Throwback KW 21 bis 28

Lange hier im Blog nicht mehr auf die Zeit vor fünf Jahren zurückgeblickt. Eine Zeit, die wie manchmal bei RB Leipzig erst nach Saisonende so richtig spannend wurde. Zum Abschluss der ersten Vereinsspielzeit, an deren Ende man überlegen in die Regionalliga aufstieg, hatte man noch durch ein spätes Gegentor von Stephan Neigenfink (zuletzt beim VfL Halle in der fünften Liga aktiv) gegen den FC Sachsen Leipzig mit 1:2 verloren.

Es waren die einzigen beiden Gegentore und die einzigen Punktverluste in vier Liga-Derbys gegen Lok und FC Sachsen. Im Schnitt mehr als 10.000 Zuschauer wollten damals die sechs Stadtduelle in der fünftklassigen Oberliga sehen. Handgeschätzt drückten dabei im Schnitt 7.000 bis 8.000 Zuschauer Lok die Daumen, 5.000 bis 6.000 dem FC Sachsen und 2.000 bis 3.000 RB Leipzig. Für einen neugegründeten Verein wie RB gar keine schlechten Zahlen, die schon einen ersten Hinweis gaben, in welche Richtung es künftig gehen sollte.

Das Spiel gegen RB Leipzig war einer der letzten Tage, an dem man beim FC Sachsen noch was zu feiern hatte, denn ein Jahr später zog sich der Verein aus dem Spielbetrieb zurück. An diesem Tag feierte man sich noch mal selbst und den Triumph über das finanziell und sportlich überlegene U-Boot. Der damals noch durchaus RB-kritische MDR (glaubt man heutzutage gar nicht mehr) überschlug sich im Kommentar zum Spielbericht fast beim Rufen des Namens Neigenfink.

Wer dachte, dass damit schon das spektakulärste Ereignis des Sommers passiert sein würde, wurde nur einen Tag später eines besseren belehrt. Als nämlich Coach Tino Vogel an seinem Geburtstag von Sportchef Dietmar Beiersdorfer von seinen Aufgaben beim Profiteam entbunden wurde. So richtig viel Stil hatte das nicht, auch wenn es damals sicherlich Gründe gab, diese Entscheidung so zu treffen. Im Nachhinein hat sich die Entlassung und das gleichzeitige Abservieren von Sportdirektor Joachim Krug aber als nicht wirklich zielführend herausgestellt, wie die nächsten Regionalligajahre zeigten. Weiß man halt manchmal vorher nicht.

„Wir können uns nach wie vor in die Augen schauen.“, ließ Tino Vogel nach dem miesen Tag verlauten und betonte, dass die Gespräche „fair“ gewesen seien. Dass der Coach den Schlag ins Gesicht schlucken konnte, führte letztlich auch dazu, dass er weiterhin eine Zukunft bei RB Leipzig hatte, die Fußballlehrer-Lizenz erwerben konnte, über die U19 zur U23 kam und mit dieser 2015 wieder in die Regionalliga aufgestiegen ist. Und diesmal auch von seinem sportlichen Erfolg selber als Coach profitieren darf.

In der Folge der Vogel-Degradierung wurde dann Felix Magath ein gern genommenes Medienthema. Der hatte mit Dietrich Mateschitz gespeist und ließ auf Schalke die eine oder andere Spitze in Bezug auf die finanziellen Möglichkeiten gucken. Was ausreichte, um ihn auf den Trainerstuhl bei RB Leipzig zu dichten.

Über Peter Pacult dachte Dietmar Beiersdorfer in jenen Tagen auch schon nach und hätte ihn sich vorstellen können. Am Ende wurde es aber Tomas Oral, der beim FSV Frankfurt gezeigt hatte, dass er in der Lage ist, ein Team aus einer unteren Spielklasse in den Profifußball zu coachen. Nicht nur deswegen schien seine Benennung als Cheftrainer absolut logisch und nachvollziehbar. „Optimale Entscheidung“ hieß es deswegen hier im Blog. Dass er am Ende scheiterte, auch weil er in seiner Art nicht alle Spieler abholen konnte, war da noch nicht abzusehen.

Gescheitert ist Oral in seinem einem RB-Jahr auch daran, dass er den etwas merkwürdig zusammengestellten Kader, der aus einer großen Gruppe alter Hasen mit Bundesligavergangenheit und einer großen Gruppe junger Talente bestand, nicht zusammenhalten konnte. Es fehlten dem Team am Ende auch einfach Spieler Mitte 20, die den Laden auch mal abseits des Trainers zusammenhalten.

Nach (und partiell auch schon vorher) der Trainerwahl arbeitete man intensiv an der Kaderbesetzung. Ein Tim Sebastian, aktuell dienstältester Feldspieler bei RB Leipzig, kam beispielsweise in jenem Sommer und sollte eine Führungsrolle übernehmen, bei der er zwischen den Gruppen etwas zerrieben wurde. Daniel Frahn, Stefan Kutschke und Carsten Kammlott brachten eine kompletten Sturmerneuerung mit sich. Letzterer war eigentlich als Gesicht des Vereins auserkoren und führte sich in Testspielen auch so ein, konnte anschließend in dreieinhalb Jahren RB Leipzig aber nie den finalen Durchbruch schaffen. Paul Schinke, Fabian Franke, Tom Geißler, Shaben Ismaili, Benjamin Baier oder Steven Lewerenz waren neben einigen anderen weitere Verpflichtungen, die das Gesicht der Mannschaft enorm veränderten.

In den ersten Testspielen machte das Team auch einen guten Eindruck und konnte gegen international durchaus namhafte Gegner (wenn man bedenkt, dass RB Leipzig damals Regionalligist war) ordentliche Auftritte hinlegen, wenn man bspw. an das 1:2 gegen den CFR 1907 Cluj aus Rumänien denkt. Sollte dann aber doch nicht stilbildend für die Regionalligasaison sein.

Ansonsten war es ein eher typischer WM-Sommer, der das Geschehen rund um den Vereinsfußball ziemlich arg in den Hintergrund treten ließ. Michael Ballack und die legendären Debatten um die flachen Hierarchien bestimmten die Szenerie. Und natürlich Vuvuzelas.

Blieb aus RB-Sicht noch die Sache mit der zweiten Mannschaft. Die ging nach einem Jahr und Aufstieg in die Landesliga als erste Mannschaft wieder zurück nach Markranstädt. Sodass RB eine neue zweite Mannschaft brauchte und sich diese, gelernt ist gelernt, vom ESV Delitzsch holte, die quasi ihre erste Mannschaft zur zweiten von RB machten. Sodass RB zum zweiten Mal in Folge und trotz Aufstiegs mit der zweiten Mannschaft in der Bezirksliga antrat. Schon verrückt diese Gründungszeit..

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Fußballspiele mit RB Leipzig in den letzten fünf Jahren in den Kalenderwochen 21 bis 28 (nur Pflichtspiele):

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