Presse 13.08.2015

Und weiter geht es mit Aufarbeitungen zum Spielabbruch am Montag bei der Partie VfL Osnabrück gegen RB Leipzig.

Bei ‚Wahre Tabelle‘ eine recht fundierte juristische Auseinandersetzung von Schiedsrichter Johannes Gründel mit der Frage Spielwiederholung ja oder nein. Fazit: eigentlich nein, aber durch die Anmerkung von RB Leipzig, das Spiel wiederholen zu wollen, verändere sich die juristische Sachlage ein wenig. Der grundlegende Sinn der entsprechenden Verbandsbestimmungen ziele nicht auf Bestrafung ab, sondern darauf, wie man „mit Spielen ohne Ergebnis im Wettbewerb“ umgeht (abgesehen von einer davon unabhängigen finanziellen Strafe oder Zuschauerausschlüssen und Co als Bestrafungsebene) und hierbei vor allem in strittigen Verfahren zu einem Ergebnis zu kommen.

Stark vereinfacht zusammengefasst gebe es durch die Forderung beider Vereine nach einem Wiederholungsspiel aber kein strittiges Verfahren und da Osnabrück für die Vorkomnisse in einem gesonderten Verfahren noch wirtschaftlich (oder wie auch immer) abgestraft wird, könne man sich auf das Wiederholungsspiel eigentlich auch den Paragraphen nach einlassen, weil die Bestrafung nicht über das Spielergebnis erfolgen müsse. Zumindest eine interessante Rechtsauffassung, die man zur Kenntnis nehmen sollte.

BILD meint dagegen, dass sich „das DFB-Präsidium gegen ein Wiederholungsspiel ausgesprochen“ habe. Wobei das DFB-Präsidium bei der Entscheidung im Sportgerichtsverfahren keine wirkliche Rolle spielt, da das Urteil von einem Richter bzw. Richterkollektiv und nicht von der Verbandsspitze gesprochen wird. Es wäre aber immerhin ein Stimmungsbild aus dem Verband, die Schwere der Tat einer Verletzung ihres Schiedsrichters nicht durch ein Wiederholungsspiel relativieren zu wollen.

Zu relativieren versucht derweil VfL-Auswechselspieler Michael Hohnstedt seine Rolle beim Spielabbruch via Vereinshomepage: „Als mein Mitspieler Davide Grassi den allein auf das Tor eilende Davie Selke mit einer überragenden Abwehraktion im letzten Moment stoppen konnte, war ich so begeistert und emotional ergriffen, dass ich zwei Meter auf das Spielfeld gegangen bin, um meinen Teamkollegen anzuspornen.“ (Ein herrlicher Satz aus der Kommunikationskiste von Vereinen, der mal so richtig danach klingt, als würde er einem Spieler spontan über die Lippen kommen..)

VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend geht beim MDR noch weiter und meint, dass Hohnstedt bei seinem Weg aufs Spielfeld zur Unterstützung des Mannschaftskollegen „einen blöden Spruch von der Seite“, also von Davie Selke abbekommen und darauf nur „im Rahmen“ reagiert habe (warum nur fällt einem dabei spontan der Begriff Schuldabwehr ein..). Nun ja, die offiziellen Interpretationen mit den Fernsehbildern in Einklang zu bringen, ist zumindest nicht einfach.

Egal wie, Recht hat der VfL Osnabrück in Form von Maik Walpurgis zumindest mit der Bemerkung, dass „nichts, was auf dem Spielfeld während einer Partie passiert, als Legitimation oder Rechtfertigung für das Werfen von Gegenständen auf das Spielfeld oder auf Akteure herhalten kann.“ Auch wenn man es sich damit angesichts einer sowieso schon aufgeladenen Atmosphäre vielleicht auch etwas einfach macht, darf man sicherlich darauf bestehen, dass jeder Stadionbesucher selbst für sein Handeln gerade steht und nicht noch Schiedsrichterleistungen oder Spielerauftreten als Entschuldigung für Grenzüberschreitungen herhalten müssen. Und damit sollte man das Thema Hohnstedt auch mal abschließen. Auch wenn es für die Sportberechtsfrage, wer den Spielabbruch zu verantworten habe, durchaus noch mal relevant werden könnte.

Bis heute Mittag mussten beide Vereine ihre Stellungnahmen zum Spielabbruch beim DFB-Kontrollausschuss einreichen. Danach klärt sich, wie man in dem Fall weiterverfährt und wann das Sportgericht eine eventuelle Entscheidung zur Spielwertung treffen kann. Soweit die Dinge durchschaubar sind, stellt der Kontrollausschuss offenbar auf der Basis der Stellungnahmen und Geschehnisse einen Antrag beim DFB-Sportgericht zur Spielwertung, wo die ganze Sache dann mündlich und unter Teilnahme der betroffenen Vereine verhandelt wird.

Eigentlich gelten für Sportgerichtsverfahren Einladungsfristen von 48 Stunden. Ob die für diesen Fall außer Kraft gesetzt werden, muss man sehen. Wäre zumindest dann schwer darauf zu verzichten, wenn man noch Zeugen hören will. Prinzipiell wäre nach Lage der Dinge nach einem Urteil des Sportgerichts auch noch ein Einspruch und eine Verhandlung vor dem DFB-Bundesgericht möglich. Je nach Fristsetzung auch recht kurzfristig nach dem Urteilsspruch des Sportgerichts. Für die morgige Auslosung der zweiten DFB-Pokalrunde wird es in jedem Fall eng. Da muss wohl ganz viel zusammen kommen, damit das noch hinhaut.

Spox mit einem längeren Kommentar zu den Vorkommnissen in Osnabrück inklusive Rant gegen die Neue Osnabrücker Zeitung und der These, dass die Vorkommnisse die „Konsequenz einer nationalen aggressiven Grundstimmung gegenüber den Leipzigern“ sind.

Sportlich geht es auch bald weiter. Am Samstag nämlich mit dem Zweitligaspiel von RB Leipzig bei Eintracht Braunschweig. Eintracht-Sechser Patrick Schönfeld will „natürlich zu Hause gewinnen“ und erwartet ein Leipziger Team, dessen „Sinne alle geschärft sein werden“ nach dem sportlich überschaubaren Auftreten in Osnabrück. Allerdings wisse der Gast sicherlich auch, was ihn „hier in Braunschweig erwartet“.

Ralf Rangnick in einem längeren BILD-Interview mit allerlei Fragen und bekannten Antworten zu Burnout, Mateschitz, England und Transferphilosophie. Und Konjunktiv-Fragen („Würden sie Klopp aus Enlgand holen?'“ „Mario Götze würde altersmäßig passen“ „Können sie sich vorstellen Bundestrainer zu werden?“) aus denen dann Schlagzeilen gemacht werden.

Denn natürlich schließt Ralf Rangnick nichts aus (was auch nur zur Schlagzeile werden würde), aber hält weder Klopp („Müssen erst mal aufsteigen und Jürgen müsste dann noch auf dem Markt sein.“) noch Götze („Ja, wenn wir schon in der Bundesliga wären, würde ich mich vielleicht ernsthaft mit ihm beschäftigen.“ „Aber nicht das Gehaltsgefüge sprengen.“) für wahrscheinlich.

Dass er bei beiden Namen nicht sofort abwinkt, zeigt aber zumindest auch, in welchen Dimensionen Rangnick für einen Bundesligaaufstieg bei allen Einschränkungen hinsichtlich finanzieller Machbarkeit und Co denkt. Das ist vom Beuteschema her das der Bayern. Oder zumindest der Bayern vor Guardiola.

Klar, dass Rangnick, Götze und Klopp im selben Interview für allerlei (unten aus Gründen inhaltlicher Redundanz nicht verlinkter) Medien ein gefundenes Fressen für eine nicht immer nah am Interviewinhalt bleibende Schlagzeile ist und Götze und Klopp mal eben zu RB-Transfergerüchten gemacht werden. Wo das Osnabrück-Thema langsam abebbt, brauchten alle Beteiligten wohl neuen Diskursstoff.

Der Kicker mit einem längeren Artikel zu Fragen rund um die aktuellen sportlichen Schwierigkeiten (Rangnick: „Wir sind nicht da, wo wir hinwollen.“). Gründe seien viele Neuzugänge, auf die Rangnick setze, die aber fußballerisch noch nicht alle komplett ins Team integriert seien (Bruno, Ilsanker, Nukan), körperliche Rückstände durch fehlende Sommerpause (Klostermann, Poulsen) und noch schlecht abgestimmte Laufwege und Teambewegungen in Offensive und Defensive.

Zsolt Kalmár war gestern 90 Minuten lang für die U21 Ungarns gegen Italien im Einsatz. Am Ende trennte man sich 0:0. Kalmár war einer von drei Spielern der einzige Spieler der ungarischen Mannschaft, die der 90 Minuten lang durchspielten.

Die Märkische Onlinezeitung berichtet von „zwei Barnimer Fußball-Talenten“, die „weiter von einer Karriere im Profifußball träumen“. Der eine, der 16jährige Lennart Czyborra wechselt deswegen von Energie Cottbus zu Schalke 04. Der andere, der ebenfalls 16jährige Lucas Schmidt wechselt zu RB Leipzig. Beide waren mit der U17 von Energie Cottbus aus der Bundesliga abgestiegen. Der Mittelfeldspieler Schmidt wird wohl in Leipzig weiterhin in der U17 in der Bundesliga zum Einsatz kommen.

Die Technische Universität München mit einer Studie zu Investoren im europäischen Fußball und der wenig überraschenden These, dass Clubs mit Investoren ihre Erfolge vergrößern und zu weniger Wettbewerb in den Ligen führen. Überraschender da schon, dass Deutschland neben Frankreich vorne liegen sollen, was den finanziellen Einsatz von Investoren angeht. Wobei etwas unklar bleibt, was die Studie so alles als Investor klassifiziert.

In der Fanszene von Red Bull Salzburg artikuliert man laut Krone mal wieder seinen Unmut darüber, was aus dem eigenen Club angesichts der Fokussierung auf Leipzig geworden sei und hat den Schuldigen in Ralf Rangnick ausgemacht: „Wir fordern Ziele und Visionen, Weiterentwicklung, Änderungen – Jetzt!!! Wir sind keine RR- Marionetten.“

Das kann man weiterhin übertrieben finden, aber wie hier im Blog an anderer Stelle schon mal stand, drückt sich in diesen und anderen Äußerungen eben auch Unzufriedenheit darüber aus, dass das Team durch permanente Umbauten, viele Abgänge nach Leipzig und die Integration vieler Lieferinger Talente (mit wiederum Leipziger Perspektive) aktuell nach Identität jenseits eines reinen Talentdurchläufers ringt und auch der Anhängerschaft genau diese Identifikationkraft fehlt. Man muss den Tonfall nicht gut finden, aber man sollte die Befindlichkeiten wohl eher im Sinne der Clubentwicklung nicht ignorieren.

[BILD] Wegen Schiris! DFB lehnt RB-Angebot ab: http://www.bild.de/sport/fussball/2-bundesliga/dfb-lehnt-wiederholungsspiel-ab-42160138.bild.html

[BILD] „Götze? Wenn wir aufsteigen..“: Nur Print

[btsvblog] Auslosung DFB-Pokal und Randnotizen: [broken Link]

[Eintracht Braunschweig] Patrick Schönfeld – „Müssen unseren Weg weitergehen“: http://www.eintracht.com/aktuelles/neues/muessen-unseren-weg-weitergehen/

[Kicker] Umbruch mit Hindernissen: Nur print

[Kicker] Frühstück statt Training: Osnabrücks Weg in den Alltag: http://www.kicker.de/news/fussball/3liga/startseite/632866/artikel_fruehstueck-statt-training_osnabruecks-weg-in-den-alltag.html

[Krone] Fans sauer auf Rangnick: http://www.krone.at/Salzburg/Fans_sauer_auf_Rangnick-Proteste-Story-467014

[LVZ] RB Leipzig und Osnabrück nehmen Stellung nach Spielabbruch: http://www.lvz.de/Sport/RB-Leipzig/News/RB-Leipzig-und-Osnabrueck-nehmen-Stellung-nach-Spielabbruch

[LVZ] Ralf Rangnick: Klopp und Götze bei Leipzig ein Thema „wenn wir aufsteigen“: http://www.lvz.de/Sport/RB-Leipzig/News/Ralf-Rangnick-Klopp-und-Goetze-bei-Leipzig-ein-Thema-wenn-wir-aufsteigen

[Märkische Onlinezeitung] Einer zu RB Leipzig, einer zum FC Schalke: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1413245/

[MDR] Geschäftsführer Jürgen Wehlend im Interview (Video): [broken Link]

[Neue Osnabrücker Zeitung] Spielabbruch VfL Osnabrück: die Debatten im Überblick: http://www.noz.de/deutschland-welt/vfl-osnabrueck/artikel/605608/spielabbruch-vfl-osnabruck-die-debatten-im-uberblick

[Ran] ranSicht: „Der Pokal hat seine eigenen Idioten“: http://www.ran.de/fussball/dfb-pokal/news/ransicht-der-pokal-hat-seine-eigenen-idioten-103034

[Rheinische Post] Tatort Fußball: http://www.rp-online.de/sport/fussball/dfb-pokal/tatort-fussball-aid-1.5305754

[rotebrauseblogger] Ausschließlich Sport (inklusive Pressekonferenz-Ticker): http://rotebrauseblogger.de/2015/08/13/ausschliesslich-sport/

[Spox] Symptom einer größeren Krankheit: http://www.spox.com/de/sport/page-2/1508/Artikel/vfl-osnabrueck-rb-leipzig-spielabbruch.html#

[Technische Universität München] Investorengelder erhöhen Erfolg von Fußballteams, machen Liga aber weniger spannend: https://idw-online.de/de/news635989

[VfL Osnabrück] „Frust in positive Energie wandeln“: http://www.vfl.de/news/news/article/frust-in-positive-energie-wandeln.html

[VfL Osnabrück] „Einschneidendes Ereignis für den VfL“: http://www.vfl.de/news/news/article/einschneidendes-ereignis-fuer-den-vfl.html

[Wahre Tabelle] Schiedsrichterball: Nach dem Abbruch: http://www.wahretabelle.de/news/schiedsrichterball-nach-dem-abbruch/6494

[Wolfsburger Allgemeine] RB Leipzig kommt mit Sorgen zur Eintracht: http://www.waz-online.de/Eintracht/Aktuell/RB-Leipzig-kommt-mit-Sorgen-zur-Eintracht

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2 Gedanken zu „Presse 13.08.2015“

  1. „Zsolt Kalmár war gestern 90 Minuten lang für die U21 Ungarns gegen Italien im Einsatz. Am Ende trennte man sich 0:0. Kalmár war einer von drei Spielern der ungarischen Mannschaft, die 90 Minuten lang durchspielten.“

    Magyarország: Nagy Gergely (Banai Dávid, 46.) – Botka Endre (Osváth Attila, 67.), Lenzsér Bence (Kecskés Ákos, 46.), Kocsis Gergő (Szilvási Péter, 46.), Hangya Szilveszter (Novothny Soma, 61.) – Nagy Ádám (Vida Máté, 46.), Forgács Dávid (Haris Attila, 81.) – Prosser Dániel (Holender Filip, 61.), Sallai Roland (Varga Szabolcs, 46.), Kalmár Zsolt – Mervó Bence (Novák Csanád, 60.)
    http://www.mlsz.hu/blog/2015/08/12/u21-szervezett-jatek-es-dontetlen-az-olaszok-ellen/

    20 Spieler plus Kalmár, er dürfte also der einzige gewesen sein, der durchgespielt hat. 😉

    1. Danke. Hatte mich auf die transfermarkt-Aufstellung verlassen. Aber selbst bei der hatte ich mich noch verzählt. Äh ja, Qualitätsrecherche halt. 😉

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