Presse 07.08.2015

Noch drei Tage bis zum Auswärtsspiel in der ersten Runde des DFB-Pokals beim VfL Osnabrück. Auf der RB-Website hat man deswegen den sympathischen Ex-Leipziger Tobias Willers im Interview. Die Neue Osnabrücker Zeitung lässt Massimo Ornatelli an den 3:2-Sieg in der dritten Liga vor knapp zwei Jahren zurückdenken und überlegt sich, wie man RB Leipzig erneut schlagen könnte.

Dasselbe Blatt vermeldet zudem, dass man am Montag 10.000 Zuschauer zur Pokalpartie erwartet und dass im Vorverkauf knapp 300 Tickets nach Leipzig verkauft wurden.

Heute Mittag dann bei RB Leipzig die Pressekonferenz vor dem Pokalspiel und entsprechend anschließend und in den nächsten Tagen dann allerlei Vorberichte, die es bisher noch nicht gibt.

Der Kurier meint nach dem Ausscheiden aus der Champions Leauge, dass Salzburg im „Rangnick-Korsett gefangen“ sei. Trotz des Abgangs des Sportdirektors nach Leipzig stünden dessen taktische Vorgaben weiter „über allem – offenbar auch über dem Erfolg“.

In der LVZ wird das (nicht ganz unbelastete) Verhältnis zwischen Salzburg und Leipzig angesichts vieler Wechsel (Ausbildungsclub ja oder nein) aufgearbeitet, um am Rande noch mitzuteilen, dass gestern am Cottaweg die Bauabnahme für das Trainingszentrum stattgefunden habe. Was bedeuten müsste, dass bei erfolgreicher Abnahme das Gebäude praktisch zum Einzug freigegeben ist.

BILD berichtet, dass RB Leipzig die Container vom Cottaweg schon an die Stadt verkauft hat. 300.000 Euro stehen als Kaufsumme im Raum für die Räumlichkeiten, die neu 500.000 Euro gekostet haben sollen. Haken an der Sache, dass die Container, die als Teil eines Containerdorfs an der Alten Messe Flüchtlinge aufnehmen sollten, angeblich gar nicht den Brandschutzbestimmungen entsprächen und eventuell gar nicht genutzt werden könnten. Das wäre natürlich ziemlich absurd. Vielleicht hat die Stadt die Dinger ja aber auch nur gekauft, um sie meistbietend auf einem Markt, auf dem offenbar eine große Nachfrage besteht, gewinnbringend zu verkaufen.

In der Mitteldeutschen Zeitung wird vorgerechnet, wie viel Geld RB Leipzig der Stadt qua Existenz als Profifußballclub einbringt (wenn die nicht gerade deren alte Container kauft). 4.000 bis 6.000 Arbeitsplätze entstünden durch den Verein, sagt die Stadt Leipzig. Ungefähr 1.400 stünden direkt mit Spieltagen in Verbindung, sagt RB Leipzig. Eine Zahl, die auch die Bundesliga als Schnitt für alle Proficlubs annimmt. 2,40 würden „aus jedem Euro, den ein Bundesligist umsetzt, die Region generiert“, sagt McKinsey. Dazu komme noch das ganze positive Marketing oben drauf.

Das Problem bei diesen Rechnungen ist nicht unbedingt, dass sie grundfalsch sind, aber relativ schlicht positive wirtschaftliche Effekte stapeln, ohne diese einzuordnen. Was nachvollziehbar ist, wenn man bedenkt, dass städtische Politiker, Bundesliga oder McKinsey auf jeweils unterschiedliche Art Lobbyvertreter sind, denen es darum geht, über die Zahlen eigenes Handeln zu legitimieren oder Images zu verbessern.

Mal völlig abgesehen davon, dass die Schätzung der finanziellen Effekte eben nicht mehr ist als eine Schätzung und in ihren Dimensionen wegen vielerlei indirekter Effekte nicht final belastbar ist, sollte man nicht vergessen, dass die Mehrheit der Jobs im prekären Bereich der Spieltagsabwicklung entsteht und für Jobs am Standort Leipzig eben auch Jobs an anderen Standorten wegfallen, wenn diese nicht mehr zur Gruppe der 36 Bundesligisten gehören. Was genauso für fußballindizierte, finanzielle Umsätze in den jeweiligen Regionen gilt.

Darüber hinaus bedeutet die Existenz eines Fußballclubs aber natürlich auch etwas für andere kulturelle Bereiche der Stadt. Einerseits wirtschaftlich, weil Geld, was Menschen und Firmen in den großen Fußball stecken, nicht mehr in anderen Bereichen landet (sei es in derselben Sportart bei anderen Vereinen oder in anderen Sportarten oder in sportfernen Bereichen). Andererseits auch aufmerksamkeitstechnisch, weil die Fokussierung auf den großen Bundesligafußball in einer Stadt eben auch Aufmerksamkeit für andere kulturelle Bereiche kostet, die in ihren Nischen sowieso schon um jeden Euro und jeden Zuspruch kämpfen.

Unumstritten bleibt, dass ein Bundesligaclub für das externe Marketing und für die Bekanntheit einer Stadt sehr positiv ist und auch wirtschaftlich einiges einbringt. Trotzdem wirkt das ‚Schaut her, wie viel Geld und Arbeitsplätze der Fußball bringt, dafür danken wir dir sehr, oh Ballsport‘ und der dahintersteckende Selbstlegitimationsansatz für politische und wirtschaftliche Entscheidungen immer etwas bemüht, weil man im Aufreihen von Erfolgsmeldungen einerseits naturgemäß auftretende negative Effekte im bundesweiten Vergleich unter den Tisch fallen lässt und es sowieso keine offene Debatte über mögliche, nicht nur wirtschaftlich negative Effekte für eine Stadtgesellschaft gibt.

Klar macht Leipzigs Sportbürgermeister Heiko Rosenthal in der Mitteldeutschen Zeitung zudem noch den Standpunkt der Stadt zu immer mal wieder aufkeimenden Gerüchten, RB Leipzig könnte sich irgendwann mal eine Arena auf der grünen Wiese vor den Toren der Stadt bauen: „Eigentlich sollte es keine Diskussion über diesen innerstädtischen Standort des Stadions geben. Für die Stadt und die Leipziger ist eine leer stehende Red-Bull-Arena keine Alternative.“ Stimmt, den Standort in der Innenstadt aufzugeben, wäre in vielerlei Hinsicht nicht sehr hübsch für die Stadt und die Atmosphäre rund um die Fußballspiele.

Im Nachwuchsbereich hat die U23 nach zwei Spieltagen bereits wieder das erste spielfreie Wochenende. Man macht offenbar Pause für den DFB-Pokal. Auch wenn mit Carl Zeiss Jena und dem BFC Dynamo nur zwei der 18 Teams im landesweiten Wettbewerb im Einsatz sind.

Die U19 bereitet sich weiter auf die neue Saison vor und spielt am Sonntag bei der SpVgg Greuther Fürth ein Testspiel.

[BILD] RB-Container nicht für Asylbewerber geeignet?: http://www.bild.de/regional/leipzig/rb-leipzig/rb-container-nicht-fuer-asylbewerber-geeignet-42093760.bild.html

[Kurier] Red Bull: Gefangen im Rangnick-Korsett: http://kurier.at/sport/fussball/red-bull-salzburg-gefangen-im-rangnick-korsett/145.512.752

[LVZ] RB-Schwester fliegt wieder raus: Nur print

[LVZ] Jungbulle Wojtkowski aus Polen trifft gegen seinen Ex-Verein: http://www.lvz.de/Sport/RB-Leipzig/Reserve-Nachwuchs/Jungbulle-Wojtkowski-aus-Polen-trifft-gegen-seinen-Ex-Verein

[Mitteldeutsche Zeitung] RB Leipzig spült Millionen in Leipzigs Kassen: http://www.mz-web.de/rb-leipzig/wirtschaftsfaktor-red-bull-rb-leipzig-spuelt-millionen-in-leipzigs-kassen-,27404014,31403334.html

[Neue Osnabrücker Zeitung] VfL Osnabrück: Vorfreude auf DFB-Pokalspiel gegen RB Leipzig: http://www.noz.de/deutschland-welt/vfl-osnabrueck/artikel/603743/vfl-osnabruck-vorfreude-auf-dfb-pokalspiel-gegen-rb-leipzig#gallery&0&0&603743

[Neue Osnabrücker Zeitung] VfL Osnabrück am Freitag: Wochenende fällt aus: http://www.noz.de/deutschland-welt/vfl-osnabrueck/artikel/603876/vfl-osnabruck-am-freitag-wochenende-fallt-aus

[RB Leipzig] DFB-Pokal erstmals auswärts! Osnabrück im Pokalcheck!: http://www.dierotenbullen.com/neuigkeiten/Saison_2015_16/Pokalcheck-Osnabrueck.html

[Red Bull] Einerkette: Tim Thoelkes RB-Leipzig-Kolumne: [broken Link]

[rotebrauseblogger] Intensiver Besuch bei alten Bekannten: http://rotebrauseblogger.de/2015/08/07/intensiver-besuch-bei-alten-bekannten/

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Ein Gedanke zu „Presse 07.08.2015“

  1. Dieser Teil mit Geld und Stadt ist sicher ein eigenen Blog wert 😉
    Und völlig richtig, ich war vor 2 Jahren noch sehr oft beim HCL. Da jetzt auch noch die Handballmänner in der 1. Liga sind, kann man gar nicht alle gleichzeitig unterstützen (Geld+Zeit). Ich hoffe, das RBL mit den Vereinen wieder einige „Angebote“ an die Leipziger+innen vereinbaren.

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