Was von Spieltag 3 bleibt

Christian Streich ist ja inzwischen auch einigermaßen bekannt, was seinen Umgang mit Schiedsrichtern und deren Entscheidungen angeht. Kaum ein Spieltag, an dem der Freiburger Coach nicht irgendwas und irgendwen anprangert. So erstaunte es auch nicht, dass Streich nach der Niederlage gegen Bochum direkt den Schiedsrichter unter anderem für seine (von allen Beteiligten als spielentscheidende angesehene) gelb-rote Karte gegen Außenverteidiger Mensur Mujdza geißelte.

So weit, so normal. Dass er sich nur einen Tag später beim Kicker meldet und eigeninitiativ (so zumindest die Behauptung des Blattes) für seine Äußerungen entschuldigte, weil er beim Betrachten der umstrittenen Szenen gemerkt habe, dass er und nicht der Schiedsrichter falsch liege, ist dagegen eine deutliche Abkehr vom üblichen Muster. Eine Abkehr, für die man durchaus Respekt haben kann. Eine Abkehr, die aber auch nur Sinn macht, wenn daraus auch Konsequenzen für zukünftiges Verhalten resultiert.

Es darf für Streichs Verhalten an der Seitenauslinie nämlich letztlich keine große Rolle spielen, ob er meint, dass eine Entscheidung falsch oder richtig war. Mal abgesehen davon, dass in Streichs Aufregung immer auch ein ‚die haben was gegen unseren schönen Underdog-Verein‘ drinsteckt (bzw. zumindest in der Bundesliga drinsteckte), machen Schiedsrichter im Spielverlauf schlicht Fehler und das Coaching kann sich nicht darauf beziehen, die Schiedsricherfehler zu zählen, sondern die eigenen Mannschaft hinsichtlich der Bedingungen des Spiels einzustellen und im Spielverlauf auch mal zu verändern. Und da lag Streich nach dem Platzverweis gegen Bochum offenbar ziemlich daneben, denn ansonsten hätten die Gäste nicht binnen zehn Minuten drei Tore erzielen können.

Drei Tore, die Bochum zum heißesten Team der Liga und zum Spitzenreiter machten. Und selbst wenn aus dem Team selbst heraus und von Coach Verbeek Stimmen zu hören waren, dass man mit der ersten Halbzeit in Freiburg nicht zufrieden sein könne, weil man nicht aktiv genug Fußball gespielt habe, war auch diese Phase des Bochumer Spiels im Vergleich zur letzten Saison durchaus beeindruckend, weil man zumindest im Spiel gegen den Ball sehr aktiv war und Freiburg dadurch nicht hat Fußball spielen lassen. Sodass Bochum auch schon in der ersten Hälfte von zwei, drei Defensivwacklern abgesehen in der ganzen Spielanlage und -struktur reifer wirkte.

Wenn man tatsächlich etwas am Bochumer Aufschwung beeindruckend finden darf, dann dass man eine sehr gute Balance zwischen Defensive und Offensive hinbekommen hat. Etwas was Gertjan Verbeek nicht unbedingt zugetraut worden war. Dass man in sämtlichen Torschussstatistiken ungefähr doppelt so viele Torschüsse generiert hat wie die bisherigen drei Gegner ist jedenfalls ein deutliches Zeichen, dass Bochum auf keinen Fall das defensiv anfällige Offensivmonster ist, das man ein wenig erwartet hatte.

Wenn man von Offensivmonster redet, landet man natürlich auch gleich bei Sandhausen, dem Team, das von allen aktuellen Zweitligisten, die dies auch vergangene Saison schon waren, im Jahr 2015 die meisten Punkte ergattert hat (wenn man mal die Punktabzüge aus nichtsportlichen Gründen nicht mitzählt). Und mit 13 Toren aus den ersten drei Spielen einen Zweitligarekord aufstellte. Das mag sich ein wenig relativieren, wenn man gesehen hat, wie Paderborn beim historischen 0:6 teilweise gar nicht mehr den Ballführenden angegriffen oder nach Ballverlusten nachgesetzt hat, aber eben auch nur ein wenig. Sechs Tore schießt du auch gegen ein schwaches Team nicht nebenbei.

Es bleibt eine phantastische Leistung, die Sandhausen schon seit Monaten hinlegt und die nun dazu führt, dass einige Spieler im Team auch noch in dieser Transferperiode für höherklassige Teams oder Teams mit eigentlich höheren Ansprüchen interessant werden könnten. Da wird der Verein mal schnell Opfer des eigenen Erfolgs. Zwei, drei Niederlagen zu Beginn wären zumindest aus diesem Blickwinkel sinniger gewesen..

Apropos Opfer. Nicht nur Paderborn durfte sich über viele Gegentreffer ärgern. Auch Nürnberg ist ein wenig die Schießbude der Liga. Zehn Gegentore in drei Spielen sind deutlich mehr als man als Team, das oben angreifen wollte, haben sollte. Und die zehn Gegentore sind nicht etwa Folge von Pech oder Verkettung unglücklicher Umstände. Die zehn Gegentore sind logische Folge des Defensivverhaltens, wegen dem man das Zweitliga-Team ist, das die meisten Schüsse zulässt. Zwanzig Mal pro Spiel versuchten es gegnerische Spieler bisher mit Torschüssen. Zum Vergleich: in Bochum sind es nicht mal halb so viele. Wenn man bedenkt, dass zu den zehn Gegentoren in Nürnberg auch noch vier Aluminium-Treffer dazukommen, kann man sich also noch nicht mal beschweren.

Auch nicht beschweren kann man sich eigentlich beim 1.FC Union Berlin, wo nach verkorkstem Saisonstart das merkwürdige Storytelling die Runde macht, dass man sehr viel Pech habe. Weil man in (inklusive DFB-Pokal) allen vier Spielen geführt, aber nie gewonnen habe. Mag sein, dass da auch so etwas wie Glück eine Rolle spielt, aber im Kern ist es zuerst einmal ein mannschaftliches Organisationsproblem beim permanenten Umbau der Dreier-, Vierer-, Fünferkette in der Abwehr.

Daniel Haas ist nicht umsonst der Torwart der zweiten Liga, der bisher die meisten Schüsse halten musste. Sechs Paraden sind es aktuell pro Spiel. Bei einem Fabio Coltorti sind es etwas mehr zwei. Bielefelds Wolfgang Hesl ist der beschäftigungsärmste Keeper der Liga mit bisher gerade mal fünf Paraden und zwei Gegentoren in allen drei Zweitligaspielen zusammen.

Sonst so auffällig an diesem Spieltag: Heidenheim spielt weiter wie Heidenheim und sammelt fleißig Punkte. Frankfurt ist eine ziemlich Offensivkatastrophe und schon jetzt ein Team, das durch individuelle Aussetzer und eine nicht erkennbare Teamstruktur glänzt. In Fürth stirbt man in Schönheit, während man in Bielefeld auch mit der entgegengesetzten Defensivmethode zum dritten Mal in Folge am Dreier vorbeischrammt, aber immerhin zwei Tore erzielt. Und in München zeigt man im dritten Pflichtspiel hintereinander, dass Coach Torsten Fröhling der Mannschaft über den Sommer Struktur, Organisation, Defensivverhalten und ein paar Offensivabläufe beigebracht hat. Auch wenn sich das im Punktestand aktuell noch sehr ungenügend widerspiegelt.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl 2015, Punktzahl in den (saisonübergreifend) letzten sechs Spielen (bei Freiburg und Paderborn mit Erstligaspielen, bei Duisburg und Bielefeld mit Drittligaspielen). Sandhausen ist mit den sportlich errungenen Punkten verzeichnet. Abgezogen werden müssen davon noch drei Punkte (bzw. für 2015 sechs) resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.

 SubjektivGesamt2015letzte 6
Bochum192813
Sandhausen293113
Leipzig372810
Freiburg462510
Kaiserslautern55297
München61207
St. Pauli772813
Heidenheim862713
Fürth94187
Karlsruhe103289
Nürnberg1142210
Berlin122258
Düsseldorf131144
Bielefeld143348
Braunschweig151181
Paderborn163153
Duisburg171367
Frankfurt181194

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