Was von Spieltag 4 bleibt

Spieltag Nummer 4. Die Liga und ihr Tabellenbild grooven sich langsam ein. Mit nur einem Punkt aus den ersten vier Spielen herauszukommen, ist immer noch nicht der Killer aller Saisonträume, aber langsam dann doch schon Ausdruck der sportlichen Gesamtlage beim jeweiligen Club.

Das mag für ein heimlich (oder auch weniger heimlich) jede Saison von oben träumendem Team wie Fortuna Düsseldorf ein wenig depremierend sein. Aber genaugenommen geht es in der neuen Saison nur so weiter, wie es in der alten Saison nach der Winterpause auch schon lief. Nur 14 Punkte aus 19 Spielen im Jahr 2015 ist die Bilanz eines (abgeschlagenen) Absteigers. Falls man nicht ersthaft über die dritte Liga nachdenken will, sollte man langsam die Kurve kriegen.

Noch prekärer ist die Situation trotz gleicher Punktzahl in Duisburg. Weil man personell natürlich nicht über die Düsseldorfer Kaderqualitäten verfügt, um einen Umschwung auf diesem Wege herbeizuführen. Müsste man es also spielerisch bzw. mannschaftstaktisch kompensieren. Doch auf dieser Ebene blieb man auch in Karlsruhe hoffnungslos unterlegen. 4:12 Torschüsse von innerhalb des Strafraums. Vielleicht holt man mit so einer Bilanz auch mal einen glücklichen Sieg, aber im Normalfall ist da wenig zu holen.

In dem Zusammenhang erstaunlich, dass Union überhaupt schon drei Punkte hat, denn die Berliner sind nicht nur das Team, bei dem der Torwart am häufigsten Schüsse abwehren musste (dreimal so viele wie Bochums Keeper Luthe), sie haben zusätzlich die schlechteste Torschussbilanz aller Zweitligisten. Sprich, an den ersten vier Spieltagen haben die Gegner von Union 19 Schüsse mehr auf das Tor abgegeben als Union. Pro Spiel muss Daniel Haas im Tor von Union also fünf Schüsse mehr zu halten versuchen als sein Gegenüber. Stolze Bilanz. Mit Abstand selbst hinter dem MSV Letzter in dieser Statistik.

Am anderen, dem vorderen Ende der Tabelle stehen Sandhausen, Bochum und Kaiserslautern (da wo die Region trotz acht Punkten aus den ersten vier Spielen schon wieder unruhig und latent unzufrieden ist), die deutlich positive Statistiken aufweisen (zwischen 17 und 13 Schüssen, die das Tor auch treffen, mehr als die ersten vier Gegner). Bei St. Paulis praktisch ausgeglichener Bilanz zeigt sich, dass man aus den ersten vier Spielen eher mehr Punkte mitgenommen hat, als den Spielverläufen nach zwingend gewesen wäre. Freiburg hat gar eine negative Torschussstatistik, hat bei 1860 und in Düsseldorf aber von ineffektiven Offensiven der Kontrahenten profitiert.

Apropos Düsseldorf. 10mal schießt die Fortuna pro Spiel von innerhalb des Strafraums zumindest in die Richtung des gegnerischen Tors. Genauso oft wie Sandhausen. Getroffen hat Düsseldorf aber bisher in vier Spielen gerade dreimal, Sandhausen schon 13mal. So deutlich hätte man Wooten/ Bouhaddouz vor der Saison aber auch nicht vor Pohjanpalo/ Ya Konan erwartet.

Andererseits steckt Sandhausen ja jetzt in einer Krise. Kein Tor gegen Heidenheim. Bouhaddouz verletzt. Einige Spieler (wie Innenverteidiger Florian Hübner) auf der Wunschliste anderer Vereine. Andrew Wooten von der Einladung zur US-Nationalmannschaft ganz benebelt und aller Konzentration beraubt. Von jetzt an kann es dort eigentlich nur noch ganz rasant bergab gehen. Ganz bestimmt.

Nur noch bergab gehen kann es auch für den VfL Bochum. Bergauf zumindest ist innerhalb dieser Saison nur noch wenig Spielraum. Auch gegen (ein gewiss schwaches) Nürnberg zeigte der VfL, dass er aktuell das beste Team der Liga ist, weil man mit dem Ball und gegen den Ball allerlei gute Ideen hat. Wenn man mal davon absieht, dass das Vertändeln des Balles im eigenen Strafraum, wie vor dem 0:1 nie eine gute Idee ist.

Auch letzte Saison war Bochum gut (wenn auch nicht ganz so gut wie diese Saison) gestartet. Da man damals später deutlich schwächelte und im Saisonverlauf fast noch in Abstiegsgefahr geriet, könnte man nun annehmen, dass die vier Siege aus vier Spielen auch diese Saison nur ein Strohfeuer sind. Das vergisst aber, dass das sportliche Auftreten in dieser Saison ein deutlich anderes ist als vor einem Jahr, als man mit einer gewissen Vogelwildheit durch die ersten Spiele ging, aber eigentlich keine vernünftige Spielstruktur hatte, um auch langfristig und konstant punkten zu können. Unter Verbeek hat man nun eine Spielstruktur, die eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive mit sich bringt und deshalb auch über längere Zeiten belastbar scheint.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl 2015, Punktzahl in den (saisonübergreifend) letzten sechs Spielen (bei Freiburg und Paderborn mit Erstligaspielen, bei Duisburg und Bielefeld mit Drittligaspielen). Sandhausen ist mit den sportlich errungenen Punkten verzeichnet. Abgezogen werden müssen davon noch drei Punkte (bzw. für 2015 sechs) resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.

SubjektivGesamt2015RRletzte 6
Bochum112312113
Freiburg29282812
Sandhausen312342211
St. Pauli410312413
München5221215
Kaiserslautern68292810
Leipzig77282310
Heidenheim87282111
Karlsruhe96312812
Braunschweig10421234
Berlin11326269
Düsseldorf12114164
Paderborn13315303
Fürth14418167
Nürnberg15422227
Bielefeld16334177
Frankfurt17422217
Duisburg18136234

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2 Gedanken zu „Was von Spieltag 4 bleibt“

  1. Wie schnell ein verlorenes Spiel selbst den tüchtigen und immer sehr akribischen „rotebrauseblogger“ plötzlich etwas pessimistischer werden lässt, zeigte diese Niederlage gegen den FC St. Pauli! Was mich aber wesentlich mehr stört, ist die traurige Tatsache dass, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die in Leipzig und Umgebung ansässige Medienlandschaft und auch das eigene Umfeld einfach nicht den 2009 selbst gewählten Namen „RasenBallsportler“ annehmen und akzeptieren will! Andernseits ist es doch längst kein Geheimnis mehr, dass ein fremder Gönner, natürlich mit ein paar lockeren Scheinen im Hintergrund sämtliche Voraussetzungen erfüllen möchte, möglichst diesen Verein (zum gegenseitigen Vorteil) noch eine Stufe höher zu sehen…..

    Wer einmal einen Blick in den Meinungskatalog der „MDR“-Sportseite (2. Bundesliga) unter: „RB verliert gegen St. Pauli vor Rekordkulisse“ schaut, der wird erkennen, warum das Stimmungsbarometer für den Leipziger Club, mit seinem kleinen, schlauen „Ralle“ an der Spitze, nicht gerade auf „Hoch“ steht….

    Glück hat allerdings derjenige Mitdiskutant hier auf dieser Seite, der einige sachliche Hinweise gab, warum „RaBa“ auch auf der Sympathieliste nicht unter den bundesweiten Fußballfreunden einen vorderen Platz einnimmt, indem diesem von solchen Fachexperten wie z.B. „@beback“ gleich eine verlängerte Urlaubspause gewünscht wird…….

    1. Die Urlaubswünsche kamen von Tomsen, ich hingegen wünsche dir Genesung damit du uns alsbald neue und diesmal vielleicht sogar wahre Geschichten vom Deckmäntelchen „Rasenballsport“ erzählen kannst. Die Märchen von Markranstädt und Kölmel gehören hingegen dringend in einer kreativen Schaffensphase von dir überarbeitet. Ich trinke eine Red Bull Cola auf dein Wohl….

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