Was von Spieltag 32 bleibt

Darmstadt, Darmstadt und immer wieder Darmstadt. Man kann von dem Verein fußballerisch und bezüglich dem, was da so manchmal idelogisch aus den Vereinsspitzen tröpfelt, halten was man will (und wer hier oft mitliest weiß, dass ich meinen Frieden damit noch lange nicht gemacht habe), aber es bleibt nichts anderes als vor dem Erfolg des Teams ganz tief den Hut zu ziehen. Auch nach dem 32. Spieltag der 2.Bundesliga wieder, nach dem die Hessen als großer Gewinner im Aufstiegskampf dastehen.

Es ist simpel, was man in Darmstadt macht. Viele Spieler immer hinter dem Ball aggressiv oder auch mal tief verteidigend. Im Spiel mit dem Ball fast ausschließlich den langen Ball und Standards suchend. Aus dem Spiel gegen den Ball auch immer wieder die schnellen Außenbahnen mitnehmend. Nichts verrücktes, aber in seiner Perfektion und Fokussierung auf Physis so schwer zu besiegen. Wie auch viele ambitionierte Zweitligateams lernen mussten.

Noch beeindruckender aber fast, wie man jetzt seit über einem Jahr gerade in wichtigen Spielen immer wieder die Nerven und den Kopf oben behält und Siege einfährt. Schon letztes Jahr in der dritten Liga, als man RB Leipzig lange einen ordentlichen Kampf um Platz 2 bot. Nicht zu vergessen natürlich die Relegation gegen Bielefeld, als man schon fast mausetot war und trotzdem als großer Sieger zurückkam.

Und so auch dieses Jahr wieder, als man sich von dem Schlag der Niederlage in der Schlusssekunde beim Spiel in Leipzig nicht aus der Bahn werfen ließ und einfach die nächsten beiden Spiele gegen Kaiserslautern und in Karlsruhe gegen die direkte Konkurrenz gewann. Bestes Rückrundenteam, bestes Team 2015. Tabellenplatz 2 kommt für Darmstadt alles andere als zufällig.

Dirk Schuster hatte kürzlich irgendwo (ich glaube im Kicker) davon gesprochen, dass man Glück gehabt habe, dass die Neuzugänge nichts am funktionierenden Teamgeist verändert habe. Tatsächlich sprechen viele Spiele der Lilien dafür, dass man über sportliche Abläufe verfügt, die allen Spielern ins Blut übergegangen sind. Und es spricht dafür, dass die soziale Gruppe auch jenseits des sportlichen so gut funktioniert, dass man sich in jeder Situation und bei jedem Spielstand auf den Nebenmann zu 100% verlässt und deswegen niemals Glauben und Ruhe verliert. Wie gesagt, man muss nicht alles mögen am SV Darmstadt 98, aber wenn man ehrlich zu sich ist, dann darf man trotzdem vieles, was Dirk Schuster angepackt und umgesetzt hat, ziemlich beeindruckend finden.

Nicht in Feierlaune, wie es Dirk Schuster insgeheim vielleicht schon ist, war derweil Benno Möhlmann am Wochenende. Dabei hätte er allen Grund zum Feiern gehabt, schließlich saß er bei seinem 500. Zweitligaspiel als Trainer auf der Bank. Das sind fast 15 komplette Spielzeiten in verantwortlicher Position. Eine unfassbar lange Zeit, wenn man die übliche Halbwertzeit von Übungsleitern in Betracht zieht. Dass er ausgerechnet zum Jubiläum einer 0:1-Niederlage gegen 1860 München beiwohnen und wieder stark um den Klassenerhalt zittern muss, darauf hätte Benno Möhlmann wohl gern verzichtet.

Verrückt ist er sowieso dieser Abstiegskampf, in dem die letzten vier der Tabelle allesamt mehr oder minder unerwartete Auswärtssiege eingefahren haben. Ein echtes Nullsummenspiel trotz der teilweise emotional herausragenden Erfolge. Nur für Fürth nicht, die als zusammen mit Düsseldorf schlechtestes Rückrundenteam ganz tief im Strudel drinstecken. Nimmt man die Tendenz der letzten Wochen und Monate, dann spricht aktuell nicht viel für die Spielvereinigung.

Den Klassenerhalt schon gefeiert und doch wieder im Abstiegskampf angekommen derweil der SV Sandhausen. Da gewinnst du erst sensationell 4:0 in Leipzig und feierst schon ein weiteres Jahr zweite Liga, um dann vier Tage später von der DFL drei Punkte abgezogen zu bekommen und wieder in Reichweite der Abstiegsplätze zu sein. Emotional auch keine einfache Situation, wenn du dich schon gerettet wähnst und dann doch noch mal die Konzentration hochfahren musst.

Auch nicht einfach, dass man für kommende Saison gleich noch drei Punkte zusätzliche Punkte abgezogen bekommt, also im Abstiegskampf mit einer ordentlichen Hypothek ins Rennen geht. Merkwürdig und dank überschaubarer DFL-Informationspolitik auch schwer verständlich, warum die Strafe für Lizenzierungsverstöße auf diese und nächste Saison aufgeteilt und erst zwei Spiele vor dem Saisonende ausgesprochen wird.

Eine ähnliche emotionale Situation, wie sie Sandhausen erlebt, könnte auch dem FC Ingolstadt bevorstehen. Im Tennis ist ja oft so, dass Spieler gerade gegen stärkere Gegner zu zittern anfangen, wenn sie Matchbälle bekommen und den letzten Schritt dann plötzlich versauen, selbst wenn sie die Partie vorher dominiert oder perfektes Tennis gespielt haben.

Ingolstadt hatte in Bochum den ersten Matchball und vergab ihn trotz allerbester Ausgangslage und eigener Führung. Gegen Leipzig hat man den zweiten und in Kaiserslautern noch einen möglichen dritten. Mal sehen, ob der Spitzenreiter ausgerechnet jetzt zu zittern anfängt, nachdem er zuvor 31 fast perfekte Runden spielte. Wobei es in dieser Liga vermutlich am Ende so ist, dass Ingolstadt nicht aufsteigt, weil man den Matchball verwandelt, sondern weil andere an ihren Aufgaben in Aue oder Fürth scheitern..

Apropos Scheitern. Gescheitert ist auch Helmut Schulte als sportlicher Leiter von Fortuna Düsseldorf nach nur 14 Monaten. Was die ungünstige Situation zur Folge hat, dass der Sportdirektor, der Frank Kramer als neuen Trainer holte, nicht mehr da ist und Kramer vermutlich über kurz oder lang einen neuen Chef vor die Nase gesetzt kriegt. Suboptimale Gemengelage vor einer neuen Saison, in der auch Düsseldorf sicher wieder auf die Aufstiegsplätze schielen will. Kann gut gehen so eine Besetzungspolitik in den entscheidenden Positionen, muss es aber nicht.

Was sonst noch bleibt von Spieltag 32? Etwas, was die Liga vielleicht als untippbar ganz gut charakterisiert. Denn in sieben von neun Spielen gewann das schlechter platzierte Team, das auch mit dem Sieg den Kontrahenten nicht überholen konnte. Und gleich fünf dieser (mal mehr, mal weniger Außenseiter-)Siege passierten auswärts.

Die Relegationsränge 3 und 16 trennen entsprechend in der zweiten Liga nach 32 Spieltagen gerade mal 20 Punkte. In der Bundesliga liegen 32 Punkte zwischen diesen Plätzen. Wenn man einem relativ ausgeglichenen, sportlichen Wettbewerb folgen will, ist man in der zweiten Liga ganz gut aufgehoben. Vermutlich auch an den letzten zwei Spieltagen, an denen alle Spiele zeitgleich ausgetragen werden. Sprich, jeweils sonntags 15.30 Uhr gibt es die volle Dröhnung. Sollte noch mal ein großer Spaß werden.

————————————————–

Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl nach der Winterpause, Punktzahl in den letzten sechs Spielen, Punkte in der Rückrunde. Aalen und Sandhausen sind mit den sportlich errungenen Punkten verzeichnet. Abgezogen werden müssen davon noch die zwei bzw. drei Punkte resultierend aus DFL-Strafen wegen Lizenzverstößen.

SubjektivGesamtn WPletzte 6RR
Ingolstadt160201124
Darmstadt256231127
Kaiserslautern35422826
Braunschweig450171223
Karlsruhe55219822
Nürnberg64215819
Sandhausen74121921
Heidenheim84217817
Berlin94117720
Leipzig1047181020
Bochum114118620
Aue1234201221
St. Pauli1334181221
Aalen143316917
München153316718
Düsseldorf164110213
Frankfurt173615218
Fürth183411513

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.