31.Spieltag – 2.Bundesliga 2014/2015

30 Spiele sind gespielt. Kadertechnisch sind bei allen Teams praktisch alle Karten schon mal ausgespielt und getestet worden. Bei den einen war der Test umfangreicher, bei den anderen weniger umfangreich. In der Vergangenheit konnte man am Rande der RasenBallsport-Spielzeiten thesenhaft festhalten, dass jene Mannschaften am Ende oben stehen würden, die mit einem relativ kleinen, eingespielten Kader agieren. Halle und Chemnitz schnappten RB Leipzig auf diese Art zweimal hintereinander den Aufstieg in die dritte Liga weg.

Nimmt man das Bespiel Ingolstadt, dann scheint sich die These auch in dieser Saison wieder zu bestätigen. Gerade mal 19 verschiedene Spieler standen bei den Bayern bisher in der Startelf, so wenig wie bei keinem anderen Zweitligateam. 75 Minuten standen die 11 meisteingesetzten Spieler im Schnitt auf dem Platz. Was mehr als 20 Minuten mehr sind als beim FC St. Pauli. Durchaus naheliegend, daraus zu schließen, dass sich durch die massive gemeinsame Einsatzzeit auch ein fest eingespieltes Team herausgebildet hat. Nicht ganz unwichtig für das aggressive Spiel, das man in Ingolstadt ja auch schätzt.

Erstaunlich aber, dass in Ingolstadt gerade mal neun Spieler an mindestens zwei Toren beteiligt waren (nur zwei Teams haben noch weniger entsprechende Scorer). Was bedeutet, dass die Verantwortung im Team nicht nur in Sachen Einsatzzeit auf relativ wenigen Spielern lastet, sondern von diesen auch nur ein kleiner Teil die Offensive essenziell mitprägen kann.

Während Darmstadt so ähnlich wie Ingolstadt (nur auf etwas geringerem Niveau) funktioniert und insgesamt die wenigsten Spieler eingesetzt hat, sieht es in Kaiserslautern etwas anders aus. Auch hier ist der tatsächlich eingesetzte Kernkader bei 22 verschiedenen Spielern in der Startelf vergleichsweise klein. Allerdings stehen die 11 meisteingesetzten Spieler im Schnitt nur 64 Minuten auf dem Platz, was im Ligenvergleich Durchschnitt ist.

Sprich, in Kaiserslautern ist der eingesetzte Kader zwar relativ klein, aber innerhalb dieses kleinen Kaders wird die Einsatzzeit gleichmäßiger verteilt als in Ingolstadt. Dieses Verteilen der Verantwortung auf viele Schultern spiegelt sich auch darin wieder, dass gleich 16 Spieler bisher an mindestens zwei Toren direkt beteiligt waren. In keinem Team der Liga gibt es so viele verschiedene offensivgefährliche Spieler. Die Art und Weise wie Coach Kosta Runjaic die Rotation angeht, scheint in Kaiserslautern extrem gut zu funktionieren. Was für Runjaic, aber auch für die Breite des Kaders spricht.

Nicht für die Breite des Kaders sprechen dagegen die nur 10 mindestens doppelt scorenden Spieler in Karlsruhe. Andererseits durften dort fast alle Spieler, die bisher zu Einsätzen kamen, schon mal in der Startelf stehen. Was dafür spricht, dass in Karlsruhe das Vertrauen auch in die Nummer 21, 22 und 23 noch groß ist.

Völlig nach unten aus dem Rahmen fallen vor allem St. Pauli und 1860 München, die mit unruhiger Hand auf ihre Katastrophensaison reagieren und bei denen sich auch die Trainerwechsel auf die Einsatzzeiten auswirken. 1860 hat mit 33 nicht nur die meisten Spieler aller Zweitligisten eingesetzt. Nein, alle diese 33 Spieler durften auch mindestens einmal in der Startformation stehen. Nur Heidenheim hat es auch geschafft, allen eingesetzten Spielern (25) auch mal einen Startelfplatz zu geben. Während sich darin beim Aufsteiger eher Vertrauen ausdrückt, fühlt es sich bei 1860 eher nach purer Panik an, immer wieder neue Spieler ins Team zu werfen.

Der Unterschied manifestiert sich dann auch deutlich in den Einsatzzeiten der meisteingesetzten Spieler. Während Heidenheim mit 69 Minuten den drittbesten Schnitt der Liga aufweist, sind es in München gerade mal 56 Minuten. Schwierig unter diesen Bedingungen ein funktionierendes, aufeinander abgestimmtes Team zu bilden. Noch ein bisschen schlimmer geht es beim FC St. Pauli zu. 32 eingesetzte Spieler, 29 davon schon mal in der Startelf, gerade mal 53 Minuten Stammelfzeit.

Auch wenn man diskutieren kann, was zuerst war, schlechte Leistungen und schlechte Tabellensituation oder unruhige Kaderhand, kann es nicht verwundern, dass die Teams mit den meisten eingesetzten Spielern und den geringsten Stammelfminuten (1860, Aue, St. Pauli) auch ganz unten in der Tabelle stehen. Kleine Teams wie Sandhausen und Frankfurt haben es dagegen geschafft, mit relativ ruhiger Hand auf ihre jeweiligen Saisonkrisen zu reagieren.

RB Leipzig wie schon so oft in den letzten Jahren dank alljährlichem und permanenten Kaderumbau eher am negativen Ende der ligaweiten Statistiken. 29 eingesetzte Spieler, 26 davon schon mal in der Startelf gestanden. 62 Minuten, die die Topelf im Schnitt auf dem Platz steht. Für die ganz großen Taten fehlt ihnen wohl ein Stückweit ein eingespieltes Team (was zuletzt nach dem Einbau der Winterneuzugänge immer mehr entstand). Oder eben ein in der Breite auftrumpfendes Team. Die ’nur‘ 12 bisher mindestens doppelt scorenden Spieler sind im Ligavergleich jedenfalls nur Durchschnitt, zumal angesichts der schon 29 eingesetzten Spieler.

Wie immer nur eine kleine Spielerei, aber man sieht auch deutlich, dass jene Teams mit Extremwerten auch in der realen Tabelle extrem stehen. Trotzdem bleibt auch der Fakt, dass man sowohl mit einem sehr engen Kader mit wenigen zentralen Köpfen wie in Ingolstadt, als auch mit einem breiteren und rotierenden Kernkader wie in Kaiserslautern zum Erfolg kommen kann. Nicht erfolgreich, vor allem im Abgleich mit den eigenen Ansprüchen, kann man aber sein, wenn man einen Spieler nach dem anderen ins Ligafeuer wirft und es über die Saison nicht hinbekommt, zumindest halbwegs Einsatzzeiten zu generieren, dank derer sich ein Team mit ein paar Korsettstangen einspielen kann. Kommt sicherlich als Erkenntnis auch nicht überraschend, die Visualisierung macht es aber vielleicht noch mal etwas prägnanter.

PlatzTeamSpielerStarterScorerScorerStamm
1Ingolstadt231915975
2Kaiserslautern2722181664
3Karlsruhe2624161066
4Darmstadt2221151170
5Leipzig2926191262
6Braunschweig2826181566
7Düsseldorf2623161263
8Heidenheim252515869
9Nürnberg2924151162
10Union2722141064
11Sandhausen2724141163
12FSV2722181169
13Bochum2723171263
14Fürth302515865
1518603333211356
16Aalen2523191164
17St. Pauli3229191253
18Aue3229161160

[Platz = Tabellenplatz nach dem 30.Spieltag; Team = Team; Spieler = Anzahl der insgesamt eingesetzten Spieler; Starter = Anzahl der Spieler, die mindestens einmal in der Startelf standen; Scorer = Anzahl der Spieler, die an mindestens zwei Toren als Schütze oder Vorbereiter beteiligt waren; Stamm = Zeit in Minuten, die die 11 meisteingesetzten Spieler im Durchschnitt pro Spiel auf dem Feld standen.]

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31. Spieltag

  • Eintracht Braunschweig – FSV Frankfurt – 1
  • SV Darmstadt 98 – 1. FC Kaiserslautern – 2
  • SpVgg Greuther Fürth – Fortuna Düsseldorf – 0
  • TSV 1860 München – 1. FC Union Berlin – 2
  • FC St. Pauli – RB Leipzig – 2
  • VfR Aalen – VfL Bochum – 1
  • SV Sandhausen – 1. FC Heidenheim – 0
  • FC Erzgebirge Aue – Karlsruher SC – 2
  • FC Ingolstadt – 1. FC Nürnberg – 0

Bisherige Tippquote: 111 von 270 (Quote bei RB-Spielen: 11 von 30)

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