Fußballsport im Kielwasser des Tagesgeschäfts

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig gegen den 1.FC Nürnberg (05.04.2015, 13.30 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz drei Tage vor dem Spiel. Mit Achim Beierlorzer und Joshua Kimmich.]

Ostersonntag wartet und der Ansetzungsgott bei der DFL hat das Spiel von RB Leipzig gegen den 1.FC Nürnberg auf den Plan gesetzt. Sportlich eine Partie, die man vor der Saison vielleicht als Aufstiegsduell erwartet hätte, die aber inzwischen als Duell zweier Enttäuschter durchgeht. 30.000 Zuschauer werden trotzdem zuschauen wollen. Weit über 4.000 werden dabei den Gästen die Daumen drücken. Der Rahmen stimmt also und doch wird die Partie in beiden Städten überlagert von Debatten, die sich eher um die sportliche Ausrichtung für die kommende Saison drehen, als um das anstehende Spiel.

Während in Leipzig Trainersuche aka Tuchel-Debatten, Selke-Verpflichtung und allgemeine Kaderplanungen die Schlagzeilen bestimmen, dreht sich in Nürnberg viel um die Strukturen in der sportlichen Führung. Es geht darum, wer welche Kompetenzen bei Entscheidungen hat. Die Hauptrollen spielen dabei Sportvorstand Martin Bader, der Leiter der Fußballabteilung Wolfgang Wolf, Chef-Scout Christian Möckel und Trainer René Weiler. Wobei letzterer dafür bekannt ist, dass er bei Strukturen und Perspektiven, die er nicht für gut befindet, auch mal konsequenterweise hinschmeißt.

Der neunköpfige, auch nicht wirklich mit einer Stimme sprechende Aufsichtsrat wollte eigentlich unter der Woche klären, wie die Entscheidungskompetenzen in diesem Quartett aufgeteilt werden sollen, war dann aber nicht beschlussfähig, weil nur vier der neun Aufsichtsräte erschienen wären. So bleibt der Führungsstreit (Medien) bzw. der Nicht-Streit (die Beteiligten) vorerst ungelöst. Auch nicht wirklich günstig für die nahe Zukunft, in der die Weichen für die neue Saison gestellt werden sollen.

Zuletzt führte dies dazu, dass sich Coach Weiler eher wenig erbaut davon zeigte, dass mit Kevin Möhwald (Erfurt) und Tim Leibold (Stuttgart II) zwei Spieler verpflichtet wurden, über die er als Trainer nicht mitentscheiden konnte, weil sie quasi noch Scouting-Altlasten waren. Beim Club bemühte man sich zwar zu versichern, dass der Trainer in die Verpflichtungen eingebunden sei, aber so richtig Einigkeit bei der Kaderplanung sieht anders aus.

Dazu kommt auch noch, dass beim 1.FC Nürnberg auch finanziell nicht alles rosig zu sein scheint. Wenn man zumindest der BILD glaubt, die behauptet, dass trotz der enormen Transfereinnahmen zu Beginn der Saison, als sich quasi die komplette Erstliga-Mannschaft verabschiedete, am Ende der Spielzeit ein Defizit von 3 Millionen Euro stehen wird. Wenn man schon in diesem Jahr und mit den Transfereinnahmen ein Minus herausbekommt, wie soll man da künftig wieder die erste Liga angreifen, kann man da unweigerlich fragen.

René Weiler könnte eine Antwort lauten. Zumindest wenn der Trainer die Kompetenzzuweisungsdebatten erfolgreich übersteht und daraus gestärkt hervorgeht. Worauf aktuell alles hindeutet.

Weiler löste nach dem 13. Spieltag den glücklosen Vorgänger Valerien Ismael ab und verschaffte einem defensiv anfälligen Team im ersten Schritt Stabilität, sodass man seitdem in 13 Spielen nur noch 14 Tore und nicht wie vorher 24 Tore in 13 Spielen kassierte. Das reichte zumindest, um zwischen Spieltag 14 und 22 gleich 19 Punkte einzufahren (so viel wie kein anderes Team in diesem Zeitraum) und von Platz 14 (10 Punkte Rückstand auf Platz 2) auf Platz 6 (5 Punkte Rückstand auf Platz 2) vorzurücken.

Trotz nicht immer überzeugender Leistungen glimmten da natürlich die Aufstiegshoffnungen wieder auf. Doch in den letzten vier Partien (davon drei zu Hause!) holte man gerade einmal einen Punkt und verlor zuletzt dreimal am Stück, sodass man als Elfter im absoluten Tabellenmittelmaß versunken ist. Wo man in den ersten Partien unter Weiler auch mal Glück hatte (Ingolstadt, Aue), hatte man zuletzt eher Pech (Karlsruhe, Heidenheim, Bochum), sodass die grundsätzlichen sportlichen Probleme im Team nicht weiter überdeckt werden konnten.

Wobei die grundsätzlichen Probleme eher zweitligatypische Probleme sind, denn vor allem im Offensivspiel fehlen den Franken Lösungen, um gut organisierte Defensivreihen gefährden zu können. Und wenn sie denn mal zu Chancen kommen wie zuletzt gegen Bochum, dann fehlt vor dem Tor die Qualität, um so effektiv zu sein, wie es für drei Punkte nötig wäre. Mit Niklas Füllkrug fällt zudem seit kurzem ein Spieler aus, der mit seiner Physis im Saisonverlauf für einige Torbeteiligungen gut war. Und eine Alternative wie Danny Blum war nach langer Verletzung noch nie richtig in Fahrt.

Generell wirkt der Kader des 1.FC Nürnberg nicht wirklich homogen zusammengestellt. Was auch nicht verwundern mag, da man im vergangenen Sommer ein komplett neues Team aus dem Boden stampfen musste. Dass man es aber auch im Winter nicht geschafft hat, den Kader so weiterzuentwickeln, dass er auf dem Feld ein stimmigeres Gesamtbild ergibt, erstaunt dann doch ein wenig.

Mit dem Österreicher Guido Burgstaller hat man immerhin eine echte Verstärkung geholt, die in Statur und Spielemotionalität an den einstigen RBLer Stefan Kutschke erinnert, aber über ein stärkeres spielerisches Repertoire verfügt. Die Aktionen des 25jährigen, der meist die rechte Außenbahn beackert, wirken aber oft auch noch seltsam isoliert vom Mannschaftsrest und verpuffen so meist.

Der in Hannover aussortierte Adrian Nikci und der von Freiburg ausgeliehene Linksfuß Sebastian Kerk kommen als Winterneuzugänge bisher zudem nur zu sporadischer Spielzeit und sind auch noch nicht die erhofften Ankurbler der Offensivbemühungen. Sodass sich die Franken weiter schwer tun, kreative Lösungen zu finden.

Zuletzt spielte gar Jan Polak in einer sehr offensiven Rolle quasi auf der mit Allessandro Schöpf geteilten Zehn. Wenn man schon solch einen nicht extrem kreativen Spieler in die Kreativitätszentrale schiebt, dann ist man in seiner Problemlösungssuche schon sehr weit auf abseitige Möglichkeiten vorgestoßen.

Auch auf der Torwartposition hat man sich jetzt wieder eine Baustelle aufgemacht und den eigentlich noch von Martin Bader abgesägten Routinier Raphael Schäfer anstelle des nicht immer glücklich aussehenden, ehrgeizigen Talents Patrick Rakovsky in den Kasten gestellt. Auch keine Lösung für die Zukunft. Es könnte aber immerhin dazu führen, dass mit Schäfer und Coltorti die zwei (neben Aues Kirschstein) ältesten Keeper der Liga einen mehr oder weniger direkten Strauß miteinander ausfechten.

In Leipzig wird der 1.FC Nürnberg vermutlich wie im Hinspiel erstmal versuchen, defensiv stabil zu agieren, um dann über Schöpf, Burgstaller, Kerk (oder Blum) und den schnellen Sylvestr Nadelstiche zu setzen. Die Frage wird dabei sein, wie stabil die Franken defensiv tatsächlich auftreten können.

Der Sechserverbund aus Hovland, Mössmer, Celustka, Petrak, Pinola und Polak (wenn er denn auf die Sechs zurückrutscht) ist ziemlich giftig und robust und entsprechend schwer zu bespielen. Andererseits ist er aber auch keinesfalls unanfällig für Offensivbemühungen des Gegners, da Spieler wie ein Javier Pinola ihr besten und spritzigsten Tage bereits hinter sich haben. Sprich, man kann diesen Verbund durchaus knacken, wenn man es denn mit Geschwindigkeit versucht.

Inwiefern RB Leipzig dazu in der Lage ist, diese Geschwindigkeit auf den Rasen zu bringen und selbst defensiv sicher zu agieren, ist nach der Länderspielpause eine offene Frage. Was auch daran liegt, dass man überhaupt nicht sagen kann, was eigentlich für ein Team auflaufen wird.

Sicher ist, dass Diego Demme gelbgesperrt ausfällt und für ihn wohl Georg Teigl zurück auf die Rechtsverteidigerposition rückt. Ausfallen wird sicherlich auch Omer Damari, der sich beim Länderspiel mit Israel eine Adduktorenverletzung zuzog. Inwieweit das auch für Emil Forsberg gilt, der im Länderspiel mit Schweden verletzt vom Platz musste, ist noch unklar.

Zurück ins Team kehren könnten nach Sperren und Verletzungen derweil Marvin Compper und Tim Sebastian und vielleicht auch Rani Khedira und Stefan Hierländer. Lukas Klostermann würde dagegen nach drei Spielen in sechs Tagen mit der U19 vielleicht eine kleine Pause gut tun.

Das ganze kann man jetzt nach Lust und Laune zu einer Aufstellung zusammenpuzzeln. Schwierig wird es bei der Besetzung der Außenpositionen im 4-4-2, wenn Hierländer und Forsberg nicht dabei sein sollten. Und fraglich ist auch die Besetzung der zweiten Sturmposition neben Yussuf Poulsen.

Mögliche Aufstellungen:

  • RB Leipzig: Coltorti – Teigl, Compper (Klostermann), Sebastian (Rodnei) – Hierländer (Kalmár), Kimmich (Khedira), Kaiser, Forsberg (Kimmich) – Reyna (Rebic), Poulsen
  • 1.FC Nürnberg: Schäfer – Celustka, Mössmer, Hovland, Pinola – Petrak, Polak – Burgstaller, Schöpf, Blum (Kerk) – Sylvestr

Fazit: Ein Duell aus dem Tabellenmittelfeld zwischen zwei Clubs, bei denen es aktuell mehr um Dinge abseits der Spiele und des Rasens zu gehen scheint, als um die Ausübung des Sports an sich. Das muss für die Qualität des Spiels nicht mal schlecht sein, wenn die Spieler aus dem Niemandsland der zweiten Liga heraus und relativ frei von der Leber weg spielen können. Andererseits könnte es auch auf ein zähes Spiel zwischen ’such die Lücke‘ und ‚warte auf den Konter‘ werden.

[Wer das Spiel von RB Leipzig gegen den 1.FC Nürnberg nicht vor Ort verfolgen kann und am 05.04.2015, ab 13.30 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle, also Liveticker und Vereinsradio. Bilder gibt es live natürlich bei Sky.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. 1.FC Nürnberg

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Pressekonferenz drei Tage vor dem Spiel von RB Leipzig gegen den 1.FC Nürnberg. Mit Achim Beierlorzer und Joshua Kimmich. (Ticker aktualisiert selbstständig)

15.20

Fußball. Ja, man mag es kaum glauben, es geht zwischendurch auch noch mal um Fußball. Nürnberg ist Ostersonntag zu Besuch. Irgendwas um die 30.000 wollen zugucken. Ist ja auch ganz schön, auch wenn das zwischen all den Millionen-Gerüchten und Millionen-Transfers gerade etwas untergeht.

15.23

Aus Sicht von RB Leipzig wird es eine spannende Partie, weil nach der Länderspielpause völlig unklar ist, wie die ganzen Länderspielreisenden drauf sind und inwieweit sich in der Entwicklung des Mannschaftsspiels was getan hat. Da die letzten zwei Wochen an richtiges Training wegen der vielen Abwesenden kaum zu denken war, sollte man nicht so viel erwarten. Das Fehlen von Damari könnte da sein Übriges tun. Mal gucken.

15.27

Gleich hier der Millionen-Bayern-Transfer Joshua Kimmich auf der Pressekonferenz, nachdem gestern der Millionen-Transfer Selke fest gemacht wurde. Die Millionen wandern rund um RB Leipzig gerade ganz schön locker hin und her. Leider noch keine auf meinem Konto angekommen..

15.38

Joshua Kimmich: “Hatten zwei Länderspiele mit der U21. Unentschieden gegen Italien. Verloren in England. Gegen Nürnberg freue ich mich auf die vielen Zuschauer. Hoffe, dass wir da gewinnen können.”

“Kenne Selke aus der U13 beim VfB und von der EM bei der U19. Guter Stürmer, der weiß wo das Tor steht. Sehr ehrgeizig. Sehr lockerer, selbstbewusster Typ. Kann auf jeden Fall weiterhelfen.”

Nachmieter für die WG mit Poulsen gibt es wohl nicht.

Kontakt zu den Bayern aktuell? “Ruht komplett bis zum Sommer. Konzentriere mich zu 100% auf Leipzig. Bayern wird ein Thema, wenn die Saison zu Ende ist.”

Diese Saison noch? “Macht nur Sinn von Spiel zu Spiel zu denken. Wollen jedes Spiel gewinnen. Jetzt steht Nürnberg an und dann schauen wir weiter.”

“Jeder der Fußball spielt, spielt um zu gewinnen. Jeder gibt weiter Vollgas. Jeder Einzelne steht besser da, wenn wir als Team erfolgreich sind.”

“Medienrummel um mich gar nicht so wahrgenommen. Mein Ding gemacht und versucht der Mannschaft zu helfen.”

Schwankungen im Team? “Sehr auffällig, dass wir zu Hause sehr gute Leistungen gezeigt haben und auswärts sehr schwache. Wenn wir wissen würden, woran es liegt, hätten wir es geändert.”

15.50

Achim Beierlorzer: Ausfallen wird Omer Damari. Ein bis zwei Wochen raus. Diego Demme ist gesperrt. Emil Forsberg hat Entwarnung gegeben, wird morgen zurück im Training sein. Klostermanns Nase ist ein wenig in Mitleidenschaft gezogen. Könnte mit Maske spielen. “Mannschaft ist ansonsten voll einsatzfähig.”

“Nürnberg war zuletzt trotz Niederlagen die bessere Mannschaft. Sehr laufstark und willig. Kaiserslautern attackiert und unter Druck gesetzt. Reagieren nicht nur, sondern agieren und suchen nach Ballgewinnen. Individuell und als Mannschaft sehr gut. Wollen verhindern, dass sie zurück in die Erfolgsspur kommen.”

Fabio Coltorti ist zwar heut vom Platz gegangen im Trainig, hat aber keine Probleme Richtung Spiel am Sonntag.

Beierlorzer nicht in die Verpflichtung von Selke involviert. Kennt ihn noch von früher aus der Jugendzeit. Schwärmt von seiner Koordination und Treffsicherheit. “So ein Stürmer tut jeder Mannschaft gut. Toll, dass wir ihn für uns gewinnen konnten.”

“Highlight-Spiel. Stimmung wird auch entsprechend sein mit den vielen Gästefans und unseren Anhängern. Wird eine Topstimmung. Das Leipziger Publikum ist besonders positiv, das ist Motivation.”

Für Beierlorzer war Nürnberg in der Jugend “der Verein schlechthin”. Später in Fürth gespielt, da gab sich das ein wenig.

Matchplan gegen Nürnberg? “Es geht im Fußballspielen oft um die entscheidenden Zweikämpfe. Nürnberg versucht oft gleich ins Gegenpressing zu gehen und spielt Angriffspressing.” Darauf müsse man mit Kurzpässen und Spielverlagerungen reagieren und die entscheidenden Zweikämpfe eben gewinnen.

Daniel Frahn? “Tat mir leid, dass er das Freundschaftsspiel krankheitsbedingt verpasst hat. Präsentiert sich in jeder Trainingseinheit so, dass es dem Trainer gefällt. Wer gegen Nürnberg neben Poulsen spielt, musse ich mir noch überlegen.” Reyna, Rebic und Frahn als Optionen. Trainingseindrücke werden entscheiden.

Aufstiegsfrage? “Ganz wichtig finde ich, dass es in der Mannschaft eine Tendenz geht, dass man erst aufgibt, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist. Der nächste Schritt ist aber Nürnberg. Mannschaft hat aber die Möglichkeit an den schweren Aufgaben zu wachsen und sie zu bewältigen. Wollen gegen Nürnberg gewinnen und was dann am Ende bei rumkommt, werden wir sehen. Macht keinen Sinn jetzt zu sagen, dass wir aufsteigen wollen. Das haben wir nicht mehr in der Hand.” Von Spiel zu Spiel denken, 100% in die Partie gegen Nürnberg legen usw.

15.53

Das war es schon von hier. Kein langwieriges Frage-Antwort-Spiel. Man will wohl in die Osterferien. Sehr gute Idee. Gegen Nürnberg will man also gewinnen. Setting und Gegner würden sehr stark motivieren. Topleistung soll rausspringen. Na dann schauen wir mal, was davon am Sonntag gegen sicherlich auch sehr motivierte Gäste übrig bleibt.

In diesem Sinne wünsche ich allseits erst mal schöne Ostern. Wir lesen uns an dieser Stelle auch in den nächsten Tagen. Bis dahin.

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