11.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

Erwartungsgemäß fraß die Länderspielpause in der zweiten Liga wieder mal die Arbeitsplätze von Trainern auf. Mit Torsten Fröhling und Markus Gellhaus traf es zwei der drei möglichen Kandidaten. Nur Gino Lettieri rettete sich im direkten Duell mit Gellhaus in die nächsten Spiele.

Wenig überraschend, wie der TSV 1860 München mit der Situation einer freien Trainerstelle umging. Mit Benno Möhlmann setzt man auf die Sicherheitsvariante und holt den Zweitligarekordtrainer, der seinen mehr als 500 Spielen als Coach in dieser Liga nun noch ein paar hinzufügen darf. Das kann kurzfristig sicherlich stabilisierend wirken. Zumal bei einem Team, das in den bisherigen zehn Spielen sowieso schon durchaus gut organisiert auftrat und dem letztlich nur die offensive Effektivität und die Durchschlagskraft fehlte. Immerhin kassierten auch nur zehn andere Teams weniger Niederlagen als die Löwen, sodass Platz 17 tatsächlich ein Stück unter dem liegt, was eigentlich möglich gewesen wäre.

Ob man mit einem Benno Möhlmann sonderlich innovativ aufgestellt ist, um auch die mittelfristige Zukunft zu gestalten und den Verein hin zu einem Team umzukrempeln, das auch das obere Drittel der Liga angreifen kann (wovon ja im Verein nicht nur investorenseits immer geträumt wird), bleibt abzuwarten, gehört aber aktuell vermutlich sowieso nicht zur Gedankenwelt der Verantwortlichen. Wobei das in München ja auch immer Teil des Problems war und ist, dass nachhaltig strategisches Arbeiten und Denken nicht im Fokus stand.

Das komplette Gegenkonzept zu Benno Möhlmann ist die Wahl des neuen Trainers beim SC Paderborn. Wo man sich ziemlich überraschend auf Stefan Effenberg festgelegt hat und ihm so die Chance auf einen Einstieg als Coach im Profifußball gibt. Entsprechend stehen auch noch null Zweitligaspiele beim Berufseinsteiger zu Buche. Was die 500 Möhlmann-Spiele bzw. dessen fast 15 komplette Spielzeiten in der zweiten Liga noch mal ein Stück imposanter aussehen lässt, als sie es ohnehin schon sind.

Stefan Effenberg also. Diese Verpflichtung darf man getrost als Paukenschlag empfinden. Und ist im Gegensatz zur Gellhaus-Verpflichtung, die eher auf Nummer sicher gedacht schien, wieder mal eine kreative Entscheidung der Paderborn-Verantwortlichen. Zwar kein relativ unbekannter, unterklassiger Coach wie es seinerzeit Roger Schmidt war, aber eben ein Coach ohne praktische Erfahrung. Entsprechend ist damit auch ein gewisses Risiko verbunden.

Das Risiko besteht sicherlich nicht erstrangig in vom Boulevard gern ausgeschlachteten Skandalgeschichten wie der gerade erst absolvierten Alkoholfahrt mit Führerscheinentzug. Selbst das sportliche Risiko dürfte relativ gering sein, denn die fachlichen Kompetenzen Effenbergs und seine Fähigkeiten, eine Gruppe zu führen, sind weitgehend unbestritten. Auch wenn dabei natürlich die Frage bleibt, ob das wagemutige ‚Bundesliga, wir kommen bald wieder‘, das man aus Paderborn schon zu vernehmen glaubt, tatsächlich eine realistische Grundlage hat. Sprich, die Frage bleibt, wie weit in den Himmel Effenbergs Trainerbäume schießen können.

Das entscheidende Risiko betrifft eher die Balance im Verein. Paderborn ist zwar für Effenberg auch so etwas wie der (erste) logische Schritt in seiner Trainerlaufbahn, wie es der logische Karriereschritt für seine Vorgänger wie Schmidt oder Breitenreiter war. Doch Effenberg ist von seiner ganzen Persönlichkeit her größer als es seine Vorgänger in ihren Paderborner Tagen waren und wird den Verein sicherlich stärker und vielleicht auch fordernder prägen.

Das kann funktionieren, wenn das, was Effenberg anschiebt, auch im nachhaltigen Sinne des Vereins ist, kann den Verein aber auch an Grenzen spielen, wenn Effenberg Ideen über die Paderborner Möglichkeiten hinaus entwickelt und umsetzen will. Denn bei allem und trotz Effenbergs Aussage, dass Paderborn für ihn nicht nur „Sprungbrett“ ist, muss man immer im Kopf behalten, dass einer wie Effenberg sich bei den großen Jungs des Fußballs sieht und deswegen Erfolg (um sich für höheres zu empfehlen), aber auch in nicht allzuferner Zukunft sicher wieder weg will. Sprich, es wird eine nicht allzu ferne Zeit nach Effenberg geben, in der der Verein weiterexistieren muss.

Alles in allem ist es allerdings ein gelungener Coup für den SC Paderborn, mit dem auch erst einmal die Mannschaft aus der Schusslinie genommen und der Trainer in den Mittelpunkt gestellt wird. Viel wichtiger allerdings, dass einer aus dieser TV-Experten-Generation mit Trainerschein rund um die Herren Matthäus, Scholl und Lehmann endlich mal im Profifußball zeigen darf oder zeigen muss, wie er mit Alltagsarbeit klar kommt und welche Kompetenzen er in den Fußball tatsächlich auch als Übungsleiter einbringen kann.

Dabei geht es gar nicht so sehr darum, dass da endlich wieder ein Typ auf der Bank sitzt oder mögliches Skandal- und Boulevardpotenzial (das sollen andere spannend finden), sondern darum, dass sich ein erfolgreicher Fußballer mit einer gewissen großen Klappe beweisen kann und vielleicht ja mit den Erfahrungen seiner eigenen Karriere gepaart mit einer professionellen Trainerausbildung über Fähigkeiten verfügt, die ihn von anderen abhebt. Vielleicht aber auch nicht, dann war es zumindest ein spannendes Experiment, das man relativ nah mitverfolgen durfte. In jedem Fall ist die zweite Liga wieder ein Stück vielschichtiger und interessanter geworden. Schon allein dafür sollte man den Paderbornern danken.

Interessant auch die unterschiedlichen Co-Trainer-Entscheidungen bei 1860 und in Paderborn. In München holte man mit Sven Kmetsch jenen Mann, der schon seit fünf Jahren an der Seite Möhlmanns den Co-Trainer gibt. Also auch hier die Sicherheitsvariante.

In Paderborn holte man derweil Sören Osterland, der mit Stefan Effenberg (und Alexander Zorniger und Mehmet Scholl) zusammen den Trainerschein gemacht hatte und als Trainer bisher im Nachwuchsbereich des 1.FC Magdeburg, bei der U23 von Hannover 96 in der Regionalliga und bei Ungarns U19 und als Co-Trainer im Nachwuchs des 1.FC Magdeburg und von RB Leipzig und bei Bayerns U23 (unter Mehmet Scholl) gearbeitet hat. 29 Jahre ist Osterland trotz dieser Vita erst alt und stand laut Kicker als einziger Name neben Effenberg auf der Paderborner Cheftrainer-Wunschliste. Man kann sich realistisch keinen anderen Verein in der Liga vorstellen, bei dem die abzuarbeitende Wunschliste so ausgesehen hätte.

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11.Spieltag

  • SC Paderborn 07 – Eintracht Braunschweig – 1
  • Fortuna Düsseldorf – Arminia Bielefeld – 1
  • SV Sandhausen – 1. FC Kaiserslautern – 2
  • 1. FC Nürnberg – FSV Frankfurt – 1
  • 1. FC Union Berlin – FC St. Pauli – 1
  • SC Freiburg – SpVgg Greuther Fürth – 2
  • VfL Bochum – RB Leipzig – 0
  • 1. FC Heidenheim – MSV Duisburg – 1
  • TSV 1860 München – Karlsruher SC – 2

Tippquote bisher: 28 von 90 (bei RB-Spielen: 3 von 10).

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2 Gedanken zu „11.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016“

  1. Mensch. Mit nem Unentschieden könnte ich am Sonntag gut leben. Da du aber immer mit deinen Tips falsch liegst, wird es wohl einen Sieger geben. Die Befürchtung ist, dass es nicht die Guten sein werden (so wie letzte Saison).

  2. Eigentlich wollte ich dich extra mit einem Tipp für Bochum aus dem Gleichgewicht bringen. Aber gegen Leipzig tippen, ging mir dann doch nicht übers Herz. 😉

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