10.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

Neun Spieltage sind schon absolviert. Und erstaunlicherweise gab es bisher in den Ligaspielen noch bei keinem Verein einen Torwartwechsel. Nicht wegen Verletzungen, nicht wegen Platzverweis und auch nicht aus Leistungsgründen. 18 Torhüter, die bisher in neun Spielen komplett 90 Minuten lang im Tor standen.

Zum Vergleich: Bei den Feldspielern sind nach neun Spielen noch 24 übrig geblieben, die bisher durchgängig auf dem Platz standen. Spricht, jeder Verein hat bis jetzt im Schnitt einen Torwart und reichlich einen Feldspieler 9 mal 90 Minuten durchspielen lassen. Bei RB Leipzig heißt der Feldspieler im Übrigen Willi Orban. Aber das nur nebenbei.

Die diesjährige Torhüterklasse besteht zumindest zur Hälfte aus Spielern des letzten Jahres. Denn neun der aktuellen Stammkeeper standen auch letzte Saison schon in mindestens der Hälfte aller Saisonspiele im Kasten: Orlishausen, Coltorti, Hesl, Zimmermann, Himmelmann, Gikiewicz, Rensing, Haas und Luthe.

Vier weitere der Keeper bekamen letzte Saison zumindest schon mal ein paar wenige Zweitligaeinsätze bzw. wurden durch den Abgang der ehemaligen Nummer 1 zur neuen Nummer 1: Müller, Weis, Knaller und Eicher. Und die anderen fünf sind (zumindest im Vergleich zum Vorjahr) Neuzugänge in der Liga, wenn auch teilweise beileibe keine Unbekannten: Schwolow, Ratajczak, Mielitz, Kruse und Kirschbaum.

Mit Alexander Schwolow vom SC Freiburg und Sebastian Mielitz feierten diese Saison zwei Keeper ihre Zweitligapremiere, die aus unterschiedlicheren Richtungen nicht kommen könnten. Schwolow ist 23 und kommt gerade von einem Leihjahr in Bielefeld, wo er in der dritten Liga reifen konnte und nun die zweite Liga in Angriff nimmt. In seiner Vita stand vor der Saison aus dem höherklassigen Fußball genau ein Spiel in der Bundesliga mit dem SC Freiburg.

Sebastian Mielitz kommt aus der ganz anderen Richtung und hat bereits über 60 Bundesligaspiele mit Werder Bremen und auch eine Handvoll internationale Auftritte hinter sich. Da er aber nie so richtig ankam im Bundesligator und das Vertrauen in seine Fähigkeiten im Laufe der Zeit immer geringer wurde, wechselte er nun eine Etage nach unten und will in Fürth glücklich werden. Wo es für ihn bisher gut, aber auch noch nicht überragend läuft.

Letzte Saison war die Suche nach Talenten in den Zweitligatoren eher schwierig. Auch in dieser Saison ist das nicht wirklich einfach. Im Schnitt über 28 Jahre sind die bisher eingesetzten Torhüter alt. In sieben Vereinen stehen Keeper im Tor, die mindestens 30 Jahre alt sind.

Alterstechnisch ins Talentalter würde Marius Müller vom 1.FC Kaiserslautern fallen. Letzte Saison von Coach Kosta Runjaic schon zur künftigen Nummer 1 auserkoren, tut sich der 22jährige mit dem Erbe von Tobias Sippel noch schwer. Nicht nur beim Spiel in Heidenheim, wo er zur Niederlage mit zwei Patzern erheblich beitrug, wirkte Müller unsicher. Manchmal wirkt der schon seit weit über 10 Jahren in Kaiserslautern spielende Keeper so, als wolle er möglichst ganz viel Verantwortung tragen, aber verhebe sich noch an der Last. Besonders wenn das Team vor dem Torwart auch nicht gerade einen Lauf hat auch eine schwierige Gesamtlage.

Vielleicht das aktuell interessanteste Talent, das man in den Zweitligakästen finden kann, sollte Alexander Schwolow sein, der mit seinen 23 Jahren der zweitjüngste Stammkeeper der Liga ist und mit einer gesunden Mischung aus Selbstvertrauen, Lernwillen, fußballerischen Qualitäten und ordentlichem Verhalten auf der Linie bisher zu überzeugen wusste. Zu absoluter Topklasse fehlt ihm auch noch einiges, aber er ist auf einem guten Weg und hat in Freiburg den perfekten Platz, um weiter zu lernen und an Fehlern auch zu wachsen und nicht wie ein Patrick Rakovsky letzte Saison in Nürnberg angeschossen auf der Bank zu verschwinden.

Ansonsten ist es diese Saison eigentlich wie in der vergangenen Saison. Die Vereine sind praktisch alle auf Nummer sicher gegangen und haben Torhüter ab Mitte 20 aufwärts in den Kasten gestellt. Talententwicklung sieht sicherlich anders aus, ist aber in einer engen Liga, in der es für die meisten Teams erst mal um Sicherheit Richtung Erhalt der Klasse oder Mitschwimmen mit der Masse geht (was sich ja auch gut im vorsichtigen 4-4-2 mit Doppelsechs, hinten kompakt und nach vorne im Umkehrspiel widerspiegelt).

Überragend in dieser Saison bisher sicherlich Robin Himmelmann, Rafael Gikiewicz und Andreas Luthe. Nicht nur statistisch, sondern auch vom Augenschein her. Der 26jährige Himmelmann bestätigt beim FC St. Pauli die Eindrücke aus der vergangenen Saison und spielt einen ruhigen, abgeklärten, aber wenn nötig auch spektakulären Rückhalt. Himmelmann ist nicht mehr unbedingt im Talentalter, aber noch ein, zwei Jahre konstant auf diesem Niveau und irgendein Erstligist wie Augsburg klopft garantiert noch mal an.

Der 27jährige Rafal Gikiewicz gehörte letzte Saison in Braunschweig noch nicht zu den ganz auffälligen Torwartkräften. Dass er diese Saison schon viele spektakuläre Momente hatte bzw. er ziemlich sicher wirkte, könnte auch an einer sattelfesten Abwehr vor ihm liegen. Aber auch durchaus an ihm und seiner Entwicklung.

Am überraschendsten vielleicht mit welcher Abgeklärtheit und Sicherheit derzeit Andreas Luthe beim VfL Bochum im Tor steht. Letzte Saison war der 28jährige noch einer der Buhmänner im Verein, sodass man fast sicher war, dass ihn Manuel Riemann, der 27jährige Neuzugang aus Sandhausen würde verdrängen können. Nichts da, Luthe holte sich seinen Platz zurück und packte in den ersten neun Spielen einige spektakuläre Paraden aus und erwies sich auch mit dem Ball am Fuß als überraschend abgezockter Typ.

Nach unten heraus fällt im Moment vielleicht Michael Ratajczak, der hinter einer grausamen Abwehr zwar auch ein wenig auf verlorenem Posten steht, aber bei manchem nicht mehr entscheidenden Treffer auch nicht zu 100% glücklich aussah. Auch Dirk Orlishausen, letzte Saison noch stabiler Rückhalt seines KSC, hatte diese Saison besonders in den ersten Spielen eine schwere Phase erwischt. Inzwischen hat er sich aber wieder stabilisiert.

Nicht so richtig gut gelitten ist auch Thorsten Kirschbaum in Nürnberg. Schon vor dem Spiel gegen Bielefeld durchaus offen in der Kritik, führte ein schwerer Patzer beim Treffer zum 0:2 nicht gerade dazu, dass die Diskussion leiser wird (auch wenn Kirschbaum abseits dessen alles hielt, was zu halten war und auch im Herauslaufen keine Schwächen zeigte). Vielleicht ganz passend, dass sich Krischbaum unter der Woche eine leichte Verletzung zuzog und so am 10.Spieltag wahrscheinlich der erste Keeper der zweiten Liga sein wird, der passen und der Nummer 2 den Vortritt lassen muss.

Wie die Uhren in Nürnberg halt so ticken, steht aber als Nummer 2 aktuell nicht mal das 22jährige Talent Patrick Rakovsky zur Debatte, sondern soll Oldie Raphael Schäfer nach längerer Pause wieder ins Tor zurückkehren. Schäfer spielte letzte Saison in den Partien, in denen er eingesetzt wurde, eine durchwachsene Rolle. Dass man Schäfer, der nach den Wünschen seitens des Vereins von vor einem Jahr schon gar keine Rolle mehr beim Club spielen sollte, nun dem Talent vorzieht, sagt durchaus was über das Vertrauen aus, was Rakovsky genießt.

Wenn man sich mal bei anderen Vereinen anschaut, wer da so die Nummer 2 ist, dann fällt auf, dass es in einigen Clubs durchaus von der Qualität her das Potenzial gibt, Nummer 1 und 2 auch problemlos zu tauschen. Daniel Davari steht in Bielefeld sicher nicht weit hinter Wolfgang Hesl. Manuel Riemann hat in Sandhausen gezeigt, dass er auf einem Niveau mit Luthe halten kann. In Düsseldorf war Lars Unnerstall letzte Saison noch ganz offiziell Herausforderer und Rotationskandidat im Duell mit Michael Rensing. Peter Gulacsi wird nicht mit dem Ziel nach Leipzig gekommen sein, einfach zu warten bis Fabio Coltorti irgendwann in den Ruhestand geht. Und in Freiburg drückt der erfahrene Patric Klandt, der letzte Saison auf der Linie einer der besten Zweitligakeeper war, von hinten.

Insgesamt bleibt es dabei, dass in der Breite der Besetzung der Torwartposition in der zweiten Liga so wie schon im Vorjahr vor allem Sicherheit und Gestandenheit im Mittelpunkt stehen. Experimente oder das Setzen auf Talente sind dagegen nicht so beliebt. Weswegen die Torwartleistungen in der Liga auch absolut solide sind, aber die Position vereinsübergreifend nicht übermäßig interessant oder gar zukunftsweisend besetzt ist.

[Gehalten = Anzahl der gehaltenen Torschüsse in %; Schüsse = Anzahl der Schüsse, die der Torwart auf sein Tor bekam und gehalten hat oder die ins Tor gingen; Seit 2014 = Anzahl der gehaltenen Torschüsse in % seit Beginn der Saison 2014/2015; Sp seit 2014 = Anzahl der Spiele seit Beginn der Saison 2014/2015]

[Anmerkung: Die Prozentzahl der gehaltenen Torschüsse ist ein schwerlich zwischen den Keepern vergleichbarer Wert, sondern nur ein Indiz für ein bestimmtes Leistungsniveau. Hinter einer tief stehenden Abwehr vor allem Fernschüsse zu halten, ist insgesamt einfacher als hinter einer hoch stehenden Abwehr ständig Kontern und Eins-gegen-Eins-Situationen ausgesetzt zu sein. Bei zweiterem liegt der Anteil an Bällen, die überhaupt haltbar sind deutlich niedriger als bei ersterem. Ein Ramazan Özcan hielt in Ingolstadt in der letzten Rückrunde keine 50% der Torschüsse, die im Normalfall freistehend und aus kurzer Distanz abgegeben wurden, und ist nun in der Bundesliga ein gefeierter Torwart. Und war auch schon letzte Saison ein guter Torwart, der aufgrund der Spielweise seines Teams (wenig Torschüsse zulassen und wenn dann sind es gleich hochkarätige) nicht so glänzen konnte wie andere.]

GehaltenSchüsseSeit 2014Sp seit 2014
Robin Himmelmann84,62675,528
Rafal Gikiewicz83,33673,242
Andreas Luthe77,43168,827
Michael Rensing76,74371,633
Jan Zimmermann75,92974,535
André Weis73,03773,810
Fabio Coltorti72,42975,030
Daniel Haas71,75368,138
Lukas Kruse70,454
Vitus Eicher69,23970,722
Wolfgang Hesl68,83274,136
Marco Knaller67,63768,714
Alexander Schwolow67,634
Thorsten Kirschbaum63,046
Sebastian Mielitz62,532
Marius Müller59,43257,715
Dirk Orlishausen57,54071,041
Michael Ratajczak57,454

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10.Spieltag

  • 1. FC Kaiserslautern – Fortuna Düsseldorf – 2
  • FSV Frankfurt – 1. FC Heidenheim – 0
  • Arminia Bielefeld – TSV 1860 München – 1
  • SpVgg Greuther Fürth – VfL Bochum – 1
  • FC St. Pauli – SV Sandhausen – 1
  • Karlsruher SC – SC Freiburg – 0
  • RB Leipzig – 1. FC Nürnberg – 1
  • Eintracht Braunschweig – 1. FC Union Berlin – 1
  • MSV Duisburg – SC Paderborn 07 – 2

Tippquote bisher: 26 von 81 (bei RB-Spielen: 2 von 9).

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3 Gedanken zu „10.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016“

  1. Zum Glück hast du diesen Spieltag getippt. Und da du beim VfL mit deinem Tipps meistens falsch liegst, steht einem Punkt in Fürth doch fast nichts mehr entgegen 😉

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