Throwback KW 42 bis 47

Fünf Jahre ist es her, dass vom an Geschichten nicht armen Leipziger Fußball ein weiteres überraschendes Kapitel geschrieben wurde. In einer Zeit, als RB Leipzig ein reichliches Jahr nach Start in den Spiebetrieb erst langsam an Akzeptanz in der Stadt gewann, platzte mitten in den grauen November die Nachricht, dass ausgerechnet Lok Leipzig eine Nachwuchskooperation mit RB Leipzig unterschrieben habe.

Im sachlichen Kern gar keine so spektakuläre Geschichte, die dem Wechseln von Jugendspielern zwischen den Vereinen einen Rahmen geben sollte. Inklusiver schmaler finanzieller Entschädigung für Lok, aber vor allem der Zusammenarbeit auf Trainerebene und des schnellen Wechselns von Jugendspieler in beiden Richtungen, um bestmöglich Spielpraxis zu ermöglichen.

Lok-Chef Steffen Kubald wollte den Weg gehen, seinen Club im Kielwasser von RB Leipzig zu positionieren und von der Nachwuchsausbildung des (finanziell) großen Nachbarn zu profitieren, anstatt bei den wichtigsten Talenten nur auszubluten. Und unterschätzte dabei offenbar komplett die Emotionalität, die mit diesem Thema bei den Clubmitgliedern verbunden war. Eine Emotionalität, die letztlich die Kooperation in einer Mitgliederversammlung noch kippte und nebenbei auch das Ende von Steffen Kubald als Lok-Präsident bedeutete (und das famose Kapitel mit Nachfolger Michael Notzon einleitete).

Letztlich war der Kubaldsche Schritt hin zu einer Kooperationsvereinbarung wohl ein Stück zu wagemutig. Selbst jetzt, im Jahre 2015 wäre es schwerlich vorstellbar, dass eine solche Vereinbarung ohne Gegenwind durch die Vereinsgremien gelangen könnte (wenngleich in der Praxis durchaus ein pragmatischer Umgang gepflegt wird, wie auch ein von Lok organisiertes U12-Turnier unter Beteiligung von RB, HFC und Erfurt am letzten Wochenende zeigte). Wobei inzwischen die Züge in der Nachwuchsarbeit in beiden Vereinen in so unterschiedliche Richtungen abgefahren sind, dass eine Kooperation für RB Leipzig wohl kaum noch den selben Wert hätte wie noch vor fünf Jahren.

Liegen zwischen RB Leipzig und Lok inzwischen sportliche Welten, die sich in drei Ligen Unterschied ganz gut ausdrücken, war dies vor fünf Jahren bei weitem noch nicht so, auch wenn schon damals eine Liga zwischen den Vereinen lag. Fußballerisch war der Unterschied aber nicht so richtig spürbar während Tomas Orals Regentschaft auf dem Leipziger Trainerstuhl.

Die doch oftmals zu beobachtende Tristesse tobte sich insbesondere im November 2010 aus. Den Auftakt machte ein 1:3 bei der U23 von Energie Cottbus. Nach dem Zwischenhoch eines 3:0 gegen den ZFC Meuselwitz, das faktisch eher ein 0:0 oder ein 1:0 denn ein 3:0 war, kehrte man beim gruseligen 0:0 in Halle auch ergebnistechnisch wieder zu sich selbst zurück, um dann im Spiel gegen den Spitzenreiter aus Chemnitz ein glückliches 1:1 mitzunehmen. Was viel zu wenig war, angesichts von gleich elf Punkten Rückstand auf den einzigen Aufstiegsplatz.

Tomas Oral, der schon bald mit dem FSV Frankfurt mal wieder in Leipzig vorbeischauen wird, überwand seine sicherlich vorhandene Enttäuschung damit, dass er sich in die verwegene Behauptung verstieg, dass sein Team gegen Chemnitz das bessere gewesen sei. Was auch fünf Jahre später eine der kuriosesten Spielanalysen bleibt, die man von einem RB-Trainer je gehört hat. Es sollte die letzte Analyse vor der Winterpause bleiben, denn in der Folge wurden gleich drei Spiele wegen des folgenden Wintereinbruchs abgesagt. Viel zusätzliche Zeit, um eine gemessen an den Ansprüchen vor allem in Bezug auf die fußballerische Entwicklung depremierende Hinrunde zu durchdenken.

Zeit war aber auch für Transfergerüchte, die rund um RB Leipzig auch vor fünf Jahren schon immer mal wieder einen schillernden Klang hatten. So schmiss man mal eben Jan Simak aufs Gerüchtekarussell. Der dann allerdings doch von Mainz aus über Jena wieder in die tschechische Heimat ging und dort inzwischen 37jährig in der zweiten Liga kickt. Dass überhaupt ein 32jähriger auf der RB-Gerüchteliste landete, war in jenen Tagen noch nicht ganz so absurd (wenn auch nicht wirklich naheliegend) wie es das inzwischen unter Rangnick wäre.

Wichtig und richtig die Worte, die die L.E. Bulls vor fünf Jahren zu einem Überfall auf einen Fanbus nach einer Auswärtfahrt fanden, als sie sich vom „Ultra-Kodex“ ziemlich deutlich distanzierten und als einzig logische Konsequenz aus Straftaten den Rückgriff auf Polizei, Anzeigen und Zivilrecht propagierten. Nicht sicher, dass das auch fünf Jahre später noch Konsens in der heterogener gewordenen Fanszene von RB Leipzig ist..

Zu Wort meldete sich 2010 auch Dortmunds Hans-Joachim Watzke, der erstmals vorschlug, die Verteilung der Fernsehgelder zu überdenken. Und zum Kriterium Tabellenplatz auch Kriterien wie Auswärtsfans oder Fernsehinteresse hinzuziehen wollte. Ein Vorschlag, der seine Tücken damals wie heute im Detail hat und in der Konsequenz eher auf Besitzstandswahrung hinauslief bzw. -läuft, denn auf kreativ-sinnvolle Neuverteilung.

Wolfgang Niersbach versucht sich derweil vor fünf Jahren in kreativ-nichtssagendem Funktionärssprech und meint, dass durch RB Leipzig „viel Bewegung in die Leipziger Fußball-Szene gekommen“. Und fünf Jahre später fragt ihn niemand mehr, was er eigentlich vom Leipziger Fußball hält. Die diesbezügliche Tragik hält sich vielleicht in Grenzen..

In mehr als überschaubaren Grenzen hielt sich im Herbst 2010 auch das hier an dieser Stelle formulierte Verständnis für die Regionalliga-Reform, die als Kompromiss verkauft wurde, auch wenn de facto die Abkopplung der Regionalliga vom Profisport zulasten der ambitionierteren Teams der vierten Liga beschlossen wurde. Was nur bewies, dass nicht immer etwas den Namen Kompromiss verdient, nur weil zwei Interessensgruppen eine Mitte gefunden haben..

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Fußballspiele mit RB Leipzig vor fünf Jahren in den Kalenderwochen 42 bis 47 (nur Pflichtspiele)

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