Was von Spieltag 2 bleibt

Es sind in der zweiten Liga oft nur Kleinigkeiten, die am Ende darüber entscheiden, ob ein Team sich im Saisonverlauf eher oberhalb der Erwartungen oder unterhalb der Erwartungen festsetzt. Sprich, der Unterschied zwischen einer Saison im Aufstiegskampf und einer Abstiegskampf ist ein minimaler. Und kann manchmal von einer Personalentscheidung und einer stimmungsverändernden Szene oder Geschichte abhängen.

Fürth beispielsweise ist letzte Saison eher überraschend ganz tief in den Abstiegssumpf gerutscht, nachdem das Team viele eher auf der Aufstiegsrechnung hatten. In diesem Jahr hat man mit neuen Trainer und neuer, aktiver Spielphilosophie ein ganz anderes Auftreten und dürfte als spielstark-aggressive Mannschaft mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Was eben in der zweiten Liga fast schon automatisch bedeutet, dass man quasi in den Aufstiegskampf rutscht.

Andersherum könnte es in Karlsruhe gehen. Zu kurze Vorbereitung, der in der Sommerpause schwer zu verarbeitende Relegationsschmerz, zwei Niederlagen zum Auftakt und ein bisher fast nicht existentes Offensivspiel. Und als ob das nicht reicht, hat Linksverteidiger Philipp Max (ja, das ist der, der letzte Saison mit RB-Mittelfeldmann Diego Demme das Trikot tauschte, was die KSC-Fans dann erfolgreich zurückforderten) auch noch den Verein gen Augsburg verlassen. Und Toptorjäger Rouwen Hennings steht mehr als ein wenig in den Wechselstartlöchern, auch wenn die Ablöse für den 27jährigen sicherlich für die meisten Interessenten abschreckend sein dürfte.

Klar, man traut Markus Kauczinski zu, dass er den Dingen eine entscheidende Wendung zum positiven gibt, aber als sowieso schon nicht tief besetztes Team im Sommer Yabo, Max und vielleicht Hennings zu verlieren, ist faktisch nicht zu kompensieren. Wenn du zudem schon nach zwei Spieltagen in engen Spielen (also in Spielen, die mit maximal einem Tor Unterschied ausgehen) genauso viele Niederlagen kassiert hast, wie in der kompletten letzten Saison, kann es im Normalfall nur eine ganz zähe, harte Spielzeit werden.

Gar nicht zäh und hart geht es dagegen zumindest vorläufig beim VfL Bochum zu, wo vor allem dahingehend überraschendes geleistet wird, dass man bisher noch kein Gegentor kassierte und eine sehr gute Balance zwischen Offensive und Defensive hat. Selbst hat man bisher 12 Schüsse abgegeben, die auch das Tor des Gegners trafen (also vom Torhüter gehalten wurden oder ins Tor gingen), das ist die zweitbeste Bilanz der Liga. Zugelassen hat man auf Seiten des Gegners nur 7 solcher Schüsse, das ist die viertbeste Bilanz der Liga. 4:0 Tore resultierten am Ende daraus, auch weil Keeper Andreas Luthe in sehr guter Verfassung aus der Sommerpause kam. Insgesamt Bilanzen, die man dem Team unter Gertjan Verbeeks Offensivleitung nicht zutrauen musste.

Bemerkenswert und gewisserweise auch beruhigend, dass neben Bochum an der Tabellenspitze aktuell vor allem Teams mit einer aktiven Spielweise oder hohen Verteidigungsidee stehen. Freiburg und Bochum sind akutell vielleicht die beiden Teams, die am ehesten aus dem Ballbesitz heraus Dinge kreieren wollen und auch können. Fürth und Leipzig als aggressive, hoch verteidigende Teams haben nicht unbedingt die Ballbesitzphilosophie, spielen aber trotzdem aktiven Fußball.

Bei Kaiserslautern wird man dagegen noch abwarten müssen, inwieweit die ersten beiden Spieltage mit reaktivem Konterfußball stilbildend für die Saison werden, nachdem man letzte Saison noch sehr ansehnlichen Ballbesitzfußball gespielt hatte. Gerade in der Innenverteidigung hat man aber sehr viel Qualität verloren, die vor allem in Bezug auf den Spielaufbau nicht adäquat zu ersetzen ist.

In Düsseldorf hofft man auf jeden Fall, dass die ersten beiden Spieltage nicht stilbildend werden, denn nach dem guten 1:1 bei Union Berlin war das 1:2 gegen Paderborn am zweiten Spieltag eine ganz schön heftige Euphoriedusche. Wie schon in der vergangenen Saison fehlt dort selbst über 90 Minuten die Konstanz. Eine Zeitlang spielt man prima Offensivfußball, um plötzlich für 20 Minuten komplett zu schwimmen und dem Gegner die Tore auf dem Silbertablett zu präsentieren. Kriegt man die Defensivorganisation nicht in den Griff (wobei die Viererkette in der Abwehr auch fast komplett neu ist und sicher noch Zeit braucht), dann hat man auch diese Saison nach oben keine Chance. Sowieso ist man im Jahr 2015 bisher das mit Abstand schlechteste Team aller Zweitligisten. Für eine Mannschaft mit einer nominell mindestens guten Kaderbesetzung ein Grauen. Das man irgendwann mal abschütteln sollte.

Nachfragen kann man ja beim SV Sandhausen, die verrückterweise am anderen Ende der Tabelle thronen und unter den aktuellen Zweitligisten, die auch letzte Saison schon dabei waren, die beste Bilanz haben. 28 Punkte in 17 Spielen zeigen aber auch, dass in dieser zweiten Liga Teams fehlen, die konstant auf hohem Niveau punkten können. Interessant an Sandhausen jedenfalls, dass man schon sieben Tore in zwei Spielen erzielt hat, nachdem man letzte Saison nicht mal bei einem Tor pro Spiel lag. Wobei die aktuelle Statistik auch ein bisschen freakig wirkt. Einige Standards, leicht indisponierte Gegner. Zumindest die Torstatistik wird sich noch relativieren.

Dass sich auch der Punktestand des SV Sandhausen relativiert, ist anzunehmen, aber auch nicht ausgemacht. Der Trainer gibt eine klare Spielstruktur mit klaren defensiven und offensiven Abläufen vor und findet trotz Abgängen auch immer wieder Spieler, um die Positionen zu besetzten. Dazu hat man in der Offensive durchaus Qualität versammelt. Und das reicht in der zweiten Liga manchmal schon. Sicherlich nicht für ganz vorn, aber eine Saison wie beim VfR Aalen 2012/2013, die lange im vorderen Drittel mitschwammen und am Ende 9. wurden, liegt für gut organisierte Außenseiter immer mal drin. Dass dies auch für Sandhausen gelten könnte, die in die Saison mit einem Abzug von drei Punkten starteten, hätte man vor zwei Wochen noch nicht gedacht.

Geträumt haben wird man in Duisburg von einer Mittelfeld-Bilanz ohne Abstiegssorgen auch. Gestartet ist man in die Saison allerdings mit zwei klaren und auch völlig verdienten Niederlagen. Viel Zweitliganiveau hat man bei dem Team noch nicht gesehen. In Bochum probierte man es nun mit Defensive pur und einer Fünferkette in der Abwehr. Womit man zwar lange wenig zuließ, aber die Passivität zu wenig Entlastung, geschweige denn Offensivgefahr brachte und man irgendwann folgerichtig (wenn auch angesichts eines abgefälschten Schusses unglücklich) in Rückstand geriet und komplett chancenlos blieb.

Man kann natürlich nicht von allen Mannschaften der Liga erwarten, dass sich Harakiri-Offensivfußball bieten, aber ein wenig erstaunlich ist es schon, wenn sich eine Mannschaft wie Duisburg im Revierderby so einmauert, dass man nicht mal ansatzweise das Gefühl hat, dass die Mannschaft in der Lage sein könnte, ein Tor zu erzielen. In abgeschwächter Form gilt die Vermeidung von Risiko und das Bauen einer taktischen Formation, in der im Ballbesitz immer so viele Spieler hinter dem Ball bleiben, dass man nicht ausgekontert werden kann, auch für andere Teams, wenn man bspw. an Braunschweig oder Doppelnull-Bielefeld denkt. Muss letztlich jedes Team selber wissen, aber manchmal fragt man sich trotzdem, ob mehr Mut nicht angebrachter wäre.

Mut hat man in Leipzig zumindest in spieltaktischen Fragen einigen. Ergebnisse bringt das aber auch nicht unbedingt mit, auch wenn aktuell vier Punkte auf der Habenseite stehen. In den ersten beiden Spielen konnte man sich jedenfalls mit hohem Verteidigen und schnellem Spiel keine entscheidenden Vorteile verschaffen. 22 eigenen Torschüssen stehen 23 des Gegners gegenüber. Sechsmal schoss man dabei den Ball auch auf den Kasten des Gegners, dem Gegner gelang das allerdings achtmal.

Wenn man also Fußball als ein Spiel begreift, in dem man die eigenen Erfolgschancen dadurch erhöht, dass man häufiger und aus besseren Positionen heraus auf das Tor schießt als der Kontrahent, dann ist man bei RB aktuell (im Gegensatz zu Bochum bspw.) noch nicht ganz weit in der Entwicklung. Wobei Vereinsstatistiken nach zwei Spieltagen auch noch ziemlich wenig belastbar sind.

Zumal RB Leipzig trotz eher weniger Torschüsse sehr häufig innerhalb des Strafraums zum Abschluss kommt. 77% aller Torschüsse werden im Sechzehner abgegeben. Das ist die höchste Quote der Liga und verweist darauf, dass man in Leipzig versucht, bis direkt vor das Tor des Gegners Fußball zu spielen und man bei Gelingen, dann aber auch gleich in sehr gute Schusspositionen kommt. Spötter würden sagen, dass sich darin auch ausdrückt, dass Fernschüsse bei RB Leipzig eben schon seit längerem auf dem Index stehen.

Es war erst der zweite Spieltag und vieles geht noch irgendwie als Auftaktspielerei durch. Spätestens nach dem dritten Spieltag (der erst nach dem Pokalwochenende stattfindet) wird man allerdings verstärkt Worte vom Fehlstart vernehmen, wird man medial schon mal Teams verreißen oder überschwenglich loben oder Trainer in Frage stellen und Neuzugänge fordern. Das ist zu diesem Zeitpunkt zwar eigentlich weiterhin Quatsch, kann aber negative und auch positive Prozesse in den Vereinen jeweils noch verstärken. Nicht uninteressant immer wieder, welche Teams sich vom Druck am Ende frei machen und sich aus den jeweiligen Abwärtsspiralen befreien können.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl 2015, Punktzahl in den (saisonübergreifend) letzten sechs Spielen (bei Freiburg und Paderborn mit Erstligaspielen, bei Duisburg und Bielefeld mit Drittligaspielen). Sandhausen ist mit den sportlich errungenen Punkten verzeichnet. Abgezogen werden müssen davon noch drei Punkte (bzw. für 2015 sechs) resultierend aus einer DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.

SubjektivGesamt2015RRletzte 6
Freiburg16252810
Bochum26252113
Fürth34181610
Kaiserslautern4428286
Paderborn5315306
Sandhausen66282211
Leipzig7425237
Heidenheim83242111
St. Pauli94252413
Nürnberg103212210
Düsseldorf11114164
Berlin121242610
Bielefeld13233178
Braunschweig14118234
München15019216
Karlsruhe16025286
Frankfurt17119214
Duisburg18035239

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6 Gedanken zu „Was von Spieltag 2 bleibt“

  1. Dann dürften die beiden diesjährigen Aufsteiger feststehen. Denn immer wenn RB mit einem Sieg und Unentschieden startete, stieg man auf ..:-)

  2. ich hatte hier schon etwas Niveau zum Spiel gegen Fürth erwartet und weniger Statistik nach zwei Spielen.

    1. Dafür gibt es einen eigenen Artikel. Siehe 3.Beitrag in der Rubrik „Letzte Beiträge“

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