25.Spieltag – 2.Bundesliga 2014/2015

Die zweite Liga könnte ja als Anschlussliga an die große Fußballwelt vor allem auch eine Ausbildungsliga sein. Nimmt man nur mal die Aufstellungen des letzten Wochenendes löst sich dieses Versprechen nicht wirklich ein. Im Schnitt waren die Zweitligaspieler am 24. Spieltag ein reichliches halbes Jahr jünger als ihre Kollegen in der Bundesliga. Nicht wirklich weltbewegend.

Im Fall der Fälle ist auch in der zweiten Liga (auch weil es tabellarisch meist relativ eng zugeht) den Beteiligten das Hemd des Nichtabstiegs oder des lockenden Aufstiegs wesentlich näher als der Rock der Spielerentwicklung. In Darmstadt reist man sehr gut mit der Taktik, eher auf Profis irgendwo zwischen Mitte und Ende 20 zu setzen. Auch Teams wie Karlsruhe und Frankfurt geht es mit alterstechnisch eher gediegeneren Fußballern recht gut.

Neben der Frage der sportlichen Ziele, die gerade unter Druck mit einer jungen Mannschaft auch mal verfehlt werden können, ist Jugendlichkeit natürlich auch etwas, was sich die Vereine leisten können müssen. Der Marktwert junger Talente ist im Normalfall recht hoch. Sodass das Paket aus Gehalt und möglicherweise sogar Ablöse für viele nur schwer stemmbar ist. Wenn man die Spieler nicht gerade aus dem eigenen Nachwuchs holt oder sich von Bundesligisten leiht.

Die Hälfte aller Zweitligisten hat maximal zwei Spieler bis 23 Jahren in ihren Reihen, die als Stammspieler gelten dürfen, sprich zu den elf meisteingesetzten Spielern ihres Teams gehören. Darmstadt und Bochum sind mit nur einem Spieler die Extreme in dieser Tabelle. Am anderen Ende thronen mit Kaiserslautern, Nürnberg und Leipzig drei Teams, die kurz- bis mittelfristig in die Bundesliga und dies über den Einbau von Perspektivspielern erreichen wollen. Wie auch Sandhausen haben diese Teams gleich fünf Stammspieler, die maximal 23 sind. Im Schnitt sind es bei allen Zweitligisten knapp drei Spieler in dieser Altersgruppe.

Schaut man noch mal eine Alterstufe darunter, dann gibt es in der zweiten Liga 19 Spieler, die aktuell maximal 20 Jahre sind und bei ihren Vereinen mindestens ein Viertel der Zweitligaspielzeit bestritten haben. Vier davon sind von Bundesligisten ausgeliehen. Wenn man Joshua Kimmichs eingelöste Rückkaufoption als Quasileihe dazuzählt, sind es fünf. Zwei der Spieler (Pohjanpalo, Cacutalua) kommen aus Leverkusen, je einer aus Hamburg (Tah), Hoffenheim (Gregoritsch) und Stuttgart (Kimmich).

Alle fünf Zweitligaspieler, die aktuell maximal 20 sind und von einem Bundesligisten ausgeliehen wurden, werden damit bei ihren Vereinen regelmäßig eingesetzt. Nicht nur deswegen mag es erstaunen, dass es nicht mehr Spieler von Bundesligisten gibt, die mehr oder minder direkt aus der A-Jugend kommend in die zweite Liga verliehen werden, um dort den nächsten Entwicklungsschritt zu schaffen. Drei kamen in der Winterpause mit Kerk (aus Freiburg), Bandowski (Dortmund) und Sulejmani (Hannover) noch dazu, sodass jetzt acht sehr junge Talente aus der Bundesliga Zweiligaluft schnuppern.

Das eher geringe Verleihinteresse könnte sich darin begründen, dass ein 19 oder 20jähriger, dem man den Durchbruch bei einem Zweitligateam zutraut, sportlich viel zu interessant ist, als dass man sich gern (und sei es nur vorübergehend) von ihm trennen würde (und die Talente die zweite Liga eher als Rückschritt sehen könnten). Abgesehen davon schielen Zweitligisten auch von sich aus gern auf ‚ältere‘ Spieler (22, 23 aufwärts), von denen man weiß, dass sie über ein enormes Potenzial verfügen, dies aber aus verschiedenen Gründen (Verletzungen, Trainer, Konkurrenz auf ihrer Position) aktuell nicht zeigen können. Also Spieler, die einen Karriereanschub benötigen, aber trotzdem schon Erfahrungen in einem Umfang gesammelt haben, dass sie einem Zweitligisten sofort weiterhelfen können. Im Abstiegskampf zum Beispiel.

Nimmt man die 19 Spieler bis 20 Jahre mit regelmäßigen Einsatzzeiten, die es wohl am ehesten künftig in die Bundesliga schaffen könnten, mal unter die Lupe, dann hat RB Leipzig mit Poulsen und Kimmich sicherlich zwei der absoluten Topversprechen im Kader. Wobei bei zweiterem der Schritt zu den Bayern im Sommer schon feststeht.

Jonathan Tah, der nach Plan im Sommer wieder von Düsseldorf nach Hamburg zurückgeht, hat sicherlich auch bestee Veranlagungen, wenn er denn seine gelegentlich aufblitzende Lethargie ablegt. Mittelfeldmann Julian Weigl von 1860 sollte über kurz oder lang auch in der Bundesliga spielen. Genau wie U19-Europameister Niklas Stark, der aber gerade an seinem nächsten Entwicklungsschritt knabbert. Jonas Meffert vom Kalrsruher SC ist ein sehr interessanter Name. Auch Robert Bauer von Aufstiegskandidat FC Ingolstadt. Letztlich gilt aber für alle Spieler aus der Liste, dass ihre Zukunftsaussichten angesichts der früh in der Karriere gesammelten Einsatzzeiten im Profifußball absolut intakt sind. Nicht alle werden es schaffen, aber einige sollten in den nächsten zwei, drei Jahren mit oder ohne ihre Mannschaften auch in der ersten Liga ankommen.

RB Leipzig schickt in der zweiten Liga an jedem Spieltag eines der jüngsten Teams ins Rennen. Mit Anthony Jung, Diego Demme, Rani Khedira, Yussuf Poulsen und Joshua Kimmich hat man gleich fünf Stammspieler, die maximal 23 Jahre alt sind. Nach 1860, Düsseldorf und Bochum (je 3) hat man zusammen mit St. Pauli und Ingolstadt (je 2) die meisten regelmäßig eingesetzten maximal 20jährigen Spieler im Kader. Yussuf Poulsen ist von den 19 Spielern dieser Altersgruppe der meisteingesetzte Spieler der ganzen zweiten Liga.

Kimmich und Poulsen, das sind schon mal ordentliche Hausnummern bei den bis 20jährigen. Wobei das Potenzial sogar noch größer ist. Lukas Klostermann (18) ist dabei den Schritt zum Stammspieler zu machen und hat seit der Winterpause 270 von 450 Zweitligaminuten bestritten. Er ist nicht nur der viertjüngste in dieser Saison in der zweiten Liga eingesetzte Spieler überhaupt, sondern auch derjenige der insgesamt fünf 18jährigen Spieler mit Einsätzen mit der meisten Spielzeit. Muss man ja auch immer mal im Hinterkopf behalten, wenn man die Leistungen eines Klostermann beurteilt.

Zsolt Kalmár wäre auch noch zu nennen, wenn es um blutjunge Spieler bei RB Leipzig geht, die an zumindest teilweise tragenden Rollen schnuppern. Bei Federico Palacios Martinez klappte es im vergangenen Jahr nicht ganz so gut, sodass er nach Erfurt verliehen wurde (wo er aber auch meist nur auf der Bank sitzt). John-Patrick Strauß spielt nach guter Vorbereitung im letzten Sommer doch wieder U19 und Smail Prevljak wurde schon zu Beginn der Saison für Spielzeiten nach Liefering verliehen.

Insgesamt stehen bei RB Leipzig derzeit 12 Spieler im Kader, die maximal 23 Jahre alt sind. Nur zwei dieser Spieler (der dritte Keeper Thomas Dähne und U19-Mann Strauß) haben diese Saison noch keine Einsatzminuten bestritten: Bei im Schnitt reichlich 13 Einsätzen für die verbleibenden 10 Spieler kann man mit Fug und Recht sagen, dass die jungen Spieler nicht nur den Kader auffüllen, sondern tatsächlich auch Chancen bekommen, sich zu präsentieren. Zumal zwei der zehn Spieler (Forsberg und Reyna) erst im Winter kamen und entsprechend erst wenige Einsätze bestritten haben. Sodass die anderen acht Spieler bis maximal 23 Jahren im Schnitt fast 16mal in der zweiten Liga auf dem Platz standen.

Insgesamt ist es nicht wirklich so, dass die zweite Bundesliga der pure Jugendwahnsinn wäre. Es gibt ein paar Teams, die setzen relativ intensiv auf den Nachwuchs. In Kaiserslautern macht man aus der Not eine Tugend, in Nürnberg versucht man sich in einem Neuaufbau und in Leipzig ist es seit Rangnick Teil der wirtschaftlichen und sportlichen Entwicklungsphilosophie. Erstaunlich beim Blick über das Geschehen aber, dass die zweite Liga von den Bundesligisten nicht noch stärker als Leih- und ergo Ausbildungsliga für blutjunge Talente genutzt wird.

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Anzahl der Spieler mit maximal 23 Jahren, die in ihren Clubs zu den 11 meisteingesetzten Spielern gehören

  • Nürnberg, Sandhausen, Kaiserslautern, Leipzig: 5
  • Fürth, 1860: 4
  • St. Pauli, Ingolstadt, Heidenheim: 3
  • Braunschweig, Karlsruhe, Düsseldorf, Union, Aalen, Frankfurt, Aue: 2
  • Darmstadt, Bochum: 1

Anzahl der Spieler mit maximal 20 Jahren , die mindestens ein Viertel der insgesamt möglichen Zweitligaspielzeit bestritten haben (540 von 2160)

  • Düsseldorf, Bochum, 1860: je 3
  • Ingolstadt/Fürth (Pledl wechselte im Winter von Fürth nach Ingolstadt), St. Pauli, Leipzig: je 2
  • Union, Sandhausen, Kalrsruhe, Nürnberg: je 1
  • Darmstadt, Aue, Aalen, Heidenheim, Kaiserslautern, Braunschweig, Frankfurt: je 0

Spieler mit maximal 20 Jahren , die mindestens ein Viertel der insgesamt möglichen Zweitligaspielzeit bestritten haben (540 von 2160) (Alter, Verein, Einsatzzeit, Position – ST: Stürmer, IV: Innenverteidiger, AV: Außenverteidiger, MF: Mittelfeld)

  • Yussuf Poulsen: 20, Leipzig, 1586 Minuten, ST
  • Malcolm Cacutalua: 20, Bochum (ausgeliehen von Leverkusen), 1496 Minuten, IV
  • Julian Weigl: 19, 1860, 1450 Minuten, MF
  • Jonathan Tah: 19, Düsseldorf (ausgeliehen vom HSV), 1421 Minuten, IV
  • Joshua Kimmich: 20, Leipzig (‚ausgeliehen‘ vom VfB), 1382 Minuten, MF
  • Maximilian Wittek: 19, 1860, 1261 Minuten, AV
  • Joel Pohjanpalo: 20, Düsseldorf (ausgeliehen von Leverkusen), 1195 Minuten, ST
  • Leart Paqarada: 20, Sandhausen, 1189 Minuten, AV
  • Jonas Meffert: 20, Karlsruhe, 1168 Minuten, MF
  • Niklas Stark: 19, Nürnberg, 1135 Minuten, MF
  • Thomas Pledl: 20, Ingolstadt/Fürth, 1022 Minuten, MV
  • Okan Kurt: 20, St. Pauli, 1008 Minuten, MF
  • Michael Gregoritsch: 20, Bochum (ausgeliehen von Hoffenheim), 929 Minuten, ST
  • Christian Gartner: 20, Düsseldorf, 909 Minuten, MF
  • Marius Wolf: 19, 1860, 760 Minuten, ST
  • Andrey Startsev: 20, St. Pauli, 738 Minuten, AV
  • Selim Gündüz: 20, Bochum, 687 Minuten, MF
  • Eroll Zejnullahu: 20, Union, 628 Minuten, MF
  • Robert Bauer: 19, Ingolstadt, 542 Minuten, MF

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25. Spieltag

  • SpVgg Greuther Fürth – TSV 1860 München – 1
  • VfL Bochum – 1. FC Heidenheim – 2
  • SV Darmstadt 98 – 1. FC Union Berlin – 0
  • 1. FC Kaiserslautern – 1. FC Nürnberg – 1
  • FC St. Pauli – FSV Frankfurt – 1
  • FC Ingolstadt – Karlsruher SC – 2
  • VfR Aalen – FC Erzgebirge Aue – 1
  • SV Sandhausen – Eintracht Braunschweig – 0
  • RB Leipzig – Fortuna Düsseldorf – 0

Bisherige Tippquote: 87 von 216 (Quote bei RB-Spielen: 9 von 24)

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