Testspiel: RB Leipzig vs. FC Eilenburg 13:0

Erstes Testspiel im Jahr 2016 für RB Leipzig. Wie vor vier Jahren unter Peter Pacult war zu Beginn der Wintervorbereitung der FC Eilenburg zu Gast. 5:0 hieß es damals. 4:0 gewann Leipzig ein Duell im Sachsenpokal vor zwei Jahren. 13:0 hieß es diesmal. Schon allein anhand der Ergebnisse kann man gut erkennen, dass die Schere zwischen beiden Vereinen in jüngerer Vergangenheit noch mal deutlich auseinandergegangen ist. Was nicht so richtig überraschen kann.

Künftig stellt sich natürlich für die kleinen Vereine der Region und für RB Leipzig die Frage, inwiefern solche Testspiele jenseits der regionalen Imagepflege überhaupt Sinn machen. Zumal wenn die RasenBallsportler offenbar eine interne Challenge aus solchen Spielen machen (gab es am Anfang der Saison schon mal im Testspiel gegen Markkleeberg) und so die Spieler selbst deutlich nach der 80. Minute noch wie angestochen nach einem Tor wieder zurück zum Anstoß rennen, um schnell weiterzuspielen und noch mehr Tore schießen zu können. Inwieweit sich das für den kleinen Verein, der ab der 80. Minute konditionell nicht mehr so recht konkurrenzfähig ist, geil anfühlt, ist sicher eine berechtigte Frage.

Wie dem auch sei, für RB Leipzig war die Partie gegen Eilenburg der typische Aufgalopp in die Vorbereitungszeit gegen einen unterklassigen Gegner. Und nach dem 15:0 gegen die Kickers Markleeberg am Anfang der Saison der zweithöchste Testspielsieg. Standesgemäß, wenn auch am Ende zwei, drei Tore zu hoch.

Gerade zu Beginn der Partie musste einem um den Landesligisten aus Eilenburg, dem die RB-Angriffe nur so um die Ohren flogen Angst und Bange werden. Angeführt von den überragenden Offensivakteuren der bisherigen Saison Forsberg und Sabitzer (erzielte witzigerweise jetzt erst seine ersten Testspieltore für RB) überrollte man Eilenburg mit schnellem Spiel aus der Verteidigung heraus zu den Offensivkräften, die sich immer wieder mit ihrer Klasse in den Lücken austobten.

Angetreten war RB Leipzig im 4-2-2-2-System. Die Abwehrviererkette Teigl, Orban, Compper und Halstenberg kennt man so schon, auch wenn sie zuletzt zumindest in Bezug auf Teigl nicht mehr die Stammvariante war. Sie machte ihre Sache ordentlich, wenn auch mit durchaus feststellbarer Linkslastigkeit.

Im zentralen Mittelfeld spielten Ilsanker und Strauß die Doppelsechs, in der vor allem der spielstärkere Strauß immer wieder die Aufgabe hatte, sich offensiver zu orientieren und z.B. im Spiel gegen den Ball weiter vorn zu attackieren. Strauß deutete sein fußballerisches Potenzial an. Was Positionsspiel und Physis angeht, gibt es allerdings sicherlich noch Luft nach oben.

Auf den Zehner-Positionen spielten Emil Forsberg und überraschend auch Stefan Hierländer, den man gar nicht mehr so richtig auf der Rechnung hat, weil er im Hinterkopf schon als Abgang durchgeht und der vom Ausfall von Massimo Bruno profitierte. Allerdings konnte Hierländer auch keine Werbung in eigener Sache betreiben und lief am Spiel oft vorbei.

Ergänzt wurde das Team im Sturm durch Sabitzer, der erstaunlich viele Chancen liegen ließ und Quaschner, der sich gut in das Offensivspiel einpasste und immer wieder auch flexibel auf die Flügel auswich. Zwei Tore waren der Lohn des guten Auftritts.

Man erkannte bei RB Leipzig relativ viel von dem wieder, was bisher in dieser Saison funktionierte. Eine starke Achse von Orban, der präzise Bälle durch das Mittelfeld zu den Offensivkräften spielte, über den gut nach vorn verteidigenden Ilsanker bis hin zu den Torbeteiligungsmonstern Forsberg und Sabitzer. Sah gut aus, auch wenn nicht jede Situation mit letzter Konsequenz angegangen oder nicht immer die richtige Entscheidung getroffen wurde.

War die erste Halbzeit ein wenig eine Bestätigung der Leistungen vor der Winterpause, wurde in Hälfte 2 eher präsentiert, welche Baustellen gerade im Team stecken könnten. Mit komplett neuer Mannschaft spielte man wesentlich unorganisierter, ungenauer und wilder und hatte so lange Zeit erhebliche Probleme, überhaupt Torgefahr herzustellen.

Wie in der ersten Halbzeit im 4-2-2-2 aufgelaufen, fing es mit den Besonderheiten schon ganz hinten an. Denn dort spielte Ken Gipson rechten Innenverteidiger, weil Nukan passen musste. Eine Variante, die ganz sicher nicht zukunftsfähig ist, da Gipson dafür Physis und Zweikampfstärke fehlen. Gegen Eilenburg war es ok, die Kollegen halfen, wo sie konnten. Mehr nicht.

Dass Gipson Innenverteidiger spielte, verweist darauf, dass man auf der Position nicht unbedingt sehr tief besetzt ist. Schon gar nicht, wenn Tim Sebastian wirklich noch im Winter Richtung MLS abziehen sollte und man Lukas Klostermann dauerhaft rechts hinten sieht. Dann könnte noch Bedarf für einen Mann für die Abwehrkette da sein.

Probleme schienen auch im Mittelfeld auf, wo Khedira und Demme die Doppelsechs bildeten. Und die Rolle als Antreiber und verbindendes Element in die Offensive in dieser Kombination und auch in Kombination bspw. mit einem Kalmár nicht so recht ausfüllen konnten. Was wieder mal die Frage aufwarf, ob die Kaderbesetzung auf der Doppelsechs ausreicht.

Spielt RB Leipzig eine Doppelsechs wie im 4-2-2-2, dann spielt man mit einer tiefen Sechs, für die Ilsanker im Normalfall gesetzt ist und mit einer offensiveren Sechs, die auch immer mal wieder mit oder gegen den Ball auf die Zehn rutschen kann.

Für letztere Rolle der kreativen Sechs sind weder Demme noch Khedira die ganz perfekte Besetzung, auch wenn es im Zusammenspiel zwischen Demme und Ilsanker bisher in der zweiten Liga zeitweise ordentlich funktionierte. Strauß wäre noch am ehesten ein solcher Spielertyp, wobei die Frage ist, wie viel Vertrauen er seitens der sportlichen Leitung genießt. Kaiser kann das auch, ist aber eher auf der äußeren Zehn vorgesehen (gegen Eilenburg ließ er sich immer wieder zurückfallen, um Demme und Khedira auszuhelfen, was nur zu einer neuen Lücke weiter vorn führte). Bleibt die Frage, ob man da noch was tun sollte. Zumindest, indem man intern einem wie Toure eine Chance gibt.

Alles in allem stimmte in der zweiten Halbzeit gegen Eilenburg weder von der Besetzung, noch von der Umsetzung her sehr viel. Es fehlte Geschwindigkeit, es fehlte Kreativität, es fehlte die Ordnung im Spiel, es fehlte einfach von allem etwas, sodass der Gast mal eben 20 Minuten ohne Gegentor auskam. Was auch Ralf Rangnick einen erhöhten Puls verschaffte, der nicht auf der Trainerbank Platz genommen, sondern sich auf dem Beobachtungsturm in der Mitte der Tribüne einquartiert hatte und von dort seine Angesäuertheit deutlich vernehmbar über den Platz hallen ließ.

Erst gegen Ende des Spiels wurde RB Leipzig dann wieder richtig dominant. Der Landesligist war nun mit seinen Kräften am Ende, stellte die zwischenzeitlich ordentlich betriebene Balljagd komplett ein und versuchte sich am Strafraum zu verschanzen. Eine Einladung, die die RasenBallsportler und vor allem die physisch, aber eben auch erst in den letzten 15 Minuten starken Selke und Poulsen dankend annahmen und gleich mal vier Tore in den letzten fünf Minuten schossen. Nimmt man noch den unberechtigten Elfmeter (der Eilenburger Keeper [witzigerweise ungefähr der kleinste Spieler im Gästekader] war vor Quaschner am Ball) in der ersten Halbzeit hinzu, dann kann man durchaus anmerken, dass vielleicht ein, zwei oder auch drei Tore zu viel auf der Anzeigetafel verzeichnet wurden. Aber am Ende wird es allen Beteiligten auch relativ egal gewesen sein.

Fazit: Ein klassisches Testspiel zum Vorbereitungsbeginn von RB Leipzig gegen ein unterklassiges Team mit zwei komplett unterschiedlichen Mannschaften pro Halbzeit. Die RasenBallsportler lösten ihre Bewegungsaufgabe mit Ball in der ersten Halbzeit sehr gut und schossen in regelmäßigen Abständen gegen körperlich durchaus robuste Gäste ihre Tore. In der zweiten Halbzeit passte vieles nicht mehr zusammen und stellte fehlende Geschwindigkeit Eilenburg lange Zeit vor wenig Probleme. Am Ende setzten sich dann Physis und fußballerische Klasse doch noch mal in Form von Toren durch, sodass ein 13:0 auf der Anzeigetafel stand, das die vier Klassen Unterschied zwischen beiden Clubs etwas heftig, aber noch annehmbar ausdrückte.

Randbemerkung: Am Cottaweg hat sich in den letzten Jahren von der Fläche mit einigen Trainingsplätzen und angeschlossener Container-Lösung hin zum jetzigen Trainingszentrum einiges verändert. Inzwischen hat der Hauptplatz des Geländes, auf dem auch meist die Testspiele stattfinden, eine kleine Tribüne, eine zweite auf der anderen Seite ist im Enstehen. Das ist alles in allem ganz hübsch, bringt aber auch Veränderungen mit sich. Nicht nur, dass man gegen Eilenburg zum zweiten Mal bei einem Test Eintritt zahlte und man das Ganze nicht mehr als Vereinshappening laufen lässt, auch die Nähe ist nicht mehr ganz dieselbe wie noch bis vielleicht vor einem Jahr. Bisher konnte man als Besucher zwischen den Trainingsplätzen hindurchschlendern und auf echte Tuchfühlung zu den jeweils Trainierenden aller Altersklassen gehen. Inzwischen kommt man über den Hauptplatz mit den Tribünen nicht mehr hinaus. Der Kontakt zu den Spielern ist dadurch nicht mehr ganz so nah und automatisch vorhanden, weil man ihnen nicht mehr direkt über den Weg läuft.  Gegen Eilenburg ergab sich der Kontakt eher unfreiwillig dadurch, dass die Besucher aufgrund der Baustellengegebenheiten über einen Weg zur Tribüne geleitet wurden, der von den Spielern auf dem Weg zum und vom Feld gekreuzt werden musste. Was nach dem Spiel dazu führte, dass die Zuschauer beim Abgang quasi auf der Tribüne zurückgestaut wurden, um den Spielern und Verantwortlichen den ungestörten Abgang zu ermöglichen. Auf einer Tribüne, deren Gehbereich gerade mal zwei Meter breit ist, eher schwierig, weil sich sofort ein Massengedränge ergibt, das nicht so richtig gut zu handhaben ist. Organisatorische Mängel (die sicherlich mit der Eröffnung der zweiten Tribünenseite und dem Ende der Baustellensituation beseitigt werden) auf einem Gelände, das schnuckelig und professionell, aber nicht mehr ganz so familiär ist wie noch zu Containerzeiten.

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Tore: 1:0 Sabitzer (2.), 2:0, 3:0, 4:0 Forsberg (8., 13./FE, 25.), 5:0 Sabitzer (31.), 6:0, 7:0 Quaschner (38., 42.), 8:0, 9:0 Kalmár (64., 75.), 10:0 Poulsen (85.), 11:0, 12:0 Selke (86., 88.), 13:0 Kalmár (90.)

Aufstellung 1.Hälfte: Gulacsi – Teigl, Orban, Compper, Halstenberg – Ilsanker, Strauß – Hierländer, Forsberg – Sabitzer, Quachner

Aufstellung 2.Hälfte: Bellot – Klostermann, Gipson, Sebastian, Jung – Khedira, Demme – Kaiser, Kalmár – Poulsen, Selke

Nicht dabei: Boyd (verletzt), Bruno, Nukan (geschont nach Krankheit bzw. leichter Verletzung), Coltorti

Zuschauer: 1.000 am Cottaweg

Links: RBL-Bericht
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Bisherige Testspiele 2015/2016

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Testspieltorschützen 2015/2016

Forsberg, Selke – je 6; Dzalto, Quaschner, Kalmár – je 4; Hierländer – 3; Endres, Strauß, Khedira, Demme, Sabitzer – je 2; Wagner, Teigl, Kaiser, Reddemann, Palacios Martinez, Mauer, Sebastian, Ilsanker, Bruno, Compper, Poulsen – je 1

Testspieleinsatzzeiten

  • Demme: 633 Minuten
  • Kaiser: 591 Minuten
  • Khedira: 583 Minuten
  • Teigl: 557 Minuten
  • Hierländer: 553 Minuten
  • Sebastian: 517 Minuten
  • Jung: 504 Minuten
  • Orban: 483 Minuten
  • Quaschner: 482 Minuten
  • Bruno: 456 Minuten
  • Gulacsi: 450 Minuten
  • Mauer: 376 Minuten
  • Gipson: 399 Minuten
  • Strauß: 355 Minuten
  • Bellot: 341 Minuten
  • Klostermann: 315 Minuten
  • Kalmár: 273 Minuten
  • Selke: 270 Minuten
  • Compper: 249 Minuten
  • Reddemann: 246 Minuten
  • Forsberg: 244 Minuten
  • Sabitzer: 236 Minuten
  • Ilsanker: 234 Minuten
  • Coltorti: 225 Minuten
  • Sorge: 180 Minuten
  • Poulsen: 180 Minuten
  • Palacios: 165 Minuten
  • Franke: 158 Minuten
  • Skopintsev: 158 Minuten
  • Halstenberg: 150 Minuten
  • Wagner: 145 Minuten
  • Rabiega: 138 Minuten
  • Suczuz: 135 Minuten
  • Nukan: 135 Minuten
  • Endres: 116 Minuten
  • Dzalto: 90 Minuten
  • Ernst: 90 Minuten
  • Placheta: 90 Minuten
  • Barylla: 87 Minuten
  • Vogel: 64 Minuten
  • Diawusie: 55 Minuten
  • Siebeck: 54 Minuten
  • Becher: 46 Minuten
  • Janelt: 30 Minuten
  • Heine: 19 Minuten
  • Beiersdorf: 17 Minuten

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