Was von Spieltag 27 bleibt

So richtig viel an Spektakulärem, auch was die Auswirkungen auf die Tabelle angeht, hatte der 27. Spieltag in der zweiten Bundesliga nicht zu bieten. Weswegen sich mit Kyoung-Rok Choi einer in den Mittelpunkt schießen konnte, zu dem wohl fast jeder außerhalb Hamburgs bis gestern hätte Google befragen müssen, um halbwegs was zu ihm sagen zu können. Zwei Tore und eine Torvorlage steuerte der 20jährige, „richtig coole Asiate“ (Lienen), der zum ersten Mal bei den Profis zum Einsatz kam und sonst mit der U23 die Regionalliga beglückt, zum 4:0 gegen den neuen Aufbaugegner der Liga Fortuna Düsseldorf bei.

Vier von acht Spielen seit der Winterpause hat Düsseldorf damit verloren. 13 Gegentore kassierte man in diesen vier Spielen aka Defensivmassakern. Zwei der vier Niederlagen passierten gegen Aue und St. Pauli, also gegen zwei ernste Abstiegskandidaten. Aalen, 1860 und auch Fürth freuen sich schon auf ihre noch wartenden Spiele gegen das aktuell drittschlechteste Team der zweiten Liga seit der Winterpause.

Und Fortuna-Coach Taskin Aksoy kann sich das möglicherweise heimliche Schielen auf eine (sowieso schon unwahrscheinliche) Weiterbeschäftigung über das Saisonende hinaus endgültig sparen. Wohingegen der andere Interimscoach der Liga Achim Beierlorzer nach der offiziellen Tuchel-Absage bei RB vielleicht ja doch noch zu träumen anfängt, wie es wäre, länger als bis zum Saisonende Millionentransfers über den besonders grünen Rasen im Leipziger Trainingszentrum scheuchen zu dürfen.


Tabellarisch hat sich das Feld in der zweiten Liga viergeteilt. An der Spitze die vier engen Aufstiegsanwärter, von denen nur Karlsruhe am Wochenende nicht gewinnen konnte und entsprechend etwas hinten an steht. Mehr als souverän aktuell die Region aka der 1.FC Kaiserslautern, die in vielerlei Hinsicht das heißeste Team der Liga sind.

Dem Verein käme der Aufstieg sicherlich wirtschaftlich nicht ungelegen. Aber auch in Bezug auf die vielen jungen Talente, die schon bei diversen Bundesligaclubs auf dem Zettel stehen dürften, wäre ein Aufstieg wichtig, hätte der Verein dann doch stärkere Argumente in der Hand, sie auch langfristiger zu halten. Kapitän und Publikumsliebling Willi Orban scheint jedenfalls für den Fall eines Nichtaufstiegs schon vor dem Absprung zu stehen.

Vor dem Absprung steht offenbar auch Hanno Behrens in Darmstadt. Sein Coach Dirk Schuster nimmt es gelassen. Wer jetzt allerdings davon ausgeht, dass dies der Anfang vom Ende der Cinderella-Geschichte am Böllenfalltor ist und die Mannschaft auseinanderbricht, sollte sich erst mal die vergangenen Transferfenster angucken und schauen, wen man in Darmstadt immer wieder aus dem Hut gezaubert hat. Unter anderem auch einen Christian Mathenia als Ersatz für den vor der Saison nach Heidenheim gewechselten Jan Zimmermann. Ein Ersatz, der seinem hochgelobten Vorgänger nicht nachsteht und auch gegen Bochum wieder ein-, zweimal großartig reagierte und so die Null festhielt (zum 15. Mal diese Saison).

Am anderen Ende der Tabellen strahlten Ewald Lienen und Tomislav Stipic am Osterwochenende um die Wette angesichts überlebenswichtiger Siege im Abstiegskampf. Dieser Kampf umfasst im Kern weiterhin vier Vereine, wobei sich auch Fürth bemüht, in diesen Kreis aufgenommen zu werden. Drei Niederlagen und zwei Unentschieden hat das seit der Winterpause schlechteste Team der Liga unter Neu-Coach Büskens geholt. Macht man so weiter, klaut man der Konkurrenz sogar noch einen direkten Abstiegsplatz.

Zwischen den Tabellenpolen hängen sechs Mannschaften ohne Ambitionen nach oben und ohne Angst nach unten fest. Den einen gefällt das mehr (Frankfurt, Sandhausen, Heidenheim), weil für sie das Saisonziel sowieso nur Klassenerhalt war, den anderen gefällt das weniger (Bochum, Nürnberg, Union), weil sie im Idealfall gern weiter oben mitgeschnuppert hätten.

Weiter oben, aber nicht ganz oben hat sich mit Braunschweig, Leipzig und Düsseldorf ein Trio festgesetzt, das in den letzten Wochen mit durchwachsenen Auftritten auffiel. Bei allen drei Mannschaften ist die Situation seit geraumer Zeit dieselbe. Gewinnt man mal ein Spiel, werden von Seiten der Öffentlichkeit mögliche Aufstiegsträume abgefragt. Verlieren sie ein Spiel, wird jegliche Aufstiegschance abgeschrieben. Alle drei eint, dass Richtung Aufstiegsplätze unabängig von konkreten Wochenendergebnissen wenig für sie spricht. Was in erster Linie an ihrem sportlichen Auftreten selbst liegt.

Zwischen einem und neun Punkten haben Ingolstadt, Karlsruhe, Darmstadt und Kaiserslautern seit der Winterpause in acht Spielen mehr geholt als Leipzig, Braunschweig und Düsseldorf. Warum sich der Trend für die kommenden sieben Partien so komplett umdrehen sollte, dass ein Team aus dem Trio zwischen sieben und neun Punkte auf den Relegationsplatz aufholen und gleich zwei Teams überholen könnte, erschließt sich nicht so recht. Dürfte aber nicht hinderlich sein, sie bei zukünftigen Siegen wieder zu Aufstiegsanwärtern zu machen.

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Kleine Tabellenspielerei. Für alle Teams in der ersten Spalte eine Art subjektives Ranking, welcher Rang den aktuellen Fähigkeiten der jeweiligen Mannschaft entspricht. In den anderen Spalten in der Reihenfolge: aktuelle Punktzahl, Punktzahl nach der Winterpause, Punktzahl in den letzten sechs Spielen, Punkte in der Rückrunde. Aalen ist mit den  sportlich errungenen Punkten verzeichnet. Abgezogen werden müssen davon noch die zwei Punkte resultierend aus der DFL-Strafe wegen Lizenzverstößen.

SubjektivGesamtn WPletzte 6RR
Kaiserslautern149171121
Darmstadt248151319
Ingolstadt35212916
Karlsruhe44512815
Braunschweig5418814
Bochum63512914
Leipzig740111113
Berlin83511814
Frankfurt93413716
Sandhausen103313913
Düsseldorf11398711
Heidenheim1234969
St. Pauli13259812
Aalen1425879
Nürnberg15347411
Aue162511512
München17269811
Fürth1829638

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