Was von Spieltag 33 bleibt

Der Kreis der Mannschaften, für die es in der zweiten Liga noch um etwas geht, wird zwar kleiner, aber immer noch ist die Hälfte der Liga in Aufstiegs- oder Abstiegsfragen involviert. Am 33. Spieltag haben sich nur zwei Mannschaften aus dem Kampf um wichtige Plätze verabschiedet. Ganz oben hat sich der FC Ingolstadt die absolut verdiente Meisterschaft gesichert. Und ganz unten kommt der VfR Aalen nicht mehr vom letzten Platz weg.

Zumindest nicht, wenn man nicht doch noch Erfolg hat, gegen den Zweipunkteabzug wegen Lizenzverstößen vor DFB- oder ordentlichen Gerichtsinstanzen vorzugehen. Wobei es sein kann, dass sie nach dem letzten Spieltag selbst mit zwei zurückgewonnenen Punkten nicht mehr von einem Abstiegsplatz wegkommen würden. Ganz im Gegenteil droht nun sogar der Komplettabsturz, denn Aalens Präsident Berndt-Ulrich Scholz sah gestern im Kicker noch nicht, dass man die finanziellen Bedingungen, die die dritte Liga mit sich bringt, erfüllen kann. Von der zweiten Liga in die Regionalliga. Davon würde sich der Verein wohl auf Jahre nicht erholen. Zumindest nicht in einer Form, die sie zurück in eine DFL-Liga bringen würde.

Vor dem Absturz zumindest in die dritte Liga steht auch der FSV Frankfurt, der nach sieben niederlagenlosen Spielen nach der Winterpause schon gerettet schien, weil man nach 26 Spieltagen 12 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hatte. Auf dem steht der Club nun nach 33 Spielen und sechs Punkten aus den letzten 11 Partien selber. Woraufhin beim Verein offenbar die völlige Panik einsetzte. Nicht nur, dass man Benno Möhlmann nach seinem 501. Zweitligaspiel entließ, nein auch vom Sportdirektor Uwe Stöver trennte man sich. Einen Spieltag vor dem Ende der Saison. Mitten in den laufenden Kaderplanungen. Aus strategischer Sicht das schlimmste aller Szenarien.

Richten soll es nun Tomas Oral, der den FSV zwischen 2006 und 2009 aus der Oberliga in die zweite Bundesliga geführt hatte. Seitdem arbeitete er bei RB Leipzig, in Ingolstadt und als Magath-Co-Trainer in Fulham meist überschaubar erfolgreich. Ganz grundsätzlich hat er sich in seiner Arbeit offenbar nicht verändert, denn an seinem ersten Arbeitstag schickte er die Mannschaft und alle Betreuer erst einmal in eine Autowaschanlage, um das miese Karma der letzten Wochen abzuwaschen. Hunderte Fußballer in Deutschland hoffen, dass er damit nicht erfolgreich sein und das künftig als anerkannte Teambuilding-Maßnahme bei anderen Vereinen übernommen wird. Spannend wird aber sportlich vor allem die Frage, wie Tomas Oral mit den gestandenen Profis beim FSV, von denen es dort ja einige gibt, klar kommen wird. In der Vergangenheit lief es diesbezüglich nicht immer rund.

Sechs Teams versuchen noch, den direkten Abstiegsplatz zu umgehen und im Idealfall auch die Relegation gegen unangenehme Kieler zu vermeiden. Alle sechs Clubs müssen ihr Glück am kommnden Wochenende in Auswärtsspielen versuchen. St. Pauli und 1860 haben es dabei bei Aufstiegskandidaten sicherlich am schwersten erwischt. Aber auch Aue, Frankfurt, Fürth und Sandhausen haben keine Selbstläufer vor der Brust.

Sandhausen hat dabei trotz eines machbaren Gegners (Bochum) das Problem, dass sie nach dem scheinbar in Leipzig schon gesicherten Klassenerhalt, anschließendem Dreipunkte-Abzug durch die DFL und der folgenden 0:2-Niederlage gegen Düsseldorf plötzlich noch mal mit 100% die eigentlich schon beendete Saison beschließen müssen. Ein Punkt braucht man noch, weil man gegenüber Frankfurt nicht nur zwei Punkte Vorsprung, sondern auch das um acht Tore bessere Torverhältnis hat. Dass der FSV Frankfurt das letzte Spiel mit acht Toren gewinnt, ist selbst beim abschließenden Gastgeber Fortuna Düsseldorf, die in den letzten Wochen gern mal den Aufbaugegner gaben, praktisch ausgeschlossen.

Noch nie seit aus der zweiten Liga nur noch zwei Mannschaften direkt absteigen (also seit 2008/2009), hatte ein Team auf Platz 17 am Ende so viele Punkte wie Aue jetzt schon nach 33 Spielen (noch nie hatte ein Tabellenletzter auch 31 Punkte wie Aalen jetzt). Das Maximum, das in dieser Zeit nur für einen Relegationsplatz reichte, waren 37 Punkte von Dynamo Dresden 2012/2013. Im Extremfall könnte man in dieser Saison aber sogar mit 39 Punkten noch auf einem Relegationsplatz landen. Die alte Faustformel, dass man 40 Punkte für den Klassenerhalt brauche, wird in dieser Spielzeit also fast mit Leben erfüllt. Fast, weil der 15. schon rein rechnerisch nicht mehr auf mehr als 39 Punkte kommen kann.

Nimmt man mal Sandhausen raus, die wohl maximal noch auf den Relegationsrang rutschen könnten, bleiben fünf Teams, die allesamt ‚gute‘ Chancen haben, noch direkt abzusteigen. Und am Ende könnte es sein, dass die Plätze aufgrund des Torverhältnisses vergeben werden. Das gute alte Transistorradio könnte vor allem in Stadien mit schwierigem Internetempfang wieder in Mode kommen. Wobei, bei der heutigen Einlasspolitik in manchen Stadien muss man wohl solche Geräte vor dem Betreten des Stadions abgeben..

Am unteren Ende der Tabellenende geht es also in einem historischen Sinne nicht nur eng zu, sondern werden auch außergewöhnlich viele Punkte gesammelt. Was sich auch darin ausdrückt, dass St. Pauli, Aue, Sandhausen und 1860 München zu den zehn besten Teams der Rückrunde gehören und nur Fürth, Aalen und Frankfurt sich zusammen mit Düsseldorf auf den letzten vier Plätzen einfinden. Gerade mal 11 Punkte trennen das beste und das schlechteste Rückrundenteam ein Spiel vor dem Ende der Rückrunde. In der Hinrunde hatte das beste Team noch 23 Punkte mehr als das schlechteste gesammelt. Schon verrückt, was in Sachen ausgeglichenem Wettbewerb in den letzten Wochen passiert ist.

Wenn im Keller viele Punkt gesammelt werden, dann müssen diese fast schon zwangsläufig oben fehlen. Mit höchstens 59 Punkten wird der direkte Aufstiegsrang hinter Ingolstadt am Ende weggehen. Erst dreimal seit Einführung der Dreipunktregel 1995 belegte eine Mannschaft mit weniger als 60 Punkten Platz 2. Und das letzte Mal ist bereits 11 Jahre her, als Bielefeld 2004 56 Punkte reichten und Mainz mit 54 Punkten den historischen Minuswert für Rang 3 einfuhr (damals alles noch ohne Relegation). Den Rekord von Mainz wird diese Saison man nicht mehr knacken, da Karlsruhe und Kaiserslautern auf 3 und 4 schon jetzt bei 55 Punkten stehen. Der Bielefeld-Rekord ist aber zumindest noch einstellbar, da Darmstadt derzeit mit 56 Punkten Zweiter ist. Wenn man die bisherige Saison als Maßstab nimmt, dann ist es durchaus vorstellbar, dass nach dem letzten Spieltag die Aufstiegskandidaten immer noch bei 56 oder weniger Punkten verbleiben.

Bestimmt wurde der 33.Spieltag wieder mal von Schiedsrichterdebatten. Durchaus nachvollziehbar angesichts dessen, worum es aktuell für viele Vereine geht. Heraus ragten dabei der aufgrund einer Intervention des vierten Offiziellen zu Recht zurückgenommene Elfer in Aue und das zu Unrecht zurückgenommene Tor in München. Letztlich ist es halt wie es ist als Schiedsrichter. Manchmal (oder meistens) hast du Glück mit deiner Entscheidung, manchmal nicht. Auffällig nur, dass ein Videobeweis via eines Oberschiedsrichters beim Spiel 1860 gegen Nürnberg auch nicht mehr Zeit in Anspruch genommen hätte als die ewigen Debatten des Schiedsrichterteams untereinander. Und zusätzlich auch noch zu einem korrekten Ergebnis geführt hätte. Aber gut, das Thema Videobeweis würde an der Stelle zu weit führen und lässt sich sicherlich nicht anhand eines Einzelfalls diskutieren.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl nach der Winterpause, Punktzahl in den letzten sechs Spielen, Punkte in der Rückrunde. Aalen und Sandhausen sind mit den sportlich errungenen Punkten verzeichnet. Abgezogen werden müssen davon noch die zwei bzw. drei Punkte resultierend aus DFL-Strafen wegen Lizenzverstößen.

SubjektivGesamtn WPletzte 6RR
Ingolstadt163231127
Darmstadt25623827
Karlsruhe355221025
Kaiserslautern45523627
Heidenheim545201120
Berlin64420923
Braunschweig75017923
St. Pauli837211224
Nürnberg94215819
Sandhausen104121821
Leipzig114718720
Bochum124118620
München1336191021
Aue1435211022
Aalen153316817
Düsseldorf164413516
Fürth173714816
Frankfurt183615218

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4 Gedanken zu „Was von Spieltag 33 bleibt“

  1. An diesem wie immer sehr ausführlichen Bericht sieht jeder Fußballfreund im Allgemeinen, dass speziell in diesem Teil Leipzigs gegenwärtig wohl schon die Luft völlig raus zu sein scheint, weil der eigenen Mannschaft diesmal kaum mehr ein Wort gewidmet wird, stattdessen die Abstiegskandidaten im Vordergrund stehen…..

    Es ist auch leider im Verein das in der Vergangenheit oft zitierte „Wir“- Gefühl nicht mehr zu erkennen. Die letzten ungenügenden Leistungen der Spieler verdarben längst eine mögliche Fortsetzung der Tätigkeit des „Interimstrainers“ Beierlorzer, der zumindest aus dem Blick der Fernsehperspektive bestimmt weiterhin gut zur Truppe gepasst hätte. Wie man allerdings seitens der sportlichen Leitung, die allein durch die Person des mittlerweile umstrittenen R.Rangnick verkörpert wird, mit verschiedenen langjährig vereinstreuen Akteuren in Hinsicht von deren Zukunftsgedanken umgeht, ist nicht nur als unprofessionell, sondern fast schon als sträflich zu bezeichnen! Falls auch zum gegebenen Zeitpunkt kein vernünftiges Resümee über jede einzelne Geldausgabe zur entsprechend jeweils abgelieferten Leistung der einzelnen „Investition“ erfolgen sollte, ist aus meiner Sicht das weitere Verfolgen des nächst höheren Zieles mit der Personalie R.R. in der kommenden Saison bestimmt zwecklos!

    Es wird vermutlich aus Sicht der „Einkäufer“ erneut ohne der Beachtung, ein vorzügliches eigenes Nachwuchshinterland zu besitzen, mit Hilfe der zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel, demnächst wieder auf spektakuläre Neuzugänge zurückgegriffen werden. Wenn aber nicht „von oben“ gleichzeitig auf eine notwendige Harmonie, wie man sie z.B. in Darmstadt findet, geachtet wird, bleibt auch der große Wunsch im nächsten Jahr mit Sicherheit wiederholt unerfüllt!

    Die Meldung von einem der RB-Leipzig -Ex-Trainer, Thomas Oral, ließ allerdings aufhorchen, als er für ein evtl. nur kurzes Gastspiel beim FSV Frankfurt seine Spieler zum „Säubern der Gedanken“ durch eine „Autowaschstraße“ schickte….

    Hat nicht Leipzig auch Tankstellen mit solchen Einrichtungen?

  2. @HUKL: Wenn man dieser Spieltagsnachbetrachtunsrubrik in den letzten Folgen ein bisschen gefolgt ist, wird man feststellen, dass es nicht sehr oft und nicht umfangreich um RB Leipzig ging. Was vor allem damit zu tun hat, dass es in dieser Rubrik eben um die zweite Liga und ihre Geschichten bzw. sportlichen Ereignisse und weniger um Leipzig geht. Kann schon mal vorkommen, ist aber nicht das zentrale Thema.

  3. nicht zu vergessen, dass das letzte spiel von RB + eventuelle neuigkeiten rund um RB in den dazu passenden (genügend vorhandenen) einzelartikeln besprochen werden.

    .. aber hier ist es halt so wie so üblich … ein jeder dreht sich seine welt .. wie es ihm gefällt 😉

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