2.Bundesliga: RB Leipzig vs. SV Sandhausen 0:4

Drittletztes Spiel der ersten Zweitligasaison. Für RB Leipzig ging es letztlich nicht mehr um viel, weil man nach der Niederlage beim FC St. Pauli aus dem Aufstiegskampf faktisch raus war. Erwartet wurde deshalb eine Mannschaft, die ohne Druck noch mal Wiedergutmachung leisten will und gegen Sandhausen gewinnt bzw. zumindest ein gutes Spiel abliefert. Heraus kam vor knapp 19.000 Zuschauern eine historische Heimpleite, bei der RB Leipzig im Spielverlauf in alle Einzelteile zerfiel und auch in der Höhe durchaus verdient verlor.

Ins Spiel gegangen war RB Leipzig erwartungsgemäß ohne Fabio Coltorti (verletzt) und Tim Sebastian (gesperrt). Dazu kamen kurzfristig noch Georg Teigl und Rodnei, die verletzungsbedingt passen mussten. Achim Beierlorzer entschied sich deshalb, in der Abwehrviererkette auf das Innenverteidiger-Duo Klostermann-Compper zu setzen und Diego Demme als Rechtsverteidiger starten zu lassen. In der Offensive ging es mit Damari, Reyna, Forsberg und Poulsen als Ergänzung zu Kaiser extrem geballt zu. Joshua Kimmich erhielt die Aufgabe, dies von der Sechs aus zu lenken und zusammenzuhalten.

Nicht ganz unentscheidend für die Partie, dass Joshua Kimmich erstmals seit Wochen mit dieser Rolle überhaupt nicht zurecht kam und einen enorm gebrauchten Tag erwischte. Gerade im Passspiel wirkte er ungewöhnlich unsicher und leistete sich zudem ein paar dem Spiel wenig zuträgliche Ballträgereien und Ballverluste.


Vielleicht wäre es verschmerzbar gewesen, wenn nur Kimmich einen schwachen Tag erwischt hätte, aber die individuellen Unzulänglichkeiten zogen sich im Spiel gegen Sandhausen durch alle RB-Mannschaftsteile. Beginnend beim unsicheren Marvin Compper (keine 50% Zweikampfquote) über den unglücklich agierenden Anthony Jung und den völlig neben den Schuhen stehenden Yussuf Poulsen bis hin zum mit zunehmender Spielzeit völlig in der Luft hängenden Omer Damari. Und da sind bei weitem noch nicht alle Spieler genannt, die weit weg waren von ihrer Leistungsgrenze.

Auffällig auch, dass Dominik Kaiser in der ersten Halbzeit fast völlig aus dem Spiel genommen wurde und sich oft ganz rechts in einer Art Viererkette vor Kimmich wiederfand, wo er keine Impulse setzen konnte und verschenkt war. Wenige Zweikämpfe, davon kaum einen gewonnen. Vergleichsweise wenige Pässe. Erst nach der Pause, als er nach reichlich 50 Minuten auf die Sechs rutschte, sah man wieder mehr vom gewohnten Spielmotor Kaiser.

Über die gesamte Partie gesehen kam von der ganzen Mannschaft von allem zu wenig. Offensiv fand man kaum ein Mittel, mal Geschwindigkeit ins Spiel zu bringen, weswegen die Waffen Poulsen und Reyna stumpf blieben. Die Alternative Passspiel aus dem Ballbesitz heraus sah meist nicht viel besser aus und scheiterte an Genauigkeit und Ideen.

Im Spiel gegen den Ball schaffte man es selten Druck auf den Gegner auszuüben. Meist lief man den Gegner zu spät an und dann auch oft ohne Mitwirkung des ganzen Teams, sodass das Anlaufen manchmal wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen und nicht wie Teamwork aussah und vor allem zu Lücken zwischen den Mannschaftsteilen führte, sodass Sandhausen wenig Mühe hatte, über die Pressingimitate hinwegzuspielen und sich in den Lücken auszutoben. Stürmer Aziz Bouhaddouz, der mit einem Hattrick zum großen Helden der Partie werden sollte, konnte deswegen bspw. immer wieder angespielt werden, hatte am Ende 55 Ballkontakte (die meisten seines Teams!, genauso viel wie Damari und Reyna zusammen) und konnte in der Offenisve so immer wieder Bälle sichern.

Individuell war es für viele Spieler also ein gebrauchter Tag und mannschaftlich passte im Zusammenspiel mit und gegen den Ball nur sehr wenig zusammen. Dazu kam dann noch eine Laufleistung, die im Vergleich zu sonstigen RB-Spielen deutlich unterdurchschnittlich war und eine miese Zweikampfquote. Sodass es nicht verwundern konnte, dass man am Ende chancenlos blieb, denn kein einziges RB-Puzzlestück war an diesem Tag in diesem Spiel gegen Sandhausen siegwürdig.

Trotz der vier Gegentore gegen Sandhausen sicher nicht der schlechteste auf dem Platz - Benjamin Bellot hält sein Team in der frühen Phase der Partie überhaupt erst im Rennen | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Dass dem so sein würde, ahnte man schon zu Beginn des Spiels, als der SV Sandhausen das gefälligere und gefährlichere Team stellte und sich immer wieder gen RB-Strafaum durchspielte. Schon in der 7.Minute hätte man sich dafür belohnen können, als Joshua Kimmich 10 Meter vor dem eigenen Strafraum ein Stockfehler passiert, Kevin Kratz danke sagt und Marco Thiede bedient, der im Strafraum Diego Demme entwischt war. Nur Benjamin Bellot hat was gegen das Tor und lenkt den Ball über die Latte.

Anschließend hatte man ein wenig (und das einzige Mal im Spiel) das Gefühl, dass RB Leipzig die Partie nun ein wenig an sich reißen könnte. Man versuchte es immer wieder vor allem über die linke Seite und Jung, Poulsen oder Reyna und war gelegentlich zumindest nah dran an potenzieller Torgefahr.

In der 13. Minute die wohl größte RB-Chance in der gesamten Partie, als Damari den Ball großartig im gegnerischen Strafraum sichert, unter Druck behauptet und auch noch den Blick für den freieren Nebenmann Emil Forsberg hat. Aber Forsberg bleibt seinen Auftritten im RB-Trikot treu. Bemüht, auffällig und oft die treibende Kraft, aber im Torabschluss sehr unglücklich. Und so vertändelt er auch in diesem Fall sechs Meter vor dem SVS-Tor diese Chance.

Nach einer reichlichen halben Stunde hat dann Achim Beierlorzer genug gesehen von seiner Defensive und fand, dass Diego Demme als Rechtsverteidiger nicht genug Zweikämpfe gewinnt und Klostermann wieder auf diese Position rücken soll. Niklas Hoheneder wird deswegen für Demme eingewechselt und rückt auf die Innenverteidigerposten. Der erste von zwei eher unglücklichen Wechseln.

Einerseits blieb es durchaus fragwürdig, ob die Höchststrafe für den extrem sauren Demme sein musste (zumal er ganz sicher nicht mit Abstand aus der Defensivkette nach unten herausfiel). Andererseits fiel quasi direkt im Anschluss an diese Aktion das 0:1. Compper hatte einen Einwurf unglücklich in die Mitte verlängert, wo es Marco Thiede nun besser machte als bei seinem ersten Versuch, den Ball in aller Ruhe annahm und aus der Drehung zwischen den neu zusammengeschmissenen und zu weit weg stehenden Hoheneder und Klostermann hindurch links unten in die Ecke vollendete.

Mit dem 0:1 ging es dann auch in die Kabine. Der Spielstand ging insgesamt in Ordnung, auch wenn die RasenBallsportler mehr für das Spiel taten. Zielstrebiger und gefährlicher blieben aber meist die Gäste, während auf RB-Seite nur noch zwei halbwegs gefährliche Abschlüsse durch Jung und Forsberg zu verzeichnen waren.

In der zweiten Halbzeit erwartete man dann einen Gastgeber, der noch mal alles dafür tun würde, das Spiel zu drehen. Aber wieder war es ein Wechsel, der dem Spiel die entscheidende Wendung zugunsten der Gäste gab. Nach reichlich 50 Minuten musste Joshua Kimmich den Platz verlassen und wurde durch Stefan Hierländer ersetzt. Auch hier durchaus fragwürdig, ausgerechnet jenen Spieler zu ersetzen, der in den letzten Wochen der ballsicherste und verantwortungsfreudigste Akteur bei RB Leipzig war. Klar, Kimmichs Auftriff bis dahin war nicht sonderlich gut, aber wie schon bei Demme hob er sich damit nicht sonderlich nach unten ab und zudem konnte man durchaus erhoffen, dass Kimmich dem Spiel mit seiner Qualität im Blick für Räume noch mal seinen positiven Stempel aufdrücken kann.

Pech auch hier wiederum für den Trainer, dass sich Marco Thiede quasi direkt nach dem Wechsel im Mittelfeld den Ball schnappt, halbherzig bedrängt von Hierländer und Kaiser 50 Meter durch das noch ungeordnete Kimmich-lose Mittelfeld marschiert und dann freundlich beobachtet von Compper aus 16 Metern an den linken Pfosten schießen darf. Aziz Bouhaddouz, den noch weniger irgendjemand auf der Rechnung hat, hat keine Mühe den abprallenden Ball völlig alleingelassen im Tor zu versenken.

Von diesem Tor und von der nun offenbar völlig fehlenden Struktur in der Mannschaft sowohl in Bezug auf Spielphilosophie als auch Hierarchie erholte sich RB Leipzig nicht mehr. Bezeichnend eher, wie man sich in der Folge noch zwei Tore einschenken ließ. Das 3:0 nur fünf Minuten nach dem 2:0. Andrew Wooten darf am Strafraum gegen fünf RB-Spieler den Ball behaupten. Wieder Bouhaddouz versenkt die kurz darauf hereingeschlagene, leicht abgefälschte Flanke alleingelassen vor Bellot. Das 4:0 dann schon eine Viertelstunde vor dem Ende, als man sich bei RB vor dem Strafraum dem Gewinnen von Zweikämpfen komplett verweigert und Bouhaddouz freigeköpft von Wooten wieder völlig frei nicht lange bitten lässt, zum Hattrick zu verwandeln.

Es hatte zwischenzeitlich schon etwas slapstickhaftes, wie immer irgendwie der entscheidende Zweikampf verloren wurde oder irgendjemand das Abseits aufhob oder ein Fehlpass gespielt wurde oder jemand mit dem Ball ins Aus lief. Nichts lief, weder defensiv noch offensiv (ein Forsberg-Fernschüsschen war in der zweiten Halbzeit noch die bemerkenswerteste Aktion). Was nur partiell damit zu erklären war, dass die Formation mit vielen Offensivkräften und neuer Abwehrkette ungwohnt war.

Denn selbst wenn man dies in Betracht zieht und es für RB zudem um nichts mehr ging, blieb die Art und Weise, wie man in dieser Partie unterging, erschreckend und ließ wieder mal nur den Schluss zu, dass dem, was einst ein balljagendes Kollektiv war, aktuell klare Gruppenstrukturen fehlen, sodass man wie eine Ansammlung von Individualisten auftritt, die an guten Tagen wie zum Beispiel in Kaiserslautern phantastisch aussehen kann und an schlechten Tagen eben in ihre Einzelteile zerfällt.

Fazit: Es war in so ziemlich jeder Hinsicht zumindest aus Leipziger Perspektive ein deprimierender Fußallabend, weil man von einem auch nicht überragend, aber extrem zielführend auftretenden, durchschnittlichen Zweitligateam nach allen Regeln der Kunst demontiert wurde. Eine Niederlage, nach der man sich die Frage stellen kann, was die tieferliegenden Probleme der Mannschaft sind. Egal ob diese nun spielerischer, spieltaktischer, gruppenstruktureller, physischer oder psychologischer Natur sind, man wird sie lösen müssen, will man wieder und über den Sommer hinaus auf konstant hohem Niveau Fußball spielen.

Randbemerkung 1: Gute Reaktion aus dem Fanblock. Nachdem zwischendurch die Häme gegenüber dem eigenen Team im weiten Rund die Oberhand zu gewinnen schien, nahm sich der Fanblock nach dem 0:4 der aussichtslosen Sache an und füllte den Gesang „Oh Rasenball, wir stehn zu dir und steht es auch mal 0:4“ mit Leben. Sicherlich nicht ganz selbstverständlich, aber trotzdem wohltuend.

Randbemerkung 2: Vier oder mehr Gegentore kassierte RB Leipzig vor dem Sandhausen-Spiel in nur zwei Pflichtspielen. Vor zwei Jahren beim 5:4-Sieg in Jena, als es in der Regionalliga nach schon gesichertem Staffelsieg um nichts mehr ging. Und Anfang 2011 beim 1:5 gegen Kiel, das weiterhin die höchste RB-Niederlage der Vereinsgeschichte bleibt. Die Parallelen zwischen Sandhausen und Kiel liegen darin, dass man sich damals ähnlich auskontern ließ wie diesmal von Sandhausen. Damals bestand das Problem auch darin, dass die Mannschaft wegen Lagerbildungen von alten Spielern auf der einen und jungen Spielern auf der anderen Seite keine Einheit war. Gegen Sandhausen hatte man wie schon in einigen Partien 2015 zuvor auch den Eindruck, als würde die Mannschaft in sich zusammenfallen. Bisher (vor allem in Karlsruhe und in Braunschweig, aber auch gegen Nürnberg) erhielt man die Quittung dafür nicht. Gegen Sandhausen bekam man sie aufgrund vor dem Tor konsequenterer, aber auch freistehenderer Gäste.

Randbemerkung 3: Interessant, dass Achim Beierlorzer auf seinen dritten Wechsel verzichtete. Seine zwei Wechsel kamen vergleichsweise früh. Den dritten Wechsel sparte er sich. Was auch Sinn machte, denn jede Einwechslung beim Stande von 0:3 oder gar 0:4 wäre eher eine Strafe für den Einzuwechselnden gewesen, der hätte Bindung zu einem nicht funktionierenden Team aufbauen müssen. War schon ok, nicht noch einen Spieler durch direkte Beteiligung an dieser Niederlage psychologisch zu ernüchtern. Oder anders gesagt, beim Stande von 0:3 oder 0:4 gibt es für einen Einwechsler und für das Team nichts mehr zu gewinnen. In diese Lose-Lose-Situation muss man nicht noch einen zusätzlichen Spieler schicken.

Randbemerkung 4: Statistisch gesehen war eine solche Pleite mal dran. 84:108 heißt die Bilanz nach 12 Beierlorzer-Spielen (5:12 gegen Sandhausen), was Schüsse innerhalb des Strafraums angeht. Sprich, die Gegner von RB Leipzig haben pro Partie zwei Torschüsse in tornaher Position mehr als die RasenBallsportler. Angesichts dessen ist die Bilanz von fünf Siegen, drei Unentschieden und drei 0:1-Niederlagen vor dem Sandhausen-Spiel mehr als ordentlich gewesen. „Wenn man bspw. permanent doppelt so oft auf das Tor schießt wie der Gegner, sollte am Ende in der Mehrzahl der Fälle ein Sieg stehen.“, hieß es hier im Blog erst vor ein paar Tagen. Anders herum heißt das übersetzt auch: Wenn man in fast jedem Spiel weniger Torschüsse in der gefährlichen Zone als der Gegner hat, verliert man irgendwann auch mal hoch. Was zu beweisen war.

Randbemerkung 5: Bei der historischen Pleite war im Stadion auch Thierry Henry anwesend. Ob der Franzose nun als Glücksbringer durchgeht, muss jeder für sich entscheiden. Ganz große Lust auf eine Karrierefortsetzung in Leipzig wird ihm der Kick jedenfalls nicht gemacht haben. War ja auch nicht die Idee hinter der Aktion. Vielmehr sollte Henry offenbar (so BILD) die Mannschaft motivieren und war entsprechend vor der Partie in der RB-Kabine. Nun ja, eine Karriere als Motivationstrainer sollte der Franzose vielleicht nicht anstreben..

Randbemerkung 6: Ergebnis des Tages, dass ein Aufstieg für RB Leipzig nun auch rechnerisch nicht mehr möglich ist. Ist doch auch schon mal was. Nach einem Sieg gegen Sandhausen, hätte man doch schon wieder das Anschmeißen der Aufstiegsrechner hören können..

Randbemerkung 7: Zweites zentrales Ergebnis des Tages, dass Sandhausen nicht mehr absteigen kann. Was sie sich nicht nur durch das 4:0 in Leipzig redlich verdient haben. Weswegen von dieser Stelle ein Glückwunsch gen Sandhausen geht.

Randbemerkung 8: Ich mag den Holzmichel-Song und das „Ja, er lebt noch“ als Reaktion nach Fouls, bei denen der Gegner sich übertrieben wälzt und dann doch ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen wieder aufsteht. Dass man die Nummer bringt, als ein Sandhäuser-Spieler von Yordy Reyna so unterlaufen wird, dass er wie Niklas Hoheneder einst gegen Aue durch die Luft gewirbelt wird und mit dem Kopf zuerst auf dem Rasen landet, ist dagegen echt ätzend, weil überhaupt nicht abzusehen war, ob sich der Spieler nicht tatsächlich ernster verletzt hat. Da unterschied sich die Reaktion nur unwesentlich vom ekligen Auer „Lasst ihn liegen, Scheiße tritt sich fest“ bei Hoheneders Horrorsturz im letzten August.

Randbemerkung 9: Die Saison nahm in den letzten zwei Wochen eigentlich noch mal einen ganz versöhnlichen Verlauf. Das emotionale 2:1 gegen Darmstadt, die trotz des sportlichen Teils gelungene Fahrt nach Hamburg ohne großen Groll auf die Mannschaft, der dienstägliche Besuch des RB-Trainings durch Fans zum Demonstrieren des Schulterschlusses. Man hatte das Gefühl, dass man auch ohne Aufstieg aus dieser Saison als an der Sache gewachsener Verein bzw. gewachsenes Vereinsumfeld aus der Saison gehen könnte. Man muss ein bisschen aufpassen, dass man sich diese grundsätzlich positive Stimmung, mit der sich über die Sommerpause gut hätte leben lassen, nicht durch komplette Blutleere im sportlichen Auftritt wieder zerstört und man völlig unnötig Porzellan zerschlägt, das man sich gerade erst hübsch in die Ecke gestellt hatte.

Lichtblicke: Schwierig nach diesem Spiel, aber wir versuchen es mal..

  • Omer Damari: Wer Damari nicht toll findet, hat kein Fußballherz. Punkt. Schon allein mit der Vorbereitung der Forsberg-Großchance in der 13.Minute hat er mehr fußballerischen Glanz in die Red Bull Arena gebracht als 95% aller Fußballer, die bisher so in dieser Saison durch dieses Stadion schlenderten. Warum man auf Damaris Möglichkeiten zwischen den Ketten in der Ballverarbeitung am Boden nicht zentraler setzt und ihm stattdessen mit zunehmender Spielzeit die Bälle gegen großgewachsene Verteidiger hoch um die Ohren haut, bleibt eines der großen Rätsel nicht nur des Spiels gegen Sandhausen. Toller Fußballer, der ziemlich viel Einfluss haben könnte, wenn man denn eine Idee hätte, was man mit ihm anstellt und wie man ihn einsetzt.
  • Niklas Hoheneder: Schon allein wegen der Freude, ihn mal wieder in einem Pflichtspiel im Einsatz zu sehen, gehört er hier in die Rubrik, auch wenn er im Torso Viererkette auch kaum einen Stich sah. Sein erster Zweitligaeinsatz 2015. Viele werden vermutlich nicht mehr dazukommen. Zumindest in Leipzig nicht, denn Hoheneders Vertrag läuft aus. Schade um den sympathischen Innenverteidiger.
  • Benjamin Bellot: Fast schon die ärmste Sau auf dem Platz. Durfte sich dank Coltorti-Verletzung mal wieder zeigen, rettete früh spektakulär die Null und sah sich dann als Einzelkämpfer Sandhäuser Torschüssen ausgesetzt, gegen die er nur wenig ausrichten konnte. Wenn du als Torwart nicht mal 50% der Bälle, die auf deinen Kasten kamen, gehalten hast, dann weißt du, dass du einen gebrauchten Tag hinter dir hast. So richtig viel dafür konnte Bellot, der wie immer sehr gut mitspielte und mit dem Fuß sehr sicher agierte, allerdings auch nicht.

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Tore: 0:1 Thiede (36.), 0:2 Bouhaddouz (54.), 0:3 Bouhaddouz (56.), 0:4 Bouhaddouz (74.)

Aufstellung RB Leipzig: Bellot – Demme (35. Hoheneder), Klostermann, Compper, Jung – Kimmich (52. Hierländer) – Forsberg, Kaiser, Damari, Poulsen – Reyna; nicht eingewechselt: Dähne, Frahn, Khedira, Heidinger, Rebic ; nicht im Kader: Boyd, Coltorti, Rodnei, Teigl (verletzt bzw. noch nicht wieder fit), Sebastian (gesperrt), Ernst, Strauß, Franke, Kalmár

Aufstellung SV Sandhausen: Riemann – Kübler, Kister, Olajengbesi, Achenbach – Linsmayer, Kulovits – Zellner (21. Wooten), Kratz (80. Kuhn), Thiede- Bouhaddouz (86. Jovanovic)

Schiedsrichter: Benjamin Cortus (Insgesamt wenige Probleme mit einer Partie, die früh entschieden war. Passte sich phasenweise aber an den skurrilen Spielverlauf an und leistete sich ein paar merkwürdige Pfiffe und auch Nichtpfiffe. Nichts, was für den Spielausgang entscheidend gewesen wäre, aber trotzdem nicht immer zu 100% nachvollziehbar.)

Gelbe Karten: Kaiser (6.), Reyna (4.) – Linsmayer (8.), Kratz (4.)

Zuschauer: 18.904 (davon 25 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], SVS-Bericht, Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Ticker

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  • Torschüsse: 12 : 14
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 5:12
  • gewonnene Zweikämpfe: 44,2% : 55,8%
  • Ballbesitz: 59,1% : 40,9%
  • Passquote: 72,1% : 54,9%
  • Laufstrecke: 112,7 km : 110,9 km
  • Sprints: 183 : 175
  • Fouls: 18 : 12
  • Ecken: 2 : 3
  • Abseits: 4 : 6
  • Meiste Torschüsse: Poulsen: 4 – Bouhaddouz: 7
  • Meiste Torschussvorlagen: Jung: 3 – Achenbach: 4
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Hoheneder: 65,0% – Kister: 91,7%
  • Meiste Ballkontakte: Compper: 86 – Bouhaddouz: 55
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Forsberg: 83,3% – Kulovits: 72,7%
  • Größte Laufstrecke: Klostermann: 11,5 km – Thiede: 12,0 km
  • Meiste Sprints: Poulsen: 26 – Thiede: 31

Statistiken von bundesliga.de, bild.de

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Saisontorschützen: Poulsen – 11; Kaiser – 6; Teigl, Frahn – je 3; Boyd, Kimmich – je 2; Coltorti, Klostermann, Reyna, Rodnei, Thomalla, Morys, Hoheneder, Holthaus (VfL Bochum/ Eigentor), Verhoek (St. Pauli/ Eigentor) – je 1 Treffer

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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7 Gedanken zu „2.Bundesliga: RB Leipzig vs. SV Sandhausen 0:4“

  1. Mit der Niederlage kann man auch in dieser Höhe leben. Sie war verdient. Irgendwann musste wieder einmal so eine Klatsche kommen. Davon geht die RB-Welt nicht unter. Die Reaktion der Fans gestern war fantastisch.
    Auch ich fand die Aufstellung und die Wechsel nicht nachvollziehbar. Für Damari und Forsberg wünsche ich mir ein Torschusstraining (jeden Tag eine Stunde). Zwischenzeitlich hatte man das Gefühl, die beiden hätten Angst vorm Tor, siehe Szene in der 13. Minute.

  2. Schon nach dem Pauli-Spiel hast du zur Situation nach der Winterpause zu Recht festgestellt: „Ja, es ist eine Niederlage, … Punkt. Kein Aber.“ Mannschaft und Trainer wollten dieses Resümee gestern wohl noch einmal nachhaltig bestätigen. Und diese Niederlage hat ja mit RR auch einen Namen, aber der Herr gilt wohl als unfehlbar. Durch die mindestens fragwürdigen Maßnahmen Stürmerkäufe und Trainerentlassung sind Team und Spielphilosophie abhanden gekommen; außer in Lautern ist aktives Pressing als strukturierendes Merkmal nicht mehr erkennbar. Und selbst dem Trainer scheint deutlich geworden zu sein, dass keine Mannschaft auf dem Platz steht (symptomatisch für mich Poulsens Körpersprache, wenn ich das richtig gesehen habe, ist er nach dem Schlusspfiff auch sofort vom Platz gestiefelt): Man habe in der vergangenen Woche Philosophietraing gemacht, zitiert MDR den Trainer auf der PK; kennt der Mathelehrer möglicherweise nicht den Unterschied zwischen Philosophie und Psychologie? Man kann auch mal hoch verlieren (gut, dass es diese Reaktion im B-Block gab, bei uns Operettenfans auf den teuren Plätzen war es überwiegend genau umgekehrt); aber es müssen die richtigen Konsequenzen daraus gezogen werden. Unter den aktuellen Strukturen bin ich da eher skeptisch, lasse mich aber gerne eines besseren belehren …

  3. Traurig ist insofern die Entwicklung, da nach dem Heutigen Spieltag mit Siegen in den letzten 2 Spielen. , der Relegationsplatz gestanden hätte.vorbehaltlich des morgigen Darmstadtspiels.Alle letzten Teams waren die besseren Pressingmannschaften als RB.Grundliniendurchbrüche .Torschüsse vom 16er‘,Gefahr durch Flankenläufe finden gar nicht mehr im RB Spiel statt .Durchkombinieren bis in den Strafraum klappt halt nur bei sicherem Passspiel.

  4. Kann sich noch jemand an die RL-Zeit erinnern?
    Eine Ehrenrunde nach der anderen. Warum? Weil die anderen Mannschaften besser waren und souveräner waren, Chemnitz, H**.
    Warum sind wir in der 3ten durchmarschiert?
    Weil besser und souveräner als die anderen Mannschaften waren?
    Warum stehen wir in der 2ten nicht auf den ersten drei Plätzen?
    Weil die anderen Mannschaften besser waren.
    Relativ einfach zu erklären.
    Geld hin oder her. Die Entscheidung fällt auf dem Platz. Und das auch gut so.
    Der Nicht-Durchmarsch erdet alle Träumer und Erfolgsfans und stärkt die Fanschaft. Und das auch gut so.

  5. Ich bin nach dem Spiel mehr gespannt denn je, ob wir tatsächlich mit Beierlorzer in die nächste Saison gehen. Bei mir häufen sich die Zweifel, ob er aus den Spielern eine Einheit formen kann. Die Integration der Neuzugänge war in der Kürze der Zeit sicher schwierig. Mittlerweile ist jedoch der Zeitpunkt erreicht, wo man zumindest erste Ansätze sehen sollte. Und ich sehe diese leider nicht.

    Außerdem brauchen wir einen Trainer, der Poulsen wieder auf Kurs bekommt. Seine Saison lässt sich in meinen Augen oberflächlich in 3 Drittel teilen. Im ersten Drittel war er überragend, im zweiten Drittel auffällig, aber weniger effektiv. Im drittel Drittel ist er meilenweit von seiner Topform entfernt. Seine Körpersprache spricht Bände. Zorniger würde ihn in dieser Verfassung längst einen Satz heiße Ohren verpassen. Ein Weg aus der Krise kann in seiner Spielposition liegen. Im linken Mittelfeld ist der Junge deplatziert. Er reibt sich in Ballaktionen irgendwo im nirgendwo auf, anstatt vorne in gefährlichen Räumen agieren zu können. Wenn man, wie z.B. gegen Darmstadt, schon nur mit einer Spitze spielt, sollte die Poulsen heißen. Er wäre übrigens auch in der Lage, die unsäglichen hohen Bälle zu verarbeiten, denen Damari nur hinterher schauen kann…

    Zuletzt bleibt bei mir noch die Frage offen, warum Rani Khedira aktuell keine Rolle mehr spielt. Sowohl fußballerisch, als auch menschlich sollte an ihm im defensiven Mittelfeld kein Weg dran vorbei führen. Nur mit der feinen Klinge (Kimmich und Kaiser), funktioniert es in der robusten 2. Liga nicht.

  6. Nach den Ergebnissen vom Wochenende wird alles nur noch ärgerlicher, der 2. Platz war vor einer Woche noch drin, den hat man kollektiv verweigert, am Freitag war die Reli möglich (das war kein Spiel um die goldene Ananas!!!), auch abgelehnt.
    Ich wünsche jetzt den großen „Schnitt“, auch Herr Rangnick sollte sich mit seinen Wintertransfers echt hinterfragen…
    Bitte A.B. und Reyna eine Chance geben!

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