Testspiel: RB Leipzig vs. Pogon Szczecin 1:0

Länderspielpause. Wie eigentlich immer in der Fußballmoderne heißt das auch Testspiel. RB Leipzig fand mit Pogon Szczecin einen Gegner aus der ersten polnischen Liga und gewann wie vor einem reichlichen Jahr in Grimma wieder mit 1:0 (Torschütze damals: Tom Nattermann, falls noch jemand was mit dem Namen anfangen kann..), nur dass man diesmal am Cottaweg spielte, wo langsam im Schatten des neuen Trainingszentrumsgebäudes auch ein hübscher, kleiner Testspielplatz erwächst.

Szczecin war über 90 Minuten lang ein prima Testgegner. Nicht nur, weil der Gast mit vernünftigem Engagement angereist war, sondern weil das 4-4-2, das mit einer Mischung aus Aggressivität in vorderster Linie und kompaktem Verteidigen des eigenen Strafraum gespielt wurde, auch eine sehr gute Imitation dessen war, was RB Leipzig sonst so in der zweiten Liga begegnet. Insofern war der Testgegner gut gewählt und das Spiel durchaus halbwegs aussagekräftig.

In die Partie gegangen war RB Leipzig bei Abwesenheit von sieben Länderspielreisenden und fünf Verletzten mit einer Mischung aus Stammelf und B-Elf (oder wie es im modernen Fußballdeutsch heißen würde Herausforderern). Insbesondere das Quartett Teigl, Jung, Khedira und Bruno bekam ausreichend Einsatzzeit, um sich für künftige Pflichtspieleinsätze zu präsentieren.

Dabei waren sie unterschiedlich erfolgreich. Teigl zeigte sich gewohnt agil und auch offensiv engagiert, ohne dass daraus große Effektivität entstanden wäre, blieb aber insgesamt positiv in Erinnerung. Das Trio Jung, Khedira und Bruno fand dagegen wenig Möglichkeiten, sich besonders in den Vordergrund zu spielen. Jung fehlte 70 Minuten lang in offensiver linker Position die Bindung und wurde links hinten in den letzten 20 Minuten gelegentlich überlaufen. Bruno probierte viel, hatte aber fast gar kein Ballglück und wenig Durchsetzungsvermögen. Und Khedira fehlte in vielen Situationen die Handlungsschnelligkeit bei der Ballverarbeitung. Wird in naher Zukunft schwer für alle drei, wenn sich nicht andere Spieler verletzen.

Nicht überraschend, dass Stefan Hierländer, der ein wenig auf dem Abstellgleis steht, nur 30 Minuten Einsatzzeit bekam. Etwas überraschender da schon, dass ein Tim Sebastian erst nach 70 Minuten aufs Feld kam. Wobei auch hier die Überraschung vielleicht nicht ganz so groß ist, weil es momentan wohl eher darum geht, dass das Duo Orban/ Compper viel gemeinsame Einsatzzeit bekommt, weil es derzeit das Stamminnenverteidigerpärchen sein soll.

Die Partie zwischen Leipzig und Szczecin spielte sich in der ersten Halbzeit vornehmlich zwischen den Strafräumen ab. RB Leipzig versuchte sich in Kontrolle. Szczecin versuchte sich im Kontern. Die gefährlichste Situation verbuchte Teigl schon kurz nach Anpfiff, als er einen Ball am Gästekeeper vorbeilegte, der Versuch aber noch vor dem Tor von einem Verteidiger geklärt wurde. Woraufhin Teigl für einige Zeit eine Art Sonderbewacher zugeteilt bekam, um seine Geschwindigkeit aus dem Spiel zu nehmen. Ansonsten gab es kleinere Schusschancen für Kaiser und ein paar Versuche ohne Genauigkeit für die Gäste.

Nach der Pause wurde es vor den Toren ein wenig offener. Wobei diverse Wechsel im Verlauf der Halbzeit zwar einige Hektik, aber keine zunehmende Klasse ins Spiel brachten. Marvin Compper hatte derweil schon acht Minuten nach der Pause eine Flanke aus dem Halbfeld recht ansehnlich ins lange Eck des Gästetores geköpft.

In der Schlussviertelstunde ging es dann relativ offen hin und her. Leipzig mit einigen im Ansatz sehr guten Chancen, bei denen der letzte Pass fehlte und abgeblockten Schussversuchen. Szczecin auf der anderen Seite gegen eine nicht mehr ganz so stabile RB-Defensive mit einigen Konterräumen auf den Flügeln, die sie lange ohne Effektivität verstreichen ließen, bevor man kurz vor dem Abpfiff aus einer solchen Situation doch noch einen Ball an den rechten Pfosten schoss.

Eingreifen musste Peter Gulacsi in 90 Minuten aber bei keinem Schuss, weil die Gäste entweder vorbei oder eben an den Pfosten schossen. Beschäftigt wurde er vor allem als Abfangjäger für lange Pogon-Bälle und als Anspielstation. Er wirkte in seinen Aktionen sehr sicher, auch wenn ihn Ralf Rangnick zwischenzeitlich anzählte, die Bälle doch nicht immer auf die kleinen Spieler in der Mitte abzuschlagen, sondern auf die Außenpositionen. Aussagekräftig war der Abend nicht wirklich hinsichtlich des Leistungsstandes der Nummer 2 im Leipziger Tor.

Freuen durften sich noch die erst 17jährigen Vitaly Janelt, der kürzlich an der U17-WM teilgenommen hatte, und Agyemang Diawusie, die ihre Debüts bei den Profis feierten und in dieser Saison im elften Testspiel die eingesetzten Akteure Nummer 45 und 46 waren. Reichlich vier Teams hat Ralf Rangnick also schon spielen lassen, die Zweitligaklasse haben oder von denen man glaubt, dass sie das Potenzial für eine Profikarriere haben.

Janelt und Diawusie präsentierten sich so wie schon diverse junge Akteure in den Testspielen vor ihnen. Willig, gut ausgebildet und selbstbewusst. Janelt zeigte auf der Sechs nicht nur technische Klasse, sondern auch, dass er es sich selbst in seinem ersten Spiel mit Profis zutraut, eine dirigierende Rolle zu spielen.

Diawusie (kam vor der Saison aus Nürnberg) war vielleicht die positive Überraschung des Spiels. Schon in der U19 machte er in den letzten Wochen auf sich aufmerksam. Dass er dies gegen die Abwehrkanten der Polen auch schaffen würde, war allerdings nicht anzunehmen. Schon in der ersten Halbzeit für den verletzten Timo Mauer (der der Nachwuchsakteur mit den meisten Testminuten bei RB ist) eingewechselt, zeigte er sich als sehr kompletter Stürmer, der die Herausforderung annahm, gegen die polnischen Innenverteidiger auch physisch dagegenzuhalten.

Dazu war er pfeilschnell und lief die Gegenspieler immer wieder sehr gut an, zeigte sich handlungsschnell, ballsicher und mit einer guten Portion Zielstrebigkeit Richtung Tor. Dass er seine große Chance zum 1:0 direkt nach der Pause vergab (bzw. schien es eher so, dass er im letzten Moment noch entscheidend gestört wurde), ist angesichts eines überzeugenden Auftritts sicherlich verkraftbar. Sollte man im Auge behalten den jungen Mann.

Interessant am Spiel noch, dass gleich vier gelbe Karten verteilt wurden. Allesamt gingen sie an die Gäste, drei davon wegen Foulspiel. Durchaus ordentlich für ein Testspiel und der Beweis, dass der Gast nicht zurückzog. Allerdings war auch keine Härte im Spiel, die brutal war oder über die aus Pflichtspielen gewohnte hinausgegangen wäre. War schon alles in Ordnung so, auch wenn Timo Mauer ein wenig Pech hatte, nach einem Foul mit verbundenem Oberschenkel vom Platz zu müssen.

Es war am Ende nur ein Testspiel mit auf beiden Seiten ordentlichem Engangement, das sich gut weggucken ließ. Ohne dass es die ganz großen fußballerischen Highlights gegeben hätte oder von den Profis, die zuletzt oft auf der Ersatzbank gesessen haben, viel Klasse gekommen wäre, die Eindruck hinterlassen hätte.

So war es eine recht gute, ausgeprägte Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen, die allen Beteiligten wohl etwas brachte. Phasenweise spielte RB Leipzig ein ganz gutes Pressing, auch wenn gerade am Ende und nach den vielen Einwechslungen ein wenig die Ordnung verloren ging und manchmal vergessen wurde, hinter der ersten Pressingwelle die ballnahen Anspielstationen direkt mitzupressen. Im vordersten Drittel geht dem Spiel allerdings auch weiterhin die ganz große Gefahr und Effektivität ab. Das ist sicherlich schwierig, wenn zwei Viererkette den Strafraum verteidigen, aber das wird in den nächsten Wochen und für den Rest der Saison noch ganz oft die Aufgabe sein.

Fazit: Insgesamt gewann RB Leipzig durchaus verdient, auch wenn es bei beidseitig höherer Effektivität vor dem Tor hätte genausogut 2:1 oder 3:2 ausgehen können. Die RasenBallsportler spielten eine ordentliche Testpartie gegen einen polnischen Erstligisten, der wie RB ohne einige Stammspieler angereist war und im Laufe der Partie viele junge Spieler einwechselte. Viel Aussagekraft dürfte diese Begegnung natürlich in Bezug auf die Entwicklung in den nächsten Wochen nicht haben.

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Tor: 1:0 Compper (54.)

Aufstellung: Gulacsi – Teigl, Orban, Compper, Halstenberg (61. Hierländer) – Demme (61. Janelt), Khedira – Kaiser, Jung – Bruno (61. Palacios), Mauer (36. Diawusie)

Aufstellung ab der 70. Minute: Gulacsi – Teigl, Sebastian, Reddemann, Jung – Gipson, Janelt – Hierländer, Kaiser – Palacios, Diawusie

Nicht dabei: Selke, Poulsen, Kalmár, Sabitzer, Ilsanker, Nukan, Forsberg (alle Länderspielreisen), Boyd, Bellot, Klostermann, Strauß, Quaschner (alle verletzt bzw. krank); Auf der Bank: Coltorti

Zuschauer: 500 am Cottaweg (davon 20 Gästefans)

Links: RBL-Bericht
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Bisherige Testspiele

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Bisherige Testspieltorschützen

Dzalto, Selke – je 4; Hierländer, Forsberg – je 3; Endres, Quaschner, Strauß, Khedira, Demme – je 2; Wagner, Teigl, Kaiser, Reddemann, Palacios Martinez, Mauer, Sebastian, Kalmár, Ilsanker, Bruno, Compper – je 1

Testspieleinsatzzeiten

  • Demme: 588 Minuten
  • Kaiser: 546 Minuten
  • Khedira: 538 Minuten
  • Teigl: 512 Minuten
  • Hierländer: 508 Minuten
  • Sebastian: 462 Minuten
  • Jung: 459 Minuten
  • Bruno: 456 Minuten
  • Orban: 438 Minuten
  • Quaschner: 437 Minuten
  • Gulacsi: 405 Minuten
  • Mauer: 376 Minuten
  • Gipson: 354 Minuten
  • Strauß: 310 Minuten
  • Bellot: 296 Minuten
  • Klostermann: 270 Minuten
  • Reddemann: 246 Minuten
  • Kalmár: 228 Minuten
  • Coltorti: 225 Minuten
  • Selke: 225 Minuten
  • Compper: 204 Minuten
  • Forsberg: 199 Minuten
  • Sabitzer: 191 Minuten
  • Ilsanker: 189 Minuten
  • Sorge: 180 Minuten
  • Palacios: 165 Minuten
  • Franke: 158 Minuten
  • Skopintsev: 158 Minuten
  • Wagner: 145 Minuten
  • Rabiega: 138 Minuten
  • Suczuz: 135 Minuten
  • Nukan: 135 Minuten
  • Poulsen: 135 Minuten
  • Endres: 116 Minuten
  • Halstenberg: 105 Minuten
  • Dzalto: 90 Minuten
  • Ernst: 90 Minuten
  • Placheta: 90 Minuten
  • Barylla: 87 Minuten
  • Vogel: 64 Minuten
  • Diawusie: 55 Minuten
  • Siebeck: 54 Minuten
  • Becher: 46 Minuten
  • Janelt: 30 Minuten
  • Heine: 19 Minuten
  • Beiersdorf: 17 Minuten

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