Individuelle Zahlenrundumleuchte RB Leipzig 2014/2015

Sommerpause. Weiter Analysezeit. Heute in Zahlenform rund um alle bei RB Leipzig in dieser Saison eingesetzten Spieler . Betrachtet werden dabei nur die 34 Zweitligaspiele.

Insgesamt kamen in dieser Saison, der ersten in der zweiten Liga 29 Spieler zum Einsatz. Was durchaus sehr viele sind und andeutet, dass die Saison nicht so richtig glatt, sondern eher unruhig verlief. 14 Spieler, darunter zwei Keeper standen mindestens 1000 Minuten auf dem Platz, also hochgerechnet mehr als 11 volle Spiele. In allen Spielen dabei war niemand. Anthony Jung hätte es vielleicht geschafft, wenn er nicht einmal wegen Gelb und einmal wegen Gelb-Rot gesperrt gewesen wäre. Abgesehen davon hatte jeder Spieler im Saisonverlauf so seine Problemchen und kam auf maximal 30 Einsätze.

Benjamin Bellot schaffte es als einziger Spieler von RB Leipzig immerhin, bei allen Spielen dabei zu sein. 13mal stand er dabei auf dem Platz, 21mal musste er auf der Bank sitzen und seinem Torwartkollegen Fabio Coltorti beim Kicken zugucken. Diego Demme und auch etwas überraschend Stefan Hierländer standen in immerhin 33 Partien zumindest im Kader.

Bemerkenswert im Vergleich von Hin- und Rückrunde der Absturz des vor noch nicht allzulanger Zeit gesetzten Trios Frahn, Heidinger, Hoheneder, die vor dem Winter zusammen noch mehr als 2.600 Minuten machten und nach der Winterpause gerade mal noch für zusammen 350 Minuten auflaufen durften. Pro Spiel pro Spieler macht das im Schnitt mickrige acht Minuten. Dafür profitierten bspw. Lukas Klostermann und Emil Forsberg enorm von den Veränderungen und waren (fast) durchgehend Stammspieler.

Gar keine Einsatzzeit bekamen im Laufe der Spielzeit der dritte Tormann Thomas Dähne, Nachwuchsmann John-Patrick Strauß, der vornehmlich mit der U19 unterwegs war und der langzeitverletzte Fabian Franke, der in der kommenden Saison beim SV Wehen Wiesbaden spielen wird. Letzterer bleibt der einzige Spieler bei RB Leipzig, der in dieser Saison noch nicht mal auf der Bank sitzen durfte. Auch wenn er zum Ende der Saison hin schon wieder Luft bei der U23 schnupperte.

Will man sich ein Stammteam anhand der Einsatzzeiten zusammenstellen, dann käme man wohl auf folgende Formation: Coltorti – Klostermann, Compper, Sebastian, Jung – Khedira – Teigl, Kaiser, Kimmich, Forsberg – Poulsen. Mit Klostermann, Compper, Khedira und Forsberg haben es schließlich doch noch vier Neuzugänge (davon ein Winterneuzugang) geschafft, sich im engen Kaderstammkreis durchzusetzen, nachdem dort vor dem Winter nur Compper und Khedira zu finden waren.

[Spiele = Anzahl der Spiele der Saison; Minuten = Einsatzminuten gesamte Saison; Min/Sp = Einsatzminuten pro Spiel gesamte Saison; Min HR = Einsatzminuten bis zur Winterpause; Min/Sp HR = Einsatzminuten pro Spiel bis zur Winterpause]

Spieler SpieleMinMin/SpMin HRMin/Sp HR
Anthony Jung32275086158688
Dominik Kaiser30253685138782
Yussuf Poulsen29248686127185
Georg Teigl30238279146281
Tim Sebastian27223383129381
Diego Demme30213871151280
Marvin Compper27211278138882
Joshua Kimmich2720837798676
Fabio Coltorti2118909081090
Rani Khedira22182783152585
Emil Forsberg14122788------
Daniel Frahn23119752102760
Benjamin Bellot1311709090090
Lukas Klostermann1310838333
Sebastian Heidinger158925978065
Niklas Hoheneder107047064080
Yordy Reyna1368353------
Stefan Hierländer216653231832
Matthias Morys136615166151
Omer Damari1060160------
Rodnei654090------
Zsolt Kalmár174292518719
Ante Rebic104104117444
Terrence Boyd73535035350
Clemens Fandrich83214032140
Denis Thomalla399339933
Federico Palacios Martinez225132513
Smail Prevljak122222222
Henrik Ernst14400
Fabian Franke00000
Thomas Dähne00000
Patrick Strauß00000

Enttäuschend wie schon nach der Vorrunde die Anzahl der Torschützen bei RB Leipzig. Vor der Winterpause waren es schon nur fünf Spieler, die mindestens zweimal trafen. Nach der Winterpause reduzierte sich die Zahl sogar noch mal auf drei (wobei auch vier Spiele weniger zu spielen waren). Am Ende trafen gerade mal sechs Spieler doppelt oder mehr. Einer davon (Boyd) fällt mit Kreuzbandriss schon ewig aus, ein anderer verlässt gerade den Verein und kam nach dem Winter kaum noch zum Zug (Frahn).

Phänomenal seit der Winterpause sicherlich Dominik Kaiser, der an seine Topform aus den vergangenen zwei Spielzeiten anschloss und gleich sechs Treffer erzielte und damit seit der Winterpause mit Abstand der beste RB-Torschütze ist. Mit vier direkt verwandelten Freistößen ist Kaiser in Bezug auf den ruhenden Ball der Topmann der zweiten Liga.

Abgesehen davon bleibt die Offensivausbeute deprimierend, vor allem wenn man die nominelle Klasse auf den Angriffspositionen bedenkt. Auch ein Yussuf Poulsen nahm sich in den letzten Wochen und Monaten die eine oder andere Auszeit.

[Tore = Anzahl der Tore der Saison; Min/Tor = Minuten pro Tor gesamte Saison; Tore HR = Tore bis zur Winterpause; Min/Tor HR = Minuten pro Tor bis zur Winterpause]

Spieler ToreMin/TorTore HRMin/Tor HR
Yussuf Poulsen112268159
Dominik Kaiser83172694
Daniel Frahn42993342
Georg Teigl37942731
Terrence Boyd21772177
Joshua Kimmich210420---

Auf die manche Art und Weise deprimierend ist auch die Bilanz der Vorlagengeber. Die Mittelfeldachse Kaiser, Khedira, Demme und Kimmch kommt in 15 Nachwinterpausenspielen zusammen auf gerade mal eine (1!) direkte Torvorlage, sodass sich selbst ein Matthias Morys noch locker in der Liste der Topvorbereiter halten kann.

Ein bisschen Linderung brachten zwei Neuzugänge. Omer Damari schwang sich in relativ geringer Einsatzzeit zum effektivsten Vorlagengeber auf und bereitete alle 150 Minuten ein Tor vor. Auch der immer agile, aber im Torschuss glücklose Emil Forsberg war an vier Toren direkt beteiligt. Den Blick für den Nebenmann hat zunehmend auch Yussuf Poulsen.

[Vorlagen = Anzahl der Vorlagen der Saison; Min/Vorlage = Minuten pro Vorlage gesamte Saison; Vorlagen HR = Vorlagen bis zur Winterpause; Min/Vorlage HR = Minuten pro Vorlage bis zur Winterpause]

Spieler VorlagenMin/VorlageVorlagen HRMin/Vorlage HR
Dominik Kaiser55074347
Omer Damari4150------
Emil Forsberg4307------
Yussuf Poulsen462211271
Matthias Morys32203220
Rani Khedira29142763
Joshua Kimmich210422493
Diego Demme210692756

Nimmt man Tore und Vorlagen zusammen, ist Yussuf Poulsen der beste und wichtigste Scorer im Team. Der junge Däne hat in einer langen Saison, in der bis hin zu Nationalmannschaftsspielen viel und auch viel Gegenwehr seitens der Gegner auf ihn einprasselte, trotz einiger Täler eine Riesenentwicklung genommen und sich zu einer zentralen Figur der zweiten Liga entwickelt. An manchen Tagen hat er RB Leipzig offensiv fast im Alleingang getragen. Was auf Dauer gegen gut geschulte Defensiven nicht gut gehen konnte.

Sehr konstant, wie man es fast schon gewohnt ist Dominik Kaiser, der insbesondere nach der Winterpause wieder in die Spur fand. Interessant auch, dass Daniel Frahn in einer schwierigen Saison, in der er auf manche Art an seine sportlichen Grenzen gelangt ist, gemessen an seiner geringen Einsatzzeit ein absolut zuverlässiger Scorer war.

[Scorerpkt = Anzahl der Scorerpunkte (Tore und Vorlagen) der Saison; Min/Score = Minuten pro Scorerpunkt gesamte Saison; Scorerpkt HR = Scorerpunkte bis zur Winterpause; Min/Score HR = Minuten pro Scorerpunkt bis zur Winterpause]

Spieler ScorerpktMin/ScoreScorerpkt HRMin/Score HR
Yussuf Poulsen151669141
Dominik Kaiser131956231
Daniel Frahn52394257
Omer Damari4150------
Matthias Morys41654165
Emil Forsberg4307------
Joshua Kimmich45212493
Georg Teigl37942731

Dominik Kaiser ist seit der Winterpause nicht nur vor dem Tor gefährlich, auch die gegnerischen Beine hatten es nicht immer leicht. Sechs gelbe Karten 2015 sind der Höchstwert im RB-Team und katapultieren ihn auf den ersten Platz in der Kartenstatistik. Auch das sicherlich ein Ausdruck dafür, dass Dominik Kaiser in diesem Jahr noch mal in besonderem Maße vorangegangen ist und das Team führen wollte.

Rani Khedira hätte Kaiser allerdings sicherlich noch überholt, wenn er nicht zuletzt drei Monate verletzt gewesen wäre. Ungefähr 13 gelbe Karten hätte er kassiert, wenn er immer über 90 Minuten gespielt und weiterhin alle 228 Minuten die Verwarnung gesehen hätte. Für einen zentralen Sechser nicht ganz ungewöhnlich. Zumal bei RB Leipzig, wo man durch das Vorwärtsverteidigen immer mal jemanden taktisch zu stoppen hat, der drauf und dran ist in den freien Raum Richtung RB-Tor zu starten.

Gestoppt hat auch Marvin Compper aus taktischen Gründen mal einen Gegenspieler. Und sah dafür dann folgerichtig in Karlsruhe wegen Notbremse die einzige glatt rote Karte der Saison. In der Saison davor hatte man diese Karte bei RB Leipzig noch dreimal gesehen. Vier gelb-rote Karten (die hier in der Statistik als jeweils zwei gelbe gewertet wurden) komplettieren das Bild.

[Gelb = Anzahl der gelben Karten der Saison (gelb-rote Karten zählen als zwei gelbe Karten); Min/Gelb = Minuten pro gelber Karte gesamte Saison; Gelb HR = gelbe Karten bis zur Winterpause; Min/Gelb HR = Minuten pro gelber Karte bis zur Winterpause]

Spieler GelbMin/GelbGelb HRMin/Gelb HR
Dominik Kaiser83172694
Rani Khedira82286254
Marvin Compper73025278
Diego Demme73053504
Tim Sebastian73193431
Anthony Jung73935317
Georg Teigl639711462
Yussuf Poulsen64143424
Daniel Frahn52395205
Stefan Hierländer41661318
Yordy Reyna4171------
Joshua Kimmich45213329
Clemens Fandrich31073107
Ante Rebic31371174
Emil Forsberg3409------

Nimmt man mal die Foulstatistiken im Detail, dann ist Yussuf Poulsen weiterhin der RB-Spieler, der die meisten Fouls gegen sich gepfiffen bekommt. Pro 90 Minuten im Schnitt dreimal entscheidet sich der Schiedsrichter gegen ihn, was bedeutet, dass Poulsen weiter daran arbeiten muss, seine Zweikampfführung den Bedürfnissen der Unparteiischen anzupassen, ohne sein physisches Spiel einzustellen.

Häufiger als Yussuf Poulsen foult nur Yordy Reyna, der seine geringe Körpergröße gegen robuste Innenverteidigungen gelegentlich mit besonderem Gift wettzumachen versuchte.

Während bei den meisten RB-Spielern das Verhältnis zwischen Fouls und gefoult werden ausgeglichen ist bzw. die Fouls überwiegen, ist bei Joshua Kimmich das Verhältnis deutlich umgekehrt. Der Mittelfeldmann, der zu den Bayern geht, kommt gerade im Vergleich mit seinen Kollegen auf ähnlichen Positionen nicht nur mit unheimlich wenigen Fouls aus und wird nicht mal einmal pro 90 Minuten zurückgepfiffen, sondern ist auch der meistgefoulteste Spieler im Kader. Mehr als dreimal pro 90 Minuten darf der Schiedsrichter zu Kimmichs Gunsten die Pfeife in den Mund nehmen.

In dieser Statistik verdeutlichen sich auch die besonderen Qualitäten des Joshua Kimmich, der in der Balljagd extrem geschickt vorgeht und gleichzeitig in der Spielführung mit Ball so große Qualitäten und eine so zentrale Rolle spielt, dass die Gegner gar nicht umhin kommen, ihn mit unfairen Mitteln zu stoppen.

[Fouls pro Spieler bzw. Anzahl der Fouls gegen die Spieler. Mindestens 20 Fouls oder mindestens 1000 Einsatzminuten.]

Spieler FoulsMinuten/FoulGefoultMinuten/Gefoult
Yussuf Poulsen87296439
Diego Demme51427628
Anthony Jung466018153
Dominik Kaiser46556539
Rani Khedira45413749
Georg Teigl43554751
Daniel Frahn34352157
Marvin Compper326615141
Tim Sebastian27833074
Emil Forsberg27451677
Yordy Reyna26261449
Joshua Kimmich21999223
Lukas Klostermann13837155

Wie zentral die Rolle von Joshua Kimmich ist, sieht man auch darin, dass er mit 78 Ballkontakten pro 90 Minuten (neumodisch würde man wohl Ballbesitzphasen sagen) die wichtigste Person bei RB Leipzig ist. Auch Diego Demme in seiner meist sehr agilen und immer anspielbereiten Art mischt in der gleichen Statistikliga mit, während Innen- und Außenverteidiger naturgemäß öfters an den Ball kommen, weil sie ihn für den Spielaufbau als erste in die Füße bekommen.

Top5 Ballkontakte pro 90 Minuten:

  • Joshua Kimmich: 78
  • Diego Demme: 77
  • Tim Sebastian: 70
  • Marvin Compper: 69
  • Anthony Jung/ Niklas Hoheneder: je 68

Wichtiger aber noch, dass Joshua Kimmich nicht nur die Bälle fordert und kriegt, sondern mit ihnen auch was anzufangen weiß. Gerade mal 24% seiner Pässe landen beim Gegner. Was beim oft auf Risiko ausgelegten Spiel von RB Leipzig ein sehr hoher Wert ist. Der Wert belegt den guten Blick von Kimmich für Räume. Zumindest im Bereich zwischen Mittellinie und gegnerischem Strafraum, denn direkt zu Toren führten nur zwei (Traum)Pässe in der Hinrunde.

Bemerkenswert auch die 74% Passquote von Emil Forsberg. In dem Offensivbereich, in dem er unterwegs ist sind die Quoten häufig wesentlich geringer. Nicht erstaunlich derweil, dass die Innenverteidiger gute Passquoten haben, da ihre Anspielstationen meist Außenverteidiger, Sechser oder Tormann sind. Sprich, sie suchen vor allem sichere Pässe zu Spielern in ihrer Nähe.

Top 5 Passgenauigkeit:

  • Tim Sebastian: 78%
  • Marvin Compper: 76%
  • Joshua Kimmich: 76%
  • Niklas Hoheneder: 76%
  • Emil Forsberg: 74%

Topzweikämpfer im Team von RB Leipzig ist, das mag nicht wirklich verwundern, Yussuf Poulsen, der pro 90 Minuten 40 direkte Duelle mit einem Gegenspieler sucht. Ein Wert, in dem sich auch ausdrückt, was Yussuf Poulsen eigentlich physisch leistet und wie sehr er sich dabei an seine Grenzen spielt. Ein Wert, der auch klarmacht, dass bei diesem Pensum irgendwann eben mal ein Leistungstal kommt. Das physische Spiel macht Yussuf Poulsen stark, aber es macht ihn über die Saison gesehen eben an manchen Tagen auch schwach, weil die Akkus nicht mehr ganz voll sind.

Überraschend auf den ersten Blick, dass Stefan Hierländer in dieser Statistik vorn mit dabei ist. Könnte aber vor allem auch daran liegen, dass er als häufig eingewechselter Spieler (15mal) die wenigen verbleibenden Minuten mit besonderem Zweikampfengagement bestreiten konnte, weil er sich die Kraft nicht für 90 Minuten einteilen musste.

Top 5 Anzahl der Zweikämpfe pro 90 Minuten

  • Yussuf Poulsen: 40
  • Stefan Hierländer: 37
  • Diego Demme: 33
  • Joshua Kimmich: 29
  • Yordy Reyna: 27

Nicht erstaunlich, dass es Verteidiger und der Sechser Khedira sind, die die meisten Zweikämpfe bei RB Leipzig gewinnen. Wobei man im Hinterkopf behalten muss, dass viele Zweitligaverteidiger und vor allem die Topleute teils deutlich über 60% Zweikampfquote vorweisen können.

Interessant vielleicht noch, dass Joshua Kimmich der einzige Spieler aus der obigen Liste der Spieler mit den meisten Zweikämpfen pro 90 Minuten ist, der mehr als 50 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnt. Kimmich foult also nicht nur wenig, sondern bestreitet auch überdurchschnittlich oft Zweikämpfe und löst sie überwiegend positiv. Dazu kann er noch mit dem Ball umgehen und ein Spiel lenken. Eine eierlegende Wollmilchsau sozusagen..

Top 5 gewonnene Zweikämpfe

  • Niklas Hoheneder: 59%
  • Tim Sebastian: 59%
  • Marvin Compper: 57%
  • Rani Khedira: 56%
  • Anthony Jung: 55%

Bliebe zum Abschluss noch die Plus-Minus-Tabellenspielerei. Hier wird für jeden Spieler ausgewiesen, wie das Torverhältnis aussah, wenn man nur die jeweiligen Zeiten betrachtet, in denen er auf dem Platz stand und wie viele Punkte er kassierte, wenn man den Stand zum Zeitpunkt des jeweiligen, individuellen Verlassens des Spielfelds nimmt. Im Schnitt holte RB Leipzig 1,47 Punkte und +0,24 Tore. Wer also über diesen Werten liegt, hatte überdurschnittlich viel Freude an den Spielen. Auch könnte man interpretieren, dass jene mit besseren Werten mehr positiven Einfluss auf Spiel und Mannschaft hatten.

Bedenken sollte man bei der untigen Tabelle den Unterschied zwischen Hin- und Rückrunde. Während vor der Winterpause das Torverhältnis noch bei +0,53 pro Spiel lag, liegt es seitdem bei -0,13 (Punkteschnitt 1,53 zu 1,40). Spieler, die erst in der Winterpause kamen, haben entsprechend per se die schlechteren Karten, gute Werte zu kriegen, wenn sie regelmäßig spielten. Dazu muss man auch bedenken, dass jene, die gegen Sandhausen im Team standen, gleich mal vier Minustore zu buckeln hatten, die mit ihrer individuellen Leistung im Saisonverlauf vielleicht auch nicht so viel zu tun hatten.

Wie dem auch sei, witzigerweise weist ein Daniel Frahn von allen Spielern die besten Werte auf. Man nehme dies als abschließend hübsche Randpointe, die natürlich auch daraus resultiert, dass Frahn vor allem vor dem Winter mitspielte. Trotzdem sollte man es nicht nur darauf reduzieren. Der Einfluss auf den Mannschaftserfolg, den der Kapitän jenseits seines konkreten Torerfolgs durch Mitarbeit im Mannschaftsgefüge und durch sein Auftreten hat, ist nicht zu unterschätzen und könnte seinem künftigen Club noch einige Freude bereiten.

Von den Spielern, die über die gesamte Saison Einsatzzeit bekamen, stechen vor allem ein Diego Demme und eine Georg Teigl hervor. Die üblichen Verdächtigen Kimmich, Sebastian, Kaiser und auch Compper stehen erwartbar gut da und symbolisieren mit ihren Aufs und Abs, guten und schlechten Tagen, oft gut, aber zu selten sehr gut ein wenig die RB-Saison.

Interessant, dass Benjamin Bellot und Fabio Coltorti praktisch identische Werte aufweisen. Und das sogar trotz der Tatsache, dass Bellot gegen Sandhausen im Tor stehen und die Bälle aus dem Netz fischen musste.

Besonders positiv die Überraschung bei Lukas Klostermann, dessen 0,00 Tore erst mal nicht gut aussehen. Da Klostermann praktisch aber ausschließlich nach der Winterpause spielte, liegt er damit aber trotzdem über dem Teamschnitt in dieser Zeit von -0,13 (obwohl er gegen Sandhausen mitspielte). Erst Recht gilt das für die 1,77 Punkte (die meisten aller RB-Spieler), die Klostermann im Schnitt beim Verlassen des Platzes in der Tasche hatte (hätte Klostermann 34mal gespielt und wären dabei immer 1,77 Punkte rausgesprungen, wäre RB aufgestiegen..). Das letzte Spiel, das RB Leipzig gewinnen konnte, trotzdem Lukas Klostermann nicht dabei war, war Ende November 2014 gegen St. Pauli. Seitdem stehen sieben Spiele ohne Sieg ohne Klostermann.

Dem gegenüber steht ein Yussuf Poulsen, der mit seinen Statistiken leicht unter dem Teamschnitt bleibt. Was dahingehend interpretierbar ist, dass mit Poulsen die Siegwahrscheinlichkeit nicht erhöht wird. Interessanterweise hat RB Leipzig in der ganzen Saison noch kein Spiel verloren, bei dem Yussuf Poulsen nicht dabei war. Was fünfmal der Fall war. Könnte ja auch bedeuten, dass RB Leipzig ohne Poulsen schwerer ausrechenbar ist.

Dass die Statistiken von Reyna, Forsberg und Damari so schlecht sind, liegt daran, dass sie ihre Einsätze ausschließlich 2015 hatten. Diese Interpretation gilt für Sebastian Heidinger und Stefan Hierländer nicht. Hier kann man nur konstatieren, dass RB Leipzig äußerst unterdurchschnnittlich Ergebnisse einfuhr, wenn die beiden auf dem Platz standen. Wie auch immer man das interpretieren mag.

Will man die Elf der Hinrunde nicht nach Einsatzzeiten, sondern nach ihrem positiven Einfluss auf die Spielresultate festlegen, dann würde sich im Gegensatz zur ganz oben genannten Mannschaft der Einsatzzeiten im Tor ein totes Rennen ergeben und Jung und Forsberg zugunsten von Demme und Frahn aus dem Team rutschen: Bellot/ Coltorti – Teigl, Compper, Sebastian, Klostermann – Khedira – Poulsen, Kimmich, Demme, Kaiser – Frahn. Aber diese Formationsfindung bleibt natürlich pure Spielerei.

[Plus/Minus: Torverhältnis für jeden Spieler und seine Spielzeit; Plus/Minus/90: Torverhältnis für jeden Spieler und seine Spielzeit, wenn man es auf 90 Minuten hochrechnet (Bsp: Dominik Kaiser hatte in 1.387 Einsatzminuten ein Torverhältnis von +9, macht für 90 Kaiser-Spielminuten ein Verhältnis von 0,58); Punkte: Gesamtzahl Punkte, die jeder Spieler sammelte, wenn er das Feld verließ; Punkte/Spiel: Punkte, die jeder Spieler im Schnitt pro Einsatz sammelte, zum Zeitpunkt des Verlassen des Feldes; Berücksichtigt sind nur Spieler, die mindestens 600 Minuten auf dem Spielfeld standen]

Spieler Plus/MinusPlus/Minus/90PunktePunkte/Spiel
Anthony Jung50,16441,38
Dominik Kaiser90,32461,53
Yussuf Poulsen60,22411,41
Georg Teigl140,53491,63
Tim Sebastian110,44401,48
Diego Demme130,55491,63
Marvin Compper60,26401,48
Joshua Kimmich80,35411,52
Fabio Coltorti50,24311,48
Rani Khedira80,39311,41
Emil Forsberg-3-0,22181,29
Daniel Frahn110,83391,70
Benjamin Bellot30,23191,46
Lukas Klostermann00,00231,77
Sebastian Heidinger-3-0,30181,20
Niklas Hoheneder00,00161,60
Yordy Reyna-3-0,40171,31
Stefan Hierländer-3-0,41281,33
Omer Damari-3-0,45111,10

Fazit: Zahlen erklären wie immer nicht alles, aber sie liefern immer ein paar interessante Ansätze zum Weiterdenken und vieles ist natürlich auch sofort plausibel. Dass sich am Ende quer durch die Zahlen vor allem Spieler wie Joshua Kimmich, Yussuf Poulsen oder für die Rückrunde Dominik Kaiser herausschälen, spiegelt ganz gut das Geschehen bei RB Leipzig wieder. Überraschend, dass Daniel Frahn quer durch das Material doch noch eine so wichtige Rolle spielt. Ein erstes Zeichen setzt auch Lukas Klostermann, der noch einige Entwicklungsschritte gehen muss, aber schon enorm viel mitbringt und offenbar auch für den Teamerfolg einbringt. Auf ein richtiges Zeichen wartet man dagegen noch bei der RB-Offensive, denn das was aus den Zahlen zu Torschützen und Vorlagengebern spricht, ist von Spitzenniveau in der zweiten Liga sehr weit entfernt.

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Ein Gedanke zu „Individuelle Zahlenrundumleuchte RB Leipzig 2014/2015“

  1. Was man mit Zahlen alles machen kann!? Ganz Stark!

    Da sind doch ein paar nette Aspekte dabei, ob Frahn, Kimmich oder Klostermann.
    Mich wundert die Einsatzzeiten von Niklas. Er hatte doch diesen Horrorunfall gegen Aue und kommt trotzdem auf 700 Min bzw 10 Spiele?
    Sowie die Zeiten von Morys und Thomalla. Man wie die Zeit vergeht.

    Das Tony Jung auf 32 Spiele kommt (ohne 5.gelb bzw rot wäre er bei 34), zeigt auch das Dillema auf der LV Position. Weder AZ noch AB hatten dort richtige Alternativen. Nicht das TJ schlecht ist, nein, er hatte einfach keine Zeit den Akku aufzuladen und sich zu schonen. Auch hatte er auf der Position kein Konkurenzdruck. Für mich immer noch die größte Baustelle. Aber RR hat bestimmt schon einen Plan. Hoffentlich.

    Nur bei Domme muss ich Dir widersprechen. Er ist nicht seit der Winterpause so stark, sondern erst nachdem er auf der Tribüne saß und AB ihn wieder aufbaute.

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