Was von Spieltag 15 bleibt

Der 15.Spieltag war Endstation für einen weiteren Zweitligatrainer. Als Sechsten in dieser Saison traf es Frank Kramer, dem ein 1:1 zu Hause gegen den neubetrainerten Tabellenletzten Duisburg nicht reichte. Trotz sieben Punkten aus den letzten fünf Spielen nach nur sechs Punkten aus den ersten zehn Spielen war man mit der Geduld am Ende. Wenn man sich das Auftreten der Mannschaft anschaut nicht ganz zu Unrecht.

Wobei man sich beim Blick auf Düsseldorf auch immer fragen kann, was eigentlich das Konzept ist. Als neuer Trainer wird nun Friedhelm Funkel gehandelt. Für den Winter sind Neuzugänge a la Charlison Benschop, Maximilian Beister und Zsoltan Stieber im Gespräch.

Einen sowieso schon wild mit ehemaligen Erstligaspielern und gescheiterten Erstligaspielern besetzten Kader mit weiteren Spielern dieser Kategorie aufblasen und dem Haufen einen Trainer vorsetzen, der letztmals vor vielen, vielen Monden bei der Frankfurter Eintracht erfolgreich gearbeitet hatte. Klingt nach einem interessanten Experiment und danach, dass der nächste Umbruch in Kader und/ oder auf sportlicher Entscheidungsebende nicht allzulang auf sich warten lassen wird.

Interessanterweise ähnelt die Fortuna gerade ein wenig dem, was der TSV 1860 bis vor kurzem war. Das geht soweit, dass man schon glaubt, Daniel Adlung zu sehen, wenn Kerem Demirbay im Wochenrhythmus vor die Kameras tritt und dort wieder und wieder erklärt, dass man ja jetzt nicht mehr reden, sondern sich durchbeißen und einfach weiterkämpfen müsse. Eigentlich auch bezeichnend, dass der 22jährige Leihspieler (vom HSV) zuletzt die öffentliche Führungsrolle schultern musste (oder wollte), während die massive Bundesligaerfahrung im Team sich eher zurückhaltend verhielt. Das mag aber aus der Ferne auch täuschen.

Dass man sich getäuscht haben könnte, dachten wohl auch viele, als sie die Tore des TSV 1860 München im Spiel gegen den FC St. Pauli zu Gesicht bekamen. Fernschüsse sind generell eher verpönt im modernen Fußball und die Erfolgsquoten eher gering. Dass die Löwen gleich zweimal erfolgreich von jenseits der Strafraumgrenze zuschlugen, war ein Anschlag auf jede Wahrscheinlichkeit.

Binnen drei Minuten zwei (maximal durch Manuel Neuer haltbare) Fernschusstore durch zwei Österreicher. Das Raum-Zeit-Fußball-Kontinuum geriet für einen kurzen Moment bedrohlich ins Wanken und ließ erst wieder davon ab, als Nils Petersen drei typische Petersen-Strafraum-Tore erzielte und  Stefan Effenberg seine erste Niederlage kassierte. Nach der er sich weigerte, bei Sky kritische Bemerkungen zu seinem Team loszuwerden. Was wohl der Sky-Experte Stefan Effenberg noch vor ein paar Wochen zu dieser Leistung gesagt hätte..

Die Story der Saison schreibt weiterhin der SV Sandhausen, auch wenn ihnen fälschlicherweise immer noch der Titel offensivstark angepappt wird. Dabei folgten den 13 Toren in den ersten drei Spielen genauso 13 Tore in den folgenden 12 Spielen. Was ungefähr auf Vorjahrsniveau liegt. Damals galt man als Defensivteam. Und genau das ist man heute wieder. Wenn man führt, dann kann es schon mal sein, dass man genau gar nichts mehr für das Spiel tut, außer den eigenen Strafraum zu verteidigen.

Gegen den Karlsruher SC hatte sich der SV Sandhausen extra ein richtiges Schlammbad zugelegt, durch das man den Gast einmal genüsslich durchzog und am Ende 3:1 gewann. Der Schlamm und der Spielverlauf lösten einen solchen Überschwang aus, dass auch Aziz Bouhaddouz davon schier überwältigt wurde und nach seinem Strafstoßtor zum 2:0 erstmal genüsslich zur Gästekurve schlitterte und die Karlsruher zum Mitfeiern animieren wollte. Fanden die, die schon vorher wegen des Strafstoßpfiffes und einiger anderer Gelgenheiten wenig amüsiert waren, nicht wirklich witzig.

Die Folge war eine nochmalige Verstärkung des schon vorher ordentlichen Bierbecherregens. Etwas, das ja in Karlsruhe mit seiner breiten Laufbahn durchaus zum Spielalltag und zur Stadionkultur gehört, aber in Sandhausen eben auch direkt auf dem Rasen bzw. in menschlicher Nähe landete. Man sollte sich in Sandhausen vielleicht überlegen, ob man den sowieso schon hohen Becherpfand einfach auf fünf bis zehn Euro (wahlweise auch mehr) erhöht und daraus ein Geschäftsmodell macht. Bouhaddouz-Jubel vor der Gästekurve, fliegende Becher einsammeln und finanziell in eine gesicherte Zukunft schippern. Von wegen Red-Bull- oder VW- oder TV-Millionen. Hier kommt der Becherpfandverein..

Mit dem Jubel von Steffen Bohl ist derweil vermutlich nicht viel Staat zu machen. Beim Rennen zur eigenen Kurve hatte er einem dort postierten, sichtlich irritierten Ordner erst mal kräftig auf die Schulter geschlagen. Mitjubeln wollte der Ordner trotz dieser herzlichen Einladung nicht. Neues Ehrenmitglied in der Vereinigung der Fußballordner dürfte Steffen Bohl auch nicht werden, jetzt nachdem er den Ordner zur puren Staffage seines Jubels verobjektivierte.

So richtig was zu jubeln gab es für den MSV Duisburg eigentlich trotz erstem Auswärtspunkt der Saison gar nicht. Seit neuestem ist man gar das einzige Team der zweiten Liga, das noch nie mit mehr als einem Tor Unterschied gewonnen hat (klar, bei nur einem Sieg überhaupt ist da auch nicht allzu viel Spielraum). Durch den samstäglichen 2:0-Sieg gegen St. Pauli ist 1860 München dieser traurigen Gruppe entfleucht. Und Duisburg hat bis zum Jahreswechsel noch gegen Sandhausen, in Leipzig und Kaiserslautern und gegen Bochum die Chance, mal mit mehr als einem Tor zu gewinnen.

Spieltag 15 war auch der erste nach Paris und der Spielabsage von Hannover. Naturgemäß war dies im Vorlauf der Partien eigentlich überall Thema. Nur Nürnbergs Rene Weiler ließ es komplett von sich abprallen und meinte, dass das bei ihm und der Mannschaft gar kein Anlass für Gespräche gewesen sei. Kann man glauben oder nicht glauben.

Nicht so richtig glauben konnte man, dass der Terror von Paris oder der Terrorverdacht von Hannover immer wieder mit Fußballranderscheinungen in Verbindung gebracht wurde. Klar, das Werfen von Böllern verbot sich wegen Panikgefahr an diesem Wochenende noch mal viel mehr als es das sonst schon tut (Böller sind und bleiben sowieso assi und ätzend). Aber bei jeder Kleinigkeit im Umfeld von Stadien immer gleich so zu tun, als wäre es noch schlimmer, weil vorher in Paris Leute ermordet wurden, macht keinen Sinn. Sich im oder vor dem Stadion danebenzubenehmen und vielleicht Leute anzugreifen (so wie auf Schalke; ups, falsche Liga), hat in der Bewertung nichts und gar nichts mit Paris zu tun. Solche Sachen wären nicht besser ohne einen Terrorangriff in der Woche zuvor. Und sie werden nicht schlimmer mit einem Terrorangriff eine Woche zuvor.

—————————————————-

Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In der zweiten Spalte ein Ranking nach Torschüssen (Nummer 1 hat den besten Wert, wenn man die Anzahl der eigenen Schüsse aufs Tor mit denen der bisherigen Gegner vergleicht). In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl 2015 (bei Freiburg und Paderborn mit Erstligaspielen, bei Duisburg und Bielefeld mit Drittligaspielen), Punktzahl aus den letzten sechs Spielen. Abgezogen werden müssen beim SV Sandhausen davon noch drei Punkte (bzw. für 2015 sechs) resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.

Subjektivnach TSGesamt2015RR1.Blockletzte 6
Freiburg12294828129
Leipzig21295023815
St. Pauli33264724108
Karlsruhe411194428611
Sandhausen582850221013
Bochum64234221155
Braunschweig71522392378
Heidenheim810204121107
Nürnberg91421392277
Fürth10724381657
Kaiserslautern11519402887
Berlin121216392646
München13913322128
Paderborn141615273038
Bielefeld15616471766
Frankfurt161719372176
Duisburg17188432326
Düsseldorf181313261617

Tabelle nach Länderspielblöcken: Die Saison wird regelmäßig von Länderspielen unterbrochen. Jeweils nach Spiel 5, 10 und 14 ruhte der Ligabetrieb für jeweils zwei Wochen. Diese drei Blöcke (Spieltage 1-5, 6-10, 11-14, 15-) und ihre Punkteausbeute werden in der folgenden Tabelle verglichen.

Platz1.Block2.Block3.Block4.Block
Freiburg112953
Leipzig28993
St. Pauli310880
Sandhausen410873
Fürth551243
Bochum615611
Braunschweig771050
Nürnberg87743
Heidenheim910640
Kaiserslautern108731
Karlsruhe1163100
Frankfurt127651
Berlin134651
Bielefeld146550
Paderborn153480
München162443
Düsseldorf171561
Duisburg182321

Flattr this!

2 Gedanken zu „Was von Spieltag 15 bleibt“

  1. Yep, ich muss auch feststellen, daß der RBB beim Schreiben Gute Laune versprüht. Die Tore bzw den Jubel von Sandhausen muss ich mir dringend mal ansehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.