2.Bundesliga: RB Leipzig vs. SpVgg Greuther Fürth 2:0

Letzter Spieltag für RB Leipzig. Das Ende einer langen Saisonreise, die unter anderem mit dem 3:0 bei 1860 fulminant begann und im Verlauf ein paar Aufs und Abs hatte. Am Ende ging es bei bestem Fußballwetter noch mal bergauf und wurden meist harmlose Fürther mit einem völlig verdienten und ungefährdeten 2:0 nach Hause geschickt.

Ins Spiel gegangen war RB Leipzig in der Abwehr mal wieder mit einer veränderten Viererkette. Lukas Klostermann ersetzte links hinten den gesperrten Anthony Jung und spielte eine ordentliche Partie, in der er auch offensiv ein paar Akzente setzte. Im Sturm rutschte zudem Daniel Frahn für Omer Damari, der etwas überraschend nicht mal im Kader stand, für seinen letzten Auftritt im RB-Trikot ins Team.

Angesichts der Tatsache, dass die Gäste noch mitten im Abstiegskampf steckten, musste man von aufopferungsvoller Gegenwehr ausgehen. Gerade vor diesem Hintergrund war die passive Spielweise Fürths schwerlich nachzuvollziehen. Vor der Viererabwehr stand defensiv meist eine Fünfermittelfeldkette, mit der man versuchte, die Räume zu schließen. So richtig effektiv war diese reaktive Spielweise aber nicht, weil man sich mit den Ketten so weit in der eigenen Hälfte verschanzte, dass RB Leipzig sich aus der Abwehr heraus in Ruhe den Ball so lange hin- und herschieben und zurechtlegen konnte, bis man dann doch mal eine Lücke fand.

Fürth auf der anderen Seite gewann aufgrund der Feldposition die Bälle im Normalfall so tief, dass man gar nicht wirklich in Kontersituationen kam. Auch weil sich nur sehr wenige Spieler am offensiven Umkehrspiel beteiligten und man so in Unterzahl den Ball beim Gang über das komplette Spielfeld meist schnell verlor.

Heraus kam ein eher mühseliges Spiel. Die einen mühten sich defensiv um Ordnung, die anderen mühten sich um offensive Gefahr. Torgefahr entstand dabei eine knappe halbe Stunde lang praktisch gar nicht. Bis Emil Forsberg einen seiner genialen Momente auspackte und den in die Tiefe startenden Poulsen perfekt bediente. Der behielt den Kopf oben und legte noch mal quer, sodass ausgerechnet Daniel Frahn den Ball nur noch über die Linie zu schieben brauchte. Der Kapitän erzielt das 1:0. Fast fühlte man sich wie in alten Zeiten, als dies ungefähr im Zweiwochenrhythmus der Fall war.

Ein letztes Mal in Feierlaune mit RB Leipzig - Daniel Frahn verabschiedet sich standesgemäß als Einheizer vor dem Fanblock | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Nicht dass Fürth nach dem Rückstand mehr in das Offensivspiel investiert hätte, aber knapp 10 Minuten nach dem Rückstand hatte man auch die erste Chance. Nach einem Standard, was gefühlsmäßig im ganzen Spiel die einzige Chance gewesen wäre, ein Tor zu schießen, kam Innenverteidiger Benedikt Röcker zum Kopfball und setzte diesen knapp am linken Pfosten vorbei. Es sollte in 90 Minuten der einzige Torabschluss von innerhalb des Strafraums bleiben. Bei insgesamt sowieso nur drei Versuchen.

RB Leipzig hatte durch Yussuf Poulsen kurz vor der Pause die nächste große Chance als er nach einem perfekt gespielten Konter im Eins gegen Eins am Gästekeeper Wolfgang Hesl scheiterte. So dass es Dominik Kaiser vorbehalten blieb, die Führung auszubauen und wieder mal einen Freistoß direkt im Tor zu versenken. Schon zum vierten Mal in dieser Saison traf der Mittelfeldmann aus solch einer Situation heraus. Eine Topquote.

2:0 stand es zur Pause und Fürth stand aufgrund der Resultate auf den anderen Plätzen nur aufgrund der besseren Tordifferenz nicht auf dem Relegationsrang. Wer jetzt erwartet hatte, dass sich die Franken noch mal richtig um mindestens einen Punkt bemühen, der sah sich getäuscht. Denn weiterhin wurde primär das eigene Tor abgesichert und im offensiven Umschaltspiel entsprechend kaum nachgerückt. Prototypisch eine Situation, in der Marco Rapp sogar mal relativ aussichtsreich in die RB-Hälfte marschiert. Aber dabei keinerlei Unterstützung in Form einer nachrückenden Anspielstation erhält. Und so relativ leicht gedoppelt und gestoppt werden kann.

Man hatte zeitweise das Gefühl, als würde Fürth die eigene Niederlage frühzeitig anerkennen und einfach abwarten, was wohl die Konkurrenz machen würde. Wenn man bedenkt, dass Aue und St. Pauli nur jeweils ein Tor mehr hätten schießen müssen, damit Fürth auf den Relegationsplatz rutscht, ist das ganze mit Vabanquespiel recht freundlich umschrieben. Erstaunlich, wenn man sich auch daran erinnert, dass die SpVgg im Hinspiel noch über einen Offensivplan (wenn auch keinen Goalgetter) verfügte und nur unglücklich mit 0:1 gegen RB verlor.

Den RasenBallsportler war es recht, konnten sie das Spiel doch so gegen offensiv harmlose, aber in der Gesamtorganisation in der zweiten Hälfte etwas griffigere Gäste weiter dominieren und den Takt bestimmen. Poulsen und Frahn hatten in der Viertelstunde nach der Pause frei vor Hesl noch mal Großchancen, das Ergebnis noch deutlicher (und vielleicht zu deutlich) zu gestalten, scheiterten aber beide am Gästekeeper.

Die letzte halbe Stunde tröpfelte dann so herunter. Auf Gastgeberseite beschäftigte man sich mit Spielerwechseln und dem Feiern der Aus- und Eingewechselten, die zum letzten Mal im Trikot von RB Leipzig aufliefen. Auf Gästeseite wartete man auf den Schlusspfiff und die Resultate von den anderen Plätzen. Auf dem Platz passierte dagegen fußballerisch nicht mehr viel. Hier noch mal eine Hacke, dort noch mal ein Versuch am Strafraum. Doch zwingend wurde RB Leipzig nicht mehr und Greuther Fürth hatte diesbezüglich ihr Pulver schon mit dem Röcker-Kopfball in der ersten Halbzeit verschossen.

Was blieb war angesichts der Relevanz der Begegnung für die Gäste ein Kick mit erstaunlich viel Sommerfußball, aber auch mit erstaunlich viel Dominanz durch Spielkontrolle durch RB Leipzig. Reichlich 430 angekommene Pässe zählte die Statistik am Ende. Doppelt so viele wie bei den Gästen. Was wieder mal die in den letzten Jahren gewonnene These bestätigte, dass sich RB Leipzig durchaus leichter tut, wenn sie bis in die gegnerische Hälfte nicht angegriffen werden und sich den Gegner in Strafraumnähe zurechtlegen können.

Bei jedem Spielaufbau bestand immer auch die Möglichkeit, den Ball unter Druck einfach wieder hinten rum über die pressingunbeachteten Innenverteidiger zu spielen und die nächste Lücke zu suchen. Das machten die RasenBallsportler gut, aber es wurde ihnen auch vergleichsweise einfach gemacht. Fast folgerichtig, dass bei diesem Spielchen irgendwann auch Chancen und Tore abfielen.

Fazit: Es war ein verdienter und ungefährdeter Sieg, den RB Leipzig zum Saisonabschluss gegen die SpVgg Greuther Fürth einfuhr. Weil man im Ballbesitz viele Freiheiten in der Entwicklung von Angriffen und von Zeit zu Zeit auch sehr gute Ideen beim Spiel in die Tiefe hatte. Nach drei Niederlagen in Folge war der Sieg ein versöhnlicher Schlusspunkt, der das im Team steckende Potenzial mal wieder andeutete. Nehme man das als Arbeitsgrundlage mit in die neue Saison.

Randbemerkung 1: Ein Tag wie gemalt für den Abschied vom Kapitän. Verabschiedung vor dem Spiel mit viel Applaus und vielen verdrückten Tränchen. Dann macht Daniel Frahn wie so oft in seiner Zeit in Leipzig das 1:0 und genießt seinen persönlichen Feiermoment mit dem Fanblock. Kurz vor Schluss kriegt er seine Auswechslung und Standing Ovations des ganzen Stadions inklusive „Ohne Daniel wären wir gar nicht hier“-Chören. Und nach dem Abfiff darf er noch mal mit dem Fanblock feiern. Es gibt kaum jemanden, der so für RB Leipzig steht und immer hinter RB Leipzig stand wie Daniel Frahn, der seit fünf Jahren im Verein und seit vier Jahren Kapitän ist. Auch wenn es in dieser Zweitligasaison sportlich nicht immer reichte, hat er von den Stürmern trotzdem die zweitbeste Torbilanz und traf am Ende alle 300 Minuten. Daniel Frahn wird dem Verein als Gesicht und als Typ definitiv fehlen und eine Lücke hinterlassen, die schwer zu füllen ist. Als Sportdirektor hat man ganz sicher gute Argumente, den Umbruch auch auf Frahns Position durchzuführen. Als Zuschauer und Anhänger bleibt das Tränchen und ein großes Danke für fünf meist großartige Jahre. Auf irgendwann einmal wieder, Käpt’n.

Randbemerkung 2: Großartig, dass es der Verein diesmal tatsächlich geschafft hat, alle Abgänge beim letzten Heimspiel gebührend vor dem Spiel zu verabschieden und ihnen den fälligen Dank vom Publikum zu ermöglichen. Das war in den letzten Jahren nicht immer so (möglich). Neben Daniel Frahn durften sich so Thomas Dähne, Henrik Ernst (geht runter zur U23), Rodnei, Yordy Reyna und vor allem Joshua Kimmich, Niklas Hoheneder und Sebastian Heidinger ihren Applaus abholen. Ante Rebic darf auch gehen, wollte aber keinen Applaus und blieb der Verabschiedung fern. Selbst Coach Beierlorzer wusste offiziell nicht, wo Rebic eigentlich steckte. Auch eine Ansage zur völlig gescheiterten Beziehung RB-Rebic.. Adios alle miteinander und viel Glück an neuem Fußballorte.

Randbemerkung 3: Dass Fabian Franke nicht verabschiedet wurde, lässt hoffen, dass seine Verhandlungen mit RB Leipzig über einen Anschlussvertrag über die Saison hinaus doch noch nicht gescheitert sind..

Randbemerkung 4: Zwei weitere Entscheidungen sind gefallen. Aue tritt wegen der um fünf Treffer schlechteren Tordifferenz den bitteren Gang in die Drittklassigkeit an. Ein Schritt, der für einen Verein mit der Größe und Wirtschaftskraft besonders bitter ist, weil der Weg zurück extrem schwer werden dürfte. Darmstadt schafft am anderen Ende tatsächlich das Märchen und steigt in die Bundesliga auf. Glückwunsch dazu. Genau wie Richtung Sandhausen, Fürth, St. Pauli und Frankfurt zum Klassenerhalt. Karlsruhe darf derweil nachsitzen und spielt Relegation gegen den HSV, während 1860 nachsitzen muss und Relegation gegen Kiel spielt. Am 02.06.2015 steht dann auch der letzte Teilnehmer der kommenden Zweitligasaison fest. Bedenkt man, dass RB Leipzig schon am 14.06. wieder mit dem Training beginnt, dann hat man eine ungefähre Idee, dass die Sommerpause in diesem Jahr wieder mal ordentlich knapp bemessen ist..

Randbemerkung 5: Riesige, extrem aufwändige Stadionchoreo zum 1000jährigen der Stadt mit allerlei Leipzig-Historie, Personen der Stadtgeschichte und hochgezogenen Bannern in allen Sektoren unter dem Motto „Leipzig, ein Ort wo man die ganze Welt im kleinen sehen kann.“ Choreotechnisch absolut top und Respekt an die verantwortlichen Fangruppen für den betriebenen Aufwand. Für mich persönlich fühlt sich der große Leipzig-Pathos allerdings weiterhin fremd an.

Randbemerkung 6: Apropos riesig. In Sachen Gigantonomie war das Banner, das vereinsseitig nach dem Spiel auf dem Rasen ausgebreitet wurde und mit dem man den Fans für ihre Unterstützung dankte („Ihr seid groß, größer, noch größer, die absolut Größten“), definitiv nicht zu übertreffen. Handgeschätzt 50 mal 20 Meter Stoff hatte man dafür bedrucken lassen. Ein wenig beschlich einen das Gefühl, dass weniger in dem Fall mehr gewesen wäre, aber wer will angesichts der Geste schon meckern.

Randbemerkung 7: Ende der Saison. Man verabschiedet sich als Fünfter. Klar wäre angesichts der fehlenden Überteams in dier Liga mehr drin gewesen, aber dazu hat man sich selbst zu viel Unruhe in den Verein gebracht, hatte gerade in der Hinrunde auch einige Ausfälle und physische Folgeprobleme, die nicht in ausreichendem Maße kompensierbar waren und auf der Zielgerade zu wenig Konstanz. Durch den Sieg gegen Fürth bleibt aber ein versöhnlicher Schlusspunkt unter eine interessante Spielzeit und insgesamt im Rückblick ein gutes Gefühl. Vielleicht ist das aber auch nur der typischen Saisonabschlusssentimentalität geschuldet.

Lichtblicke:

  • Daniel Frahn: Ganz einfach, weil es Daniel Frahn ist. Stellvertretend für 5 Jahre RB Leipzig, in denen er immer voll dabei war, auch wenn es am Ende sportlich nicht mehr immer reichte.
  • Diego Demme: Enorm präsent. Viel gelaufen, viele Bälle erobert, dem Mittelfeld in beide Richtungen die nötige Stabilität gegeben. Zum Ende der Saison hin noch mal in Topform.
  • Dominik Kaiser: Zweitbester Torschütze im Team. Bester Vorbereiter. Auch eine Nennung für die Saisongesamtleistung und für seine Ärmel-hoch-Mentalität. Gegen Fürth wunderschöner Freistoß zum 2:0 und ansonsten viel unterwegs und auffällig.

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Tore: 1:0 Frahn (29.), 2:0 Kaiser (45.)

Aufstellung RB Leipzig: Bellot – Teigl (64. Kimmich), Sebastian, Compper, Klostermann – Khedira (70. Heidinger) – Poulsen, Demme, Kaiser, Forsberg – Frahn (84. Hoheneder); nicht eingewechselt: Dähne, Rodnei, Hierländer, Reyna; nicht im Kader: Boyd, Coltorti (verletzt bzw. noch nicht wieder fit), Jung (gesperrt), Ernst, Strauß, Franke, Kalmár, Rebic, Damari

Aufstellung SpVgg Greuther Fürth: Hesl – Wurtz, Caligiuri, Röcker, Lam – Stiepermann (66. Tripic), Sukalo, Fürstner, Rapp, Schröck (85. Freis) – Zulj

Schiedsrichter: Jochen Drees (Souveräne Spielleitung mit nachvollziehbarer Kartenverteilung in einer Partie, in der es ihm beide Mannschaften recht leicht machten.)

Gelbe Karten: Sebastian (7.), Kaiser (8.) – Röcker, Schröck, Fürstner

Zuschauer: 27.117 (davon 1.700 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], SpVgg-Bericht, Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Ticker

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  • Torschüsse: 13 : 3
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 5 : 1
  • gewonnene Zweikämpfe: 46,6% : 53,4%
  • Ballbesitz: 57,7% : 42,3%
  • Passquote: 82,4% : 69,8%
  • Laufstrecke: 112,9 km – 110,3 km
  • Sprints: 173 – 135
  • Fouls: 22 : 12
  • Ecken: 3 : 2
  • Abseits: 3 : 0
  • Meiste Torschüsse: Frahn: 3 – Röcker, Rapp, Zulj: je 1
  • Meiste Torschussvorlagen: Poulsen: 4 – Röcker, Stiepermann, Wurtz: je 1
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Sebastian: 70,6% – Röcker: 80,0%
  • Meiste Ballkontakte: Sebastian: 106 – Wurtz: 66
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Khedira: 93,0% – Lam: 84,6%
  • Größte Laufstrecke: Demme: 12,1 km – Sukalo: 11,6 km
  • Meiste Sprints: Poulsen: 35 – Schröck: 23

Statistiken von bundesliga.de, bild.de

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Saisontorschützen: Poulsen – 11; Kaiser – 8; Frahn – 4; Teigl – 3; Boyd, Kimmich – je 2; Coltorti, Klostermann, Reyna, Rodnei, Thomalla, Morys, Hoheneder, Holthaus (VfL Bochum/ Eigentor), Verhoek (St. Pauli/ Eigentor) – je 1 Treffer

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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4 Gedanken zu „2.Bundesliga: RB Leipzig vs. SpVgg Greuther Fürth 2:0“

  1. Vielen Dank
    für die immer ausführliche Berichterstattung vor und nach den Spielen.
    Auf gehts in die nächste 2.Ligasaison.

  2. @rasenballist: Ich sag ja auch nicht, dass es nicht sein darf, ich sag ja nur, dass es mir fremd ist. 😉

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