Kein Glück in engen Spielen

Dass man in der vergangenen Zweitligaspielzeit gegen kein Team so richtig unterlegen gewesen sei, hat man in den vergangenen Wochen immer mal wieder als Argument aus dem Verein gehört, warum die Saison von RB Leipzig nicht schlecht gewesen sein kann. Tatsächlich beweist ein Blick auf die puren Zahlen, dass RB Leipzig von allen Zweitligateams die wenigsten Niederlagen mit mehr als einem Tor Unterschied kassiert hat.

Nur zweimal verlor man ein Spiel den Zahlen nach klar. In Aue zum Rückrundenauftakt mit 0:2. Das war die erste Niederlage von Zorniger und RB mit mehr als einem Tor Unterschied seit Oktober 2013 und führte zum Abgang des Trainers. Und kurz vor Saisonschluss noch das 0:4 gegen Sandhausen mitten in die Nichtaufstiegs-Depression der Mannschaft hinein.

Alle anderen Teams der Tabelle, selbst Ingolstadt und Darmstadt, kassierten mindestens drei und maximal acht Niederlagen mit mehr als einem Tor Differenz. Nur sechs Teams schafften es dabei überhaupt, mehr Siege mit mehr als einem Tor Vorsprung als Niederlagen mit mehr als einem Tor einzufahren.


Klarer Tabellenführer in der Statistik der klaren Siege ist der Karlsruher SC, der gleich neunmal mit mindestens zwei Toren Differenz gewann. RB Leipzig auch in dieser Statistik mit sieben Siegen ganz vorn mit dabei und besser als Darmstadt und Kaiserslautern.

[Team; Klare Siege = Siege mit mindestens zwei Toren Differenz; Klare Niederlagen = Niederlagen mit mindestens zwei Toren Differenz]

Klare SiegeKlare Niederlagen
Ingolstadt73
Darmstadt63
Karlsruhe94
Kaiserslautern63
Leipzig72
Braunschweig66
Union66
Heidenheim75
Nürnberg55
Düsseldorf68
Bochum67
Sandhausen46
Frankfurt58
Fürth47
St. Pauli68
186047
Aue48
Aalen57

Aus der Tatsache, dass RB Leipzig die wenigsten klaren Niederlagen aller Zweitligateams kassiert hat, kann man rückschließen, dass man vom sportlichen Potenzial her absolut auf Augenhöhe mit dem Rest der Liga agiert hat. Interessant wird es nun, wenn man sich anguckt, wie viele der knappen Spiele (also Partien, die mit maximal einem Tor Unterschied ausgingen) RB Leipzig und der Rest der Liga gewonnen haben.

Alle Teams hatten zwischen 20 und 25 Spiele, die numerisch eng waren. Absoluter Spitzenreiter beim Umwandeln knapper Spiele in Siege ist Ingolstadt gewesen, die ungefähr vier von zehn dieser Partien gewannen. Auf ähnlichem Niveau auch Braunschweig, die nach dem Motto Hopp oder Top ihre knappen Spiele aber entweder gewannen oder verloren. Acht knappe Niederlagen waren letztlich ihr Stolperstein im Aufstiegskampf. Was genauso für RB Leipzig gilt, die auch gleich acht mal mit maximal einem Tor Differenz verloren.

Die vier Topteams, die am Ende die Aufstiegsplätze unter sich ausmachten, verloren ergo alle zusammen genau so viele Spiele wie RB Leipzig oder Braunschweig allein. Dazu kommt bei RB, dass man nur jedes vierte der knappen Spiele gewinnen konnte. Zu viele Niederlagen, zu wenige Siege, zu wenige Punkte, wenn es umkämpft war. Zu wenig, um aufzusteigen.

Nur drei Teams kassierten am Ende mehr enge Niederlagen als RB Leipzig. Nürnberg, die in der Rückrunde viel Pech hatten und die Trainerchaosclubs 1860 und St. Pauli. Aus der oberen Tabellenhälfte holte abgesehen von Heidenheim niemand weniger Punkte aus umkämpften Spielen als RB Leipzig.

Wenn man also davon ausgeht, dass die Tatsache, dass man nur selten hoch verlor und relativ oft hoch gewann, dafür sprechen müsste, dass das fußballerische Potenzial in der Mannschaft auf Ligaspitzenniveau vorhanden war, bliebe als Interpretationsansatz für die schlechte Bilanz in knappen Spielen, dass im Fall der Fälle, in dem die fußballerischen Qualitäten nicht so sehr gefragt waren, andere Qualitäten (zweite Bälle und Co) nicht im ausreichenden Maße eingebracht werden konnten. Möglich, dass an der Stelle der Mannschaft auch ein bisschen Physis gefehlt hat.

Auch wenn es bei RB Leipzig (rein von den Ergebnissen her interpretiert) nicht öfters umkämpft war als bei anderen Vereinen, könnte man die Zahlen auch dahingehend interpretieren, dass die Teams gegen RB erst dann aufgaben, wenn sie wirklich besiegt sind, also zwei Tore hinten liegen. War das nicht der Fall, blieb die Gegenwehr überdurchschnittlich hoch, sodass die RasenBallsportler viele Punkte abgaben. Das wäre dann quasi das ‚Gegen RB ist jedes Spiel wie ein Pokalspiel‘-Theorem.

Bliebe noch die letzte Variante, bei der man die Mentalität der Mannschaft als Ursache für überdurchschnittlich viele Niederlagen in engen Spielen annimmt. Es ist immer ein bisschen mühselig diese Ebene ins Spiel zu bringen, weil es Stochern im Nebel ist. Fakt ist aber, dass der Gegenwind gerade bei Auswärtsspielen (nur zwei knappe Niederlagen kassierte man zu Hause) in der Konstanz noch mal höher war als in der vergangenen Saison.

In der dritten Liga gab es diesbezüglich immer mal Auszeiten, bevor man wieder nach Rostock oder Duisburg oder wohin auch immer fuhr, in der zweiten Liga gibt es kaum ein Stadion, in dem die Anhänger der Gastgeber und die Gegenspieler nicht besonders motiviert sind. Zusammengenommen mit der Tatsache, dass es in der zweiten Liga sowieso lauter und auf dem Platz rauher zugeht und dass bei RB Leipzig wieder Neuzugänge dabei sind, die da auch erstmal ihre Erfahrungen machen müssen, bleibt die Psychoebene vielleicht ein Erklärungsansatz, warum man in engen Spielen unterdurchschnittlich abschneidet und in ausreichendem Maß dagegenhält.

Fakt ist beim Blick auf die Zahlen, dass man in engen Spielen bestehen und sie in der deutlichen Mehrzahl nicht verlieren darf, wenn man am Ende aufsteigen will. Leipzig und Braunschweig sind genau daran gescheitert. Und Aalen am anderen Ende der Extreme scheiterte daran, dass man nicht mal eins von zehn engen Spielen gewonnen hat. Das ist dann in der Deutlichkeit auch eine Frage der Qualität.

[Team; Spiele = Anzahl der engen Spiele, also Spiele mit einem Tor Differenz; Siege = Siege mit einem Tor Unterschied; Unentschieden = Unentschieden; Niederlagen = Niederlagen mit einem Tor Unterschied; % Siege = Anteil der Siege an der Gesamtmenge enger Spiele]

SpieleSiegeUnentschiedenNiederlagen% Siege
Ingolstadt241013141,7
Darmstadt25914236,0
Karlsruhe21613228,6
Kaiserslautern25814332,0
Leipzig25611824,0
Braunschweig2295840,9
Union22611527,3
Heidenheim22510722,7
Nürnberg24861033,3
Düsseldorf20511425,0
Bochum21315314,3
Sandhausen24612625,0
Frankfurt2159723,8
Fürth23413617,4
St. Pauli2047920,0
18602359921,7
Aue2259822,7
Aalen22212809,1

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.