2.Bundesliga: RB Leipzig vs. 1.FC Union Berlin 3:2

Spiel 3 unter Achim Beierlorzer war mit dem Heimspiel gegen Union Berlin, die sich in den letzten Wochen zu einem der besseren Clubs der Liga gemausert hatten, sicherlich kein einfaches. Am Ende stand ein 3:2-Erfolg, der völlig verdient war und bei dem man einige Dinge sah, auf die sich in den nächsten Wochen aufbauen lässt. Ob das schon der Befreiuungsschlag war, den die Mannschaft nach einem schwierigen Start ins Jahr 2015 brauchte, werden allerdings erst die nächsten Wochen zeigen.

Ins Spiel gegangen war RB Leipzig mit kleineren Sorgen, weil nicht nur Yussuf Poulsen (gelbgesperrt) ausfiel, sondern auch Innenverteidiger Marvin Compper (krank) kurzfristig passen musste. Dazu mussten Kalmár und Hierländer nach ihrem Auftritt in Braunschweig auf die Bank weichen. Für Hierländer rutschte Diego Demme erstmals seit der Winterpause wieder in die Mannschaft und präsentierte sich sofort wieder als laufstarker, sehr präsenter Mittelfeldspieler. Als Sechser hatte er zudem die meisten Ballbesitze aller Spieler auf dem Platz (107 – auch Bestwert für die gesamte zweite Liga an diesem Spieltag). Neben bzw. vor Demme spielte Kimmich ballsicher und offensivstark statt Kalmár im Mittelfeld.

Für Yussuf Poulsen durfte Ante Rebic von Beginn an mitmachen und zeigte wieder mal seine individuelle Klasse und gleichzeitig auch seinen manchmal fehlenden Blick für den Mitspieler und seine Schwächen im Umschaltspiel nach Ballverlusten. Und Marvin Compper wurde vom 18jährigen Lukas Klostermann ersetzt, dem man sein Alter und seine noch nicht ganz so große Routine auf dem Feld weiterhin (kein Vorwurf) anmerkt. Nur 37,5% gewonnene Zweikämpfe sind für einen Innenverteidiger ein deutlicher Fingerzeig, woran es zu arbeiten gilt. Seine Schnelligkeit macht die eine oder andere Schwäche wett.

Nicht nur individuell wurde die Mannschaft ein wenig verändert, auch in der Formation gab es leichte Verschiebungen, da Emil Forsberg immer wieder auch in eine zentrale Zehnerposition rutschte und von dort aus auf das Spiel einwirkte. Ohne dass diese Formation stur durchgeprügelt worden wäre, entstand so oft ein 4-1-3-2-System mit einem Sechser Diego Demme, defensiv-offensiv flexibel switchenden Achtern oder Zehnern oder wie auch immer Kimmich und Kaiser und einem freien Offensivradikal als zusätzlichem Spielmotor Forsberg. Dazu kamen mit Damari und Rebic zwei Spitzen, die sich auch oft etwas tiefer fallen ließen und so immer wieder in den Zwischenräumen zwischen den Union-Ketten agierten.

Die erste halbe Stunde der Begegnung zwischen RB Leipzig und Union war sicherlich eine denkwürdige. Eine halbe Stunde mit vielen, vielen Offensivaktionen, aber auch mit beidseitigem Defensivharakiri. Ein halbstündiges Freakspiel, nach dem RB Leipzig verdient mit 3:2 in Führung lag, weil man bei diesem Spektakel die wesentlich größeren, individuellen Fähigkeiten in der Offensive hatte und auch ein Chancenplus verzeichnete.

Los ging das ganze schon nach knapp 80 Sekunden als der starke Omer Damari in den Strafraum eindrang, dort noch dem Bein von Puncec auswich und dann das von Parensen annahm, um dafür einen Elfmeter zu kriegen. Ein Elfmeter, den man absolut geben kann, weil Parensen sein Bein rausstellt. Aber vielleicht auch nicht geben muss, weil Damari schon vorher und quasi in das Bein hineinfällt (Achtung Zeitlupenwissen..). Nach den zwei bis drei nicht gegebenen Elfmetern im Hinspiel und vor einem klaren nicht gegebenen in der zweiten Halbzeit gegen Union war der Pfiff aber auch mal absolut dran.

Mal wieder Grund zur Freude - RB Leipzig feiert das 3:2 gegen Union Berlin | GEPA Pictures - Kerstin Kummer

Elfmeter und das Tor dann schon in der dritten Spielminute waren für den Verlauf der Partie unheimlich wichtig. Viel wichtiger allerdings der Weg dahin, der in einer prima Kombination über Demme, Damari, Jung und Rebic bestand. Eine für die erste halbe Stunde stilbildende Kombination, denn immer wieder ging es mit Tempo durchs Mittelfeld und in den Strafraum. Ein Tempo, von dem sich Union absolut überfordert zeigte, weil zwischen den Ketten zu viel Luft bestand (vielleicht auch ein Nachteil der gewählten 4-2-3-1-Taktik, das man auf den Außenbahnen oft hinterherlief) und man dann entsprechend in der Verteidigungskette gegen viel Geschwindigkeit verteidigen musste. Ein Setting, bei dem man sehr oft hinterherlief, nachdem man im Hinspiel genau dieses Szenario durch eine Defensivtaktik noch ganz gut unterbunden hatte.

Weiter ging es dann schon in der siebten Minute und ebenso schön wie bei der Entstehung des Elfmeters. Tim Sebastian schlägt den Ball hinten raus, Rebic sichert ihn in der Mitte der gegnerischen Hälfte, um ihn sofort tief auf den startenden Damari zu spielen. Der seine Geschwindigkeitsvorteile gegen „wollen Leipzig knacken und mal wieder zu null spielen“-Leistner ausspielt, von der Grundlinie in die Mitte passt, wo der einlaufende Kimmich den Ball aus fünf Metern über die Linie drückt. Schon wieder ein Tor eines Mittelfeldspielers aus dem Spiel heraus, nachdem Kaiser dies vor einer Woche in Braunschweig erstmals in dieser Saison gelungen war. Also jene Qualität, die RB Leipzig in der Regionalliga und in der dritten Liga noch ausgezeichnet hatte, dass immer wieder Mittelfeldspieler mit in die Lücken zwischen den Verteidigern springen, endlich wieder auf dem Rasen. Kann dem RB-Spiel nur gut tun.

Dass der Wahnsinn auf beiden Seiten toben sollte, zeigte sich nur eine Minute später auf der anderen Seite, als Jopek und Parensen sich an der Mittellinie den Ball unbedrängt zuspielen dürfen und Parensen sich das Leder schnappt und viel Platz vor sich hat, den er nutzt um einen tiefen Ball auf Skrzybski zu spielen, der dann den etwas halbherzig verteidigenden Georg Teigl zum 1:2-Anschlusstreffer tunnelt und Coltorti auf dem falschen Fuß erwischt. Auch diese Szene ein wenig stilbildend für das RB-Spiel, weil zwischen Abwehrkette und Mittelfeld (wenn man vom ballnahen, aber ausrutschenden Demme absieht) enorm viel Platz ist und man entsprechend keinen Zugriff findet und man so auch den entscheidenden Pass nicht verhindern kann.

Ein bisschen ist dies sicherlich auch ein Problem der leicht veränderten Ausrichtung unter Beierlorzer im Vergleich zu Zorniger. Unter letzterem ging es immer um die kompakte Balljagd, die aktuell nicht mehr so manisch durchgezogen wird (wobei die Frage ist, inwieweit dies Konzeption oder eher unbeabsichtigte Begleiterscheinung ist). Sodass zwar im konkreten Fall die Offensivkräfte recht hoch attackieren, aber der Abwehrverbund nicht nachrückt und den Kontakt nach vorn und somit auch die Kompaktheit zwischen den Mannschaftsteilen verliert. Und nichts ist schöner für ein Fußballteam, als einen Ball zwischen den Ketten recht unbedrängt aufnehmen und auf die Abwehrkette zumaschieren zu können. Man wird in den nächsten Wochen beobachten können, inwieweit defensive Kompaktheit bei RB Leipzig (in Braunschweig haperte es ja auch schon daran) wieder Einzug hält oder ob man diesbezügliche Abstriche als Kollateralschaden einfach hinnimmt.

Offensiv großartig dann wieder das 3:1. Demme als Spieleröffner auf Forsberg, der zwischen den Ketten Mitte der gegnerischen Hälfte viel zu viel Platz hat. Genauso wie Damari, an den der Ball sofort geht. Der Israeli mit wunderbarer Ballbehandlung und -behauptung gegen zwei, drei Unioner gibt den Ball an den durchstartenden Forsberg weiter, der nur noch die Abwehrkette der Gäste vor sich hat und den Ball perfekt durchsteckt auf den durchstartenden Außenverteidiger Teigl, der dann als gelernter Offensivspieler wenig Mühe hat zu vollenden. Klar, das Tor ist verhinderbar, wenn Forsberg und Damari da zwischen den Ketten nicht ungehindert Fußball spielen dürfen, aber es ist trotzdem großartig ausgenutzt, herausgespielt und vollendet.

Bliebe noch das 3:2, bei dem wieder zu viel Raum zwischen Abwehrviererkette und Mittelfeld ist. Bzw. der Raum allein von Demme abgesichert wird und er sich entsprechend zwei Gegenspielern (Jopek und Quiring) gegenübersieht, während die Viererkette in die Tiefe fällt und den bespielbaren Raum dadurch noch größer macht. Tim Sebastian hebt dabei noch das Abseits auf, weil er einen Meter hinter den anderen steht, sodass Polter nach Quiring-Pass völlig allein auf Coltorti zulaufen kann und mit links zu seinem dritten Treffer in dieser Saison gegen RB Leipzig einschießt. Wie gesagt, es bleibt die Frage, ob es Kollateralschaden oder zu behebender Fehler ist, dass vor der Abwehrkette so viel Platz zum Bespielen entsteht.

Auch abgesehen von den Toren war die erste Halbzeit hochgradig unterhaltsam. Forsberg und Damari hatten für RB noch weiter Chancen auf Tore. Skrzybski scheiterte auf der anderen Seite an Coltorti und auch sonst blieb Union stets gefährlich, weil Polter in der Mitte an viele Bälle herankam (69% Zweikamquote am Ende!) und sich von da aus immer wieder Möglichkeiten ergaben, schnell über die außen in die Tiefe zu spielen. Dass RB Leipzig mit dem Tor Vorsprung in die Kabine ging, war trotzdem alles in allem absolut verdient.

Die zweite Halbzeit war dann insgesamt so ziemlich das Gegenteil von der ersten Halbzeit. Denn statt offenem Visier spielte RB Leipzig nun wesentlich pragmatischer und mehr auf Torabsicherung. Aus dem Spiel heraus kam Union in der zweiten Halbzeit gar nicht mehr gefährlich vors RB-Tor. Lediglich bei einer Ecke kurz nach Wiederanpfiff, nach dem auch die Union-Fans stimmlich mitmachen wollten, ging es im RB-Strafraum noch mal chaotisch zu. Ansonsten versuchte sich Union auch immer wieder mal im Pass in die Tiefe. Der aber gegen oft tief stehende RB-Verteidiger, wenn er denn überhaupt mal durchkam, sicher in den Händen von Fabio Coltorti landete.

Auf der anderen Seite RB Leipzig nun nicht mehr mit Hurra-Fußball sondern immer wieder auch mal mit schlichten Befreiungsschlägen als Abwehraktion. Gelegentlich fehlte da auch das Auge für das Spielen in die offener werdende Räume in der Union-Hälfte. Trotzdem setzte man regelmäßig auch offensive Nadelstiche. Rebic, Damari und Reyna hatten die Vorentscheidung auf dem Fuß, Leistner hatte sie im Strafraum ungeahndet an der Hand.

Passieren sollte aber nichts mehr. Erstaunlich daran, dass das Ergebnis zwar mit 3:2 knapp klingt und knapp war, aber nie der Eindruck entstand, dass RB Leipzig das Spiel noch hergeben würden. Sodass der Auftritt in der zweiten Halbzeit dank defensiver Stabilität zwar eher unspektakulär war, aber erstaunlich routiniert wirkte. Letztlich fehlte zu Topniveau nur noch die Krönung, offensiv irgendwann die Vorentscheidung zu erzielen. Eine Woche nach der chaotischen Mannschaftsorganisation in Braunschweig und der ersten Halbzeit gegen Union mit allerlei defensiven Problemen durchaus bemerkenswert, wie souverän und ohne Zittern man die Partie runterspielte.

Fazit: In vielerlei Hinsicht eine Partie von RB Leipzig, auf der man aufbauen kann. Einerseits ist da die unglaubliche Offensivqualität, die man dank Damari und Forsberg dazugewonnen hat und die sich immer besser ins Mannschaftsspiel einbettet (nicht zu vergessen, dass Poulsen sogar noch fehlte..). Andererseits ist da die routinierte Mannschaftsleistung aus der zweiten Halbzeit, als man zeigte, dass man Defensivorganisation doch noch nicht ganz verlernt hat. Man wird weiter an der Balance zwischen Offensive und Defensive arbeiten müssen, aber insgesamt war der völlig verdiente Sieg gegen Union ein Signal, das man erst mal auf einem guten Weg ist.

Randbemerkung 1: Auch im vierten Spiel nach der Winterpause kein Stürmertor. Jetzt, wo aus Mittelfeld und von den Außenverteidigern verstärkt Torgefahr kommt, bleiben die alten und die neuen Stürmer torlos. Wobei dies nicht mehr ist als eine kleine Statistik. Denn die Chancen für das Sturmpersonal sind da. Weswegen es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis sie auch mal selbst treffen und nicht ’nur‘ für andere vorbereiten.

Randbemerkung 2: Vier Tore nach 13 Minuten gab es laut Sportschau [broken Link] noch nie in der Geschichte der eingleisigen zweiten Liga. Besser ließe sich das Offensivspektakel bzw. Defensivdebakel (je nach Sichtweise) der Anfangsphase auch nicht ausdrücken.

Randbemerkung 3: Bemerkenswert vielleicht noch die Einwechslung von Daniel Frahn. Auch wegen der Einwechslung des Kapitäns an sich, der sich wie gewohnt mit viel Einsatz ins Spiel warf, aber vor allem wegen des frenetischen Applaus zu seiner Begrüßung (zumindest auf Heimseite), der fast schon Jubel war. Schöne, wertschätzende Sache. Mal völlig abgesehen von den sportlichen Perspektiven Frahns.

Randbemerkung 4: Wieder mal eine überschaubare Zweikampfquote von knapp 46%. Bleibt eine kleine Achillesferse bei RB Leipzig, dass man in direkten Duellen oft unterlegen ist. Gerade die (wenn man Teigl nicht mitzählt) nur knapp 43%, die die Verteidigungskette im Schnitt an Zweikämpfen gewann, stimmen etwas nachdenklich. Vor allem, weil das aktuell etwas unausgeprägtere Pressing und damit mehr am Strafraum landende Bälle bei gleichzeitig entstehenden Räumen zwischen Abwehrkette und Mittelfeld den Fokus auf die individuellen Zweikampfstärken bei den Verteidigern stärker werden lässt.

Randbemerkung 5: Wie auch schon beim Hinspiel waren die Union-Fans der Meinung, zeigen zu müssen, dass sie die Fußballverhältnisse in Leipzig doof finden. Was natürlich ihr gutes Recht ist (auch wenn man sich wieder mal fragen darf, inwieweit man mit einem lockeren „RB, Verein für Hurensöhne“-Banner mal nicht eben einen kleinen Negativ-Niveauoscar gewinnt). Ausgedrückt hat man den Unmut, indem viele Gästefans (ca. 1.500) vor dem Spiel gegen RB ein „Traditionsduell“ bei der BSG Chemie besuchten (insgesamt über 4.000 Zuschauer) und erst zur zweiten Halbzeit in die Red Bull Arena kamen und die Gästekurve beim RB-Spiel in der ersten Halbzeit abseits der Tore sowieso meist schwieg. Das Traditionsduell hatte immerhin den positiven Effekt, dass Chemie ein paar ordentliche Euros für den eigenen Alfred-Kunze-Sportpark einsammeln konnte. Wobei es etwas skurril ist, dass sich Chemie vor den Unioner Karren spannen ließ. Skurril nicht nur, weil das Duell gegen Union in grauer Vorzeit im Rahmenprogramm nicht gerade stressfrei war, sondern auch weil man sich aus dem Abarbeiten an RB bisher aus gutem Grund (nicht ihr Tanzbereich bei der eigenen Vereinsentwicklung) immer herausgehalten hatte. Egal wie, das kann man natürlich alles machen und spannend oder auch nicht spannend finden. Fakt ist, dass es erstaunlich ist, wenn Union-Fans mit dem Duell gegen Chemie zeigen wollen, „wie wir uns Fußball in Leipzig vorstellen“, wie man es im Vorfeld der Partie formulierte. Weiterhin wird kaum in Berlin, sondern nur in Leipzig bestimmt werden, wie Fußball in dieser Stadt aussehen soll und ob RB Leipzig und das Drumherum funktioniert (angenommen wird) oder nicht. Man stelle sich nur mal vor, man würde in Leipzig auf die anmaßende Idee kommen, nach Berlin zu fahren und dort zum Besten zu geben, wie man sich den dortigen Fußball vorstellt. Eine kuriose Vorstellung..

Randbemerkung 6: Und mal abgesehen von dem allen: Im Jahr 2015 nach Leipzig zu kommen und es als Manifestation gegen RB zu verstehen, eine Fußballkultur zu feiern, deren sportlicher, wirtschaftlicher und infrastruktureller Teil schon vor RB gestorben ist oder am Dahinvegetieren war und für deren Sterben man sich in Berlin bis 2009 einen Scheiß interessierte, darauf muss man auch erstmal kommen..

Lichtblicke:

  • Joshua Kimmich: Sehr präsenter Mittelfeldmann mit gewohnter Sicherheit im Passspiel und vor allem auch positivem Einfluss auf das Offensivspiel. Bereitete nicht nur einige Torschüsse vor, sondern erzielte diesmal auch ein Tor. Sein erstes Zweitligator, sein zweites im Trikot von RB Leipzig.
  • Omer Damari: Zeigte erstmals, warum RB Leipzig in der Winterpause viel Geld für ihn in die Hand genommen hat. Ganz stark in der Ballbehauptung, wenn er denn den Ball in den Fuß bekommt. Hohe Passsicherheit, wodurch man den Ball am gegnerischen Strafraum auch immer mal wieder halten kann. Den Elfer zum 1:0 rausgeholt, das 2:0 direkt vorbereitet, das 3:1 mit vorbereitet. Dazu einige Aktionen am und im Strafraum, mit denen er andere Spieler einsetzte. Zur Krönung fehlte ihm nur noch das Tor, das er bei seinen drei Torschüssen durchaus hätte erzielen können. Hat Lust gemacht auf mehr, dieser Auftritt des israelischen Neuzugangs.
  • Emil Forsberg: In veränderter Rolle als freies Offensivradikal, das sowohl mittig als auch über links spielt, mit einer sehr auffälligen Vorstellung. Ständiger Gefahren- und Unruheherd, weil er auch Eins-gegen-Eins-Situationen gut auflösen kann, den Torabschluss sucht, aber auch seine Mitspieler einsetzt. Prima Torvorbereitung beim 3:1. Pech aber weiterhin beim eigenen Torabschluss.

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Tore: 1:0 Kaiser (3./ FE), 2:0 Kimmich (7.), 2:1 Skrzybski (8.), 3:1 Teigl (13.), 3:2 Polter (29.)

Aufstellung RB Leipzig: Coltorti – Teigl, Klostermann, Sebastian, Jung – Demme – Kaiser, Forsberg (84. Hierländer), Kimmich – Rebic (81. Frahn), Damari (75. Reyna); nicht eingewechselt: Bellot, Heidinger, Hoheneder, Kalmár; nicht im Kader: Franke, Boyd, Ernst, Khedira, Compper (alle verletzt oder krank), Poulsen (gesperrt), Dähne, Strauß, Rodnei

Aufstellung 1.FC Union Berlin: Haas – Trimmer, Puncec, Leistner, Schönheim – Kreilach, Parensen (62. Zejnullahu) – Brandy (15. Quiring), Jopek, Skrzybski (78. Kobylanski) – Polter

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Weitgehend souverän in Auftreten und Spielleitung. Den Elfmeter zum 1:0 kann man sicher geben. Nach 73 Minuten hätte noch ein Handelfmeter für RB folgen müssen, als Leistner mit erhobenen Armen im Strafraum in eine Flanke springt. Allerdings wurde Gagelmann da von seinem Assistenten an der Linie im Stich gelassen. Vielleicht hätte der Unparteiische noch stärker individuelle Strafen in Form von gelben Karten aussprechen sollen. Die Partie weitgehend ohne Stress über die Bühne gekriegt zu haben, gab ihm aber wiederum auch Recht, was seine stellenweise etwas lockerere Linie anging.)

Gelbe Karten: Klostermann (1. gelbe), Rebic (2.) – Parensen, Leistner, Skrzybski

Zuschauer: 24.780 (davon 5.500 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], FCU-Bericht, Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Ticker

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  • Torschüsse: 13 : 9
  • gewonnene Zweikämpfe: 45,9% : 54,1%
  • Ballbesitz: 57,2% : 42,8%
  • Passquote: 73,4% : 58,1%
  • Laufstrecke: 121,2 km : 114,8 km
  • Sprints: 228 : 219
  • Fouls: 16 : 25
  • Ecken: 7 : 3
  • Abseits: 2 : 2
  • Meiste Torschüsse: Forsberg, Damari: je 3 – Jopek, Skrzybski, Polter: je 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Teigl: 72,0% – Polter: 69,2%
  • Meiste Ballkontakte: Demme: 107 – Schönheim, Trimmel: je 62
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Kimmich: 84,1% – Leistner: 82,9%
  • Größte Laufstrecke: Kimmich: 12,5 km – Jopek: 12,6 km
  • Meiste Sprints: Kimmich: 29 – Schönheim: 27

Statistiken von bundesliga.de, bild.de

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Saisontorschützen: Poulsen – 8; Kaiser – 4; Teigl, Frahn – je 3; Boyd – 2; Kimmich, Thomalla, Morys, Hoheneder, Holthaus (VfL Bochum/ Eigentor), Verhoek (St. Pauli/ Eigentor) – je 1 Treffer

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Bild: © GEPA pictures/ Kerstin Kummer

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9 Gedanken zu „2.Bundesliga: RB Leipzig vs. 1.FC Union Berlin 3:2“

  1. Wie üblich sehr treffende Analys, die ich vollumfänglich teile.

    Bei der Anfangsphase musste ich irgendwie immer an Rangnicks Aussage: besser ein rasanter 3:2 als ein 1:0 denken, wobei ich schon denke, dass die kurzfristige Umstellung für individuelle Schwächen der Abwehrkette ein gangbarer Erklärungsansatz ist. Trotzdem bleibt es aktuell so wie du sagst, dass RBL das zweikampfschwächste Team der Zweiten Liga ist (gleich danach folgt übrigens Darmstadt, jedoch mit ganz anderer Verteilung von Quote in der Abwehr und im MF/Sturm).
    Wobei dies auch verschiedene Gründe hat (z.B. die Zweikampfwerte von Morys und Frahn als Hinrunden“ballast“), Demmes Zweikampfaffinität sowie die insgesamt überschaubare Größe des MF (bedeutet fast zwingend verlorene Kopfballduelle in diesem Bereich). Dazu führt RBL auch die meisten Zweikämpfe der Liga, ein Produkt des Spielsystems, bei dem es hinten wie vorne (zumindest in der Zornigerzeit) die Spieler gerne in 1:1 Situationen drängt. Mit Polter war gestern dazu ein extrem starker MS auf dem Feld. Grundsätzlich bleibt zu beobachten, dass diese Spielweise dafür sorgt, dass unsere IV/DM jeweils rund 10% schlechter abschneidet, als die jeweils besten auf dieser Position bei den Gegnervereinen im Ligaschnitt (Tim Sebastian als bester Zweikämpfer ist nur Nr. 55 im Ligavergleich, was bedeutet, dass pro Ligagegner gut drei Spieler besser als der beste RBL Akteur sind und die kommen quasi alle aus dem Abwehr und DM Bereich).

    Während die teils ausgemachte Aufschwungphase nach dem Paulispiel schon damals ein Tagtraum war (dafür war Pauli zu schwach), könnte man aktuell wirklich eine positive Entwicklung ausmachen (ähnlich der zu Beginn der Drittligarückrunde). Wahrscheinlich zu spät, um noch oben anzugreifen, wobei dies aktuell in Sachen psychischer Ballast wahrscheinlich nicht schlecht ist.

    Mit dem KSC wartet jetzt ein ganz schwerer Brocken, der sozusagen die Nagelprobe dieser Entwicklung sein wird. Nur eine Heimniederlage, in den letzten 14 Ligaspielen nur einmal verloren (ausgerechnet in Berlin). Wolfsburg als Bonbon und Karlsruhe als Prüfstein.

    Laut Sport1 waren es übrigens deutlich unter 1000 Unionfans beim Traditionsspiel, würde auch zum überschaubaren verspäteten Zulauf im Block passen.

  2. Naja, in Berlin wird zwar nicht entschieden, wie Fußball in Leipzig aussehen soll, aber in Leipzig doch auch nicht. Wie Fußball derzeit in L aussieht, ist einzig und allein von einem Geldgeber aus Österreich abhängig. Es ist zwar ein schöner Nebeneffekt, dass es genügend Leute ins Stadion zieht, weil sieht besser aus im TV, aber für den sportlichen Erfolg ist das nicht entscheidend. Im Prinzip ist es auch egal, wo RedBull spielt, die wollen einfach ein europäisches Spitzenteam, und dooferweise kommt nunmal jede Fußballmannschaft aus irgendeiner Stadt, im Gegensatz zu Formel-1-Teams.

  3. Randbemerkungen 5 und 6 sind neben der wie immer tollen Spielanalyse das Beste, das ich zu Rb vs Union im Vor- und Nachfeld gelesen habe.

    @lilakuh Das siehst du falsch. In Leipzig wird entschieden, wie sich die Mehrheit der Leipziger den Fussball in ihrer Stadt vorstellen. Würde sich die Mehrheit den dilletantischen Fussball der letzten 25 Jahre wünschen, gingen sie weiterhin in die traditionsreichen Fussballstätten, in denen sich neu gegründete Plastikclubs der Tradition verstorbener Leipziger Fußballlegenden anmaßen.

    1. Ich denke, dass sich auch in den letzten 25 Jahren niemand diletantischen Fußball gewünscht hat. Wir hatten ja nüscht.

      Aber die Möglichkeit, etwas anderes zu sehen, ist nicht dadurch gekommen, dass sich die Leipziger geschlossen ins Zentralstadion begeben haben und unter anderem durch ihren support, ihren Eintrittskarten den Erfolg von RB begünstigt haben. Das neue Angebot ist von außen gekommen und für die meisten, insbesondere an Tagen wie morgen (DFB-Pokal gegen Wolfsburg), eben attraktiver.

      Der Vereinsführung war es relativ egal, in welcher Stadt sie sich niederlassen, im Prinzip ist Leipzig ja auch schon der zweite Wohnort nach Salzburg. Und falls es irgendwann doch cooler sein sollte, lieber in der premier league präsent zu sein, weil diese weltweit gesehen nochmehr Aufmerksamkeit bringt, wird Leipzig auch nur ein Ausbildungsstandort. Oder was ist, wenn der olle Ösi das zeitliche segnet und die Erben nicht so sportbegeistert sind? Also in Leipzig wird das jedenfalls alles nicht entschieden…

    2. Über die Vergangenheit zu jammern, von der Zukunft zu träumen, und die Gegenwart zu verschlafen, das ist der Leerlauf des Lebens.

  4. „Und mal abgesehen von dem allen: Im Jahr 2015 nach Leipzig zu kommen und es als Manifestation gegen RB zu verstehen, eine Fußballkultur zu feiern, deren sportlicher, wirtschaftlicher und infrastruktureller Teil schon vor RB gestorben ist oder am Dahinvegetieren war und für deren Sterben man sich in Berlin bis 2009 einen Scheiß interessierte, darauf muss man auch erstmal kommen..“

    Was für eine miese Recherche! Oder liegen einfach nur die Nerven blank und jede ungeprüfte Behauptung darf als Argument dienen? Allein in den letzten zwei Jahrzehnten gab es einige Spendenaktionen, Besuche bei Heimspielen, Unterstützung bei Auswärtsspielen, Zusammenarbeit bei Fanzines, ein Jugendspiel mit über 1.600 Zuschauern im Alfred-Kunze-Sportpark und gemeinsame Fanturniere zwischen Chemie und Union. Die Freundschaft zwischen einzelnen Fanclubs hat selbst das Aus des FC Sachsen überstanden (beteiligt ist ein Fanclub, der heute nicht mehr bei der BSG Chemie aktiv ist).

    Ich zitiere aus dem – auch für Menschen ohne Sinn und Interesse für den Leipziger Fußball der letzten Jahrzehnten zugänglichen – Portal wikipedia.de:
    „Eine langlebige Fanfreundschaft bestand zu Teilen der Anhängerschaft des 1. FC Union Berlin. Sie entwickelte sich in den 1970er Jahren und beruhte auch auf gewissen Ähnlichkeiten beider Vereine.“ … „Beschrieben wird diese Gegenseitigkeit üblicherweise durch den Schlachtruf „Sympathie für Eisern und Chemie!“, bspw. zu lesen auf Zaunfahnen und Fanschals. Ein Programmheft des 1. FC Union erschien zu einem Spiel beider Kontrahenten sogar in beiden Vereinsfarben Grün-Weiß und Rot-Weiß auf der Titelseite.“ (Eintrag FC Sachsen Leipzig)

  5. @Alex: „Oder liegen einfach nur die Nerven blank und jede ungeprüfte Behauptung darf als Argument dienen?“

    Eine Behauptung, die sich zumindest mit Beobachtungen aktueller Chemiker deckt und auch auf Unionern fußt, denen bei Chemie vor allem Steinwürfe und Prügeleien aus den Achtzigern und Neunzigern unangenehm einfallen. Das Jugendspiel kannte ich nicht, war aber offenbar auch nicht wirklich eine Manifestation der Freundschaft, sondern von der Zuschauerzahl her einer Aufnahme für eine CD geschuldet. (Da verlasse ich mich aufs Internet.) Ansonsten mag es sein, dass es auf verschiedenen Ebenen Kontakte gab. Was sich ja auch anbietet bei zwei Vereinen, die sich nicht so unähnlich sind. Daraus zu basteln, dass man sich in den letzten 10, 20 Jahren in Berlin sonderlich für den Leutzscher Fußball interessiert hätte, wäre aber auch eine ganz schöne Überinterpretation..

  6. „Daraus zu basteln, dass man sich in den letzten 10, 20 Jahren in Berlin sonderlich für den Leutzscher Fußball interessiert hätte, wäre aber auch eine ganz schöne Überinterpretation..“
    Derart plumpe rhetorische Tricks braucht es nun wirklich nicht. „In Berlin“ suggeriert, dass sich die Menschen in einer Großstadt mit der Einwohnerzahl von Norwegen für den Leutzscher Fußball interessieren. Man muss ja nur den Bezugsrahmen groß genug fassen, damit eine Behauptung richtig wird. Ich nenne so etwas einen unsauberen Argumentationsstil.

    Auch habe ich nicht von einer Manifestation einer Freundschaft gesprochen. Ich habe noch nicht einmal von einer Freundschaft gesprochen. Warum so verzweifelt beim Versuch, durch Argumentehinbiegen die schlechte Recherche zu kaschieren? Aber wenn wir schon von dem Jugendspiel sprechen (ich aus eigenem Erleben): Bei dem Spiel waren auch 250 Unioner in Leutzsch. Ohne das besondere Verhältnis der beiden Vereine und persönliche Kontakte wären es weder über 1.000 Leutzscher noch so viele Unioner gewesen. Das Spiel und die Stimmung waren besonders. Besonders wie bei Spielen der ersten Mannschaften im Stadion abgespielte Vereinslieder der Gastmannschaft, Unterstützung in finanziellen Notlagen durch Fans, ein Programmheft in grün-weiß-rot … Ach was, Feuer frei für dein abwerterndes und von großer Ahnungslosigkeit zeugendes Vokabular wie „basteln“ und „Überinterpretation“.

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