Was von Spieltag 13 bleibt

Spieltag 13. Wieder mal einer, der als Endpunkt für einen Trainer in die Ligageschichte eingehen wird. Erwischt hat es erwartungsgemäß Gino Lettieri, der sein Endspiel mit dem MSV Duisburg in München mit 0:1 verlor. Unglücklich, weil der entscheidende Treffer erst in der Nachspielzeit fiel. Aber irgendwie typisch, weil der MSV auch in diesem Endspiel für den Trainer gerade mal sechs Torschüsse abgab und nur zweimal auf das Tor schoss.

Gino Lettieri bemühte vor dem Spiel in München als Erklärung für die Tabellensituation wieder mal das Pech und Probleme in der offensiven Effektivität. Faktisch ist der MSV nach 13 Spielen in so ziemlich allen Belangen das schlechteste Team der Liga. Die wenigsten Tore, die meisten Gegentore. Die wenigsten Schüsse aufs Tor, die meisten Schüsse auf das eigene Tor. Die schlechtesten Laufleistungen aller Zweitligisten. Vergleichsweise schwache Pass- und Zweikampfquoten.

Mag sein, dass der Kader des MSV im Vergleich mit dem Rest der Liga nicht herausragend ist (er ist allerdings auch nicht so schlecht, wie er gern gemacht wird), aber auch aus einem nicht ganz so guten Kader sollte man mehr Konkurrenzfähigkeit herausholen können. Sechs Punkte nach 13 Spielen haben jedenfalls wenig mit Pech und Glück zu tun, sondern sind Abbild des sportlichen Auftretens des MSV. Wenig bis nichts gab zudem Anlass zur Hoffnung, dass beim MSV demnächst die Wende einsetzt. Und bei schon jetzt sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz 16 gibt es gar keine Zeit mehr zu verschenken. Zumal bis auf Kaiserslautern alle Teams der unteren Tabellenhälfte punkteten und mit 1860, Düsseldorf und Union drei Sorgenkinder gleich dreifach erfolgreich waren.

Gino Lettieri ist der fünfte Trainer, der diese Saison bei einem Zweitligisten entlassen wurde. Effenberg und Möhlmann haben in Paderborn und München noch etwas Anfangsrückenwind. Lewandowski und Fünfstück sind in Berlin und Kaiserslautern schon wieder in den Mühen der Ebene angekommen und haben im Vergleich mit ihren jeweiligen Vorgängern keine verbesserten Bilanzen vorzuweisen.

Unschön anzusehen war der Umgang mit Gino Lettieri rund um das Spiel, als er zu 80 Prozent nur Fragen zu seiner Zukunft und zu einem möglichen Ultimatum seitens der Vereinsführung beantworten musste. Man wünschte sich an der Stelle etwas mehr Respekt seitens der Interviewer vor den Personen, die da vor ihnen stehen.

Das Gegenteil von Respekt ist es jedenfalls, wenn man als in Frage stehender Coach auch noch von Sky-Moderator Yannick Erkenbrecher angekumpelt wird, dass er (also Lettieri) ja schon noch bis zum kommenden Wochenende erfahren werde, ob er weitermachen darf. Da kommst du als Aufstiegstrainer, der vor ein paar Minuten in der Nachspielzeit eines Spiels vermutlich seinen Job verloren hat, zum Interview und kriegst statt Fragen zum Spiel und zu sportlichen Geschichten am Ende noch eine ironische Bemerkung zu deinem Verhältnis mit der Vereinsführung und deiner beruflichen Zukunft um die Ohren gehauen. Ätzender geht es wahrscheinlich auch nicht. Auch wenn Lettieri den ganzen Tag über betont bemüht war, alles Drumherum wegzulächeln.

Am anderen Ende der Freudenskala war derweil ein Benno Möhlmann beheimatet, der nach seiner erfolgreichen Gallenblasen-OP auch noch das Erlebnis eines nicht mehr erwarteten Sieges in letzter Minute mitnehmen durfte. Und sich darüber freute als wäre das nicht sein siebter Verein, den er trainiert, sondern sein erster oder zweiter. Nicht zu Unrecht, wenn man die Gesamtsituation von 1860 München betrachtet, die im 13. Spiel als letztes Team der Liga den ersten Saisonsieg einfahren konnten.

Gewinner des Spieltags war derweil aber RB Leipzig, die als einziges Team der oberen Tabellenhälfte (bzw. sogar bis Platz 11) gewinnen konnten und somit die Tabellenführung übernahmen und sich erst einmal ein wenig Luft im Aufstiegskampf verschafften. Mit einer Tordifferenz von +8 hat man sieben Siege errungen. Das darf man durchaus hochgradig effektiv nennen. Große Kantersiege sind also nicht die Sache von RB Leipzig (fünf Teams haben schon häufiger mit mindestens zwei Toren Unterschied gewonnen als RB), aber man schafft es diese Saison im Unterschied zur vergangenen auch in engen Spielen häufig dreifach zu punkten. Die vier Siege am Stück zuletzt waren allesamt mit einem Tor Unterschied.

Zusammen mit dem VfL Bochum ist RB Leipzig auf der anderen Seite das einzige Team, das in dieser Saison noch nie mit mehr als einem Tor Unterschied verlor. Mit nur einer Niederlage überhaupt, ist RB Leipzig das Topteam der Liga. Mit zwei Niederlagen folgen dahinter Freiburg, St. Pauli und auch Bielefeld. Die sind zwar nur 12. der Tabelle, aber verlieren fast nie. Zwar gewinnen sie wegen überschaubarer Offensivqualitäten auch selten, aber zu schlagen sind sie trotzdem schwer.

In der aktuellen Formtabelle hat sich der Karlsruher SC nach sechs Spielen ohne Niederlage und nur drei Gegentoren in dieser Zeit mit nach vorn geschoben. Nachdem man in den ersten sieben Spielen gerade mal sechs Punkte einfahren konnte, ist man nun wieder in die Spur gekommen. Und das trotz der in der Öffentlichkeit gern genommenen Vermutung, dass Coach Markus Kauczinski nach seiner Ankündigung, zum Saisonende aufzuhören, eine Lame Duck sein könnte. Bisher ist das nicht der Fall und Kauczinski macht das, was er in Karlsruhe seit einigen Jahren jedes Jahr mit der ihm eigenen Ruhe macht. Eine veränderte Mannschaft neu formen und sie so zu stabilisieren, dass sie zu den besseren Teams der Liga gehört.

Vielleicht ganz bezeichnend für den bisherigen Saisonverlauf, dass man in Karlsruhe am Anfang der Saison keinerlei Pfostentreffer kassierte. In Nürnberg half der Pfosten dem KSC erstmals in dieser Spielzeit und das gleich zweimal, sodass man entsprechend auch mit einem Punkt aus der Nummer kam. Vor ein paar Wochen hätte man so ein Spiel vermutlich noch eher verloren. Nun nimmt man mit Glück als Beigabe zum Geschick einen Punkt mit.

—————————————————————-

Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl 2015 (bei Freiburg und Paderborn mit Erstligaspielen, bei Duisburg und Bielefeld mit Drittligaspielen), Punktzahl aus den letzten sechs Spielen. Abgezogen werden müssen beim SV Sandhausen davon noch drei Punkte (bzw. für 2015 sechs) resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.

SubjektivGesamt2015RR1.Blockletzte 6
Leipzig1264723814
Freiburg2254428129
St. Pauli3234424109
Bochum4224121155
Braunschweig5213823710
Karlsruhe6164128610
Nürnberg717352277
Paderborn814263038
Heidenheim9194021107
Bielefeld1015461767
Sandhausen112244221011
Kaiserslautern1215362886
Berlin1314372647
Fürth1420341659
München159282126
Frankfurt1618362178
Düsseldorf1712251617
Duisburg186412324

Flattr this!

Ein Gedanke zu „Was von Spieltag 13 bleibt“

  1. Applaus. Pointiert und treffend die Arbeit von Gino Lettieri bewertet. Für die Spieler des MSV hatte er offensichtlich keinen Plan, der für die Offensive gepasst hat. Wenn zwei nachträglich verpflichtete Spieler wie Obinna und Chaburia, die beim ersten Auftritt, zwei-, dreimal so gut sind wie die anderen Spieler, nach drei Spielen sich an das Niveau ihrer Mitspieler angepasst haben, kann niemand mangelndes Glück dafür verantwortlich machen. Dann steht der Trainer in der Pflicht, der die Spielweise der Mannschaft nicht darauf ausrichten kann, die Qualitäten dieser beiden Spieler zur Entfaltung zu bringen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.