Was von Spieltag 5 bleibt

Das ging dann doch mal fixer als erwartet. Vor dem fünften Spieltag konnte man davon ausgehen, dass die erste Länderspielpause der Saison von irgendeinem Clubverantwortlichen auch zu einem Trainerwechsel genutzt wird. Dass es gleich der Montagmorgen sein würde und dass es Union-Coach Norbert Düwel treffen würde, konnte man nicht unbedingt erwarten. Norbert Düwel ist mit seinen Unionern bei vier Punkten aus vier Spielen und angesichts des Saisonziels vorderes Tabellendrittel nicht sonderlich vernünftig in die Saison gestartet. Besonders schlecht war es allerdings auch nicht, wenn man bedenkt, dass die Mannschaft nur zweimal verloren hat.

Merkwürdig war der Umgang seitens des Trainers mit der bisherigen Sieglosigkeit aber auch irgendwie. Ständig bemühte Düwel das Pech. Beim Spiel gegen RB Leipzig hatte er einen spielerisch guten Auftritt seines Teams gesehen, das genaugenommen spätestens in der zweiten Halbzeit nur noch den eigenen Strafraum absicherte. Und die geringe Punkteausbeute war lediglich Folge dessen, dass man nach lange guten Spielen in der Schlussphase immer noch Punkte abgegeben habe.

Wenn dem so wäre, wäre die Ablösung von Düwel natürlich unverständlich. Genaugenommen hatte Union im bisherigen Saisonverlauf aber beileibe nicht nur Pech. Faktisch war man neben Teams wie Paderborn und Duisburg eines der defensiv anfälligsten Teams der Liga. Keeper Daniel Haas ist im bisherigen Saisonverlauf der Torwart der Liga, der die meisten Schüsse abgewehrt hat (28). Und trotzdem haben nur fünf Teams noch mehr Tore kassiert als Union.

Union im bisherigen Saisonverlauf, das war im Optimalfall offensiv immer noch ein sehr ansprechender und anarchischer Haufen, der aber meist auch nur phasenweise Durchschlagskraft erzielen konnte. Konstant war Union eigentlich bis auf die letzte halbe Stunde in München und das Spiel gegen Leipzig, als man sich fast durchgängig in der eigenen Hälfte einmauerte, darin, defensiv ziemlich katastrophal und viele Großchancen zulassend zu sein.

Dazu kam eine merkwürdige Inkonstanz in den Trainerentscheidungen in Bezug auf Taktik und Personalfragen. Dreierkette oder Viererkette hieß es zu Saisonbeginn teilweise noch in den Spielen. Mehr Stabilität brachte das aber nicht. Ganz im Gegenteil schien die Umstellung und auch die neu besetzte Innenverteidigung eher noch die defensiven Probleme zu verstärken. Personaltechnisch schien zudem das Rein und Raus von Spielern und die noch nicht gelungene Integration von Neuzugängen eher nachteilig.

Sachlich mag der Trainerwechsel bei Union nachvollziehbar sein, zumal wenn Düwel intern eine ähnlich uninspirierte Fehleranalyse wie in der Öffentlichkeit durchgeführt hat. In Berlin spekuliert man auch darüber, dass Düwel innerhalb des Vereins aufgrund seines Auftretens keinen Rückhalt mehr gehabt habe. Das ist von außen natürlich immer schwer zu beurteilen, aber die Vermutung liegt nahe, dass eine Trainerentlassung bei Union angesichts einer nicht komplett katastrophalen Situationen und viel Entwicklungspotenzial wegen der Neuzugänge immer auch mehr Gründe als rein sportliche haben muss.

Inwieweit die Länderspielpause noch mehr Trainerwechsel mit sich bringen wird, muss man sehen. Gino Lettieri (trotz Aufstiegsbonus) und Torsten Fröhling (trotz erstaunlich guter Leistungen seines Teams im bisherigen Saisonverlauf) könnten aufgrund ihrer Punktebilanzen langsam die Grenzen ausreizen. Frank Kramer (der bereits in den ‚müssen zusammenhalten‘-Modus geschalten hat) und Markus Gellhaus (der in seinen öffentlichen Auftritten immer angenehm entspannt und sachlich analysierend erscheint) dürften aufgrund ihres Neuzugangsstatus noch Zeit auf der Uhr haben.

Gerettet vor der ersten Entlassung der Saison hat Norbert Düwel auch nicht, dass er von Sören Brandy in den Auftaktspielen eine ganz besondere kämpferische Unterstützung bekommen hat. Der Offensivmann hat es geschafft, in fünf Ligaspielen fünf gelbe Karten zu sammeln und damit am sechsten Spieltag aussetzen zu müssen. Eine historische Leistung, denn im wiedervereinten deutschen Zweitligafußball ist das noch niemandem gelungen. Wobei Brandy fast schon Glück hatte, diese historische Leistung erreicht zu haben, denn in den fünf Spielen wandelte er auch immer mal wieder am Platzverweis, der ihm den Eintrag in die Geschichtsbücher vermasselt hätte. Jetzt kann er daran arbeiten, die maximal mögliche Anzahl an Gelbsperren in einer Saison, nämlich fünf, abzugreifen.

Nach den ersten fünf Spieltagen könnte man natürlich wieder mal über den VfL Bochum sprechen, auch wenn das langsam fast schon langweilig ist. Beeindruckend bleibt vor allem die Defensive, die absolut stabil arbeitet und nicht nur die wenigsten Gegentore kassiert, sondern auch die wenigsten Schüsse der Liga zulässt. Genau das hatten dem Verbeek-Team vor der Saison wohl nur wenige zugetraut. Dazu spielt man einen Offensivfußball mit allerlei Doppelpässen und immer wieder Sprintwegen in die Tiefe, mit dem sie auch defensiv agierende Gegner bespielen und besiegen können. Nicht zu vergessen einen Simon Terrodde, der inklusive DFB-Pokal schon wieder auf acht Tore in sechs Partien kommt. Hohe defensive Stabilität und offensive Verlässlichkeit, viel mehr brauchte manches Team in den letzten Spielzeiten zum Aufstieg nicht.

Interessant auch, dass mit Bochum und Freiburg zwei Teams die Tabelle anführen, die in der Liga mit Abstand die meisten Pässe pro Partie spielen und auch über die besten Passquoten der Liga verfügen. Sprich, die Behauptung man könne in dieser Liga nur mit reaktivem, konterorientierten Fußball erfolgreich sein, wird durch die Dominanz, die beide Topteams in ihren Spielen an den Tag legen, ein wenig widerlegt. Auch wenn der Fokus auf dem Umschaltspiel wie bspw. in Sandhausen oder Heidenheim oder beim FC St. Pauli natürlich weiterhin erfolgsversprechend bleibt und für Teams mit geringeren wirtschaftlichen Möglichkeiten auch immer der einfachere Weg ist, trotzdem erfolgreich zu arbeiten.

Die Maximalenttäuschung des ersten Ligablocks ist vermutlich Fortuna Düsseldorf, die mit neuem Trainer und leicht veränderten Kader eigentlich besser starten wollten als die vergangene Saison endete. Nach fünf Spieltage muss man einsehen, dass alles sogar noch schlimmer geworden ist und man nach 13 Punkten aus 15 Spielen vor der Sommerpause im Jahr 2015 nun bei einem Punkt aus fünf Spielen angekommen ist. 14 Punkte aus 20 Spielen im Jahren 2015. Schlimmer geht es eigentlich nicht mehr. Dachte man vor ein paar Wochen aber auch schon.

Auffällig auch, dass mit St. Pauli, Sandhausen und Heidenheim Teams gut in die Saison gestartet sind, bei denen es relativ wenig Kaderveränderungen gab und entsprechend gut zusammengewachsene Mannschaften vorzufinden sind. Für alle Clubs gilt mehr oder minder stark, dass die Kadertiefe allerdings nicht sehr hoch ist, sodass völlig unabsehbar ist, wo der gute Start die Vereine hinführt. In einer engen Liga kann manchmal allerdings so etwas wie Kaderruhe schon den Unterschied hin zum positiven machen. Bei allen drei Vereinen ist allerdings nicht unbedingt damit zu rechnen, dass sie am Ende der Saison ganz oben stehen werden. Auch wenn bei jedem Verein mit einem überraschend positiven Lauf überall gern auf Darmstadt verwiesen wird. Nur sollte man aber eben auch mal festhalten, dass der Durchmarsch des Überraschungsteams der vergangenen Saison eben auch ein historischer war und sich diese Überraschungsdimension nicht jede Saison wiederholen wird.

Ansonsten blieb bisher im Saisonverlauf das meiste im Rahmen. Karlsruhe findet sich ein wenig schwer in die Saison, was nach einem größeren Umbruch und der sportlichen Enttäuschung der verlorenen Relegation erwartbar war. Dass man in Braunschweig mal mit 0:6 untergeht, gibt es als Sahnehäubchen oben drauf. Wobei man so ein Spiel, wo der Gegner Tore mit der Hacke, per Fallrückzieher, per direkt verwandeltem Freistoß oder per Direktabnahme einer Flanke aus dem Halbfeld schießt, wohl auch nicht so oft erleben wird im Saisonverlauf. Zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, könnte man sagen. Und bis dato offensiv extrem harmlose Braunschweiger haben sich an einem perfekten Tag mal so richtig ausgetobt. Was nicht heißt, dass es in zwei Wochen so weitergeht. Könnte genausogut sein, dass die Fallrückzieher dann wieder 20 Meter am Tor vorbeifliegen.

Schlechte Stimmung gab es letzte Woche in Kaiserslautern. Die Zuschauer pfiffen schon während der Partie gegen Paderborn und trotz Führung ob der Darbietung, die Spieler reagierten darauf ungehalten mit höhnischem Applaus und Verweigerung des Gangs in die Kurve nach dem siegreichen Spiel. Für das Spiel in Heidenheim hatte man sich quasi auf Versöhnung eingestellt. Doch der Fußballgott hatte sich zumindest sportlich eine bessere Pointe ausgedacht und ließ Kaiserslautern eine überlegen geführte Partie mit vielerlei Chancen und einem klaren, aber nicht gegebenen Tor wegen zweier Torwartaussetzer noch 1:3 verlieren. Warum Coach Kosta Runjaic ausgerechnet nach dem Spiel in Heidenheim, bei dem bis auf die Chancenverwertung wenig zu bemängeln war, zusätzliches Wochenendtraining ansetzt und inwieweit dies auch als versöhnliches Zeichen an die pfeifenden Zuschauer, dass man die Mannschaft (quasi nachträglich) bestraft, gelten darf, muss jeder für sich beurteilen.

Letzte Saison scheiterte man in Kaiserslautern unter anderem daran, dass man das jünste Team der Liga hatte. Dieses Jahr geht man es mit etwas mehr Erfahrung an, sodass RB Leipzig bisher der Verein ist, der mit Abstand die jüngsten Spieler auf das Spielfeld schickte. Noch unter 24 Jahren war man im Schnitt an den ersten fünf Spieltagen auf dem Spielfeld. Braunschweig, St. Pauli und Kaiserslautern (je 24,9 Jahre) und Karlsruhe und 1860 (je 25,0) folgen mit einem gehörigen Altersabstand von im Schnitt mindestens einem Jahr. Interessant, dass bis auf St. Pauli alle Teams so ihre Probleme mit dem Saisonstart haben. Was natürlich vor allem daran liegt, dass bei den anderen Teams das Alter nicht nur gering ist, sondern die Kader auch teilweise sehr stark und auf sehr entscheidenden Positionen durcheinandergewirbelt wurde.

Die größte Veränderung in der Platzierung zwischen 5. und 34.Spieltag erreichte vergangene Saison Union Berlin, die von Platz 16 noch auf Platz 7 kletterten. Abgesehen davon veränderten sich die Mannschaften damals um maximal sechs Plätze, meist sogar nur um irgendwas zwischen 0 und 3 Plätzen. Die Möglichkeiten, den guten oder schlechten Saisonstart im weiteren Saisonverlauf zu versauen oder auszumerzen, sind zwar gegeben, aber alles in allem deuten sich in der Tabelle nach dem fünften Spieltag auch schon die Kräfteverhältnisse in der Liga an.

Auch wenn durch das gestern erst geschlossene Transferfenster natürlich einige Kader noch Veränderungen erfahren haben, die auch das Tabellenbild auf Dauer beeinflussen können. Dass St. Pauli eienn Halstenberg abgegeben hat, ist sicherlich nicht ohne Substanzverlust kompensierbar. In Kaiserslautern hat man kurz vor knapp gleich zwei Außenbahnspieler verpflichtet. Und auch andere Vereine waren noch mal aktiv. Die nächsten Wochen werden zeigen, welche dieser Last-Minute-Transfers auch sportlichen Wert haben.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl 2015, Punktzahl in den (saisonübergreifend) letzten sechs Spielen (bei Freiburg und Paderborn mit Erstligaspielen, bei Duisburg und Bielefeld mit Drittligaspielen). Sandhausen ist mit den sportlich errungenen Punkten verzeichnet. Abgezogen werden müssen davon noch drei Punkte (bzw. für 2015 sechs) resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.

SubjektivGesamt2015RRletzte 6
Bochum115342116
Freiburg212312812
Sandhausen310322211
St. Pauli410312410
München5221212
Braunschweig6724237
Kaiserslautern7829289
Leipzig88292311
Heidenheim910312111
Karlsruhe10631289
Nürnberg117252210
Bielefeld12637179
Frankfurt137252110
Berlin14427267
Fürth15519165
Paderborn16315303
Düsseldorf17114161
Duisburg18237232

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