5.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

Vier Spieltage sind vergangen. Nur noch einer fehlt bis zur Länderspielpause. Eine Pause, in der sich die Vereine sicherlich noch mal Zeit nehmen werden, genauer unter die Lupe zu nehmen, was bis dahin gut funktionierte und was bis dahin gar nicht funktionierte. Kommt man drauf, dass Dinge fundamental schief laufen, dürfte eine zweiwöchige Pause sehr gut dazu auserkoren sein, noch mal den Trainer zu wechseln. Letzte Saison erwischte es in der Länderspielpause, die damals schon nach dem vierten Spieltag kam, Aues Falko Götz, dessen null Punkte aus vier Spielen letztlich erheblich mit zum Auer Abstieg betrugen und St. Paulis Roland Vrabec.

In die aktuelle Saison sind mit Leipzig, Paderborn, Düsseldorf und Fürth vier Teams mit einem neuen Trainer gestartet. Wenn man so will, ist auch Tomas Oral in Frankfurt ein Neuling, da er in der vergangenen Saison erst vor dem letzten Spieltag verpflichtet wurde. Interessanterweise sind alle fünf Vereine auf unterschiedliche Art und Weise spielerisch und oder punktetechnisch durchwachsen in die Saison gestartet.

Insgesamt neun Trainer sind noch nicht länger als ein Jahr bei ihrem Team. Dieser Wert ist identisch mit dem Wert der Erstligakollegen. Und zeigt relativ deutlich, dass das Traineramt ein ganz schöner Durchlauferhitzer ist. Im Schnitt sind die 18 Trainer der zweiten Liga 22,4 Monate, also knapp zwei Jahre bei ihren Vereinen. Zieht man allerdings die beiden dienstältesten Trainer der obersten beiden Spielklassen Deutschlands, also Heidenheims Frank Schmidt und Braunschweigs Torsten Lieberknecht ab (jeweils mehr als sieben Jahre bei ihren Vereinen), dann sind die verbleibenden 16 Trainer im Schnitt nur noch seit knapp 14 Monaten im Amt. So richtig langfristiges Arbeiten sieht anders aus.

Nimmt man die Erfahrung in der zweiten Liga als Maßstab, dann ist Norbert Meier der dienstälteste Trainer. Schon 203 Ligaspiele oder sechs Spielzeiten stand Meier bei gleich drei Vereinen (Duisburg, Düsseldorf, Bielefeld) in der zweiten Bundesliga am Spielfeldrand. Dahinter folgen Trainer-Urgestein Ewald Lienen, Torsten Lieberknecht und auch Tomas Oral, der in Frankfurt und Ingolstadt insgesamt auch schon reichlich vier Jahre an der Zweitligalinie verbrachte.

Im Schnitt haben die 18 Zweitligatrainer 64,5 Spiele im Fußballunterhaus auf dem Buckel. Absolute Neulinge in der Liga sind Christian Streich und Gino Lettieri. Und doch sind beide beileibe keine unerfahrenen Übungsleiter. Streich auf der einen Seite durfte in der ersten Liga schon einiges mitmachen. Lettieri auf der anderen Seite tingelte in den letzten Jahren durch allerlei Vereine unterhalb der zweiten Liga. Mit mal mehr, mal weniger Erfolg. Nun mit Duisburg auch die zweite Liga in Angriff nehmen zu dürfen, ist für den Schweizer sicherlich ein großer Erfolg in seiner Trainerkarriere.

Ralf Rangnick liegt mit 94 Zweiligaspielen als Trainer leicht über dem Ligaschnitt an Erfahrung und coachte vor RB Leipzig schon drei Vereine. Die aber nur jeweils eine Saison bzw. in Ulm nicht mal eine Saison. Alle drei Vereine stiegen am Ende der Saison auf (Ulm aufgrund eines vorzeitigen Rangnick-Abgangs dann mit einem anderen Trainer). Ein Dauergast im Unterhaus war Rangnick also nie. Vielleicht erklärt das ja auch ein wenig seine letztjährige Ungeduld als Sportdirektor.

Alterstechnisch liegt Rangnick auf Platz 2 in der Zweitligarangliste. Mit 57 Jahren ist er vier Jahre jünger als Alterspräsident Ewald Lienen, der schon 61 Jahre alt ist und bei dem man immer ein wenig das Gefühl hat, St. Pauli wäre das logische Ziel einer langen Reise durch die verschiedensten Vereine und wenn er dann in fünf Jahren die Champions League gewonnen hat, geht er einfach in den Ruhestand und wird Ehrenmitglied bei irgendeiner Stadtteil-Ultragruppe.

Im Schnitt sind die Trainer der zweiten Liga 47,5 Jahre alt. Wobei gleich neun Trainer aus der Altersgruppe zwischen 41 und 45 stammen. Interessanterweise verfügen nur drei dieser Trainer über eigene Erfahrungen als Spieler in den zwei höchsten Spielklassen europäischer Ligen, also über relevante Profierfahrung, während es bei den neun älternen Trainern gleich sechs sind. Woraus man als These ableiten könnte, dass in der Fußballmoderne das Vorleben als Fußballer nicht mehr ganz so wichtig ist. Bzw. früher der Weg vom Profispieler zum Trainer viel stärker vorgezeichnet war als heutzutage. Wie gesagt, nur als These formuliert.

Der Zweitligatrainer-Prototyp ist entsprechend, das vermitteln die Daten, zwischen 41 und 45 Jahren alt und seit weniger als einem Jahr im Amt. Darin kann sich eine Tendenz ausdrücken, dass vornehmlich junge Trainer vornehmlich kruzfristig arbeiten. Es kann aber auch einfach bedeuten, dass ein gewisser Teil der Zweitligatrainer immer etwas jünger und erst kurzfristig im Amt ist und davon vielleicht zwei, drei den Weg in die erste Liga schaffen oder zu dauerhaft gefragten Zweitligatrainern werden, die dann quasi in die ältere Gruppe rücken, während der Rest in Co-Trainerposten oder im Nachwuchs oder gar irgendwas Fußballfremdem landet.

Von den 18 Trainern ist Gino Lettieri in Duisburg vielleicht der gefährdetste von allen, zumindest kurzfristig durchs Zweiligasieb zu rutschen. Nur ein Punkt aus vier Spielen bei schon zehn Gegentoren und teilweise nicht zweitligareifem Auftreten in beide Richtungen des Spielfelds lassen den Druck auf den Übungsleiter schon groß werden. Eine weitere Niederlage im Heimspiel gegen Fürth würde wohl bedeuten, dass man in der Vereinsführung deutlicher und kurzfristig fragen wird, woran es liegt, dass die Aufstiegseuphorie so schnell aus allen Mannschaftsgliedern wich.

Wackelig scheint es auch langsam für Rene Weiler in Nürnberg zu werden. Im Verein, in den wohl niemals Ruhe einkehren wird und in dem Weiler zumindest ein paar Monate lang sakrosankt schien, werden die Stimmen lauter, die die vier Punkte aus den ersten vier Spielen als sehr dürftig ansehen und die Bilanz direkt dem Trainer anlasten, der aus der Sommerpause kommend, eine Mannschaft mit vielen ähnlichen Problemen wie vor dem Sommer präsentiert. 12 Gegentore sind natürlich happig. Ob das nun schon reicht, um den Panik-Button zu drücken, muss man in Nürnberg wissen. Eine lange Zündschnur hat man dort gewöhnlich nicht.

Als unkündbar dürften aktuell und auch bei härteren Belastungsproben nur Ralf Rangnick, Frank Schmidt und Christian Streich gelten. Bei ersterem führt sein gleichzeitiger Sportdirektoren-Status zu einer speziellen Situation. Bei letzteren beiden steht die Vereinskonstruktion dafür, dass ihnen auch in schlechten Zeiten (die man gerade nicht hat) den Rücken stärken würde.

Der Rest der Liga ist in unterschiedlichem Ausmaß (ein Kauczinski dürfte bei Misserfolg in Karlsruhe wesentlich mehr Ruhe durch die sportliche Leitung kriegen als ein Fröhling in München beispielsweise) immer auch latent gefährdet von Veränderungswünschen der Verantwortlichen. Neu verpflichtete Trainer wie Kramer oder Ruthenbeck haben da vielleicht noch mal einen anderen Bonus als bspw. der durchaus in der öffentlichen Kritik stehende Norbert Düwel, aber im Grunde zählt in der zweiten Liga bei aufkommenden Existenzängsten seitens der Vereine nur noch das Klassenerhaltshemd und nicht mehr der Trainerrock.

[Alter = Alter der Trainer in Jahren; Zweitligaspiele = Anzahl der Spiele als Trainer in der zweiten Liga; im Amt seit = Zeitraum seitdem man beim aktuellen Verein trainiert in Monaten; als Spieler Profi = als Spieler in der ersten oder zweiten Spielklasse einer europäischen Liga aktiv]

AlterZweitligaspieleim Amt seitals Spieler Profi
Norbert Meier5620318ja
Ewald Lienen611148ja
Torsten Lieberknecht4210687ja
Tomas Oral421013nein
Kosta Runjaic449523nein
Ralf Rangnick57942nein
Markus Kauczinski458541nein
Alois Schwartz487626ja
Stefan Ruthenbeck43722nein
Frank Kramer43602nein
Frank Schmidt413895ja
Norbert Düwel473814nein
René Weiler41259ja
Gertjan Verbeek53198ja
Torsten Fröhling49176ja
Markus Gellhaus45102nein
Christian Streich50444ja
Gino Lettieri48414nein

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5.Spieltag

  • SC Freiburg – SV Sandhausen – 1
  • 1. FC Union Berlin – RB Leipzig – 2
  • 1. FC Heidenheim – 1. FC K’lautern – 2
  • SC Paderborn 07 – Arminia Bielefeld – 0
  • MSV Duisburg – SpVgg Greuther Fürth – 2
  • Eintracht Braunschweig – Karlsruher SC – 2
  • 1. FC Nürnberg – Fortuna Düsseldorf – 1
  • FSV Frankfurt – FC St. Pauli – 0
  • VfL Bochum – TSV 1860 München – 1

Tippquote bisher: 12 von 36 (bei RB-Spielen: 1 von 4).

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Ein Gedanke zu „5.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016“

  1. Interessante Statistik (aber das ist bei Dir ja schon fast eine tautologische Aussage!) – vor allem mit Blick auf die so oft beschworenen Traditionen der RB-Feinde. Dass es 2-3 Jahre im Schnitt sein dürften hätte ich erwartet, aber dass es nun gerade mal 14 (um zwei Ausreißer bereinigte) Monate sein sollen, haut mich nun doch fast von den Socken. Wie seht wohl die englische Statistik aus – einmal mit und einmal ohne Fergussons 25+x Jahre? 😉

    Liebe Grüße!

    Markus

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