Was von Spieltag 6 bleibt

Ungefähr jedes dritte Spiel der zweiten Liga endete bisher mit einem Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied. Bis vor dem sechsten Spieltag waren darunter fünf Spiele, die mit mehr als zwei Toren Unterschied endeten. Am fünften Spieltag kamen gleich drei 3:0-Spiele dazu. Für Union und Düsseldorf die ersten Siege überhaupt, für Braunschweig der zweite Sieg mit mehr als zwei Toren Differenz am Stück.

Pro Spieltag gibt es also ungefähr ein Spiel, das mit mehr als zwei Toren Unterschied, also sehr deutlich ausgeht. Es handelt sich dabei also um ein Ereignis, das nicht gerade als alltäglich durchgeht. Vielleicht liegt es daran, dass ausgerechnet die Trainer der drei klaren Gewinnerteams nach ihren Spielen in unterschiedlicher Qualität die Siege relativierten oder gar wie vor allem Torsten Lieberknecht und Neu-Unioner Sascha Lewandowski die eigene Leistung eher versuchten schlecht zu reden.

Besonders Lewandowski sah man nach seiner Premiere an, dass er mit dem Sky-Lob für sein Team im Anschluss an das Spiel wenig anfangen konnte und wohl am liebsten sofort losgelegt hätte mit dem, was ihm negativ aufgefallen war. Er riss sich dann aber doch noch zusammen und kriegte die Kurve hin zu Lob für seine Jungs, deren Auftreten und ihre Trainings(!)leistungen. Das Spiel selbst schien ihm in Bezug auf die Umsetzung der Spielphilosophie trotzdem nicht zu passen. Dabei sah man in Karlsruhe durchaus einige gute Pressingsituationen, hohe Ballgewinne und ein generell verbessertes Verhalten des Teams. Aber vielleicht hat sich Lewandowski keine Videos der letzten Union-Spiele angeschaut und kann deswegen die Verbesserung nicht so recht wertschätzen.

Während man bei den klaren Gewinnern des sechsten Spieltags eher antizyklisch denkt und Kritik und mahnende Worte in den Vordergrund stellt, dürfte antizyklisches Denken in der zweiten Liga gerade bei den Teams, die eher erfolglos vor sich hin wirken, nicht die präferierte Herangehensweise sein. Vor allem in Paderborn, München, Duisburg, Nürnberg und Kaiserslautern dürften die Alarmglocken schon schrillen und der Trainer ins Schussfeld geraden.

Wobei das gerade in Kaiserslautern sehr merkwürdig erscheint. Schon letzte Saison war die Stimmung rund um den Betzenberg nicht sonderlich gut, trotz eigentlich guten Auftretens der Mannschaft. Der in den letzten Spielen leichtfertig verspielte Aufstieg ließ die Temperaturen noch mal auf Werte sinken, die einer eigentlich recht guten Saison nicht angemessen waren. Nur die schlechte Ausgangsstimmung erklärt, warum in Kaiserslautern nach acht Punkten aus sechs Spielen aktuell im Umfeld die Kritik schon wieder vergleichsweise groß ist.

Zumal man den Pfälzern sportlich nicht allzu große Vorwürfe machen kann. Die Veränderungen im Kader im Sommer ließen erwarten, dass der Saisonstart schwierig werden würde. Wenn du z.B. mit Vucur und Heubach statt zuvor mit Orban und Heintz in der Innenverteidigung aufläufst, muss etwas verloren gehen, was du nicht binnen vier Wochen wieder neu aufgebaut bekommst.

Auch angesichts dessen ist das bisherige Auftreten durchaus in Ordnung, wenn man davon absieht, dass man effektiver spielen könnte. Verliert man das Spiel in Heidenheim nicht, sondern gewinnt es, was man den Chancen nach hätte tun müssen, dann stünde man mit 11 Punkten aus acht Spielen völlig im positiven Rahmen da. Eigentlich stimmte die Entwicklung des Teams also bisher. Nach dem 0:2 gegen Freiburg hat man allerdings ein wenig den Eindruck, dass die Erwartungshaltung des Umfelds wie Blei auf der Mannschaft liegt und langsam auch auf dem Trainer drückt und man sich sportlich dem anpasst, wie man durch das Umfeld sowieso schon gesehen wurde.

In abgeschwächter Form gilt auch für 1860 München, dass man das Auftreten des Teams oft negativer sieht, als es letztlich war. Das 0:3 in Düsseldorf war tatsächlich das erste Spiel, in dem man sich dem bisherigen Punktestand auch leistungstechnisch anpasste, während zuvor vor allem Effektivität vor dem gegnerischen Tor das Grundthema war.

Im Gegensatz dazu hört man es aus Nürnberg oft unberechtigt jammern, wie viel Pech man gehabt habe und dass der Knoten doch mal platzen müsste. Auch nach dem 2:3 fluchte man lieber über die Fehlentscheidungen des Schiedsrichters als über einen lange schlechten, eigenen Auftritt. Statistisch gesehen spielt Nürnberg bisher in dieser Saison nicht ganz auf Augenhöhe mit Teams wie Paderborn und Duisburg, ist aber auch nicht weit weg davon. Sprich, die sieben Punkte, die man gesammelt hat, entsprechen ziemlich genau dem Leistungsstand bzw. sind für den Leistungsstand definitiv nicht zu wenige. Alles andere ist Wunschdenken.

Nach Spieltag 6 ist vor der ersten englischen Woche der Zweitliga-Spielzeit. Schon jetzt beginnt die Tabelle langsam Formen anzunehmen und sich jeweils ein paar Teams oben und unten abzusetzen. Diese Formen werden sich innerhalb der nächsten drei Spiele deutlich verfestigen. Wer in zwei Wochen im Tabellenkeller feststeckt, wird schon sehr viel Mühe brauchen, da wieder rauszukommen. Und wer in zwei Wochen nicht oben dabei ist, obwohl er es gern wäre, hat es im weiteren Saisonverlauf auch schwer (wie letzte Saison Nürnberg, Union und auch Braunschweig zeigten). Egal ob der Punktestand den gezeigten Leistungen entspricht oder nicht, entscheidend wird dann, ein Spiel vor der nächsten Länderspielpause, für fast alle sportliche Verantwortliche die nackte Zahl sein, um zu entscheiden, wie es im jeweiligen Verein weitergehen soll.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl 2015 (bei Freiburg und Paderborn mit Erstligaspielen, bei Duisburg und Bielefeld mit Drittligaspielen), Punktzahl in den letzten fünf Spielen. Sandhausen ist mit den sportlich errungenen Punkten verzeichnet. Abgezogen werden müssen davon noch drei Punkte (bzw. für 2015 sechs) resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.

SubjektivGesamt2015RRletzte 5
Freiburg115342812
Bochum216352113
Sandhausen31133228
St. Pauli413342412
Leipzig51132238
Braunschweig610272310
Heidenheim71132218
Berlin8730266
Fürth9822165
Kaiserslautern10829285
Düsseldorf11417163
Bielefeld12738176
München13221212
Karlsruhe14631286
Nürnberg15725227
Frankfurt16725217
Paderborn17315303
Duisburg18237232

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