sabitzer, Poulsen

Nicht dabei: Boyd (verletzt), Klostermann (angeschlagen), Gulacsi

Zuschauer: 430 am Cottaweg

Links: RBL-Bericht [broken Link], BFV-Bericht
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Bisherige Testspiele 2015/2016

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Testspieltorschützen 2015/2016

Forsberg, Selke – je 6; Quaschner – 5; Dzalto, Kalmár – je 4; Hierländer, Poulsen – je 3; Endres, Strauß, Khedira, Demme, Sabitzer, Teigl – je 2; Wagner, Kaiser, Reddemann, Palacios Martinez, Mauer, Sebastian, Ilsanker, Bruno, Compper, Halstenberg – je 1

Testspieleinsatzzeiten

  • Demme: 678 Minuten
  • Kaiser: 636 Minuten
  • Khedira: 628 Minuten
  • Teigl: 602 Minuten
  • Hierländer: 598 Minuten
  • Jung: 549 Minuten
  • Orban: 528 Minuten
  • Quaschner: 527 Minuten
  • Sebastian: 517 Minuten
  • Bruno: 501 Minuten
  • Gulacsi: 450 Minuten
  • Gipson: 444 Minuten
  • Strauß: 400 Minuten
  • Bellot: 386 Minuten
  • Mauer: 376 Minuten
  • Kalmár: 318 Minuten
  • Klostermann: 315 Minuten
  • Selke: 315 Minuten
  • Compper: 294 Minuten
  • Forsberg: 289 Minuten
  • Sabitzer: 281 Minuten
  • Ilsanker: 279 Minuten
  • Coltorti: 270 Minuten
  • Reddemann: 246 Minuten
  • Poulsen: 225 Minuten
  • Halstenberg: 195 Minuten
  • Nukan: 180 Minuten
  • Sorge: 180 Minuten
  • Palacios: 165 Minuten
  • Franke: 158 Minuten
  • Skopintsev: 158 Minuten
  • Wagner: 145 Minuten
  • Rabiega: 138 Minuten
  • Suczuz: 135 Minuten
  • Endres: 116 Minuten
  • Dzalto: 90 Minuten
  • Ernst: 90 Minuten
  • Placheta: 90 Minuten
  • Barylla: 87 Minuten
  • Vogel: 64 Minuten
  • Diawusie: 55 Minuten
  • Siebeck: 54 Minuten
  • Becher: 46 Minuten
  • Janelt: 30 Minuten
  • Heine: 19 Minuten
  • Beiersdorf: 17 Minuten

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