6.Spieltag – 2.Liga 2015/2016

Das Ende der Transferperiode. Auch in der zweiten Liga eine relativ aufgeregte Zeit, in der noch mal Spieler weggeschickt oder geholt werden. Wobei für die zweite Liga da auch noch mal die Schnäppchenjäger-Mentalität entscheidend ist und man in den letzten Tagen der Transferperiode noch mal hofft, ein gutes Leihgeschäft mit einem Bundesliga-Talent zu machen oder wenig Ablöse für einen Spieler zu zahlen, der anderswo nach den ersten Pflichtspielen unzufrieden ist.

160 neue Spieler stehen insgesamt in den Kadern der 18 Zweitligisten. Wenn man mal nur Spieler nimmt, die von außerhalb des eigenen Vereins kamen (also nicht aus der eigenen Jugend) und in der vergangenen Rückrunde irgendwo anders spielten (Leihspieler, die zurückkehrten, gelten also auch als neue Spieler). Fast neun externe Spieler hat also jedes Team im Schnitt zu integrieren. Der FSV Frankfurt mit 14 die meisten. St. Pauli und 1860 München mit je 5 die wenigsten.

Kurz vor Schließen des Transferfensters am panischsten waren der SC Paderborn und der FC St. Pauli. Paderborn holte in der zweiten Augusthälfte insgesamt noch vier neue Spieler, alle mit Stammplatzpotenzial. St. Pauli holte auch vier und davon sogar drei in den letzten drei Tagen der Transferperiode.

Unter den 160 externen Zugängen sind 16 Leihspieler. 13 davon wurden von Bundesligisten ausgeliehen. Je einer von einem englischen, griechischen und portugisischen Erstligisten. Die 13 Leihspieler aus der Bundesliga sind im Schnitt 20,5 Jahre alt. Nur einer ist mit 26 Jahren dem Talentalter schon deutlich entwachsen (Dani Schahin – FSV Frankfurt). Bleiben 12 neue Leihspieler im Talentalter, die in der zweiten Liga auf Bundesligaaufgaben vorbereitet werden sollen. Nicht wirklich extrem viel. Da wäre durchaus mehr denkbar. Zumal die meisten Bundesligisten keine U23 oder eine U23 maximal in der Regionalliga vorweisen und in der zweiten Liga sehr gute Ausbildungsbedingungen vorfinden würden.

Der 1.FC Nürnberg verpflichtete im Sommer die erfahrensten Spieler. Im Schnit schon fast 26 Jahre alt sind die neun Neuzugänge. Für so viel Erfahrung ist der bisherige sportliche Output eher gering. Im Schnitt 25 Jahre aufwärts sind die Neuzugänge auch noch in Fürth und Bochum.

Sehr jung geht es dagegen in Karlsruhe und Leipzig zu, wo die externen Neuzugänge im Schnitt gerade mal 22 Jahre alt und damit noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen sind. Auch Freiburg und Frankfurt setzte man sehr auf Jugendlichkeit und Zukunft. Wobei diese Zukunft beim FSV Frankfurt vornehmlich geliehen daherkommt, also im Fall der Fälle eher eine Zukunft ist, die anderen Vereinen zugutekommt.

Insgesamt drei Vereine holten gleich sechs Spieler mit maximal 21 Jahren. Doch während in Paderborn und Frankfurt drei bzw. fünf der sechs Spieler nur geliehen, also mit relativ geringem Kostenaufwand geholt wurden, verpflichtete man in Leipzig alle sechs Spieler fest. Und zahlte für vier davon insgesamt 20 Millionen Euro im Verlauf des letzten Jahres (Bruno und Sabitzer wurden vor einem Jahr bezahlt, kamen nach Leihe aber erst diesen Sommer nach Leipzig). Eine enorme Summe, die aber auch einleuchtet, wenn man bedenkt, dass hier Spieler verpflichtet wurden, die bereits in den höchsten Spielklassen ihres jeweiligen Landes ihr Talent nachgewiesen hatten.

In dem Zusammenhang auch besonders auffällig, dass in Leipzig kein einziger Nachwuchsspieler zu den Profis aufrückte, was ansonsten nur noch für Sandhausen gilt, die in Sachen Nachwuchsausbildung nicht gerade die hellste Leuchte der Liga sind. In Leipzig dagegen spielte die U19 vor ein paar Monaten im Halbfinale der deutschen Meisterschaft. Angesichts eines also entsprechend gut ausgerüsteten Nachwuchses darf es durchaus überraschen, dass im Leipziger Profikader kein fester Platz für den eigenen, aber umsomehr für externen Nachwuchs ist.

(Wobei man bei diesen Betrachtungen immer vorsichtig sein muss. Dass andere Vereine Nachwuchsspieler formal zum Profikader schieben, heißt nicht unbedingt, dass sie dort auch dauerhaft trainieren, geschweige denn spielen. Dass bei RB Leipzig kein eigener Nachwuchsspieler dauerhaft zum Profikader hochgezogen wurde, heißt nicht, dass nicht doch immer mal wieder welche mittrainieren oder zur Erfüllung der Local-Player-Regelung sogar einen entsprechenden Vertrag haben. Fakt ist aber, dass es im Leipziger Kader in Bezug auf Zugänge im Bereich bis 21 Jahren eine sehr große Diskrepanz zwischen externen und internen Talenten gibt.)

In Bezug auf die eigene Jugend herausragend ist Braunschweig, die gleich sechs Spieler aus eigenen Jugendmannschaften versuchen an höhere Profi-Aufgaben heranzuführen. Und damit im zweiten Jahr nach dem Bundesliga-Abstieg den zweiten Schritt im Umbau hin zu einer zukunftsträchtigen Mannschaft machen. Der sportliche Leiter Marc Arnold verwies im Kicker-Interview darauf, dass der eigene Nachwuchs inzwischen so gut sei, dass man nicht mehr auf externe (und entsprechend auch teure) Nachwuchsspieler zugreifen müsse. Die kommenden zwei Jahre werden zeigen, ob die Entwicklung aus eigener Kraft in Braunschweig tatsächlich funktionieren kann.

Insgesamt 49 der externen Neuzugänge, also knapp drei pro Verein, haben auch letzte Saison schon in der zweiten Liga gespielt. Union Berlin holte gleich sieben solcher Spieler. Der FC St. Pauli will dagegen diese Saison komplett ohne Blutauffrischung aus der zweiten Liga auskommen. Sandhausen (Klingmann), Nürnberg (Behrens) und Karlsruhe (Hoffer) belassen es bei jeweils einem Spieler.

Die Liste der Neuzugänge ist zu lang, als dass es Sinn machen würde, sie sich im einzelnen anzuschauen. Im Saisonverlauf bleibt sicherlich noch Zeit, noch mal auf Enwicklungen von Spielern zu schauen. Spannende Namen wie Vincenzo Grifo, Hauke Wahl, Davie Selke, Fabian Holthaus, Janik Haberer, José Pierre Vunguidica, Marcel Franke und und und stehen einige auf der Liste. Was aus ihnen wird, hängt dann im Einzelfall auch von der Entwicklung des Teams, von Zufällen und Verletzungen und von Glück und Geschick ab.

[Zugänge = Anzahl der externen Zugänge (alle Spieler, die in der vergangenen Rückrunde noch nicht im Verein spielten und nicht aus der eigenen Jugend kommen); Altersschnitt = Altersschnitt der externen Zugänge, bis 21 = Anzahl der externen Neuzugänge, die maximal 21 Jahre alt sind; eigene Jugend = Anzahl der Spieler, die aus der eigenen Jugend den Profikader verstärken]

ZugängeAltersschnittbis 21eigene Jugendfremde Jugend
Freiburg1022,3442
Paderborn1324,0613
Karlsruhe722,0312
Kaiserslautern1023,8211
Leipzig1022,0601
Braunschweig724,4060
Berlin924,1130
Heidenheim1024,0313
Nürnberg925,9210
Düsseldorf1024,4320
Bochum725,4130
Sandhausen923,9100
Frankfurt1422,8630
Fürth825,0231
St. Pauli523,4111
München524,6231
Bielefeld924,3312
Duisburg824,4121

Zweitligatransfers oder -leihen aus der zweiten Augusthälfte 2015

  • Freiburg: 1 (Mees)
  • Paderborn: 4 (Kirch, Wahl, Bickel, Stöger)
  • Karlsruhe: 1 (Gouaida)
  • Kaiserslautern: 2 (Piossek, Pich)
  • Leipzig: 1 (Halstenberg)
  • Braunschweig: 0
  • Union: 0
  • Heidenheim: 0
  • Nürnberg: 1 (Margreitter)
  • Düsseldorf: 1 (Demirbay)
  • Bochum: 0
  • Sandhausen: 0
  • FSV: 3 (Hajsafi, Pires, Awoniyi)
  • Fürth: 1 (Zingerle)
  • St. Pauli: 4 (Dudziak, Picault, Drobo-Ampem, Hornschuh)
  • 1860: 2 (Mugosa, Liendl)
  • Bielefeld: 1 (Affane)
  • Duisburg: 1 (Dvali)

Zweitligatransfers oder -leihen aus den letzten drei Augusttagen 2015 vor Schließung des Transferfensters

  • Freiburg: 1 (Mees)
  • Paderborn: 1 (Kirch)
  • Kaiserslautern: 2 (Piossek, Pich)
  • Leipzig: 1 (Halstenberg)
  • FSV: 1 (Hajsafi)
  • St. Pauli: 3 (Picault, Drobo-Ampem, Hornschuh)
  • Bielefeld: 1 (Affane)
  • Duisburg: 1 (Dvali)

Im Sommer 2015 getätigte Leihgeschäfte (geliehen von)

  • Bundesliga: 13 (Alter: 19, 20, 18, 22, 21, 19, 22, 20, 21, 20, 20, 26, 19)
  • Premier League: 1 (18)
  • Super League (Griechenland): 1 (22)
  • Primeira Liga (Portugal): 1 (20)

Datenbasis: eigene Aggregation auf der Basis von transfermarkt.de

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6.Spieltag

  • 1. FC Kaiserslautern – SC Freiburg – 1
  • RB Leipzig – SC Paderborn 07 – 1
  • SV Sandhausen – VfL Bochum – 2
  • Karlsruher SC – 1. FC Union Berlin – 1
  • Arminia Bielefeld – 1. FC Heidenheim – 0
  • Fortuna Düsseldorf – TSV 1860 München – 2
  • SpVgg Greuther Fürth – 1. FC Nürnberg – 1
  • FSV Frankfurt – Eintr. Braunschweig – 2
  • FC St. Pauli – MSV Duisburg – 0

Tippquote bisher: 15 von 45 (bei RB-Spielen: 1 von 5).

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