Eine Frage der Konstanz

Die letzte Länderspielpause der Saison ist erreicht. Teilt man die Spielzeit in von diesen Auszeiten unterbrochene Blöcke, dann war die Zeit seit der Winterpause der fünfte Block. Mit sieben Spielen gleichzeitig der längste der Blöcke, die bisher vier bis sechs Spiele lang waren. Bis zum Saisonende folgt dann der letzte, entscheidende und längste zusammenhängende Abschnitt, der gleich acht Spiele umfasst. In denen dann auch die finalen Entscheidungen an Tabellenspitze und Tabellenende fallen werden.

Nimmt man den jetzigen Stand, dann läuft es oben und unten jeweils auf einen Vierkampf hinaus, den sich die anderen Teams aus der relativen Ruhe des breiten Tabellenmittelfelds heraus anschauen können. Wobei aus den zwei Vierergruppen jeweils ein Team etwas heraussticht. An der Tabellenspitze steht Ingolstadt weiter ein Stück vor Kaiserslautern, Darmstadt und Karlsruhe. Und im Tabellenkeller liegen zwischen 1860 und Aalen, Aue und St.Pauli auch bereits vier Punkte.

Im Tabellenkeller könnte man sich im Extremfall vorstellen, dass Fürth noch mal mit in den Abstiegskampf hineinrutscht. Zumindest wenn man die Tendenz der letzten zwei Spielblöcke (also 13 Spiele) nimmt, in denen die Franken das drittschlechteste Team der Liga waren. Aber der Abstand nach unten ist mit sieben Punkten eigentlich schon viel zu groß. An der Tabellenspitze sind aufgrund der aktuellen Tendenzen nur extrem unwahrscheinliche Szenarien denkbar, in denen noch ein Verfolgerteam von Platz 5 abwärts oben ranreichen kann.

Dass die vier an der Tabellenspitze sich ein wenig Luft nach unten verschafft haben, liegt an den letzten zwei Ligaspielblöcken, in denen Kaiserslautern, Karlsruhe, Darmstadt und Ingolstadt die besten Teams der Liga waren und zwischen 22 und 25 Punkten einsammelten. Damit distanzierte man potenzielle Konkurrenten wie Braunschweig, Leipzig oder Düsseldorf, die nur zwischen 15 und 18 Punkten holten. Klar, so ein Trend kann sich auch immer mal umdrehen, aber absehbar ist das aktuell nicht.

Nicht uninteressant, dass inzwischen alle Teams (bis auf Darmstadt vielleicht) in mindestens einem der Ligablöcke einen Durchhänger hatten. Zuletzt erwischte es nach der Winterpause Ingolstadt, die erstmals in dieser Saison mit ihren im jeweiligen Block gesammelten Punkten nicht unter den Top 3 lagen. Neun Punkte aus den letzten sieben Spielen reichen nur für einen geteilten achten Platz in dieser Zeit. Gut für die Bayern, dass sie auch nach dieser Krise mit vier Punkten Vorsprung auf Platz 3 Spitzenreiter sind. Die Leichtigkeit ist trotzdem ein wenig verloren gegangen, sodass man zuletzt wieder Intensität und gute Zweikampfführung als Spielziele ausrief. Ob das am Ende reicht, ist angesichts des schweren Restprogramms ungewiss. Erstaunlich, nachdem Ingolstadt nach 19 Spiele schon wie der sichere Aufsteiger aussah.

Die aktuell vielleicht stärksten und komplettesten Mannschaften dürften Kaiserslautern und Karlsruhe sein. Beide verfügen über eine sehr gute Mannschaftsorganisaton, eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive, haben einen Lauf und könnten im Schlussspurt der Saison von Euphorie im Umfeld profitieren. Euphorie gibt es in Darmstadt auch. Und prinzipiell muss man es ihnen aus den Erfahrungen der letzten Monate heraus zutrauen, einen der drei vorderen Plätze zu erreichen. Die kommenden Spiele und die dortigen Gegner (Bochum, Nürnberg, Heidenheim, Leipzig, Kaiserslautern, Karlsruhe) haben es aber durchaus in sich.

Die Überraschungsteams der letzten Wochen sind allerdings keine Spitzenteams, sondern eher unscheinbare Zweitligamannschaften. Der FSV Frankfurt und der SV Sandhausen holten seit der Winterpause mehr Punkte als Karlsruhe und Ingolstadt und haben sich dadurch praktisch schon aller Abstiegssorgen entledigt. Das ist mehr als respektabel.

Vor allem, wenn man auf der anderen Seite Teams wie St. Pauli und 1860 München sieht, die in dieser Saison schon zweimal den Trainer wechselten und trotzdem noch in aktuter Abstiegsgefahr schweben. Torsten Fröhling konnte in München mit acht Punkten aus den letzten fünf Spielen zwar eine kleine Trendwende einleiten, allerdings lässt der nur eine (glückliche) Punkt aus den letzten zwei Heimspielen gegen Sandhausen und Aalen auch vermuten, dass der Trend noch auf etwas wackligen Füßen steht.

Etwas klarer wird man diesbezüglich nach dem Spiel nach der Länderspielpause gegen Erzgebirge Aue sehen, wenn die Löwen sich von einem Kontrahenten absetzen oder wieder ganz tief unten reinrutschen können. Aue hatte zwischen den Spieltagen 1 und 4 und 14 und 19 die schlimmsten Saisonphasen und holte in dieser Zeit nur zwei Punkte aus den zehn Spielen. In den letzten fünf Spielen erinnert man wieder daran und hat kein Tor mehr erzielen können, nachdem man noch mit zwei Siegen und fünf Toren aus der Winterpause gekommen war. Der Trend ist im Erzgebirge ganz gewiss kein friend, zumal man gerade mit wichtigen Winterneuzugängen einige Verletzungsprobleme hatte. Und dass Präsident Helge Leonhardt zuletzt vor dem Spiel gegen Fürth Einfluss auf die Aufstellung nahm, indem er Aufstellungsexperimente auf den Index stellte, klingt auch nicht danach, als wäre der Weg nach oben in aller Ruhe vorgezeichnet.

Nicht vorgezeichnet ist der Weg nach oben auch für den FC St. Pauli, bei denen zu mangelndem Offensivglück (nur vier Tore seit der Winterpause) in den letzten Spielen auch noch Pech (individuelle Fehler, Platzfehler vor dem Gegentor in Berlin) dazukam. Eine im Abstiegskampf verheerende Mischung, zumal St. Pauli von den Abstiegskandidaten das vielleicht schwerste Restprogramm hat und fast ausschließlich noch gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte spielen muss. Glück hat man dabei noch, dass Konkurrent VfR Aalen von der DFL zwei Punkte wegen Lizenzierungsverstößen abgezogen wurden (Einspruch noch möglich), sodass die Norddeutschen als Tabellenletzter punktgleich mit dem Relegationsplatz sind.

Auffällig an den Statistiken der Ligablöcke noch Eintracht Braunschweig, die sowohl zum Saisonstart als auch jetzt beim Start aus der Winterpause wenig erfolgreich Fußball spielten. Aktuell ist man punktetechnisch das schlechteste Team der Liga seit der Winterpause. Das ist als Bundesligaabsteiger viel zu wenig und reicht trotzdem noch für Platz 6 mit ’nur‘ sieben Punkten Rückstand auf Platz 3. In Braunschweig wird man vermutlich öfters mal auf die Tabellen blicken und mit leichtem Kopfschütteln darüber grübeln, was möglich gewesen wäre, wenn man bspw. so wie Sandhausen aus dem Winter gekommen wäre.

Sonst so: Darmstadt mit einer erstaunlich konstanten Bilanz über die komplette Saison hinweg. Die schlechteste Bilanz hatte man zwischen den Spieltagen 5 und 9 mit 1,4 Punkten im Schnitt. Das entspricht ungefähr der Gesamtbilanz von RB Leipzig in dieser Saison, die lediglich für den Block mit den ersten vier Spielen punktetechnisch zu den Spitzenmannschaften gehörten und seitdem gerade mal 1,3 Punkte pro Partie holten. Nürnberg mit nur einer guten Saisonphase. Zwischen Spieltag 14 und 19 reichte es für eine Toppunktzahl, ansonsten sprang nur Durchschnitt oder weniger und ein Punkt pro Spiel heraus.

Ist natürlich alles nur eine Spielerei, aber ein bisschen lässt sich an der Tabelle das Auf und Ab der Mannschaften über die Saison nachvollziehen. Und man sieht gut an Darmstadt, dass es gar nicht mal so viel braucht, um in dieser Liga ganz oben mitzuspielen. Ein bisschen Robustheit im Auftreten und ein bisschen Konstanz beim Punktesammeln ohne große Ausreißer nach ganz oben oder nach unten reichen schon. Es werden sich am Ende der Saison wohl ein paar Teams ärgern, dass sie gerade in dieser Spielzeit ohne ganz große sportliche Überflieger Schwächephasen einbauten, die den Schritt nach oben verhinderten.

[Platz = aktueller Tabellenplatz; Pkt 20-26 = Punkte an den Spieltagen 20-26; Tore 20-26 = Torverhältnis in den Spielen 20-26; restliche Spalten analog für die Spieltage 1-4 bzw. 5-9 bzw. 10-13 bzw. 14-19. Aalen wurden wegen Lizenzverstößen zwei Punkte abgezogen, die in dieser Tabelle nicht berücksichtigt wurden.]

PlatzPkt 20-26Pkt 14-19Tore 14-18Pkt 10-13Tore 10-13Pkt 5-9Tore 5-9Pkt 1-4Tore 1-4Pkt 1-9Tore 1-9
Ingolstadt19139:385:3118:388:31916:6
Darmstadt312103:186:278:786:31514:10
Karlsruhe411135:488:145:786:31211:10
Braunschweig65137:3108:565:647:61012:12
Kaiserslautern214117:444:497:588:61715:11
Leipzig7895:242:2810:784:01614:7
Düsseldorf5877:1083:11112:656:51618:11
Nürnberg117137:444:744:1166:61010:17
Heidenheim9954:455:31014:555:71519:12
Union1210108:778:644:932:676:15
Bochum81277:623:868:989:41417:13
Fürth14653:445:1075:579:41414:9
FSV101365:778:347:1344:5811:18
Sandhausen131254:655:694:512:7106:12
Aalen16774:612:544:754:498:11
186015958:935:775:525:9910:14
Aue17822:857:575:501:1076:15
St. Pauli18646:1312:1078:843:71111:15

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