12.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

Schon des Öfteren wurde hier im Blog mit der These gearbeitet, dass das Verhältnis zwischen eigenen und zugelassenen Torschüssen eine gewisse Aussagekraft über die Erfolgsaussicht der jeweiligen Spielidee hat. Diese These macht an sich Sinn, hat aber auch gewisse Fallstricke, die sich durch unterschiedliche taktische Ausrichtungen erklären.

Denn Torschuss ist natürlich nicht gleich Torschuss, sodass eine hoch verteidigende Mannschaft tendenziell eher Torschüsse zulassen wird, die Großchancen und oft auch Eins-gegen-Eins-Situationen mit dem Torwart sind, während tief stehende Mannschaften tendenziell mehr Torschüsse zulassen werden, welche aber nur selten ohne Verteidigerdruck ausgeführt werden können. Sprich, als tief verteidigende Mannschaft mit Konterfokus kannst du im Normalfall auch mit einer negativen Torschussbilanz leben, weil die Torschüsse des Gegners aus weniger gefährlichen Positionen kommen, während dies für ein Team, das nach spielerischer Dominanz strebt, eher schwierig ist.

Schwierig ist im Normalfall auch die Gesamtzahl der Torschüsse. Fernschüsse sind nur selten erfolgreich und nicht wirklich Ziel einer Spielphilosophie, sondern eher notgedrungen abgegebene Versuche. Will man eine halbwegs ähnliche Vergleichsgrundlage herstellen, dann gelingt das am ehesten über die Anzahl der aus dem Strafraum heraus abgegebenen Schüsse und über die Schüsse, die tatsächlich auch auf das Tor gehen und nicht daneben.

Die Schüsse innerhalb des Strafraum sind gewissermaßen ein Indiz dafür, wie es einem Team gelingt, aus ihrer Spielanlage heraus, in die gefährlichen Torschusszonen zu kommen. Auch hier gilt, dass ein Strafraumschuss gegen ein Team, das mit zehn Spielern im eigenen Strafraum steht wesentlich ungefährlicher ist, als gegen einen hochstehenden Gegner einen Konter zu fahren und allein im Strafraum zu stehen. Aber ein Team, das sehr wenig im Strafraum zum Abschluss kommt, dürfte über kurz oder lang ein Problem haben.

Wirft man erstmal nur einen Blick auf die absoluten Statistiken, dann stehen Bochum und Leipzig in Bezug auf die Gesamtzahl der Schüsse am oberen Ende der Extreme, während Frankfurt mit großem Abstand das Schlusslicht ist. Die Differenzen zum Rest der Liga verschwinden bei Bochum und Leipzig aber praktisch beim Blick auf die Schüsse, die tatsächlich aufs Tor gehen.

Torschüsse gesamt Topp 3 und Flopp 3

  • Leipzig: 184
  • Bochum: 173
  • Bielefeld: 171
  • Heidenheim: 137
  • Sandhausen: 127
  • Frankfurt: 99

Torschüsse innerhalb des Strafraums Topp 3 und Flopp 3

  • Bochum: 104
  • Leipzig: 101
  • Union: 98
  • 1860: 68
  • Duisburg: 61
  • Frankfurt: 49

Torschüsse aufs Tor Topp 3 und Flopp 3

  • Bochum: 59
  • Leipzig: 57
  • Freiburg: 56
  • Heidenheim: 38
  • Duisburg: 32
  • Frankfurt: 32

Macht man dasselbe Spielchen für die Torschüsse, die die Mannschaften zulassen, dann sind Frankfurt, Paderborn und Duisburg die Schießbuden der Liga, die sehr viele Torschüsse zulassen. Auch hier gilt aber, dass die Differenzen zur Konkurrenz geringer werden oder gar wegfallen, wenn es um Schüsse aufs Tor geht. Wenige Schüsse lassen dagegen Leipzig, Braunschweig oder auch Bochum zu. Und ein Team wie Heidenheim scheint vor allem in der direkten Torverteidigung sehr stark zu sein, während Union in dieser Disziplin sehr schwach ist.

Torschüsse des Gegners gesamt Topp 3 und Flopp 3

  • Leipzig: 114
  • Braunschweig: 119
  • Bochum: 131
  • Frankfurt: 182
  • Paderborn: 183
  • Duisburg: 184

Torschüsse des Gegners innerhalb des Strafraums Topp 3 und Flopp 3

  • Braunschweig: 62
  • Leipzig: 64
  • Bochum: 68
  • Padeborn: 101
  • Duisburg: 113
  • Frankfurt: 119

Torschüsse des Gegners aufs Tor Topp 3 und Flopp 3

  • Leipzig: 32
  • Heidenheim: 34
  • Kaiserslautern: 38
  • Paderborn: 60
  • Duisburg: 61
  • Union: 63

Interessant in Bezug auf die Effektivität der Spielanlage vielleicht, dass Union, Sandhausen und Heidenheim einen sehr hohen Anteil ihrer Schüsse (63%) von innerhalb des Strafraums abgeben, also mit ihrer Spielweise gut in die offensive Gefahrenzone kommen. Sandhausen und Heidenheim sicher wegen ihrer Konterlastigkeit, auch wenn das zulasten der Häufigkeit der Torabschlüsse geht. Bei Union steht schon eher zu vermuten, dass ihre individuell teils recht anarchische Offensive hier die Hauptverantwortung trägt. Duisburg, Frankfurt und 1860 stehen am anderen Ende der Tabellen und geben nicht einmal jeden zweiten ihrer Torschüsse von innerhalb des Strafraums ab.

Macht man dasselbe Spielchen noch für die Schüsse aufs Tor, dann bleibt festzuhalten, dass Freiburg, Nürnberg und Düsseldorf mit dem höchsten Anteil ihrer Torschüsse auch den gegnerischen Kasten treffen. Jeweils mehr als jeder dritte Schuss wird so abgefeuert, dass der gegnerische Torwart eingreifen muss. Die Aufsteiger aus Duisburg und Bielefeld nehmen es auf der anderen Seite mit dem Zielen nicht ganz so genau und schaffen es bisher nur mit maximal jedem vierten Schuss, den gegnerischen Keeper in Verlegenheit zu bringen.

In Bezug auf die defensiven Leistungen lassen vor allem Union, Braunschweig und Düsseldorf anteilsmäßig sehr viele Torschüsse auf den eigenen Kasten zu. Vor allem bei Braunschweig mag das ein eher überraschendes Ergebnis sein, das dafür spricht, dass es schwer ist, sich gegen das Team in Stellung zu bringen, aber man wenn, dann gleich sehr gute Chancen bekommt. Heidenheim und Bielefeld schaffen es dagegen sehr gut, das eigene Tor vor Gefahr zu schützen. Maximal jeder vierte Schuss wird zu einer Aufgabe für ihre Torhüter.

[Platz = Tabellenplatz nach dem 11.Spieltag; Inn = Anteil der eigenen Schüsse, die innerhalb des Strafraums abgeben wurden, an der Gesamtzahl an Schüssen (56% bedeuten, dass 56% aller Torschüsse des Teams von innerhalb des Strafraums kommen); Aufs = Anteil der eigenen Schüsse, die auf das Tor gingen, an der Gesamtzahl an Schüssen (37% bedeuten, dass 37% aller Torschüsse des Teams auch auf das Tor gehen und vom gegnerischen Torwart gehalten werden oder zum Torerfolg führen); Inn G = Anteil der gegnerischen Schüsse, die innerhalb des Strafraums abgeben wurden, an der Gesamtzahl an Schüssen (56% bedeuten, dass 56% aller Torschüsse des Teams von innerhalb des Strafraums kommen); Aufs G = Anteil der gegnerischen Schüsse, die auf das Tor gingen, an der Gesamtzahl an Schüssen (37% bedeuten, dass 37% aller Torschüsse des Teams auch auf das Tor gehen und vom eigenen Torwart gehalten werden oder zum Torerfolg führen)

PlatzInnAufsInn GAufs G
Freiburg156,737,352,329,5
Bochum260,134,151,929,8
Leipzig354,931,056,128,1
Heidenheim462,827,749,022,2
St. Pauli552,633,152,529,5
Sandhausen663,040,954,332,1
Braunschweig756,327,152,137,0
Fürth857,034,952,732,4
Nürnberg954,437,454,134,1
Kaiserslautern1053,533,857,028,1
Frankfurt1149,532,365,430,8
Karlsruhe1250,727,150,034,3
Union1363,233,555,639,4
Bielefeld1450,325,145,925,8
Paderborn1553,326,055,232,8
Düsseldorf1653,935,765,237,0
18601748,231,956,435,0
Duisburg1843,022,561,433,2

Wirft man das alles zusammen in eine Vergleichsbilanz von Torschüssen und gegnerischen Torschüssen, dann schiebt sich Kaiserslautern bei den Schüssen aufs Tor ins Spitzentrio. Spitzenreiter und insbesondere seit dem sechsten Spieltag in dieser Kategorie absolut dominierend ist RB Leipzig, die pro Spiel ungefähr 2,5 Schüsse mehr aufs Tor abgeben als der Gegner. Bedenkt man, dass man in dieser Statistik bis zur ersten Länderspielpause noch eine eher ausgeglichene Bilanz hatte, dann sind es seitdem ungefähr vier Schüsse aufs Tor mehr als der Gegner, die man abgibt.

Die Balance zwischen Offensive und Defensive stimmt in der Grundspielanlage also absolut. Und dass die Chancenverwertung des Gegners nicht wesentlich besser ist als die eigene spricht nicht nur dafür, dass die gegnerischen Offensivspieler nicht die herausragende Qualität haben, sondern vor allem auch dafür, dass es RB Leipzig inzwischen schafft, die Anzahl gegnerischer 100%iger sehr gering zu halten.

[Platz = Tabellenplatz nach dem 11.Spieltag; Inn = Differenz zwischen der Anzahl der eigenen, innerhalb des Strafraums abgegebenen Schüsse und der des Gegners (negativ bedeutet, dass der Gegner mehr Schüsse abgegeben hat); Aufs = Differenz zwischen der Anzahl der eigenen, auf das Tor abgegebenen Schüsse und der des Gegners (negativ bedeutet, dass der Gegner mehr Schüsse abgegeben hat); Ch.v. = Prozentsatz der Schüsse auf das Tor, die Torerfolge waren; Ch.v. G =  Prozentsatz der Schüsse des Gegners auf das Tor, die Torerfolge waren.]

PlatzInnAufsCh.v.Ch.v. G
Freiburg171248,231,8
Bochum2362032,220,5
Leipzig3372528,131,3
Heidenheim411436,820,6
St. Pauli581025,524,4
Sandhausen64740,428,9
Braunschweig719-548,720,5
Fürth87434,645,8
Nürnberg9-12-340,036,2
Kaiserslautern1071524,536,8
Frankfurt11-70-2428,126,8
Karlsruhe126-723,139,1
Union139-1138,531,7
Bielefeld1413223,329,3
Paderborn15-21-2117,928,3
Düsseldorf16-7416,425,5
186017-11-415,628,6
Duisburg18-52-2925,039,3

Duisburg ist in sämtlichen statistischen Belangen die Katastrophe, die sich dann auch in Platz 18 ausdrückt. Wenige eigene Chancen, die man schlecht nutzt und viele gegnerische Chancen, die diese gut nutzen. Da läuft alles komplett falsch, während es Frankfurt schafft, Statistik Statistik sein zu lassen und mit ähnlichen Zahlen wie denen der Duisburger im gesicherten Mittelfeld zu stehen. Eigentlich spielt Frankfurt bisher in vielerlei Hinsicht die Saison eines Absteigers. Nur beim Tabellenplatz ist dies noch nicht angekommen.

Bei Kaiserslautern sieht man noch viel Runjaic in der Statistik, unter dem man Fußball spielen wollte und auch viele Schüsse hatte, aber vor dem Tor meist das nötige Glück und die finale Dynamik fehlten. Interessant auch Freiburg, die bei den Gesamttorschüssen im Schnitt nicht öfters auf den gegnerischen Kasten zielen als dies der Gegner tut. Wenn es allerdings um Schüsse geht, die aufs Tor gehen, ist man plötzlich deutlich besser als die bisherigen Gegner. Spricht auch sehr für ihre Offenisvreihe und deren Fähigkeiten aus ihren Aktionen eben Aktionen in Tornähe zu machen. Zudem lebt man sehr davon, dass die Hälfte der Schüsse, die aufs Tor gehen auch im Tor landen.

Das gilt ähnlich für Braunschweig, die seltener auf das gegnerische Tor schießen als sie Schüsse zulassen. Was vielleicht auch noch ein Überbleibsel der offensiv sehr schwierigen Saisonstartphase ist. Mit fast 50% Trefferquote bei Bällen, die man selbst aufs Tor schießt, während der Gegner gerade mal jeden fünften aufs Tor gebrachten Ball auch im Tor unterbringt, landet man dann aber doch in der Tabelle relativ weit vorn.

Nur jeden fünften Schuss aufs Tor als Torerfolg bejubeln können auch die Gegner des VfL Bochum (wovon die Leipziger ein Lied singen können, die auch exakt fünf Versuche brauchten). Was den aktuell Tabellenzweiten zum neben Braunschweig deutlich besten in dieser Kategorie macht. Dass man es trotz aktiver und offensiver Spielweise schafft, den Strafraum so zu verteidigen, dass man keine Hochkaräter zulässt und sich der Gegner jedes Tor hart verdienen muss, gehört sicher zu den großen Überraschungen der bisherigen Saison und spricht vor allem auch für einen sehr guten zentralen Verteidigungsverbund (Fabian, Bastians, Losilla, Hoogland).

Bedenken muss man bei all diesen Statistiken natürlich auch, dass sie nach 11 Spieltagen noch sehr verzerrt sein können, weil man bisher bspw. vornehmlich gegen Mannschaften eines bestimmten Typs gespielt hat. Und die Statistiken zunehmend auch durch Trainerwechsel verzerren. Zum Beispiel Paderborn statistisch noch grausam dasteht, aber unter Effenberg eine ganz andere, sich auch in den Zahlen ausdrückende Balance erreichen wird. Verzerrend sind dazu auch noch hohe Siege oder Niederlagen an einem Freaktag, die die Statistik in eine Richtung schieben, die sich nicht mit den Zahlen der restlichen zehn Spiele und damit auch nicht mit dem normalen Vermögen des entsprechenden Teams deckt.

Insgesamt kann man aus den Zahlen aber ganz gut herauslesen, wo Stärken und Schwächen der jeweiligen Teams liegen und ob sie tabellarisch eher über ihren Möglichkeiten fliegen oder unten drunter durch. Duisburg bildet sich in seinen Statistiken bspw. ziemlich perfekt ab und auch bei Leipzig drückt sich die Dominanz der letzten Wochen auf dem Fußballplatz in den entsprechenden Zahlen aus.

—————————————————-

12.Spieltag

  • RB Leipzig – Fortuna Düsseldorf – 1
  • SpVgg Greuther Fürth – TSV 1860 München – 1
  • FSV Frankfurt – VfL Bochum – 2
  • Karlsruher SC – 1. FC Kaiserslautern – 0
  • 1. FC Union Berlin – SC Paderborn 07 – 1
  • MSV Duisburg – 1. FC Nürnberg – 2
  • Eintracht Braunschweig – 1. FC Heidenheim – 2
  • FC St. Pauli – SC Freiburg – 2
  • Arminia Bielefeld – SV Sandhausen – 1

Tippquote bisher: 32 von 99 (bei RB-Spielen: 3 von 11).

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.