Was von Spieltag 16 bleibt

Der vorletzte Spieltag der Hinrunde. Der Viererpack-Spieltag. Gleich vier Mannschaften trafen vierfach. Zwei Mannschaften davon im selben Spiel. Dass gleich vier Mannschaften am selben Spieltag mindesten vierfach treffen, gab es in der zweiten Liga zuletzt vor vier Jahren am achten Spieltag der Saison 2011/2012. Damals wie heute daran beteiligt 1860 München und Paderborn, diesmal allerdings im direkten Duell. Interessant, dass beide Teams in dieser Saison bisher nicht gerade durch üppige Torerzielung bekannt waren. Bis vor dem 16.Spieltag belegten die beiden Teams in der Tabelle der erzielten Treffer die Plätze 15 und 17..

Nicht nur angesichts dieser Statistik machten es beide Teams sehr gut und ziemlich spektakulär. 3:1 für die Paderborner Gastgeber. 1860 dreht das Spiel in Unterzahl und kassiert dann kurz vor Schluss doch noch den Ausgleich. Herausragender Akteur dabei Rubin Okotie, der die Münchener mit einem Hattrick in 26 Minuten zum 4:3 führte.

Ausgerechnet der Österreicher, der erst Ende September eine Strecke von 13 Spielen ohne Tor beendet hatte und im Jahr 2015 saisonübergreifend bis Anfang November in 20 Ligaspielen gerade mal zweimal traf. Aus Sicht des Betriebswirtschaftlers im Verein sollte man Okotie, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, im Winter für viele Millionen Euros zu irgendeinem der legendären englischen Zweit- bis Viertligisten mit den Geldspeichern verkaufen. Bevor der 28jährige vielleicht nicht mehr trifft.

Wobei Geld in München aktuell wieder mal kein ganz großes Thema ist, da man sich mit dem Investor Hasan Ismaik in neuer Vereinsbestzung offenbar wieder lieb hat und der gern auch ein paar Winterneuzugänge sponsorn würde und sicherlich auch für eine Vertragsverlängerung bei Okotie ein paar Euro einsetzen würde. Und Benno Möhlmann darf sich sowieso über seine sportliche Lebensversicherung freuen, die ihm in den letzten zwei Spielen vier Tore schenkte.

Geschenkt wurde dem SC Paderborn auf der anderen Seite nicht nur ein unfassbares Abwehrgrauen, sondern auch das erste Jokertor der Saison durch Nick Proschwitz zum 4:4-Endstand. Damit ist nur noch ein Zweitligist übrig, bei dem noch kein Tor durch einen Einwechselspieler zu verzeichnen ist. Nicht unbedingt eine Millionenfrage, aber die Anwort lautet dennoch leicht überraschend RB Leipzig. Nürnberg ist mit vier Toren und vier Vorlagen die Mannschaft, bei der das meiste Offensivpotenzial von der Bank kam. Kaiserlauterns 23jähriger Luxemburger Maurice Deville ist mit drei Toren (plus einer Vorlage) bei elf Einwechslungen und 220 Spielminuten derzeit der beste Joker der Liga.

Trotz des späten Ausgleichs war die Stimmung in Paderborn angesichts der Desasters in Überzahl eher überschaubar. Schon vor dem Spiel fand es Stefan Effenberg nicht witzig, dass die lokale Presse davon gesprochen hatte, dass sein Team „lustlos“ trainieren würde. Dagegen wehre er sich mit aller Vehemenz und Kraft ließ er in der Pressekonferenz vor dem Spiel in Verbeek-Manier, nur eben ohne Verbalinjurien verlauten. Und wiederholte dies direkt vor dem Anpfiff. Um dann aber noch zu erwähnen, dass er sein Team im Training habe aufrütteln müssen, weil es „unkonzentriert“ gearbeitet habe..

Der eine oder andere mag die Differenzierung zwischen „lustlos“ und „unkonzentriert“ für akademisch halten. Merkwürdiger aber, wie sehr sich Effenberg nach den Spielen vor seine Mannschaft stellt und selbst dann kein Versagen erkennen will, wenn man zweimal hintereinander vier Gegentore kassiert hat und im Defensivverhalten nicht so richtig gut aussieht. Man wird sehen, ob der gewünschte Effekt, dass sein Team diese Rückenstärkung in positive Resultate umsetzt, demnächst eintritt oder Stefan Effenberg nach nur drei Punkten aus den letzten vier Spielen mit seinem SCP endgültig im Abstiegskampf versinkt. Das erste ‚Wow, Effenberg ist unser Trainer, wir geben alle 120%‘ scheint in Paderborn jedenfalls erst mal vorbei zu sein. Die Mühen der Ebene stehen auf dem Programm..

Die Mühen der Ebene sind für den MSV Duisburg derzeit noch etwas, wo man gern hinkommen würde. Das 3:0 gegen Sandhausen wies in die richtige Richtung und war der erste Sieg des MSV in dieser Saison mit mehr als einem Tor Unterschied. Man war bis dahin das letzte Team, das noch keinen klaren Sieg auf dem Konto hatte. Am anderen Ende dieser Wertung steht der SC Freiburg, der schon sechsmal einen vergleichsweise entspannten Sieg einfahren konnte.

Heidenheim und Fürth verloren am 16.Spieltag jeweils erstmals nach eigener Führung. Besonders wie Fürth in den letzten reichlich 20 Minuten ihres Spiels gegen Kaiserslautern noch eine 2:0-Führung herschenkten und mit unglaublichen Abständen zwischen den Mannschaftsteilen die Gäste dazu einluden, gleich vier Tore zu schießen, wusste zu beeindrucken.

Die Könige im Herschenken von Führungen sind in dieser Saison die Spieler von Union Berlin, die bei zwölf Führungen nur dreimal gewannen und gleich dreimal noch verloren. Noch gar keinen Punkt nach einer Führung hat der Karlsruher SC bisher abgegeben. Das gelang keinem anderen Club. Allerdings lag der KSC bisher auch nur fünfmal in Führung.

Heidenheim wird sich nicht nur darüber ärgern, nach Führung noch verloren zu haben. Besonders bitter ist, dass man binnen einer Woche das zweite Heimspiel durch einen Gegentreffer in der Nachspielzeit verlor. Damit kassierte man auch die dritte Heimniederlage hintereinander. Letzte Saison waren es zwischen Spieltag 16 und 23 vier Heimniederlagen. Bis RB Leipzig kam und mit dazu beitrug, dass die Negativserie ihr Ende fand. Auf diesen Aufbaugegner RB Leipzig muss Heidenheim diese Saison verzichten, hat man doch das Heimspiel gegen die Sachsen schon hinter sich gebracht..

Lustig ging es in Frankfurt zu. Wo Tomas Oral seinFSV-Team deutlich besser als das der Düsseldorfer gesehen hatte. Man sei nur an einer überforderten Schiedsrichterin gescheitert. Dass Oral die Leistung seines eigenen Teams gern mal rhetorisch überhöht, kennt man hierzulande. Fakt ist, dass sich der FSV langsam auch punktetechnisch den statistischen Daten, die seine Spiele (negativ) beschreiben, annähert. Fakt ist auch, dass Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus absolut nicht überfordert war. Schon gar nicht in der von Oral beanstandeten Situation, die zum Elfmeter zum 0:1 führte. Wenn ich im eigenen Strafraum den Gegenspieler umhaue, ist es halt Foul und Elfmeter, egal ob da direkte Absicht dahintersteckte oder nicht. Wie man an der Stelle anderer Meinung sein kann, erschließt sich selbst dann nicht, wenn man in Betracht zieht, dass die Beteiligten eine subjektive Herangehensweise haben.

Unzufrieden mit Bibiana Steinhaus war auch Fortuna-Kapitän Kerem Demirbay, der die Partie wegen einer gelb-roten Karte nicht zu Ende spielen durfte. Der Schiedsrichterin gegenüber soll er angezweifelt haben, dass diese Sache mit der Mischung der Geschlechter im Fußball eine gute Idee sei. Also sinngemäß. Ob Demirbays persönliche Entschuldigung bei Steinhaus nach dem Spiel eher strategischer Natur war oder der tatsächlichen Einsicht folgte, aus dem Blöd-Topf etwas von ganz unten herausgekramt zu haben, weiß man natürlich nicht. Nehmen wir zugunsten des jungen Mittelfeldmanns, der in Düsseldorf gerade viel Verantwortung und Last schultern muss, mal an, dass er wirklich einsichtig war. Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt unabhängig davon, sodass noch eine nachträgliche und zusätzliche Sperre droht.

Im Gegensatz dazu geht es in Nürnberg, wo man sich in den letzten Wochen auch von Schiedsrichtern, mal mehr mal weniger zu Recht, benachteiligt fühlte, derzeit recht entspannt zu. Beim Gastspiel beim FC St. Pauli war man ziemlich arg effektiv und klopft heimlich, still und leise wieder am Relegationsplatz drei an. Alle vier Schüsse aufs Tor waren in der Auswärtspartie auch drin. Robin Himmelmann im Tor des FC St. Pauli konnte keinen einzigen Ball abwehren und war entsprechend nur mit dem Herausholen der Kugel aus dem Netz beschäftigt. Sicherlich kein schöner Arbeitstag für den Keeper, der bisher in dieser Saison zu den besseren Keepern der Liga gehörte, ohne dass er den miesen Ausgang des Tages zu verantworten hatte.

Aktuell hält in der zweiten Liga Rafal Gikiewicz die meisten Schüsse. Auch gegen Bochum hielt er seiner Eintracht aus Braunschweig bei vier gehaltenen Bällen, inklusive Elfmeter kurz vor Ende der regulären Spielzeit, wieder mal die Punkte fest. Bochum auf der anderen Seite auf spektakulärer Talfahrt und in der Tendenz das punktetechnisch schlechteste Team der Liga, auch wenn man oft gar nicht mal so schlecht spielt.

15 perfekten Punkten aus den ersten fünf Spielen inklusive großer Euphorie, Aufstiegsträumen und sehr guter Balance im Spiel folgten acht Punkte aus den nächsten elf Spielen. Letzter Platz in dieser Zeit, Abstiegsniveau. Und entsprechend in Bochum wieder Debatten, was der Trainer wohl falsch macht, während die BILD schon mal ihre Chancen austestet, Verbeek seinen „Arschlöcher“-Spruch auf die eine oder andere ’selber Arschloch‘-Art heimzuzahlen. Schon irre so ein sportlicher Absturz, während alle Beteiligten beteuern, dass man doch alles so macht wie man es auch am Anfang gemacht habe.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In der zweiten Spalte ein Ranking nach Torschüssen (Nummer 1 hat den besten Wert, wenn man die Anzahl der eigenen Schüsse aufs Tor mit den zugelassenen Torschüssen vergleicht). In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl 2015 (bei Freiburg und Paderborn mit Erstligaspielen, bei Duisburg und Bielefeld mit Drittligaspielen), Punktzahl aus den letzten sechs Spielen. Abgezogen werden müssen beim SV Sandhausen davon noch drei Punkte (bzw. für 2015 sechs) resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.

Subjektivnach TSGesamt2015RR1.Blockletzte 6
Freiburg123251281211
Leipzig21325323815
Nürnberg314244222710
Braunschweig41325422378
St. Pauli53264724108
Karlsruhe611194428610
Kaiserslautern7422432887
Bochum86234221152
Fürth9724381657
Heidenheim108204121104
Sandhausen1192850221010
München121014332128
Berlin131517402647
Paderborn141616283039
Bielefeld15517481766
Duisburg161811462326
Düsseldorf1712162916110
Frankfurt181719372176

Tabelle nach Länderspielblöcken: Die Saison wird regelmäßig von Länderspielen unterbrochen. Jeweils nach Spiel 5, 10 und 14 ruhte der Ligabetrieb für jeweils zwei Wochen. Diese drei Blöcke (Spieltage 1-5, 6-10, 11-14, 15-) und ihre Punkteausbeute werden in der folgenden Tabelle verglichen.

Platz1.Block2.Block3.Block4.Block
Freiburg112956
Leipzig28996
St. Pauli310880
Braunschweig471053
Sandhausen510873
Nürnberg67746
Fürth751243
Bochum815611
Kaiserslautern98734
Heidenheim1010640
Karlsruhe1163100
Frankfurt127651
Berlin134652
Bielefeld146551
Düsseldorf151564
Paderborn163481
München172444
Duisburg182324

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