Was von Spieltag 34 bleibt

Der letzte Spieltag. Ein Tag für die ganz großen Gesten. Zumal, wenn noch vier von sechs relevanten Tabellenplätzen zu vergeben sind. Am Ende hat es Darmstadt so gemacht, wie sie es nun mal so oft machen. Irgendwann einen Standard versenkt, kein Gegentor zugelassen (schon zum 17. Mal in dieser Saison) und gewonnen.

59 Punkte holte man in 34 Spielen. Das reichte erstmals seit 11 Jahren wieder für Platz 2 in der zweiten Liga. Und somit zum Aufstieg. Egal ob man dabei dann findet, dass das Niveau an der Spitze eher überschaubar war, bleibt eine überragende Leistung des Aufsteigers, der fußballerisch limitiert eine Spielidee über lange Bälle, Standards und schnelles Flügelspiel nach Ballgewinn entwickelte, die perfekt zum Team passte.

Mit 30 Punkten ist Darmstadt das beste Team der Rückrunde. Mit 26 Punkten ist man das beste Team 2015. Man kommt nicht um die Feststellung drumherum, dass die Lilien absout zurecht aufgestiegen sind.

Wenn man es so nimmt, musste Kaiserslautern auch völlig zurecht ausgerechnet Karlsruhe den Relegationsplatz überlassen. Zwei Punkte aus den letzten vier Spielen, in denen man zwei Punkte Vorsprung auf Karlsruhe und vier Punkte auf Darmstadt verspielte, sind halt viel zu wenig.

Besonders problematisch wird die Sache für den Verein durch den besonderen Fokus auf junge und geliehene Spieler. Aktuell stehen sechs Spieler Kaiserslauterns im vorläufigen U21-Kader Deutschlands für die EM. Von insgesamt gerade mal sieben Zweitligaspielern. Im Team der Pfälzer steckt also unheimlich viel Potenzial, das sich auch darin ausdrückt, dass man das jüngste Team der zweiten Liga war.

Durch den verpassten Aufstieg droht nun aber der komplette Verlust des Potenzials. Von den U21-Spielern sind Kerem Demirbay und Amin Younes nur von Bundesligisten geliehen. Willi Orban und auch Dominque Heintz werden immer wieder mit der ersten Liga in Verbindung gebracht. Insbesondere Orban gilt als wechselwillig. Blieben noch Jean Zimmer und Philipp Hofmann. Vor allem ersterem ist ein Wechsel in die oberste Spielklasse sportlich sicher zuzutrauen.

Es könnte also sein, dass Kaiserslautern von sechs U21-Nationalspielern bis zu fünf verliert. Dazu wird der U21-Nationalspieler Österreichs Kevin Stöger wohl zurück zum VfB Stuttgart wechseln. Und der 24jährige Finne Alexander Ring wäre auch reif für die Bundesliga.

Es ist durchaus bitter. Vor einem Jahr einen Umbruch eingeleitet, dessen sportliches Gelingen keineswegs sicher war. Auf junge Spieler gesetzt und ihnen die Möglichkeit der Entwicklung gegeben. Und nun in der Situation, dass man den nächsten Umbruch einleiten muss, weil man vom letzten Umbruch möglicherweise in der nächsten Saison nur noch wenig hat, da man die entwickelten Talente an aufmerksam gewordene Erstligisten oder an ihre ursprünglichen Leihvereine verliert.

Auf andere Art und Weise bitter geht es in Aue zu, wo man natürlich versucht, die Kampfeslust und nicht den Zusammenbruch in den Vordergrund zu stellen, wo aber der Abstieg einige Spuren hinterlassen wird. Mit der regionalen Konkurrenz spielt man nun ligentechnisch nur noch auf Augenhöhe, nachwuchstechnisch hat man sowieso eine große Konkurrenz und wirtschaftlich hat man nicht die Möglichkeiten, den Ausfall der TV-Gelder auszugleichen. Aue könnte den Weg von Energie Cottbus gehen und als nach oben schielendes Team in der dritten Liga landen, dort aber ganz gut aufgehoben sein.

Zwei Entscheidungen stehen in der zweiten Liga noch aus. 1860 München kann sich gegen Holstein Kiel noch über die Relegation den Klassenerhalt retten, was angesichts der Unruhe im Verein und um den Verein herum und der kühlen Kontermannschaft Kiel als Gegner eher schwer wird. Und Karlsruhe bekommt die Chance, sich durch einen Relegationssieg gegen den Hamburger SV eine längere Sommerpause zu organisieren. Schafft man das nicht, werden es nur irgendwas zwischen zwei und drei Wochen Urlaub. Wobei die Vorbereitung bei drei Wochen Urlaub schon sehr knapp werden würde.

Sonst so: Rouwen Hennings wird mit 17 Treffern in nur 27 Spielen absolut verdienter Torschützenkönig. Pascal Groß ist mit 23 Torvorbereitungen diesbezüglich absolut unschlagbar. Stefan Kulovits sammelte mit dem SV Sandhausen in nur 28 Einsätzen gleich 14 gelbe Karten. Kaiserslauterns Markus Karl folgt knapp dahinter mit 13 (bei allerdings 32 Einsätzen). Zwei Platzverweise und neun gelbe Karten gingen an Stephan Schröck (Fürth). Heißsporn Javier Pinola (Nürnberg) folgte mit zwei Platzverweise (davon einmal glatt rot) und sieben gelben Karten direkt dahinter.

Aalen und St. Pauli waren mit fünf bzw. vier Treffern die absoluten Eigentorkönige. In Aalen war man damit für jeden neunten Gegentreffer gleich mal selbst verantwortlich. Kaiserslautern, Nürnberg und Düsseldorf schafften als einzige Teams den Sprung über den 30.000er-Besucherschnitt.

Aue schaffte mit fünf Pleiten am Stück gleich zu Beginn der Saison die längste Niederlagen-Serie. Wäre diese Serie nicht gewesen, wäre man drin geblieben in der Liga. Braunschweig gewann mit fünf Partien hintereinander die meisten am Stück (11.-15. ST). Worin sich auch zeigt, was bei mehr Konstanz im Saisonverlauf für den Absteiger aus der Bundesliga drin gewesen wäre.

Darmstadt war zwischendurch mal (zwischen Düsseldorf und Düsseldorf) 16 Spiele lang unbesiegt. Frankfurt auf der anderen Seite hätte sich mit 11 Spielen ohne Sieg zwischen 23. und 33. Spieltag fast noch in die dritte Liga geschossen. Dank eines durch eine Autowäsche gesäuberten Teams von Neu-Coach Tomas Oral blieb man dann aber doch noch drin. Ob auch Tomas Oral in der zweiten Liga drin bleibt, wird man erst noch sehen. Direkt nach dem Spiel sah Oral so fertig aus, als hätte er ein NHL-Spiel mit vierfacher Overtime selbst bestritten.

Ob man von Oral Abschied nehmen muss, weiß man also noch nicht. Viele andere wurden am Wochenende bei ihren Vereinen allerdings verabschiedet. Besonders emotional ging es dabei bei Andreas „Lumpi“ Lambertz in Düsseldorf zu, der in der kommenden Saison mit 30 erstmals in seiner Karriere bei einem anderen Verein als der Fortuna, für die er von der ersten bis zur vierten Liga Spiele bestritt, auflaufen muss.

In Kaiserslautern trennte man sich zudem von Torwart Tobias Sippel, der dem Verein offenbar zu teuer wurde und wie Lambertz (allerdings schon mit 27) erstmals bei einem anderen Verein als seinem FCK unterschreiben wird.

Nicht ganz so lang wie die beiden bei ihren Vereinen war Daniel Frahn, der aber ähnlich emotional verabschiedet wurde. Nach fünf Jahren RB, davon vieren als Kapitän was das sportliche Ende der Fahnenstange erreicht. Gefeiert wurde er vom Publikum trotzdem noch mal.

So wie allerlei Spieler mehr an diesem Wochenende, die für ihre jeweiligen Vereine ein letztes Mal antraten und für die jeweiligen Fans eine besondere Bedeutung haben. Das Ende der Saison lässt diese Form der Abschiedssentimentalität glücklichweise zu. Abschiede, die auch wieder den Weg frei machen für neue Geschichten in der neuen Saison.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl nach der Winterpause, Punktzahl in den letzten sechs Spielen, Punkte in der Rückrunde. Aalen und Sandhausen sind mit den sportlich errungenen Punkten verzeichnet. Abgezogen werden müssen davon noch die zwei bzw. drei Punkte resultierend aus DFL-Strafen wegen Lizenzverstößen.

SubjektivGesamtn WPRRletzte 6
Ingolstadt16424289
Darmstadt259263010
Karlsruhe358252810
Kaiserslautern45624286
Berlin547232611
Heidenheim647212112
Leipzig75021237
Braunschweig85017236
Nürnberg945182210
St. Pauli1037212412
Sandhausen114222226
Bochum124219217
Aue1336222311
Frankfurt143918214
München1536192110
Aalen163316177
Düsseldorf174413164
Fürth183714167

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