Testspiel: RB Leipzig vs. FC Ingolstadt 2:0

Ungewöhnlich so ein zusätzliches Testspiel zwischen dem ersten und zweiten Spieltag. Allerdings auch nachvollziehbar angesichts der Tatsache, dass das nächste Pflichtspiel erst am Montag stattfindet und die Vorbereitungszeit zumindest in Bezug auf die Anzahl der Testspiele, die das Kernteam miteinander bestritt, eher kurz war. Dazu gab der zusätzliche Test von RB Leipzig gegen den FC Ingolstadt noch mal die Möglichkeit, auch Spielern Einsatzzeit zu geben, die im ersten Ligaspiel beim FSV Frankfurt nicht oder nur kurz zum Einsatz kamen.

Insgesamt eine runde und stimmige Geschichte, die sich noch viel eher als der Test gegen Hapoel Tel Aviv elf Tage zuvor wie eine Saisongeneralprobe bzw. -eröffnung anfühlte. Was auch daran lag, dass mit dem FC Ingolstadt ein Gegner zu Gast war, der in seiner ganzen Spielweise wesentlich intensiver auftrat und so auch ein wesentlich besserer und ernsthafterer Testgegner war als der israelische Erstligist, gegen den einige Räume vorzufinden waren, die man in der zweiten Liga eher nicht findet, wie schon das erste Pflichtspiel in Frankfurt deutlich erkennen ließ (falls noch jemand diesen Erkenntnisgewinn gebraucht hat).

Gegen den FC Ingolstadt startete RB Leipzig bis auf Yussuf Poulsen ausschließlich mit Spielern, die in Frankfurt nicht oder nur kurz gespielt hatten. Lediglich Zsolt Kalmár hatte mit der U23 am Wochenende einen 90minütigen Einsatz in der Regionalliga absolviert.

Man kann in dieser Elf rein von den Einsatzzeiten vom vergangenen Wochenende her natürlich eine B-Elf sehen. Faktisch muss man den Begriff schon sehr dehnen, um die Qualität, die da auf dem Platz stand, noch in dem Begriff unterzukriegen. Einige tragende Säulen der Vorsaions, dazu Neuverpflichtungen mit Stammelfformat und zwei, drei Talente. Man muss sich jedenfalls nicht wundern, dass die Elf, die da auf dem Platz stand dem Bundesligisten, der auf vielen Positionen mit einer Elf auflief, wie sie auch in der Bundesliga denkbar wäre, Paroli bieten konnte.

Wie schon in der zweiten Liga war auch diese Partie zwischen RB Leipzig und dem FC Ingolstadt relativ intensiv. Natürlich nicht ganz so intensiv wie das Pressing- und Zweikampfmassaker, das man in der vergangenen Saison beim Ingolstädter 1:0-Auswärtssieg in Leipzig sehen konnte, aber für eine Testspiel war doch recht viel Intensität zu verspüren. Naturgemäß bei der beidseitig gleichen aggressiv nach vorn verteidigenden Spielanlage und den dadurch engen Räumen. Trotzdem wäre das eine oder andere Foul mit anschließender Verletzungsunterbrechung vielleicht vermeidbar gewesen. Angesichts des Kampfes um Stammplätze in beiden Teams aber vielleicht auch nachvollziehbar, dass man in den Zweikämpfen nicht immer zurückzieht.

Die erste Halbzeit brachte jedenfalls ein insgesamt ausgeglichenes Chancenverhältnis. Ingolstadt schien die RasenBallsportler gerade am Anfang der Partie einfach überrollen zu wollen und mit schnellem Spiel in die Spitze auch überrollen zu können. RB Leipzig hatte vor allem im letzten Drittel der ersten Halbzeit sehr gute Einschussmöglichkeiten, bei denen der in diesem Spiel sehr agile und auffällige Yussuf Poulsen und Nils Quaschner jeweils an sich oder Gästekeeper Nyland scheiterten. Das Unentschieden zur Pause kam durchaus als dem Spielverlauf entsprechend hin. Entsprechend der Chancen hätte es aber eher 1:1 oder 2:2 stehen sollen.

In der Halbzeitpause wurde auf beiden Seiten nicht bunt durchgewechselt, was den ernsthaften Charakter dieses Tests noch unterstrich. RB Leipzig mit nur zwei Wechseln (Gulacsi für Bellot und Selke für Poulsen), Ingolstadt kam gar gänzlich unverändert aus der Kabine. Insgesamt ging das Chancenverhältnis in dieser Halbzeit nun deutlich an die Gastgeber. Auch wenn Ingolstadt weiterhin im Ansatz gefährlich blieb. Bis auf wenige Ausnahmen spielte man aber die immer gefährlichen schnellen Angriffe nicht zu Ende oder wurde durch taktische Fouls gestoppt. Und als alles nicht half, rettete Bellot die Null mit großartiger Parade.

Auf der anderen Seite höhlte RB Leipzig langsam den Ingolstädter Defensivstein und näherte sich bei einigen guten Versuchen dem Tor an. Diego Demme war es dann nach einer reichlichen Stunde vorbehalten das 1:0 zu erzielen, als er sich im Strafraum nach gutem Zusammenspiel durchtankte und im zweiten Versuch vollendete. Allerdings war die Defensivarbeit der Gäste in dem Moment auch ein wenig eingeschränkt, da die Hälfte der Mannschaft wegen eines verletzt an der Mittellinie liegenden Spielers den Ball ins Aus gespielt haben wollte und deshalb den defensiven Weg nicht im nötigen Tempo mitmachte. Was entsprechend nach dem Tor auch zum einen oder anderen Verbalgeplänkel auf dem Feld führte. Nehmen wir zugunsten der RasenBallsportler mal an, dass ein Georg Teigl rechts es bspw. schlicht nicht mitbekam, dass der Gegner zu Teilen gar nicht mehr richtig mitspielte und zum Spielen des Balles ins Aus aufforderte.

Das zweite Tor von RB Leipzig war mindestens genauso ansehnlich wie das erste und absolut blitzsauber. Eine tolle Kombination am Strafraum spielte Emil Forsberg komplett frei, der aus zehn Metern wenig Mühe hatte zu vollenden.

Insgesamt sah das Spiel von RB Leipzig im Gegensatz zur Partie in Frankfurt sehr nach Fußball aus. Vielleicht noch nicht in der ersten halben Stunde, als man mit dem Ball zu unruhig und ungenau agierte. Aber im Laufe der Spielzeit lief der Ball trotz des intensiven Spiels der Gäste immer besser und wurden entsprechend die Torchancen immer zahlreicher und besser. Auffällig dabei, dass lange, hohe Bälle als Stilmittel im Spielaufbau komplett Tabu waren. Das waren sie aber auch vor dem Spiel in Frankfurt in den Testspielen, feierten aber beim Pflichtspielauftakt trotzdem ihr ineffektives Revival (was nicht prinzipiell gegen lange, hohe Bälle spricht, die zur Abwechslung auch ein gutes Mittel sein können, wenn man sie denn beherrscht). Mal sehen, wie das im nächsten Spiel gegen auch eher auf Pressing setztende Fürther aussehen wird.

Jemanden aus dem Team herauszuheben ist nach der Partie eher schwierig, weil fast alle Spieler ihre guten und weniger guten Momente hatte. Auffällig ein Dmitri Skopintsev links hinten, der gerade im Vorwärtsgang ab und zu seine Geschwindigkeit und Spielfreude einbringen konnte. Auffällig auch, gerade im Vergleich zur Partie in Frankfurt, die Spielfreude eines Yussuf Poulsen. Auch ein Massimo Bruno agierte recht auffällig, selbst wenn seine Ballaktionen nicht immer ein glückliches Ende nehmen. Spätestens als er in der zweiten Halbzeit einen Fernschuss ansatzlos knapp neben das Tor setzte, durfte man aber mal kurz ob seiner Qualitäten vor sich hinraunen. Bruno dürfte für viele Saisonspiele ein belebendes Element sein. Ob er mit seinem Fußballspiel auch die Kontinuität und Effektivität für einen dauerhaften Startelfplatz hat, muss man allerdings abwarten.

Man könnte jetzt mit jedem Spieler so weitermachen, aber letztlich löste RB Leipzig die Aufgaben dieses Spiels als Team sehr gut. Dass in diesem Team auch ganz viel individuelle Klasse drinsteckt, mit der man dann entscheidende Situationen für sich gewinnt, macht Dinge zusätzlich einfacher. Überbewerten sollte man den Sieg gegen den FC Ingolstadt aber auch nicht. Es bleibt ein Test gegen einen Bundesligisten, der erst in einer reichlichen Woche zum ersten Pflichtspiel der Saison antritt und entsprechend in mancher Hinsicht noch nicht so weit ist wie RB Leipzig. Trotzdem sollte man positiv vermerken, dass sich RB Leipzig gegen ein Team, gegen das man letzte Saison noch zweimal verlor, nicht nur achtbar geschlagen, sondern auch verdient gewonnen hat.

Fazit: Testspiel Nummer 8 dieses Sommers läutete endgültig die Saison ein, die für RB Leipzig mit dem Heimspiel gegen Fürth am kommenden Montag so richtig losgeht. Gegen den FC Ingolstadt arbeitete man sich nach durchwachsenem Start immer besser in die Partie und erarbeitete sich später auch ein deutliches Chancenübergewicht. Rein von den Kräfteverhältnissen auf dem Platz hätte wohl ein 3:2 oder ein 4:3 den Dingen besser entsprochen als das relativ klar und vor allem defensiv zu sicher klingende 2:0. Am Ende war es aber gegen einen gewohnt starken Gegner ein verdienter Sieg, der auf spielerischem Wege errungen wurde.

Randbemerkung 1: Während der Partie wurde auf der Homepage des FC Ingolstadt eine Erklärung des Vereins [broken Link] veröffentlicht, in der man erklärte, dass man sich mit „Vertretern aktiver Fangruppen und Fanclubs“ zusammengesetzt und Positionen ausgetauscht habe: „Wir kamen im Dialog zu dem Ergebnis, dass der Test [gegen RB Leipzig] aus sportlicher Sicht als Standortbestimmung vor einer historischen und wichtigen Bundesliga-Saison notwendig ist, bei der Abwägung weiterer Faktoren jedoch Fehleinschätzungen und Kommunikationsfehler unterlaufen sind. Aus diesem Grund wurde vereinbart, diese im Gespräch angeführten Gesichtspunkte in Zukunft zu berücksichtigen.“ Wenn man diese verklausulierten Sätze mal auf ihren Kern runterbrechen will, dann kann es wohl nur bedeuten, dass der Verein den anwesenden Fanvertreter mehr oder minder direkt versprochen hat, dass man künftig nicht mehr gegen RB Leipzig testet, auch wenn dies sportlich Sinn machen würde. Man wird in der Zukunft sehen, ob dem so ist und ob man dieses Versprechen tatsächlich auch dem ehemaligen Sportdirektor von RB Leipzig und jetzigem Sportdirektor des FC Ingolstadt Thomas Linke hat abringen können..

Randbemerkung 2: Ein bisschen Caterer-Tradition muss auch sein. Vor einem Jahr die Katastrophe beim Testspiel gegen Paris St. Germain als sich der neue Caterer komplett überfordert zeigte und den Anwesenden im Laufe der Hinrunde auf Vorlage der Eintrittskarte zwei Freigetränke spendieren musste. Gestern gegen Ingolstadt soll nicht erschienes Personal und ein Fremdcaterer mal wieder für Probleme gesorgt haben. Auch wenn die Dimensionen definitiv nicht das Ausmaß des Spiels gegen Paris St. Germain hatten. Trotzdem sah sich der Verein veranlasst die ‚auf jede Eintrittskarte gibt es bei künftigen Heimspielen einmalig zwei Freigetränke‘-Aktion erneut anzukündigen. Mit Freikarte zum Stadion (alle Dauerkartenbesitzer konnten als Bonus zu dem Saisonticket zwei Freikarten für das Ingolstadt-Spiel beanspruchen) und dafür noch zwei Freigetränke bei einem der nächsten Spiele. Wenn das mal nicht ein fairer Deal ist..

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Tore: 1:0 Demme (62.), 2:0 Forsberg (78.)

Aufstellung: Gulacsi (46. Bellot) – Teigl (63. Hierländer), Sebastian, Klostermann, Skopintsev – Khedira, Demme – Kalmár (72. Forsberg), Bruno – Quaschner (72. Sabitzer), Poulsen (46. Selke)

Aufstellung ab der 82. Minute: Bellot – Hierländer, Orban, Klostermann, Jung – Kaiser, Ilsanker – Bruno, Forsberg – Sabitzer, Selke

Aufstellung Ingolstadt: Nyland (64. Özcan) – Engel (64. Suttner), Brégerie, Matip (C) – Groß, Morales, Cohen (64. Lex), Bauer – Hartmann (64. Leckie), Pekhart (64. Hinterseer), Kachunga (64. Pledl)

Nicht dabei: Boyd, Compper, Gipson (alle verletzt), Coltorti, Nukan, Strauß

Zuschauer: 7.119

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Bericht, FCI-Bericht [broken Link]

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Bisherige Testspiele

Bisherige Testspieltorschützen

Dzalto, Selke – je 4; Hierländer, Forsberg – je 3; Endres, Quaschner, Strauß, Khedira, Demme – je 2; Wagner, Teigl, Kaiser, Reddemann, Palacios Martinez, Mauer, Sebastian, Kalmár, Ilsanker – je 1

Testspieleinsatzzeiten

  • Khedira: 396 Minuten
  • Demme: 396 Minuten
  • Hierländer: 343 Minuten
  • Kaiser: 324 Minuten
  • Sebastian: 306 Minuten
  • Strauß: 293 Minuten
  • Teigl: 287 Minuten
  • Orban: 279 Minuten
  • Jung: 279 Minuten
  • Quaschner: 274 Minuten
  • Gipson: 270 Minuten
  • Klostermann: 270 Minuten
  • Mauer: 252 Minuten
  • Bellot: 251 Minuten
  • Kalmár: 228 Minuten
  • Reddemann: 225 Minuten
  • Coltorti: 225 Minuten
  • Bruno: 225 Minuten
  • Selke: 225 Minuten
  • Forsberg: 199 Minuten
  • Sabitzer: 191 Minuten
  • Ilsanker: 189 Minuten
  • Sorge: 180 Minuten
  • Gulacsi: 180 Minuten
  • Franke: 158 Minuten
  • Skopintsev: 158 Minuten
  • Rabiega: 138 Minuten
  • Suczuz: 135 Minuten
  • Palacios Martinez: 135 Minuten
  • Nukan: 135 Minuten
  • Poulsen: 135 Minuten
  • Wagner: 116 Minuten
  • Endres: 116 Minuten
  • Dzalto: 90 Minuten
  • Ernst: 90 Minuten
  • Barylla: 87 Minuten
  • Vogel: 64 Minuten
  • Siebeck: 45 Minuten
  • Heine: 19 Minuten

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